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Sony Playstation Classic im Test: Retrokonsole mit Fehlern

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Tekken, GTA und Metal Gear Solid – die schicke Retrokonsole Sony Playstation Classic weckt sofort nostalgische Gefühle. Warum sie trotzdem nicht mit dem SNES Mini Classic mithalten kann, zeigt der Test.

Wow, ist die klein! Das ist der erste Gedanke beim Anblick der neuen Playstation Classic. Bei genauer Betrachtung gefallen sowohl die detailverliebte Optik, als auch die gute Verarbeitung der Konsole. Das Design ist dem Original nahezu perfekt nachempfunden. Was uns gefällt, sind die Details. Die Stecker der Controller verfügen beispielsweise über eine Kunststoffblende, um den modernen USB-Stecker zu verstecken.

Im Vergleich ist die Classic-Variante allerdings viel kleiner als das Vorbild aus dem Jahr 1994. Die Abmessungen sind nur etwas größer als ein 6-Zoll-Smartphone und betragen 33 × 149 × 105 mm bei einem Gewicht von 163 g. Zum Vergleich: Die Ur-Playstation misst 60 × 270 × 188 mm.

Die Playstation Classic neben einem 6-Zoll-Smartphone.

Die Anschlüsse entsprechen natürlich nicht der originalen Playstation. Die Classic-Variante setzt auf USB-Ports für die Controller, einen Micro-USB-Slot zur Stromversorgung und eine HDMI-Schnittstelle für den Anschluss an TV, Monitor, Beamer und Co. Ein für den Betrieb notwendiges USB-Netzteil gehört nicht zum Lieferumfang.

So sieht der Lieferumfang der Retrokonsole aus.

Auf der Playstation classic sind insgesamt 20 Spiele installiert. Die Auswahl der Spieltitel ist Geschmackssache, aber die Mischung ist aus unserer Sicht gelungen.

Zu den bekanntesten Titeln gehören Battle Arena Toshiden, Cool Boarders 2, Destruction Derby, Final Fantasy 7, GTA, Metal Gear Solid, Rayman, Resident Evil, Ridge Racer Typ 4, Tom Clancy’s Rainbow Six, Twisted Metal und Tekken 3. Etwas weniger bekannt sind die Spiele Intelligent Qube, Juping Flash, Mr Driller, Abe’s Oddysee, Revelations: Persona, Super Puzzle Fighter 2, Syphon Filter und Wild Arms.

Um die alten Spiele zum Leben zu erwecken, setzt Sony auf den Open-Souce-Emulator PCSX ReARMed. Dieser funktioniert insgesamt gut, trotzdem kommt es zu gelegentlichen Sound- und Grafikfehlern. Das ist zwar nicht dramatisch, sollte bei einer kommerziellen Retrokonsole trotzdem nicht sein.

Die Einstellungsmöglichkeiten des Emulators sind ab Werk stark begrenzt. Neben der Sprache kann der Nutzer lediglich eine Energiesparfunktion und einen Bildschirmschoner aktivieren. Sonstige Veränderungen am System sind von Sony nicht angedacht. Ein enormer Vorteil des Emulators ist die Möglichkeit, Spielstände zu sichern – auch bei Titeln, bei denen dies bei der originalen Playstation nicht möglich war. Gerade bei Metal Gear Solid oder Final Fantasy 7 ist dies durchaus praktisch.

Bei der Auswahl der Spiele setzt Sony sowohl auf NTSC- als auch PAL-Versionen. Das ist problematisch, denn durch die unterschiedlichen Bildwiederholungsraten laufen einige der Spiele nicht in der originalen Geschwindigkeit. Gelegenheitszockern wird das nicht auffallen, für echte Hardcore-Fans ist das ärgerlich.

Die Spiele sind ansonsten unverändert und kommen in der 1994 modernen Klötzchen-Grafik daher. Sony verzichtet komplett auf Kantenglättung und Upscaling – auf großen Monitoren oder beim Zocken per Beamer sieht das Bild entsprechend mäßig aus.

