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Elesion: Günstige Smart-Home-Alternative von Pearl im Test

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Die Pearl-Marke Luminea ist den meisten vermutlich als Hersteller von Leuchtmitteln aller Art bekannt. Aber es gibt mehr: Elesion. Reicht das für ein günstiges Smart Home?

Wer auf der Übersichtsseite beim Online-Marktplatz Pearl nach Luminea sucht, bekommt eine schier unüberschaubare Flut an LED-Leuchtmitteln aller Art angezeigt. Der Großteil davon ist nicht smart, sondern bietet Licht in allen erdenklichen Formen und Farben, oftmals mit einfacher IR-Fernbedienung oder gleich ganz ohne Einstellungsmöglichkeiten. Aber es gibt auch smarte Leuchtmittel, die sich modern per App und Sprache steuern lassen. Allen gemein ist der im Vergleich zur Konkurrenz günstige Preis bei aus Erfahrung guter Qualität.

Wer genauer hinschaut, bemerkt in dem unübersichtlichen Wust aus Lampen aber immer wieder auch andere smarte Gadgets. Dazu gehören etwa schaltbare Steckdosen und Bewegungssensoren. All diese Geräte lassen sich über die Elesion-App steuern, was derzeit auf manchen, längst aber nicht auf allen Verpackungen kompatibler Geräte zu lesen steht. Stattdessen wird dann in der Gebrauchsanweisung noch auf die alte iO.e-App hingewiesen – da ist Pearl wohl noch im Umbruch. Um die Verwirrung komplett zu machen, gibt es dann auch noch weitere Pearl-Marken wie 7Links, Revolt, Sichler oder Visortech, die ebenfalls zum Elesion-Universum gehören und deren Klimageräte, elektronische Schlösser (Alternative: Testbericht Burg Wächter SecuEntry) oder Staubsaugerroboter (Alternative: Roboter mit Absaugstation im Vergleich) per App steuerbar sind. Stolze 216 unterschiedliche Geräte sind so in einer App vereint.

Das klingt nicht nur nach Smart Home, das ist es auch – hat sich da etwa Elesion als Pearl-Smart-Home klammheimlich Konkurrenz für bekannte Smart-Home-Systeme wie Magenta Smart Home oder Samsung Smartthings (Testbericht) eingeschlichen? Wir haben den Test gemacht.

Für den Test haben wir uns neben zahlreichen Leuchtmitteln von Luminea folgende Komponenten verwendet:

  • Tür- & Fensteralarm XMD-102.app (NX-4470-675)
  • WLAN Temperatur- & Luftfeuchtigkeits-Sensor (ohne Typenbezeichnung, NX-4599-675)
  • PIR-Bewegungssensor XMD-101.app (NX-4469-675)
  • einzeln schaltbare 3-fach Steckdosenleiste SF-600.avs (NX-4473-675)
  • ultrakompakte WLAN-Steckdose SF-200 (ZX-2858-675)

Zu den Leuchtmitteln gehörten

Als RGB-Lichtband verwendeten wir

  • LAX-515 (ZX-2854-675)
  • Netzteil NX-6614-675
  • WLAN-Controller ZX-2844-675.

Alle Produkte aus dem Elesion-Test (14 Bilder)

Und weil das für eine ordentliche Smart-Home-Basis noch nicht reicht, haben wir außerdem zwei Produkte von 7Links, ebenfalls von Pearl hinzugenommen: Die Full-HD-Überwachungskamera IPC-300 (NX-4628-675) und den Zigbee-zu-WLAN-Umwandler RC-290 (NX-6261-765). Diese beiden Produkte sind zwar nicht von Luminea, werden aber wie die anderen Produkte im Test direkt über die Elesion-App eingebunden und verwaltet – Smart Home aus einer Hand.

Für den Betrieb der Elesion-App benötigen Interessenten ein geeignetes iOS- oder Android-Smartphone, WLAN im 2,4 Ghz-Band und die App selbst. Sie ist kostenfrei im jeweiligen App Store erhältlich. Anschließend brauchen Nutzer einen ebenfalls kostenlosen Account, für den die Eingabe einer validen Mailadresse (dorthin wird ein Bestätigungscode gesendet) und die Wahl eines geeigneten Passwortes ausreicht. Anschließend landen Nutzer auf der Startseite, die alle gekoppelten Geräte (also anfangs nichts) des eigenen Smart Homes auflistet. Auch Wetterangaben und Raumaufteilung gibt es hier, dazu später mehr. Am unteren Rand befinden sich außerdem noch Buttons, um zu smarten Funktion wie der Erstellung von Regeln oder Szenen und zum eigenen Profil des Accounts zu gelangen – das war es im Prinzip.

