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Sony WH-1000XM4 im Test: Der neue ANC-Testsieger

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Kann man hervorragende Leistung noch toppen? Sony meint ja und hat seinem ANC-Flaggschiff ein Update spendiert. TechStage zeigt im Test, wie gut das klingt.

Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung gehören mittlerweile zum Standardportfolio der meisten Audio-Hersteller. Günstige Modelle sind bereits für weniger als 80 Euro erhältlich. Was von deren Leistung zu erwarten ist, zeigt unser Ratgeber: ANC-Kopfhörer unter 100 Euro. Die Markengeräte der Highend-Klasse sind allerdings deutlich teurer. Wer sich einen schnellen Überblick über die Top-Modelle verschaffen möchte, sollte sich unseren Artikel Testsieger: Diese Kopfhörer sind die Besten ihrer Klasse ansehen.

Kauft man einen Kopfhörer vor allem wegen des Designs, wegen dem guten Sitz und möglichst viel Komfort, dann ist der Sony WH-1000XM4 eine sichere Bank. Allerdings haben die Besitzer des Vorgängers WH-1000XM3 (Testbericht) keinen Grund für einen Wechsel. Bauform, Verarbeitung, ja selbst die Bedienelemente wirken auf den ersten Blick sehr vertraut. Aber warum sollte Sony auch etwas verändern? Schließlich hat das japanische Unternehmen mit ihrem ANC-Flaggschiff eine Designsprache gefunden, die kaum verbesserungswürdig ist. Für alle, die den WH-1000XM4 nicht in der Hand oder auf dem Kopf hatten, hier ein paar Details: Der Kopfhörer wiegt nur 261 Gramm, die auf dem Kopf selbst bei langer Tragezeit kaum zu spüren sind. Die mit Kunstleder überzogenen Polster mit Memoryschaum und der weiche Bügel sorgen für einen bequemen Sitz. Die ovalen Ohrhörer passen selbst über große Ohren, obwohl sie recht klein wirken. Dank der beiden flexiblen Scharniere lassen sich die Ohrhörer um 90 Grad nach hinten drehen, was zum Beispiel für Hobby-DJs ein nettes Feature ist. Zudem lässt sich der Kopfhörer recht klein zusammenklappen – wodurch die zum Lieferumfang gehörende Tragetasche nicht viel Platz einnimmt. Der verwendete Kunststoff ist leicht mattiert, was leider bei starker Nutzung schnell unansehnlich aussehen kann.

Die Custom-Taste dürfte gerne noch individueller belegt werden können.

An der hinteren linken Kante befinden sich von unten der Klinkeneingang zur Nutzung per Kabel, der Powerbutton, der gleichzeitig zum Bluetooth-Pairing genutzt wird und die Custom-Taste, deren Funktion per App verändert werden kann. Letzteres klingt zwar gut, bedeutet aber lediglich, dass sich festlegen lässt, ob ein Druck darauf die Steuerung der Umgebungsgeräusche aktiviert oder ob ein Sprachassistent (Google Assistant oder Amazon Alexa) genutzt werden soll. Am rechten Ohrhörer befindet sich an der unteren Kante der USB-C-Anschluss zum Aufladen des Akkus und an der Rückseite das Touchfeld für die generelle Bedienung des Kopfhörers. Ein Doppeltipp startet oder stoppt die Musik, ein sanfter Wisch nach oben oder unten reguliert die Lautstärke, mit einem Wisch noch vorn oder hinten wird der nächste oder vorige Track ausgewählt. Die Fläche reagiert sehr präzise, selbst mit einem Handschuh klappt die Bedienung problemlos. Sony geht damit andere Wege als zum Beispiel JBL, bei dem der Club 950 NC (Testbericht) für fast jede Funktion eigene Tasten eingebaut hat. Eine Touchbedienung gefällt vielleicht nicht jedem, doch Sony macht es einem leicht, dass man Tasten nicht mehr vermisst. Mehr noch: Die Bedienung geht so schnell in Fleisch und Blut über, dass man plötzlich Tasten fast wie einen Anachronismus wahrnimmt.

Wichtiger aber als Äußerlichkeiten sind innere Werte. Sensoren erkennen beim WH-1000XM4, wenn er vom Kopf genommen wird, wodurch die Musik unterbrochen wird, falls dies per App festgelegt wurde. Darüber sind mehrere Mikrofone und Geräuschsensoren verbaut, die Umgebungsgeräusche erkennen – aber dazu später mehr.

