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Smartphone-Gimbal für 70 €: Beyondsky Eyemind im Test

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Der Gimbal Eyemind stabilisiert Smartphones. Das meint zumindest der Hersteller Beyondsky. Im Test zeigt das sehr günstige Gerät vor allem bei größeren Smartphones erhebliche Schwächen.

Das chinesische Unternehmen Beyondsky hat einen Kardangelenkstabilisator in der typischen Selfie-Stick-Form gebaut und hofft wohl, mit einem Preis von unter 70 Euro Käufer anzulocken, die ohne große Investitionen ihr Smartphone für Videoaufnahmen stabilisieren wollen. Bereits im Mai 2017 hatten wir einen Vergleichstest dreier Smartphone-Gimbals veröffentlicht.

Wir waren ein wenig verwöhnt vom DJI Osmo Mobile 2 (Testbericht) und dem Rollei Steady Butler Mobile (Testbericht). Diese Gimbals funktionieren gut und lassen sich auch von Anfängern nach kurzer Eingewöhnungsphase beherrschen. Hätten wir den Eyemind zuerst getestet, wären wir vermutlich von DJIs und Rolleis Gimbals geradezu euphorisiert gewesen. Doch es kam anders.

Wie die meisten Gimbals bietet der Eyemind eine Stabilisierung auf drei Achsen. Im Schwenkmodus bewegt der Nutzer mittels eines Joysticks das eingespannte Smartphone nach links oder rechts, während die Kipp- und Rollachse gesperrt sind. Wer will, kann per Joystick auch die Neigungsachse verändern.

Der Folgemodus sorgt dafür, dass sich die Kamera entsprechend der Bewegung des Stabilisators schwenkt und neigt, aber stets nach vorn ausgerichtet ist. Mit dem Joystick führt der Benutzer die Blickrichtung der Kamera nach links und rechts. Der Sperrmodus erlaubt hingegen keine manuelle Bewegung um die Achsen, um die Kamera ruhig und stabil zu halten. Der Portraitmodus soll es angeblich erlauben, das Smartphone für Instagram-Videos hochkant auszurichten. Das gelang nicht, die Funktion ließ sich nicht aufrufen.

Die Reaktion des Eyemind-Gimbals auf Eingaben erfolgt ansonsten schnell. Doch versagte der Gimbal ab und an selbst bei moderaten Schwenk, wie hier im Video zu sehen. Der Gimbal scheint nicht für große Smartphones, sondern eher für kleinere Formate geeignet (Kaufberatung Display-Zwerge: Android-Smartphones bis 4 Zoll). Ein iPhone X (Kaufen oder nicht) oder ein gar ein Huawei P20 Pro mit Hülle (Kaufberatung) (beide etwa 175 g ohne Hülle) lassen sich damit nicht dauerhaft horizontal ausrichten. Es gibt zwar ein Gegengewicht zum Anschrauben an den Ausleger, doch das ist für solche Schwergewichte offenbar zu leicht. Sie hängen schief in der Halterung und damit kippt auch der Horizont. Schade, da Beyondsky ein Maximalgewicht von 260 g angibt und viele Smartphones mittlerweile so groß ausfallen.

Typ Steadycam
Traglast maximal 260 g
Höhe min. 32 cm
Länge geschlossen 32 cm
Beinsektionen 1
Farb schwarz
Gewicht 410 g
Besonderheiten wechselbarer Akku
Die Verarbeitung ist für ein derart günstiges Produkt nicht schlecht.

Für den Eyemind-Gimbal gibt es eine App für iOS und eine für Android. Diese nimmt per Bluetooth Kontakt zum Gimbal auf, damit dessen Start-Stopp-Taste die Kameraaufnahme startet oder beendet beziehungsweise ein Foto macht. Auch die Ansteuerung des Digitalzooms ist möglich. Die App besitzt einen Aufnahmemodus für Fotos und Videos und die Möglichkeit, einige Auflösungen und einen Zeitraffer sowie eine Gesichtserkennung mit Folgemodus wählen.

Die Eyemind-App unterstützt leider keine fortgeschrittenen Funktionen wie Timelapse, Moving Time Lapse, Freestyle Time Lapse und nimmt auch keine 180-Grad-Panoramen auf – mit DJI und Rollei kein Problem. In der englischsprachigen Anleitung fand sich zwar ein Hinweis darauf, dafür die DJI Go-App zu verwenden, doch die erkannte den fremden Gimbal nicht.