Auf der Übersichtsseite erlaubt ein kleines Plus-Symbol oben rechts das Einbinden neuer Geräte. Ähnlich wie bei Samsung Smartthings (Testbericht) werden hier Produktkategorien angeboten, aus denen das richtige Gerät ausgesucht wird. Die meisten Gerätschaften sind dabei mit dem passenden Thumbnail versehen, sodass auch das Aussehen des einzubindenen Gerätes ausreicht, um es zu finden. Alternativ bietet die App eine generelle Suche aller kopplungsbereiten Devices in Reichweite des eigenen WLANs. Manche Geräte lassen sich auch durch Scannen eines QR-Codes über die Kamerafunktion des Smartphones einbinden – alles sehr intuitiv und einfach.

Alle Screenshots aus der Elesion-App (17 Bilder)

Diese Einfachheit endet leider, sobald der Button „Smart“ am unteren Bildschirmrand gedrückt wird. Hier lassen sich über das bereits angesprochene Plus-Icon oben rechts Szenen und Regeln festlegen, doch die Übersicht und auch die Leichtigkeit, die wir eben noch beim Einbinden neuer Geräte lobten, lassen hier stark zu wünschen übrig. Das beginnt schon bei der Bezeichnung: Szenen heißen „Ausführen“ und Regeln „Automation“. Ist das noch zu verstehen (wenngleich der einheitliche Jargon der Branche sinnvoller gewesen wäre), so wird es anschließend schwieriger. Mehr dazu im Bereich Regeln.

Weiter verbesserungswürdig: Beim Einrichten des Accounts wurden wir weder nach Namen des Smart Home, noch nach dessen Standort gefragte. Ohne den lassen sich allerdings Geräte nicht einzelnen Räumen zuweisen, also mussten wir das im Profil und der dortigen Familienverwaltung manuell nachholen. Anschließend gab es auch die Raumaufteilung und die Wetteranzeige, ohne die der Regelauslöser „Wetter“ nicht funktioniert. Anderes Thema: Die Einbindung von Google Assistant oder Amazon Alexa zu Sprachsteuerung. Das funktioniert grundsätzlich einfach: In der Alexa-App unter Skills den Elesion-Skill aktivieren, in der Alexa-App neue Geräte suchen – fertig. Allerdings gibt es dafür nicht wie von anderen Anbietern gewohnt in den Einstellungen für den Account einen Menüpunkt – man muss diese Vorgehensweise kennen und dann einfach ausführen - auch ohne Aufforderung der App.

Nächster Punkt: Einstellungen für einzelne Geräte. Dorthin zu gelangen ist alles andere als nachvollziehbar: Hat man ein Gerät angewählt, gibt es oben rechts neben dem Namen des Gerätes ein Stift-Symbol. Wer nun wie wir anfangs denkt, dass damit lediglich der Name geändert werden kann, irrt. Denn hier gelangen Nutzer zu weiteren Einstellungen für das Device, darunter auch Informationen und Update-Möglichkeiten. Außerdem wird die die Verbindungsstärke angezeigt und angegeben, mit welchen Diensten das entsprechende Produkt kompatibel ist. Bei den von uns getesteten Lampen waren das meist Amazon Alexa, Google Assistant, Tencent Xiaowei und DuerOS, andere Geräte unterstützten auch noch Luchs Elf, Rokid und Dingdong. Ein anderes Problem: Die deutsche Übersetzung ist gelegentlich nicht ganz perfekt, außerdem haben wir bisweilen – etwa beim PIR-Sensor – auch asiatische Schriftzeichen gefunden, die uns vor Rätsel stellten.