Die hochwertige Verarbeitung ist vorbildlich.

Es war eine gute Entscheidung von Sony, das Design kaum zu verändern. Schon der Vorgänger überzeugte durch sehr gute Verarbeitung der hochwertigen Materialen. Man könnte bemängeln, dass viel Kunststoff eingesetzt wird, andererseits ist der Kopfhörer dadurch sehr leicht. Die Bedienung geht leicht von der Hand und der Komfort ist groß. Für Besitzer des Vorgängers ist es wie ein Nachhause kommen, Neukäufer fühlen sich schnell heimisch. Wer lieber einen robustes Design mag, ist wahrscheinlich mit dem Momentum 3 von Sennheiser (Testbericht) besser bedient, wer allerdings zeitlose Eleganz bevorzugt, muss nicht weitersuchen.

Bild: Sony Der Sony WH-1000XM4 ist in Schwarz und Silber erhältlich.

Den WH-1000XM4 gibt es in Silber und Schwarz. In der Verpackung ist neben dem Case auch ein Adapter für Flugzeugaudio, ein 1,2 Meter langes Klinkenkabel mit vergoldeten Steckern und ein 20 Zentimeter kurzes USB-C-Ladekabel enthalten.

Wie es nun einmal so ist, wenn man ein Hightech-Gerät von Sony in den Händen hält: Ohne die App Headphones Connect läuft fast nichts. Natürlich kann man den WH-1000XM4 auch ohne App nutzen, aber gerade bei der Belegung und Nutzung bestimmter Funktionen ist es zumindest fürs Setup sinnvoll, die Anwendung zu installieren. Das wichtigste Feature ist sicherlich die Steuerung der adaptiven Geräuschunterdrückung. Der Kopfhörer kann beispielsweise automatisch die optimale Einstellung für Orte oder Aktionen aktivieren. Auch die bevorzugte Stärke der Geräuschunterdrückung lässt sich per App regulieren. Das ist zwar recht einfach festzulegen, hier wäre es aber besser gewesen, zusätzlich die Custom-Taste des Kopfhörers dafür nutzen zu können.

Ganz interessant ist die Möglichkeit, die Rauschunterdrückung mittels eines Optimierers automatisch auf den Nutzer abzustimmen. Darüber gibt es einen Equalizer und ein paar Einstellungen zur Soundqualität. Auch die Sprache der Ansagen lässt sich anpassen – inklusive leichtem Sprachfehler, wenn die deutsche Stimme Bluetooth sagt. Das von Sony propagierte 360 Reality Audio, bei dem der Sound ein immersives Erlebnis bieten soll, lässt sich ebenfalls mit der App nutzen. Allerdings besteht noch immer ein Mangel an entsprechenden Inhalten, daher ist die auf dem Papier spannende Funktion in der Praxis noch zu vernachlässigen. Spannend wird dies irgendwann bei Games oder Filmen mit Surround-Sound, sofern die Bluetooth-Protokolle dann mit dem Mehr an Daten vernünftig und ohne Verzögerung umgehen können.

Tatsächlich gelingt es Sony aber, Companion-Apps immer besser zu programmieren – auch wenn die User Experience aufgrund der Funktionsfülle nicht optimal ist. Im Alltag benötigt man die App kaum, wenn man einmal alles nach seinen Wünschen eingestellt hat.

Dem WH-1000XM4 stehen die Codecs SBC, AAC und LDAC zur Verfügung. Ersterer ist quasi der kleineste gemeinsame Nenner aller Musikspieler, also der Standardcodec. AAC ist hauptsächlich bei der Hardware von Apple integriert und LDAC ist der hauseigene Codec von Sony und nur bei wenigen anderen Anbietern an Bord. AptX oder gar AptX HD sind nicht an Bord. Man könnte nun denken, dass sich dies negativ auf den Sound auswirkt, wenn man keine Sony-Player nutzt. Weit gefehlt. Wir haben beim Test alle Equalizer-Spielereien deaktiviert, um den Sound so pur wie möglich ans Ohr zu lassen. Aber gehen wir mit unserer Test-Playlist einfach mal ins Detail – und beginnen mit ein bisschen Bass.

