TechStage
Logo Qwant

Ein Angebot von

Skullcandy Crusher ANC im Test: Shake it, Baby!

von  //  Facebook Twitter

Weniger Außengeräusche sind Skullcandy nicht genug. Der Crusher ANC sorgt buchstäblich für einen bewegenden Sound. Der Test verrät, wie gut der Schüttel-Kopfhörer klingt.

Der Test zum Scullcandy Crusher ANC erscheint im Rahmen unserer Themenwelt Kabellose ANC-Kopfhörer. Dort sind bereits Tests zu Geräten wie dem Sennheiser Momentum 3 Wireless (Testbericht) oder dem Anker Soundcore Life Q20 (Testbericht) sowie unsere ANC-Kaufberatung erschienen.

Seit gut 15 Jahren baut Skullcandy Kopfhörer die vor allem ein sportliches Outdoor-Klientel ansprechen sollen. Vor allem drei Dinge zeichnen die Produkte des US-Herstellers aus: sie sind robust, einfach zu bedienen und haben ein auffälliges Design. Auch der Crusher ANC spielt diese Attribute formvollendet aus. Der 275 g schwere Kopfhörer ist eine Weiterentwicklung des erfolgreichen Crushers. Das Design ist alles andere als zierlich: Der breite Kopfbügel aus Kunststoff ist mittig gepolstert. Für guten Sitz auf größeren Köpfen lässt sich der Bügel beiden Seiten einige Zentimeter auseinanderziehen.

Der Bassregler am Skullcandy Crusher ANC.

Durch die schweren Hörmuscheln reicht es für diesen Effekt, wenn man den Kopfhörer am Bügel festhält und die Hand dann in einer schnellen Bewegung dreht – ähnlich einer Angabe beim Tischtennis. Die wuchtigen Hörmuscheln des Over-Ear-Kopfhörers hängen an einem um 180 Grad schwenkbaren und umknickbaren Scharnier. Die zwei Zentimeter dicken Polster sind mit angenehm weichen Kunstleder bezogen, wodurch Ohren komplett und bequem umschlossen werden. Bei längerem Tragen kann es aber auch schon mal recht warm werden.

Die Bedienelemente sind alles andere als zurückhaltend. An der hinteren linken Seite befinden sich drei leicht aus dem Gehäuse ragenden Drucktasten. Hierüber werden Lautstärke geregelt, Tracks ausgewählt, Musik gestartet und gestoppt oder Anrufe angenommen. An der Unterseite befinden sich die beiden Anschlüsse für USB-C und Klinke. Auf der linken Seite sitzt der schmale Powerschalter, mit dem auch die aktive Geräuschunterdrückung gestartet wird. Wurde ANC aktiviert, dient der linke Ohrhörer als zusätzliches Touchpad: Wird die Oberfläche für drei Sekunden berührt, schaltet sich der Ambient-Modus und damit die Außenmikrofone ein, wodurch die Umgebung besser hörbar ist, als bei deaktivierten ANC.

Im Test hat sich dieser Modus ab und zu selbstständig aktiviert – was aber wahrscheinlich am nächsten Feature liegt: Unter dem Powerschalter sitzt der Schieberegler für den sensorischen Bass. Skullcandy sagt, dass man einen Bass erhält, den man fühlen kann. Und hier darf man den Hersteller getrost beim Wort nehmen: Steht der Regler ganz oben auf maximaler Position, wird der Kopf von den 40 mm Treibern ganz schön in Bewegung gebracht. Unser Tipp: Erst mal sachte mit einem basslastigen Titel und der niedrigsten Einstellung starten und erst dann langsam den Regler hochfahren. Entsprechend der sportlichen Zielgruppe lassen sich alle Bedienelemente auch mit einem Handschuh gut bedienen.

Das wuchtige Design steht dem Crusher ANC gut und seine schwarze Klamotten machen ihn ganz schön schlank: Skullcandy ist gelungen, trotz massiver Bauweise einen optisch relativ dezenten Kopfhörer zu gestalten. Die Verarbeitung ist trotz verschwenderischen Einsatz von Kunststoff prima, der Sitz komfortabel. An die Bedienung mit den großen Tasten und der zusätzlichen Touchoberfläche mussten wir uns allerdings erst ein wenig gewöhnen.