Wir wollten einfach beginnen und eine simple Regel erstellen, die bei Bewegungserkennung des PIR-Sensors eine Lampe einschalten sollte. Eigentlich kein Problem: Grundsätzlich arbeitet die Elesion-App nach dem Wenn -> Dann-Prinzip, entsprechend muss erst ein Auslöser und dann eine reaktion festgelegt werden. Wer jetzt allerdings eine neue Regel erstellen will, wird zwar von den drei logischen Auslösern Wetter, Zeit und Gerätestatus begrüßt und darüber befindet sich eine Art Fortschrittsbalken, der den zu bestimmenden Auslöser für die Regel folgerichtig in den Arbeitsschritt „Stellen Sie einen Zustand ein“ einteilt. Erst danach folgt „Aufgabe einrichten“. Allerdings gibt es auch noch den vorgeschobenen Punkt „Tippen Sie hier, um den Betrieb aufzunehmen“ – die Logik dahinter blieb uns allerdings verschlossen, da wir bei Betätigung des Buttons den Bereich für die Wahl der „Wenn-Bedingung“ verlassen und stattdessen ohne Bedingungsauswahl direkt in den „Dann-Bereich“ gewechselt hätten. Außerdem fanden wir anschließend auch nicht alle eingebundenen Geräte vor, sondern ausschließlich Lampen – sehr nebulös.

Dieser Bewegungsmelder "spricht" (auch) chinesisch - wir leider nicht

Ansonsten ist das Erstellen von Regeln und Szenen umfangreich und dennoch logisch und einfach möglich – wenn man denn die erwähnten Einstiegshürden überwunden hat. Als Auslöser dient entweder das Wetter mit den Parametern Temperatur, Feuchtigkeit, Wetterart (etwa sonnig oder Schnee), Sonnenauf- und Untergang oder die Windgeschwindigkeit. Alternativ dient eine Startzeit oder die Statusänderung eines Gerätes als Regelauslöser.

Als Aufgabe darf dann entweder ein Gerät aktiviert, eine Szene oder Regel ausgeführt, eine Benachrichtigung gesendet oder eine Verzögerung eingestellt werden. Dabei sindnach Aussagen des Herstellers auch mehrere Kombinationen aus Auslösern möglich – bei Samsung Smartthings gab es nur die Option, das alle oder eine der Bedingungen für eine Regel ausgelöst werden müssen.

Im Testbetrieb stellte sich schnell der größte Nachteil von WLAN-basierten Smart-Home-Komponenten heraus: die Reichweite. Wer eine große Wohnung oder gar ein Haus damit abdecken will, stößt schnell an die Grenzen der Funkreichweite. Abhilfe schafft hier ein Blick in unseren Ratgeber für besseres WLAN. Ansonsten gilt: Da Befehle nicht wie bei Zigbee oder Z-Wave per Mesh von Gerät zu Gerät weitergegeben werden, bleiben sie an der Reichweitengrenze schon mal hängen. Nachricht bekommt man darüber nicht, entsprechend gilt der Befehl, etwa eine Lampe einzuschalten, auch dann als umgesetzt, wenn er nie bei der Lampe ankam. Einzige Alternative: In den Einstellungen dürfen Nutzer festlegen, ob sie Informationen über Geräte ohne Netzverbindung erhalten wollen. Die werden dann nicht nur in der Übersicht als offline angezeigt, sondern es erfolgt eine Meldung der App über den Offline-Status, sobald Produkte mit Stromanschluss 30 Minuten oder Devices mit Batteriebetrieb 8 Stunden außer Betrieb waren.

Außerdem zickten einige Geräte im Test herum. So wurde der PIR-Sensor – wohl zum Stromsparen – immer wieder als offline angezeigt und auch ein Test der Verbindungsstärke war nicht möglich. Bewegung erkennt der Sensor dennoch zuverlässig. Der Temperatur- und Luftfeuchtigkeitssensor wollte im Test partout in seiner Hauptdarstellung keinen anderen Wert als 1 Grad Celsius und 3 Prozent Luftfeuchtigkeit anzeigen. Im abrufbaren Temperaturverlauf wurden allerdings realistische Werte festgehalten. Das Einblenden von Kamerabildern auf einem Echo Show dauert normalerweise über 10 Sekunden, per Elesion-App klappt das hingegen unverzüglich. Manche Geräte – ebenfalls der Bewegungssensor – senden darüber hinaus immer bei Bewegung Nachrichten, eine Option zum Deaktivieren dieser Funktion konnten wir nicht finden. Außerdem schicken mache Komponenten – etwa die Kamera, die ebenfalls Bewegung erkennt – englische Benachrichtigungen, andere wiederum deutsche. Dieses Sprachwirrwar gipfelte im bereits erwähnten Mandarin, sobald man den PIR-Sensor in Regeln verwendet. Die nicht immer passende Übersetzung der App ins Deutsche haben wir bereits erwähnt.