Thinking Of von Tricky beginnt mit einem kurzem und satten Doppelschlag auf die Basstrommel. Schon da wird klar, wie fein, warm und weich ein Bass klingen kann – wenn der Kopfhörer stimmt. Die sanfte Stimme von Marta legt sich leicht darüber, ein Synthie, bisschen Drums – Soundminimalismus in Perfektion. Genug Raum für den WH-1000XM4, um ordentlich mit den Muskeln zu spielen. Alle Instrumente sind optimal voneinander zu unterscheiden, nichts drängt sich ungewollt in den Vordergrund. Der Bass ist voll und dominant, ohne dass sich der Rest des musikalischen Fests unterordnen muss. Die Höhen sind fein und geben dem Klang eine Luftigkeit, die Mitten sind wie ein Schuh, der dem Fuß perfekten Halt gibt, ohne Druckstellen zu hinterlassen.

Bild: Sony Für den Transport kommt der Kopfhörer in die kompakte Tasche.

Diese Leichtigkeit wird bei Mama von Helge Schneider noch viel deutlicher. Dieses Liebeslied an die Mutter schwebt leicht umher, die Stimme des Musik-Komödianten ist leicht hinter dem Kopf verortet. So wirkt das ganz, als würde man in der Hotelbar sitzen, während hinter dem Rücken die Hausband spielt. Und tatsächlich klingt es genauso warm und nah dran. Der Gesang, wenn man ihn denn so nennen mag, grenzt sich deutlich genug von den Instrumenten ab, ohne sich zu verlieren. Eine runde Sache, Höhen und Mitten machen einen sehr guten Job, den Bass hat hier mal größtenteils Pause.

Weiter geht es mit mehr älteren Herren: The Vanishing Of Peter Strong von Yello bringt den Sound der 80er und 90er Jahre im neuen Gewand zurück. Aber auch wenn darin wenig neue Ideen vertont wurden, der Klang ist ein wahres Geschenk für den WH-1000XM4, denn hier dürfen die Treiber mal zeigen, was sie können. Ein wabernder Bass-Teppich breitet sich aus, ein paar elektronische Drum-Sounds zischen in den Höhen, ein Synthie-Sound der an eine singende Säge erinnert flirrt im Hintergrund. Und dann legt sich die sonore Stimme von Dieter Meier fast flüsternd über den Klang-Mischmasch. Die Bässe sind satt, die Mitten ausdruckstark, die Höhen geben die nötige Kontur. So klingt Exzellenz.

Zum Abschluss noch Musik von einer Stadion-Band. Mit Blowback haben The Killers wieder einmal einen dieser Songs geschrieben, die auf jedem Festival laut mitgesungen werden. Der Anfang klingt wie eine Synthi-Hommage an den Soundtrack von Die Klapperschlange. Die rauchige Stimme von Brandon Flowers setzt ein, der Sound ist perfekt abgestimmt. Dann klopfen die 2000er an, es wird poppig. Die Band hat einfach mal alle Instrumente reingedengelt, die die Musiker spielen können. Es wird akustisch voll, vielleicht sogar zu voll. Doch trotzdem schafft es der WH-1000XM4 durch diesen Wust durchzubeißen. Selbst die leise in den Hintergrund verlagerten Chor-Stimmen sind gut herauszuhören. Hier sind vor allem die Mitten in höchsten Tönen zu loben.

Klanglich kann der WH-1000XM4 voll überzeugen.

Die hervorragende Leistung beim Sound setzt sich auch bei der Unterdrückung von Geräuschen fort. Wie schon der Vorgänger überzeugt auch der WH-1000XM4 in dieser Disziplin. Der Lärm vorbeifahrender Autos wird auf ein Minimum reduziert, Wellengeräusche am Strand sind nur noch ein fernes Rauschen. Das geht sogar so weit, dass beim Schreiben dieses Textes die eigenen Tippgeräusche kaum zu hören sind. Und soll doch etwas von der Umgebung ans Ohr kommen, ist dieses auch per App variabel einstellbar. Oder man verlässt sich einfach auf die Automatik, die mit dem Smartphone-GPS erkennt, wo man sich gerade befindet. Ist man im Büro oder auf dem Bahnsteig, wird die gewünschte Einstellung automatisch aktiviert. ANC ist beim WH-1000XM4 hervorragend, allerdings konnte bereits der Vorgänger WH-1000XM3 (Testbericht) in dieser Disziplin überzeugen. Darüber hinaus reichen von unseren bisher getesteten Modellen nur die Bose-Kopfhörer NC 700 (Testbericht) und Quietcomfort 35 II (Testbericht) an diese Leistung heran.