Was uns geärgert hat, ist die Tatsache, dass die Software ausschließlich in chinesischer Sprache gehalten ist. Wer schon öfter Gimbals ausprobiert hat, findet auch so heraus, wie sie funktioniert. Dennoch wäre es nicht zu viel verlangt gewesen, wenigstens eine englische Übersetzung zu liefern.

Der Gimbal eignet sich für kleinere Smartphones. Bei größeren versagt die Mechanik gerne einmal.

Auch bei diesem Smartphone-Gimbal gibt es eine Klemmeinrichtung für das Smartphone, die es von zwei Seiten umfasst. Damit dieser keine Kratzer am Smartphone hinterlässt, sind die Klammern mit Gummi ummantelt. Die Zugkraft des Mechanismus ist ausreichend hoch, um auch ein großes und schweres Smartphone zu halten. Dennoch wirkt die Halterung deutlich fragiler als die des Rollei Steady Butler Mobile oder die des DJI Osmo.

Wir empfehlen immer, die Smartphones zusätzlich in einem ordentlichen Schutzgehäuse unterzubringen. Das sorgt im Falle eines Falles doch für mehr Sicherheit. Ein Wort der Warnung sei auch hier angebracht: Beim Filmen guckt man fast immer gebannt auf das Smartphone-Display und achtet zu wenig auf die Umgebung. Das kann auf unsicherem Terrain böse (Sturz-)Folgen haben.

Die Sensorik scheint übrigens mit Fliehkräften nicht zurecht zu kommen. Selbst bei langgezogenen Kurven klappt das eingespannte Smartphone ein; eine vernünftige Aufnahme nach vorn ist dann nicht mehr möglich. Das Phänomen haben wir auch bei anderen Gimbals beobachtet, es ist also keine Eigenart des Eyemind von Beyondsky.

Von einem 70-Euro-Gimbal kann man nicht erwarten, dass es die gleiche Oberflächenbeschaffenheit, Verarbeitungsqualität oder Optik hat wie der 120 Euro teure Gimbal-Primus von DJI. Aufgrund seiner kompakten Abmessungen lässt sich der Gimbal einigermaßen leicht transportieren, eine Tasche liegt dem Paket jedoch nicht bei. Im Rucksack könnten die empfindlich wirkenden Aufhängungen an den Motoren auf Dauer in Mitleidenschaft gezogen werden. Wir empfehlen, das Gerät wenigstens in ein Stück Stoff einzuschlagen. Der Zubehörhandel bietet auch Gimbal-Taschen an.

Der Gimbal misst 32 cm × 12,5 cm × 4,3 cm und wiegt 410 g. Der Hersteller gibt an, dass Smartphones mit 4 bis 6 Zoll Bildschirmdiagonale und 100 bis 260 g Gewicht eingespannt werden können.

Der Akku im Eyemind ist wechselbar.

Im Eyemind von Beyondsky steckt eine Akkuzelle mit 2400 mAh, die per USB aufgeladen werden kann. Sie lässt sich im Gegensatz zu vielen anderen Gimbals problemlos austauschen. Sollte bei diesen der Akku kaputt gehen, muss der Hersteller bemüht werden - und ob der nach ein paar Jahren noch Ersatzteile hat, wagen wir offen zu bezweifeln.

Der Akku reicht für etwa acht Stunden Betrieb. Ein Einsatz als Powerbank für externe Geräte ist nicht vorgesehen. Das sorgt bei langen Drehs durchaus für Probleme, weil der Akku des Smartphones beim konstanten Filmen oder zumindest aktiviertem Display schnell leer ist.

Der Gimbal kostet knapp 70 Euro, eine Schutztasche nochmal gut 10 Euro. Hier muss jeder selbst entscheiden, ob eine Schutzhülle angebracht ist. Wir empfehlen sie zumindest. Nochmal ein paar Euro können sich Käufer sparen, die Eyemind über Gearbest bestellen.

Beyondsky Eyemind

Eyemind Beyondsky

(Kein Produktbild vorhanden)

Gimbal Schutztasche

(Kein Produktbild vorhanden)

Eyemind Beyondsky

Wie heißt es so schön: Wer billig kauft, kauft zweimal. Selbst Nutzer, die das Filmen mit einem Gimbal nur einmal ausprobieren wollen, sollten lieber etwas mehr Geld in die Hand nehmen und beispielsweise den Rollei Steady Butler Mobile (Testbericht) ins Auge fassen.

Wer eher eine Kombination aus Kamera und Gimbal sucht, sollte sich den DJI Osmo Pocket (Testbericht) einmal ansehen. Weitere Gimbals aus teilweise anderen Preis- und Leistungskategorien beleuchten wir in unserer Kaufberatung Smartphone Gimbals aus dem Jahr 2017.

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