Die Kamera schickt Benachrichtigungen auf Englisch, andere Geräte auf Deutsch

Farben von Lumia-Leuchtmitteln sind durchaus intensiv und ausgeprägt, auch wenn sie vielleicht nicht ganz an den Klassenprimus Philips Hue herankommen (Testbericht). Alternativen zu Hue haben wir übrigens in diesem Lampenvergleich von E27-Leuchtmitteln getestet (Testbericht). Lediglich die E14-Leuchtmittel überzeugten uns bei der Farbintensität nicht. Steckdosen punkteten im Test mit verlässlichen Schaltvorgängen und die Kamera mit guter Bildqualität für den Preis.

Größter Schwachpunkt: Regeln wurden nur mit Verzögerung von mehreren Sekunden ausgeführt. Auch die Nachricht, dass der Bewegungsmelder Bewegung erkannte, erfolgte mit gleicher zeitlicher Verzögerung. Wer so das Licht seiner Wohnung per Bewegungsmelder steuern will, wird sich unter Umständen schnell eine blutige Nase holen – oder er muss jedes Mal einige Sekunden warten, bis das Licht angeht. Auch der Umstand, dass RGB-Leuchtmittel zwar in Regeln eingebunden werden können, dort aber nur die Lichtfarbe, nicht aber die darzustellende Farbe ausgewählt werden darf, irritiert. Zudem ist die Mindestdauer einer Regel auf 1 Minute begrenzt – mal eben automatisch 20 Sekunden lang das Licht bei Bewegung aktivieren klappt also nicht. Strom spart man so wohl kaum.

Apropos Strom: WLAN gilt allgemein nicht gerade als energieeffizienteste Smart-Home-Lösung. Nach Angaben des Herstellers soll der PIR-Sensor, der von zwei CR123-Batterien (im Lieferumfang enthalten) betrieben wird, rund ein Jahr bei 12 Bewegungserkennungen pro Tag durchhalten. Am ersten Testtag mit rund 20 bis 30 Auslösungen verlor der Sensor aber schon 5 Prozentpunkte der angegebenen Batterielaufzeit – rein rechnerisch müssten die Kraftspender also schon nach 20 Tagen ausgetauscht werden. Die meisten anderen Geräte erlauben gar keine Batteriestandsanzeige.

Die einzelnen Komponenten wie Leuchtmittel, Steckdosen und Kamera haben uns im Test auch, aber nicht nur wegen des niedrigen Preises, voll überzeugt – sofern man mit den genannten Nachteilen wie mangelnder Statusrückmeldung, vermutlich hohem Stromverbrauch und beschränkter Funkreichweite leben kann. Letzteres lässt sich durch Wifi-Verstärker oder Mesh-WLAN ausgleichen, auch der Stromverbrauch dürfte dann leicht sinken.

Arbeit hat Pearl trotz guter Ansätze unserer Meinung nach noch bei der Elesion-App und der Präsentation seiner Produkte vor sich. Die App ist stellenweise vorbildlich, in anderen Punkten aber wieder zu unintuitiv, zudem sollte das Sprachwirrwarr behoben und die Übersetzung verbessert werden. Auch einige Einschränkungen, etwa, dass bei RGB-Leuchtmitteln keine Farben in Regeln definiert werden dürfen, sollten leicht aufzuheben sein. Wenn das Unternehmen dann noch die Zeitverzögerung bei Regeln in den Griff bekommt, stellt Elesion von Pearl eine echte und deutlich günstigere Alternative zu Smart-Home-Systemen der Konkurrenz dar. Derzeit ist dem noch nicht so.

Samsung Smartthings haben wir hier getestet, außerdem diverse LED-Filament-Lampen im Vergleich und die Philips Hue Sync Box (Testbericht).

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