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Sony Xperia 5 Test: tolles Kino-Display, enttäuschende Kamera

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Auf der IFA 2019 hat Sony eine kleinere Version des Xperia 1 vorgestellt: das Xperia 5. Das neue Modell verspricht Spitzentechnik im handlichen Format mit Kino-Display und schickem Design.

Sony stellt auf der IFA in Berlin traditionell ein Smartphone vor, in 2019 handelte es sich dabei um das Sony Xperia 5. Das ist trotz der höheren Nummer im Namen nicht größer als das Flaggschiff Sony Xperia 1 (Testbericht), sondern kleiner. Die Technik ist bis auf das geschrumpfte Display und den daran angepassten Akku weitestgehend identisch.

Design und Materialwahl kennen wir vom großen Bruder. Erneut kommt Gorilla Glas 6 als Werkstoff für Vorder- und Rückseite zum Einsatz, ein Metallrahmen hält die Glasflächen zusammen. Wie beim Xperia 1 setzt Sony entgegen vielen anderen Herstellern nicht auf stark gebogenes Glas, sondern verwendet gerades Material, das nur direkt an den Rändern leicht abgerundet ist. Dieses 2,5D-Glas verpasst dem Smartphone wie zuvor schon dem Xperia 1 ein kantiges, monolithisches Aussehen, das nicht mit Design-Spielereien, sondern mit seiner einfachen Formensprache überzeugt. Auffällig ist die Abwesenheit einer Notch. Dadurch wirkt das Smartphone mit leichter Denkerstirn noch länger, als es ohnehin wegen seines 21:9-Displays ist. Wegen der schmalen Bauform liegt das Smartphone aber sehr bequem in der Hand.

Fingerabdrucksensor im seitlichen Rahmen plus Powerbutton.

Der Rahmen unseres roten Testgerätes ist in Gehäusefarbe eloxiert und angenehm gerundet. Dadurch sieht er nicht nur hochwertig aus, sondern das Smartphone liegt zusätzlich gut in der Hand. Kanten spürt der Nutzer nicht, die Kunststoff-Antennenfugen sind perfekt in das Metall eingelassen. Gleiches gilt für den SIM-Schlitten und die Tasten, die zudem mit hervorragendem Druckpunkt und Tastenhub brillieren. Schade, dass Sony den rechts im Rahmen installierten Fingerabdrucksensor wegen Patent-Streitigkeiten nicht mehr gleichzeitig als Powerbutton verwenden darf. Der darum zusätzlich eingebaute Ein/Aus-Drücker wirkt etwas wie eine Notlösung.

Krasser Rot-Ton.

Die auffällige Farbe unseres Testmodells variiert je nach Lichteinfall von kräftigem Bordeaux-Rot zu einem leichten Lila-Stich. Auch wenn wir diese Farbe für den Alltag nicht unbedingt wählen würden, gefällt sie uns dennoch sehr gut. Das trifft auch auf das Xperia 5 allgemein zu – aktuell gehört das Smartphone sicherlich zu den hochwertigsten Geräten am Markt. Staub- und wasserdicht nach IP68 ist es außerdem.

Wie beim Sony Xperia 1 (Testbericht) setzt Sony auch beim neuen Xperia 5 auf OLED als Display-Technologie. Auch dem Seitenverhältnis des Panels bleibt der Hersteller treu, erneut verwendet er das ungewöhnliche Kinoformat 21:9. 2520 × 1080 Bildpunkte sorgen bei knapp 450 Pixel pro Zoll für knackscharfe Darstellung. Hinzu kommen eine DCI-P3-Farbraumabdeckung von 100 Prozent, HDR10, starke Kontraste, hervorragender Schwarzwert und eine für OLED ordentliche Helligkeit von 340 cd/m². Nicht ganz perfekt fanden wir die Blickwinkelstabilität – zumindest nicht für OLED. Grund ist ein leichter Wechsel der Farbtemperatur in einen kühleren Bereich, sobald der Nutzer nicht mehr direkt gerade auf den Screen schaut. Davon abgesehen ist die Ablesbarkeit aber sehr gut. Das konfigurierbare Always-on-Display ist im Alltag sehr hilfreich.

