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Smartwatch P9820: außen Porsche Design, innen Huawei

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Die Porsche Design P9820 ist eine Smartwatch mit Wear OS by Google. Sie hat GPS und Herzfrequenzsensor, das Styling ist angelehnt an den Stuttgarter Autobauer. Reichen Namen und Optik, um den hohen Preis zu rechtfertigen?

Porsche Design ist in der Szene eine hoch geschätzte Luxusmarke. Entsprechend hoch ist auch die Erwartungshaltung, selbst wenn es um die Verpackung und deren Aussehen geht. Leider kommt die Uhr in einer simplen Box zum Kunden; von Pracht und Überfluss keine Spur. Sogar das Material der schwarz-braunen Verpackung ist einfache Pappe. Eine höherwertige Aufmachung, wie beispielsweise bei TAG Heuer mit der Connected Modular 45 (Testbericht), wäre in Anbracht des Preises eher angebracht.

Porsche Design P9820: Verpackung
Die Verpackung der Porsche Design P9820 ist gewöhnlich.

Im Lieferumfang befinden sich die eigentliche P9820, ein Schnellladegerät von Huawei sowie eine Ladestation aus Kunststoff, deren Qualität zu wünschen übrig lässt. Darüber hinaus gibt es Kurzanleitungen in verschiedenen Sprachen sowie Hinweise zur Herstellergarantie und Gewährleistung der unterschiedlichen Vertriebskanälen.

Auch beim mitgelieferten Zubehör hebt sich die Porsche-Design-Uhr nicht von der baugleichen Huawei Watch 2 (Testbericht) ab. Auf allen Beigaben ist das Logo des chinesischen Technologiekonzerns abgedruckt.

Porsche Design P9820: Lieferumfang

Schnell wie ein 911er ist zumindest das Ladegerät: Dass Porsche Design ein Netzgerät mit schneller Ladetechnik dazu legt, ist außergewöhnlich bei Smartwatches. Schon nach 47 Minuten erreicht der Akku der Uhr im Test die 100-Prozent-Marke. Das Aufladen des kleinen Energieträgers mit 420 mAh läuft in schonender Weise in drei unterschiedlichen Spannungen und Stromstärken, von extrem flott zu schonend, je nach Ladezustand.

Beim der P9820-Smartwatch kommen diverse Materialien zum Einsatz: Metall, Glas und Kunststoff. Auf kratzfestes Saphirkristall als Schutz für das Display verzichtet der Hersteller allerdings, im Gegensatz etwa zu Apple bei manchen Ausführungen seiner Watch.

Porsche Design P9820: Design

Das Gehäuse der smarten Uhr erinnert an eine analoge Sportuhr für Herren. Die nicht bewegliche Lünette um das runde Display hat keine funktionale Eigenschaft, sie ist nur der Optik dienlich. Statt Stunden, Minuten oder Sekunden sind Entfernungen in km zur Ermittlung von Geschwindigkeiten eingeprägt, es soll also an einen Tachymeter erinnern.

Die Porsche Design P9820 lässt sich über mehrere Eingabemöglichkeiten bedienen. Neben der Berührung des Displays und der Sprachsteuerung mit „Ok, Google“, hat sie noch zwei physische Tasten auf der rechten Seite. Der obere Knopf startet das Menü in ein spiralförmiges Layout, während sich der untere Button vom Nutzer frei belegen lässt, zum Beispiel mit der vorinstallierten Runtastic-App zum Joggen.

Porsche Design P9820: Lünette

Die P9820 ist IP68-zertifiziert und damit staub- und wasserdicht. Zeitweiliges Untertauchen im Süß- und Klarwasser machen der Uhr genauso wenig aus wie starker Regen oder Wasserdampf im Bad. Vorsicht ist bei Salzwasse geboten: Sofern nicht nachgespült, führt es zu Korrosionen an der Metallfläche im unteren Bereich der Smartwatch.

Porsche Design macht selbst keine Angaben zur Größe. Vermutlich, weil sie mit einer Bauhöhe von 13,96 mm nicht gerade attraktiv am Armgelenk ausschaut. Das Gewicht ist mit 70 g angegeben. Unsere geeichten Waagen zeigen 63,7 mit und 46,6 g ohne Armband an. In vielen Fällen sagt das Gewicht einer Armbanduhr etwas über die Wertigkeit aus. Bei der sportlichen Herrenuhr P9820 ist es zufriedenstellend, könnte jedoch mehr drauf haben.

Porsche Design P9820: Lünette

Die Smartwatch ist ab Werk mit einem Armband von Porsche Design ausgerüstet. Die Macher der P9820 verzichten auf eigene Konstrukte und greifen zum offenen 22-mm-Standard. Vorteil: Man ist nicht an die teueren Armbänder aus dem eigenen Ökosystem gebunden (Hallo, Apple) und kann eigene oder erschwingliche Drittanbieter-Produkte mit der Uhr verbinden.

Das mitgegebene Armband nennt sich Hybrid, vermutlich wegen der unterschiedlichen Materialien: innen ist es aus weichem und hypoallergenem Kautschuk im geriffelten Design und außen aus Leder mit roter Naht. Schick sieht’s aus, fast wie das Sportlenkrad eines 911er!

Porsche Design P9820: Armband

Das Tragegefühl des Armbands ist angenehmen und auch nach mehreren Stunden fällt es nicht unangenhem auf. Außerdem beschreiben es verschiedene Tester als hautfreundlich, weil es in keinem Fall zu Irritationen geführt hat.