Den Skullcandy Crusher ANC gibt es in schwarz und dunkelrot. Im Karton liegt noch eine stabil gepolsterte Transportbox, ein USB-C-Kabel und ein Klinkenkabel mit Fernbedienung bei.

Um es gleich einmal vorweg zu erwähnen: Der Crusher ANC ist kein Kopfhörer wie alle anderen getesteten ANC-Modelle – und das liegt nicht daran, dass Sound oder Geräuschunterdrückung viel besser oder schlechter sind. Das Skullcandy-Headset ist eher das Yps-Heft unter den Kopfhörern: vollgepackt mit Gimmicks.

Aber starten wir mit dem Sound: Der Kopfhörer unterstützt den Bluetooth-Codec AptX HD und erlaubt so eine nahezu verlustfreie Funkübertragung von Audiodateien, Filmsound wird ohne eine hörbare Latenz abgespielt. Das gilt auch bei Spielen, aber dazu später mehr. Bereits wenn der Haptic-Bass-Regler auf unterster Stufe steht, gibt der Crusher ordentlich Gas. Die Tiefen wirken leicht hervorgehoben, allerdings ohne die Mitten und Höhen unterzubuttern. Westernhagens Neuaufnahme von Mit 18 beginnt entspannt mit einer akustischen Gitarre und einen rhythmischen Tritt gegen die Basstrommel. Westernhagens Stimme klingt in den Spitzen zwar leicht verzerrt und mit digitale Störungen versetzt, was aber ein gewollter Effekt der Produktion sein kann. Insgesamt werden alle Instrumente und die Stimme fast vorbildlich akzentuiert dargestellt, die Stimme dominiert – selbst als die Percussion, Piano und Geigen einsetzen. Alles klingt angenehm, klar und dennoch butterweich. Etwas, was man mit Westernhagen nun wirklich nicht immer in Verbindung bringt.

Bedienelemente

Skippen wir weiter zu Glorious von Ella Henderson. Ihrer Stimme klingt Messerscharf, in den Spitzen schneidet sie sich durch die zu starken Höhen fast ins Trommelfell. An einigen Stellen, wenn der Chor Glorious schreit, wird es richtig unangenehm, der Sound bricht fast zusammen, als würden gleich Scheiben zerspringen. Die Tiefen sind dagegen tadellos und warm. Sehr schön dagegen ist der Einstieg in Was nicht mehr aus uns wird von Haller: Der Bass bohrt aber auch hier ein dickes Brett, währen die Höhen zu stark sind.

Wir könnten hier noch einige Soundbeispiele aufführen, das Ergebnis ist überall ähnlich: Der Crusher setzt einen starken Bass ein, vergleichbar mit dem Beats Studio 3 Wireless (Testbericht). Mitten sind okay, die die Höhen allerdings sind zu stark justiert. Der Grund dafür dürfte am einstellbaren sensorischen Bass liegen. Mit dieser Spielerei wird der bereits starke Bass stufenlos so verstärkt, dass der Kopfhörer vibriert – und dadurch noch einen größeren Effekt erzielt. Um da mithalten zu können, müssen die Höhen ein bisschen dominanter sein, als es üblicherweise nötig ist.

Es ist ein krasses Gefühl, den Dröhn-Bass hochzufahren. Alles vibriert, wenn der Song genügend Bass liefert, sogar die Ohrläppchen zittern. Ein netter Gag, aber kaum vorstellbar, dass der Kopfhörer im Alltag permanent als Ohr-Vibrator genutzt wird. Es hat unzweifelhaft seinen Reiz, Musik auch mal so zu hören – aber Puristen werden sich über die Sound-Verfremdung gruseln. Doch es gibt auch Szenarien, in denen sich der Crusher ANC schnell als erste Kopfhörer-Wahl etablieren könnte. Im Test haben wir den Kopfhörer an ein Elektroschlagzeug angeschlossen, die Basstrommel klingt dadurch so, als säße man beim Konzert der Foo Fighters direkt vor der Schießbude. Auch Actionfilme profitieren von dem Effekt: Explosionen knallen mit dem Crusher ANC richtig. Und wie bereits erwähnt, kann der Kopfhörer bei Actionspielen richtig auftrumpfen. Durch die Vibration bei Kampfszenen landet man geradezu im Geschehen.

