Sharp Aquos V Test: Günstige Mittelklasse mit Top-Hardware | TechStage
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Sharp Aquos V Test: Günstige Mittelklasse mit Top-Hardware

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Sharp drängt mit Smartphones weiter auf den deutschen Markt. Das Verkaufsargument beim Aquos V: Spitzentechnik von vor 3 Jahren. Reicht das?

Sharp will auf dem europäischen Kontinent mit Smartphones Fuß fassen. Nach mehreren Anläufen, von denen mit Modellen wie dem Aquos R3 wegen Qualitätsproblemen und verzögertem Marktstart längst nicht alle erfolgreich verliefen, setzt das Unternehmen nun erneut an, die Herzen von Kunden zu gewinnen. Dafür greift Sharp beim Aquos V durchaus tiefer in die Technikkiste und zaubert ein 200-Euro-Phone mit Spitzentechnik hervor. „Tiefer“ ist in diesem Fall durchaus beabsichtigt doppeldeutig: Einerseits leistet das Modell eine ganze Menge, andererseits musste der Hersteller Hardware dafür auch von weiter unten aus den Regalen fischen – nämlich aus genau den Bereichen, in denen ältere Technik liegengeblieben ist. Denn der Begriff „Spitzentechnik“ ist zwar durchaus gerechtfertigt, tatsächlich handelt es sich aber um rund 3 Jahre alte Spitzentechnik. Dass die aber auch heute noch eine gute Figur macht, zeigt dieser Test.

Äußerlich präsentiert sich das Sharp Aquos V im Test sehr zurückhaltend, auf Spitzentechnik gibt es kaum Hinweise – im Gegenteil. So fehlt dem Screen auf der Front jeglicher Anflug von Notch, stattdessen kommt das Modell mit gleich breiten Balken über und unter dem Bildschirm zum Kunden; das wirkt beinahe altbacken. Immerhin schafft der Hersteller dadurch eine Symmetrie, die Notch-Smartphones abgeht und da inzwischen fast alle Mobiltelefone mit solchen Display-Einbuchtungen auf den Markt kommen, hebt sich das Aquos V wieder beinahe wohltuend von der Masse ab.

Die Verarbeitung ist insgesamt zwar durchaus ordentlich, der Kunststoffrahmen wirkt allerdings nicht übermäßig hochwertig. Die Rückseite macht sich da zumindest etwas besser, immerhin besteht sie aus Glas mit seitlichen Rundungen, wodurch das Modell angenehm in der Hand liegt. Zwei weitere Punkte verraten aber auch hier den eher niedrigen Preis: Gerade einmal zwei Linsen baut der Hersteller ein, das ist sogar für die Mittelklasse inzwischen zu wenig. Außerdem befindet sich darunter ein Fingerabdrucksensor. Auch wenn diese sichtbaren Sensoren in den allermeisten Fällen besser funktionieren, als ihre unter der Display-Oberfläche versteckten Gegenstücke, setzen sich die unsichtbaren Modelle mittlerweile immer mehr durch – anders beim Aquos V.

Unaufgeregtes Design beim Aquos V

Schrecklich ist übrigens die extreme Fettschmierer-Anfälligkeit der Rückseite, die deutlich schlimmer als bei anderen Modellen ausfällt. Außerdem hatten wir schnell einen kleinen Kratzer im rückseitigen Material, das lässt wenig Hoffnung für die optisch unversehrte Langlebigkeit des Aquos V aufkommen. Die restlichen angesprochenen Punkte lassen sich zumindest überwiegend mit einem Hinweis auf den niedrigen Verkaufspreis recht gut abschmettern.

Das Aquos V bietet mit 5,9 Zoll ein beinahe kleines Display für heutige Verhältnisse und setzt dabei auf ein 18:9-Verhältnis. Bei 2160 × 1080 Pixel ist das Bild angenehm scharf, das Display aus eigener Herstellung punktet mit ausreichenden Kontrasten und Farben. Die Helligkeit geht mit bis zu 430 cd/m² für die Preisklasse voll in Ordnung, auch wenn das LCD bei starkem Sonnenlicht schwer abzulesen sein dürfte. Die Blickwinkelstabilität ist vorbildlich.

Keine Notch - mutig oder vorsintflutlich?

Bei Bewegung, etwa beim Anheben des Smartphones, blendet das Aquos V wie bei einem Always-on-Display Informationen wie Uhrzeit und verpasste Nachrichten ein; allerdings auf wenige Sekunden begrenzt.