Die Kameras des Sony Xperia 5 übernimmt der japanische Hersteller vom Xperia 1. Hinten gibt es drei Hauptkameras mit jeweils 12 Megapixel für Normal- und Weitwinkel sowie Teleobjektiv, vorn eine Optik mit 8 Megapixel. Normal- und Telelinse werden optisch und elektronisch stabilisiert, die Weitwinkeloptik setzt auf die sogenannte SteadyShot-Funktion, bei der im Intelligent Active Mode fünf Achsen beruhigt werden. Das ist freilich Marketing-Blabla. Gemeint ist ebenfalls ein optischer Bildstabilisator, und der macht seine Arbeit ziemlich gut. Die Hauptlinse bietet eine Blende von f/1.6 und verspricht damit gute Qualität auch in dunkler Umgebung, die beiden anderen Optiken verwenden nur eine Blende von f/2.4. Auch bei der Pixel-Größe gibt es Unterschiede: Die Hauptlinse bildet Motive auf dem Exmor-RS-Sensor mit 1,4 µm großen Pixel ab, die beiden anderen Linsen verlassen sich auf 1 µm große Pixel.

Die Kamera verspricht viel, hält aber nicht alles davon.

Schöne Zahlen, leider kommt davon in der Wirklichkeit zu wenig an. Die Aufnahmen der Hauptlinse wirken selbst bei hellem Tageslicht erstaunlich wenig scharf. Nicht schlecht, aber nicht gut genug für ein Topprodukt. Fotos mit der optischen 2-fach-Vergrößerung sind klar schärfer. Sie sind dafür heller und die Bilddynamik, die auch bei der Hauptkamera nicht voll überzeugt, enttäuscht mit ausbrennenden Bildbereichen. Weitwinkelaufnahmen sind dafür klar zu dunkel, insgesamt stört hier die Abweichung im Vergleich zur Hauptlinse stark. Bildrauschen ist genrell kein Problem.

Einen speziellen Nachtmodus gibt es nicht, dafür knipst das Xperia 5 bei möglichst ruhiger Hand auch im Automatikmodus gute Aufnahmen. Zumindest, wenn man Bilder mag, die in puncto Helligkeit tatsächlich in etwa das zeigen, was das menschliche Auge auch sehen kann. Denn während fast alle anderen Smartphones Nachtaufnahmen stark aufhellen und so mehr zeigen, als der Mensch hätte sehen können, lässt Sony diese Extra-Aufhellung weg. Zusammen mit dem guten automatischen Weißabgleich ergibt das sehr natürliche Aufnahmen. Die Frontkamera knipst ordentliche Bilder, die Portraitfunktion sollte man nicht überstrapazieren – im Vergleich zu anderen Herstellern schleichen sich schnell deutliche Bildfehler ein.

Videos lassen sich in 4K aufnehmen und sehen dann ordentlich aus, auch wenn manches Konkurrenzprodukt noch bessere Aufnahmen produziert. Das gilt gleichermaßen für Bildstabilisierung und Bilddynamik. Ein Highlight ist die Software Cinema Pro. Sie erlaubt Zugriff auf mehrere vorgefertigte Colorgrading-Presets, manuellen Zugriff auf ISO, Weißabgleich, Verschlusszeit und Fokus – für letzteren lassen sich sogar Markierungen zur Fokusverlagerung setzen, sodass Scharfziehen in fest definierten Szenen mit einem Klick zum Kinderspiel wird. Selbst die Zeit, die das Smartphone dann für den Wechsel der Schärfeebene braucht, lässt sich von 0,1 bis 3 Sekunden bestimmen. Die meisten Nutzer werden Cinema Pro aber wohl kaum verwenden.

Nicht nur die Kamera, auch die restliche Hardware wurde offensichtlich vom Sony Xperia 1 (Testbericht) übernommen. Als Prozessor dient ein Snapdragon 855 von Qualcomm, der zusammen mit 6 GByte RAM schnelle und direkte Bedienung ermöglicht. Der noch neuere und noch schnellere Snapdragon 855+ wäre zwar nett gewesen, die Power des „normalen“ 855 reicht aber auch so in allen Lebenslagen vom Webbrowsen bis hin zu anfordernden 3D-Spielen. Die können im 128 GByte großen internen Speicher abgelegt werden, zusätzlich schluckt das Xperia 5 auch microSDs mit bis zu 512 GByte. Dann müssen Nutzer allerdings auf eine zweite SIM-Karte verzichten, das Smartphone nimmt entweder zwei SIMs oder eine SIM und eine microSD auf.

Guter (Stereo)Lautsprecher im schicken Rahmen.