Wer sich den Kopfhörer fürs Home-Office oder zum Telefonieren kaufen möchte, wird die Investition nicht bereuen. Der eigene Sound wird durch die Vielzahl an Mikrofonen optimal erfasst, gleichzeitig werden störende Geräusche ausgeblendet, wodurch der Gesprächspartner den bestmöglichen Sound erhält.

Der Sony-Kopfhörer ist zudem ein guter Begleiter bei Filmen und bei einfachen Spielen. In einem normalen Setup wird der Ton kabellos annähernd synchron übertragen. Anders sieht es aus, wenn der Kopfhörer für Teamspeak eingesetzt werden soll. Das ist wegen der nur eingeschränkten Bluetooth-Protokolle nicht zu empfehlen, hier sind dedizierte Gaming-Headsets besser geeignet.

Laut Sony hält der nicht wechselbare Akku – abhängig von der gewählten Lautstärke – bis zu 30 Stunden durch. Im Test erreichten wir diese Zeit durch den Einsatz von ANC nicht ganz. Wir halten 24 Stunden für eine realistischere und lebensnähere Angabe. Das ist inzwischen eher gutes Mittelfeld, sollte aber im Alltag dennoch ausreichen. Ist der Akku leer, sorgen bereits zehn Minuten am Strom für bis zu fünf weitere Stunden Musikgenuss.

Der UVP des liegt bei 379 Euro. Damit spielt der Kopfhörer auch preislich in der oberen ANC-Liga. Das mag bei der Qualität sicher gerechtfertigt sein. Doch wer weniger Geld investieren will, wird möglicherweise mit dem mittlerweile deutlich günstigeren Vorgängermodell glücklich.

Sony kann mit dem neuen ANC-Flaggschiff WH-1000XM4 voll überzeugen. Das Design ist elegant-schlicht, die Verarbeitung hervorragend und der Komfort groß. Beim Sound gibt sich der Kopfhörer keine Blöße, mehr noch: Im Vergleich zum sehr guten Vorgänger wurde sogar noch kleine Schippe draufgelegt. Die starken Bässe sind warm und voll, ohne zu dominieren. Die Mitten binden den Sound vortrefflich zusammen und geben dem Klangerlebnis viel Raum zur Entfaltung. Die Höhen bringen Kontur in den Sound und sorgen für Klarheit, ohne dabei zu klinisch zu wirken. Mit dem hervorragendem ANC lassen sich unterschiedliche Umgebungsgeräusche zwar nicht komplett, aber doch sehr gut ausblenden.

Die Bedienung ist dank der nicht zu sensiblen Touchoberfläche und den wenigen Tasten einfach. Wir hätten uns lediglich mehr Möglichkeiten gewünscht, die Custom-Taste mit eigenen Befehlen zu versehen. Die App bietet eine üppige Funktionsfülle, allerdings werden viele Features wahrscheinlich höchstens einmal beim erstmaligen Setup genutzt.

Lohnt der Kauf? Bereits der Vorgänger WH-1000XM3 (Testbericht) konnte uns überzeugen – und kann es noch. Für Besitzer des älteren Modells ist ein Update nicht zwingend notwendig. Neukäufern wiederum bietet sich dank des gefallenen Preises die Möglichkeit, Geld zu sparen, ohne große Abstriche bei der Gesamtqualität machen zu müssen. Auch für Gamer ist der Sony-Bolide nicht das optimale Sound-Accessoire. Für alle anderen gilt: Wer einen leichten Bluetooth-Kopfhörer mit einem sehr erfreulichen Klang und sehr guter ANC-Fähigkeit sucht, wird mit dem WH-1000XM4 ganz sicher glücklich werden und damit einen tollen akustischen Freund für die nächsten Jahre bekommen.

Übrigens: Alle Testtracks sind auf der Spotify-Playlist „In the name of the review“ zu finden.

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