Nach einigen Vergleichen lässt sich feststellen: Die Hardware der P9820 ist 1:1 identisch mit der Huawei Watch 2. Bei den eigenen Smartphones fahren die Hersteller zumindest eine andere Strategie: Huawei-Telefone sind gut und wettbewerbsstark ausgerüstet, aber die Luxus-Ausführung von Porsche Design ist immer ein Tick besser. Zum Beispiel verfügt das kürzlich vorgestellte Porsche Design Mate RS über 512 GByte Speicher und zwei Fingerabdrucksensoren (einer im Display), während das baugleiche P20 Pro sich „nur“ mit 128 GByte und einem Fingerabdrucksensor zufrieden geben muss.

Porsche Design P9820: Herzfrequenzmesser

Der Prozessor mit 1,1 GHz und der Arbeitsspeicher mit einer Größe von 768 MByte lassen die Oberfläche flüssig laufen; Ruckler zeigen sich im Alltag nicht. Der Speicher der P9820 ist 4 GByte groß. Darauf lassen sich Musikdateien für die drahtlose Übertragung an ein Bluetooth-Kopfhörer speichern oder Wear-OS-Apps aus dem Google Play Store installieren. Jedoch ist das Streamen von Musikinhalten von Diensten wie Spotify, Google Play Music, Deezer und Co. nicht möglich. Dafür fehlen der Uhr die Apps und/oder eine eigene und autarke Internetverbindung über LTE.

Die P9820 kombiniert GPS und Herzfrequenzsensor mit optischer Aufnahme. Das macht sie besonders interessant für Jogger. Während der gemessene Puls mit anderen Geräten übereinstimmt, gibt es beim GPS zwei Schwierigkeiten. Einerseits benötigt die Lokalisierung ungewöhnlich lange (20 bis 37 Sekunden), anderseits zeigt das Tracking Volatilitäten beim metergenauen Tracking an: Der Karte nach zu urteilen, springt der Nutzer in einem Zickzack. Ähnliche Probleme wies auch die Huawei Watch 2 auf.

Porsche Design P9820 im Vergleich mit der Apple Watch 2
Porsche Design P9820 im Vergleich mit der Apple Watch 2

Der Akku der P9820 ist mit 420 mAh überdurchschnittlich groß. Selbst bei starker Nutzung kommt die Uhr auf 1,5 Tage. Das ist positiv für Smartwatches mit Wear OS, deutlich länger halten nur Hybrid-Smartwatches. Das Aufladen klappt nicht drahtlos, wie bei der Apple Watch oder der Moto 360 von Motorola, sondern über vier Federkontaktstifte in der Ladestation. Ein proprietäres Ladekabel braucht man also dennoch, und bei solchen Kontakten haben wir in der Vergangenheit öfters festgestellt, dass sie nicht wartungsfrei sind: Cremes, Schweiß und Hautrückstände setzen sich fest, irgendwann gibt es Kontaktprobleme – dann muss man sie reinigen. Korrosionsprobleme gibt es hier hoffentlich auch auf Dauer nicht.

Die Uhr von Porsche Design besitzt ein Mikrofon für „Ok-Google“-Sprachbefehle an den Google-Assistenten, über einen kleinen Lautsprecher ist auch das Freisprechen möglich. Gewiss möchte man mit der Uhr nicht lange Telefonate führen, allerdings ist es ein Nice-to-have-Feature, das durchaus praktisch ist, wenn gerade die Hände voll oder blockiert sind. Eine eigene SIM-Karte gibt es aber nicht, zum Telefonieren muss das Smartphone in Reichweite sein.

Porsche Design P9820: Schnalle

Das Amoled-Display löst mit 390 × 390 Pixeln hoch auf. Es ist hell und auch bei starken Sonnenstrahlen noch gut ablesbar. Nichtsdestotrotz ist es mit einem Durchmesser von 1,2 Zoll vergleichsweise klein. Besonders deutlich wird das bei den Wischgesten: Oft muss der Nutzer sein Finger erneut am unteren Rand ansetzen, damit das Scrollen funktioniert.

Anfangs lief die P9820 noch mit Android Wear, seit einer Woche ist das Upgrade auf Wear OS by Google da. Die Aktualisierung bringt neben der hauptsächlichen Umbenennung auch einige Verbesserungen mit, die hauptsächlich zur Stabilität des Betriebssystems beitragen.

Ab Werk installiert Porsche Design acht eigene Zifferblätter. Unter anderem sind sportliche, feine und elegante Layouts vorhanden. Weitere lassen sich über eine integrierte Design-App erstellen.

Im Übrigen unterscheidet sich die Software nicht von anderen Google-Uhren.

Die P9820 von Porsche Design ist eigentlich nur eine höherpreisige Huawei Watch 2 im Look und Feel des Autobauers. Dass sie wirklich nur ein teurer Ableger ist, verrät das Zubehör sowie die identische Hardware. Uns persönlich fehlen echte Akzente und tatsächliche Designelemente von Porsche Design, die die beiden Modelle voneinander abgrenzen.

Wer kauft die P9820 von Porsche Design? Besitzer eines Android-Smartphones und Porsches oder Fans. Wer eine echte Luxus-Smartwatch möchte, muss mehr Geld in die Hand nehmen und zur TAG Heuer Connected Modular 45 greifen. Alle anderen fahren mit der baugleichen Watch 2 von Huawei (Testbericht) genau so gut.

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