Dass der Crusher auch noch die äußeren Geräusche abschirmt, fällt eigentlich kaum ins Gewicht. Denn wer den Bass auf volle Pulle gestellt hat, hört (und fühlt) eh nichts mehr außer den starken Wummern. Der ANC-Effekt ist ordentlich, der Straßenlärm wird gut herausgefiltert und auch das Tippen auf einer Tastatur ist nur gedämpft zu hören.

Mit den getesteten Modellen von Bose NC 700 (Testbericht) und Quietcomfort 35 II (Testbericht), Sony WH-1000 XM3 (Testbericht) oder sogar Sennheiser Momentum 3 (Testbericht) kann der Crusher ANC zwar nicht mithalten, aber für ein wenig Ruhe im Alltag taugt der Modus bereits sehr gut. Allerdings ist das Konter-Rauschen, mit dem Außengeräusche herausgefiltert werden, wie ein starker Tinitus sehr deutlich zu hören.

Laut Hersteller hält der nicht wechselbare Akku – abhängig von der gewählten Lautstärke – lediglich bis zu 24 Stunden durch. Allerdings sind das Bestwerte, die nicht erreicht werden, wenn der sensorische Bass aktiviert ist. Läuft dann noch ANC mit, reduziert sich die Laufzeit deutlich. Allerdings bekommt der Kopfhörer schon in zehn Minuten an der Steckdose genug Saft für drei weitere Stunden Laufzeit.

Per kostenloser Skullcandy-App für iOS- und Android-Geräte lässt sich anhand von Audiotests ein ganz persönliches Soundprofil einrichten. Das funktioniert, indem für jedes Ohr Töne in verschiedenen Frequenzen abgespielt werden, die erkannt werden müssen. Entsprechend des Ergebnisses, wird der Sound optimiert. Und tatsächlich klingen einige Songs durch das Tuning ausgewogener, also ohne den aktivierten Dienst. Allerdings hat auch das Hörvermögen eine Tagesform. Hier empfiehlt es sich, den Test an verschiedenen Tagen zu wiederholen. Sonst kann die App nichts, auch die ANC-Stärke lässt sich darüber leider nicht regulieren.

Der UVP des Crusher ANC liegt bei 299 Euro. Betrachtet man Sound- und ANC-Qualität ist das ein deutlich zu hoher Preis – gerade im Vergleich mit den anderen bisher getesteten ANC-Modellen. Aber wer Spaß am Schütteleffekt hat, wird zu dem Preis nichts Vergleichbares finden.

Skullcandy Crusher ANC Fearless Black

Skullcandy Crusher ANC Fearless Black

(Kein Produktbild vorhanden)

Skullcandy Crusher ANC Black/Tan

Skullcandy Crusher ANC Deep Red

Skullcandy Crusher ANC Deep Red

Mit dem Crusher ANC hat Skullcandy einen wirklich besonderen Kopfhörer auf den Markt gebracht. Die Zielgruppe ist klar: Actionsportler, die nicht nur auf der Piste, sondern auch auf den Ohren Erschütterungen spüren wollen. Alles darf wackeln, der Bass soll durch Mark und Bein gehen. Dass der Sound dadurch so stark verändert wird, dass er nichts mit der ursprünglichen Aufnahme zu tun hat, wird zur Nebensache.

Wer den Crusher kauft, will das es kracht und hat deshalb kein Gespür für Feinheiten. Und da darf man ruhig sagen: Gut gemacht Skullcandy, der Kopfhörer sitzt, wackelt und macht ordentlich lärm. Das Design ist prima, wenn auch nicht außergewöhnlich, der Tragekomfort ist gut.

Die Bedienung erfordert ein wenig Eingewöhnung, aber Handschuhträger wird es freuen, dass die großen Tasten leicht hervorstehen. Für den recht hohen Preis hätte der Crusher ANC aber mehr bieten sollen, als ein paar Hollywood-Effekte. Der Sound ist generell eher mittelmäßig mit zu starken Bässen und Höhen. ANC ist vorhanden, aber nicht überzeugend. Es ist ein Kopfhörer für unempfindliche Ohren, den man auch mal auf der Mütze tragen kann – und dann trotzdem noch viel Sound abbekommt. Wenn man kein Sound-Purist ist, klingt das doch auch schon mal ganz gut.

Ähnliche Produkte im Test

Einloggen, um Kommentare zu schreiben

Anzeige