An sonstiger Technik bietet das Xperia 5 fast alles, was Nutzer sich wünschen könnten – nur 5G fehlt. Zwar ist das heute in Deutschland noch nicht relevant und ein flächendeckender Ausbau wird wohl auch noch einige Jahre auf sich warten lassen, Enthusiasten könnten sich daran aber dennoch stören. Dafür gibt es einen schnellen USB-C-3.1-Anschluss, Bluetooth 5.0, NFC, A-GPS mit Glonass-Unterstützung und schnelles LTE. Der Stereolautsprecher liefert lauten, klaren und mit einem Hauch von Tiefton versehenen Klang ab. Über das im Lieferumfang enthaltenen In-Ear-Headset klingt das natürlich noch einmal deutlich besser, hier kommen Nutzer außerdem in den Genuss von Dolby Atmos. Der seitlich im Rahmen angebrachte Fingerabdrucksensor funktionierte im Test tadellos und schnell.

Bei der Software setzt Sony überraschend noch auf Android 9, ein Update auf Android 10 soll aber schnell folgen. Einige zusätzliche Apps installiert Sony vor, darunter die 3D-Scanner-App 3D Creator, die AR-App AR Effekte, einen Fortnite-Installer und die Playstation-App. Eine weitere Besonderheit ist Side Sense. Dabei darf der Nutzer bestimmte Funktionen über Streich- und Berührfunktionen auf dem Rahmen des Smartphones durchführen. Ein Beispiel: Um auf dem langgestreckten 21:9-Display die Multi-Fenster-Funktion zu nutzen, müssen Nutzer nur über den Rand streichen, um eine Auswahl an passenden Apps zu öffnen.

Im Vergleich zum weitgehend identischen Sony Xperia 1 (Testbericht) ist der Akku von 3300 auf 3140 mAh geschrumpft. Da aber auch das Display, das gemeinhin als einer der größten Stromfresser bei einem Smartphone gilt, ebenfalls kleiner ist und „nur“ FHD+-Auflösung auffährt, fällt das nicht weiter auf. Im Gegenteil: Im Battery Test von PCmark schaffte das Smartphone 10:48 Stunden – ein zwar nicht außergewöhnlich hoher, aber durchaus akzeptabler Wert. Im Test bestätigte sich die Angabe von PCmark, zwei Tage Laufzeit bei normaler Nutzung erwiesen sich als gut machbar. Etwas schade: Trotz der Glas-Rückseite ist kabelloses Laden nicht integriert.

Zum Testzeitpunkt war das Sony Xperia 5 für knapp 800 Euro vorbestellbar, die Auslieferung an Kunden soll Anfang Oktober erfolgen. In Deutschland sind die Farben Schwarz, Rot, Blau und Grau verfügbar.

Sony Xperia 5 Dual-SIM schwarz

Sony Xperia 5 Schwarz

Sony Xperia 5 Dual-SIM rot

Sony Xperia 5 Rot

Sony Xperia 5 Dual-SIM grau

Sony Xperia 5 Grau

Sony Xperia 5 Dual-SIM blau

Sony Xperia 5 Blau

Schickes Design, tolle Verarbeitung, Rechenpower ohne Ende und ein tolles OLED-Display im Format 21:9 – das sind die Highlights des Sony Xperia 5. Der Akku ist auch ordentlich, gleiches gilt für Lautsprecher und sonstige Technik. Etwas enttäuschend fanden wir die Kamera, vor allem die Hauptlinse, die bei unserem Testgerät deutlich Schärfe vermissen ließ. Wer damit leben kann, darf gern zum guten Gesamtpaket namens Xperia 5 greifen.

Das Problem: Die angebotene Technik gibt es im Xiaomi Mi 9 (Testbericht) zum deutlich niedrigeren Preis, im Xiaomi Mi 9T Pro (Testbericht) kommt sogar noch eine pfiffige Popup-Frontkamera hinzu. In beiden Modellen ist die Hauptkamera zudem klar besser. Bleibt nur das außergewöhnliche Display-Format. Das mag für Kinofilme toll sein und auch sonst hat das Xperia 5 in puncto Multimedia einiges zu bieten. Doch das reicht nicht, um gegen die starke Konkurrenz zu bestehen. Das Huawei P30 Pro (Testbericht) kostet mit gleicher Speicherausstattung derzeit über 150 Euro weniger, bietet aber gerade bei der Kamera wesentlich mehr. Das Samsung Galaxy Note 10 (Testbericht) mit doppelt so großem Speicher, zusätzlicher Stiftbedienung und toller Videoqualität ist derzeit gut 40 Euro billiger und ein Nokia 9 (Testbericht), das beim Thema Design und Wertigkeit mit dem Xperia 5 mithalten kann, gibt es sogar schon für fast 300 Euro weniger.

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