Das Ergänzen eigener Spieletitel ist nicht vorgesehen. Für Diejenigen, die ihren persönlichen Lieblingstitel vermissen, gibt es allerdings Hoffnung. Im Internet kursieren erste Meldungen, wonach dies mit einigen Kniffen möglich ist. Das Erreichen des versteckten Emulator-Menüs scheint dabei noch relativ einfach zu sein. Nach dem Start eines Games, muss der Nutzer dafür lediglich eine USB-Taststatur anschließen und die Escape-Taste drücken. Wer in dieses Menü gelangt, kann dort beispielsweise die Framerate der Spiele anpassen. Das ist perfekt, um die zu langsam laufenden Spiele in der originalen Geschwindigkeit wiederzugeben. Der Kniff funktioniert allerdings nicht mit allen Tastaturen – unser Test bestätigt das. Mit verschiedenen, von uns getesteten Tastaturen, hat der Trick nicht funktioniert.

Wir bleiben an dem Thema dran und berichten, sobald die Installation zusätzlicher Spiele zuverlässig funktioniert. Wer nicht so lange warten will, kann alternativ auf eine Selbstbau-Retrokonsole (Anleitung) oder einen SNES Mini Classic (Testbericht) zurückgreifen. Zwar ist es mit Nintendos Konsole ebenfalls nur per Trick möglich, andere Titel zu installieren, doch das scheint auch mit alten Playstation-Games zu funktionieren. Wer seine Playstation-Klassiker auf dem SNES Mini Classic zockt, muss zwar auf die originalen Controller verzichten, dafür punktet Nintendos Konsole mit ordentlicher Kantenglättung und somit besserer Grafik.

Die Playstation Classic ist direkt bei Sony auch im Paket mit verschiedenen Merchandising-Produkten erhältlich. Einen Lieferengpass, wie beim Erscheinen des Nintendo SNES Mini Classic ist nicht zu erwarten.

Der Test der Playstation Classic hinterlässt gemischte Gefühle. Einen Pluspunkt gibt es definitiv für die gelungene Hardwareumsetzung. Das optische Erscheinungsbild und die Verarbeitungsqualität sind super.

Die Auswahl der Spieletitel ist klar eine Geschmackssache, insgesamt sind zumindest einige der wichtigsten Klassiker vorhanden. Warum Sony keinerlei Möglichkeit bietet, zusätzliche Games zu installieren, verstehen wir nicht. Die Tatsache, dass sporadisch Fehler auftauchen und die Spielgeschwindigkeit nicht immer originalgetreu ist, enttäuscht. Wenn Sony schon auf Open-Source setzt, sollten deren Möglichkeiten auch voll ausgeschöpft werden. Dies ist nicht der Fall. Die Umsetzung der Software erscheint lieblos und unmotiviert. Dieses Problem erinnert an den Klon des SNES Mini Classic (Testbericht). Im Hinblick auf die lange Einwicklungszeit ist dies sehr enttäuschend.

Wer seine lange vermissten Lieblingstitel auf der Playstation Classic wiederfindet, kann bedenkenlos zuschlagen. Abgesehen von den kleinen Grafik- und Soundfehlern, funktioniert die Konsole gut und sieht zudem klasse aus.

Wer auf authentisches Spiele-Feeling mit aufgemotzter Grafik oder einen Spiele-Downloadshop gehofft hatte, wird enttäuscht. In diesem Fall hilft nur Abwarten und darauf hoffen, dass Hacker eine vernünftig reproduzierbare Möglichkeit finden, eigene ROMs zu installieren.

Wer nicht warten möchte, sollte sich alternativ mit dem Nintendo SNES Mini Classic (Testbericht) und Retrokonsolen auf Raspberry-Basis (Anleitung) auseinandersetzen.

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