Was zuerst immerhin wie eine valide Dual-Kamera aussieht, entpuppt sich im Alltag eigentlich nur als eine einzelne Linse mit 13 Megapixel mit einer Blende von f/2.0. Denn die wird zwar von einer identischen Linse unterstützt, tatsächlich ist sie aber ausschließlich für Tiefenerkennung zuständig und somit nicht dediziert einsetzbar. Highlight der Hauptkamera: Die Hauptlinse wird von einem optischen Bildstabilisator beruhigt – das ist generell bei Smartphones unter 300 Euro selten, wie wir in diesem Artikel aufgeführt haben, bei einer UVP von 229 Euro aber ein Novum. Die Frontkamera schießt Fotos mit 8 Megapixel und verfügt ebenfalls über eine f/2.0-Blende.

Die Kamera ist einfach, aber dank OIS in Relation zum Preis überraschend gut

Die Qualität ist absolut in Ordnung, zumindest bei Tageslicht. Das letzte Quäntchen Bildschärfe fehlt zwar, davon abgesehen stimmen aber Farbwiedergabe und Bilddynamik, das Gesamtbild ist gut. Bildrauschen ist selbst bei genauem Hinsehen zwar auch bei hellem Tageslicht leicht zu erkennen, stört aber nicht weiter. Dank der zweiten Kamera gelingt auch ohne explizite Auswahl des Live-Bokeh-Modus bei Nahaufnahmen ein natürlich wirkendes Bokeh. Bei Aufnahmen mit wenig Licht sinkt die Bildschärfe und das Bildrauschen verstärkt sich – wie bei jedem Smartphone. Dank des OIS ist die Bildqualität in Relation zum Preis dann aber immer noch gut.

Die Bildstabilisierung bei Videos ist noch ganz in Ordnung, die Bildschärfe bei FHD-Filmen aber unzureichend. Deutlich besser wird das in 4K, dann werden Schwenks aber wegen der zu niedrigen Bildwiederholungsrate von 30 Bildern pro Sekunde unscharf. Insgesamt ist die Kamera dem Preis mehr als angemessen.

Ein Spitzenchipsatz in einem Smartphone der unteren Mittelklasse? Das ist neu, auch wenn der Trend immer mehr zu leistungsstarken CPUs in der Mittelklasse geht. Zugegeben: Der eingebaute Snapdragon 835 ist alles andere als taufrisch, doch was vor rund 3 Jahren in der Spitzenklasse gerade gut genug war, schlägt sich auch heute immer noch ordentlich – zumindest für die Mittelklasse. Im Leistungs-Benchmark Antutu kommt das Aquos V im Zusammenspiel mit 4 GByte RAM auf immer noch ordentliche 273.000 Punkte – damit liegt es auf einem Niveau mit dem Honor 9X (Testbericht), das einen aktuellen Mittelklasse-Chip in sich trägt. Im Alltag dürften wohl nur ausgewiesene Speedjunkies Entzugserscheinungen bekommen. Ruckler oder Hakler sind zumindest kaum zu finden, hier zeigt sich der Methusalem-Chip, dass er noch nicht zum Alteisen gehört.Auch in Spielen schlägt er sich noch ganz passabel, nur extrem anfordernde Titel verlangen nach reduzierter Grafik.

Auch die restlichen Werte gehen in Anbetracht des niedrigen Preises absolut in Ordnung. Die 64 GByte interner Speicher lassen sich per Mikro-SD um bis zu 256 GByte erweitern, neben Bluetooth 5.0, GPS und WLAN ac gibt es LTE mit Cat. 9 (bis zu 450 Mbit/s im Download). Außerdem verfügt das Sharp-Smartphone über einen 3,5-Millimeter-Anschluss für herkömmliche Kopfhörer und einen USB-C-OTG-Port. Zudem schluckt das Gerät zwei Nano-SIMs. Der einzelne Lautsprecher klingt eher spitz als wohltönend, der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite arbeitet hingegen zuverlässig und schnell.

Größte Nachteile des Aquos V sind fehlendes NFC und das überalterte Android 9 – hier hätte der Hersteller direkt zu Android 10 greifen sollen. Eine sicht- und spürbar angepasste Nutzeroberfläche gibt es nicht, dennoch darf angezweifelt werden, ob hier noch ein Update auf Android 10 nachgeschoben wird.

Strom kommt aus einem Akku mit 3160 mAh. Das ist ordentlich und reicht bei gemäßigter Nutzung im Alltag durchaus für den typischen 2-Tages-Rhythmus, dem die meisten Smartphones folgen. Lediglich beim gehäuften Abrufen der verfügbaren Leistung durch Spiele oder bei (Social)-Media-Süchtigen ist hier früher Schluss – auch ein Tribut an den älteren und damit energiehungrigeren Chipsatz. Im Battery Test von PCmark erreichte das Modell sehr gute 12 Stunden.

229 Euro verlangt der Hersteller für sein Aquos V in der UVP, das ist grundsätzlich ein guter Preis für das Gebotene. Zudem dürfte er wie bei nahezu allen Smartphones schnell sinken, was das Sharp Aquos V dann zu einer echten Empfehlung machen könnte. Zum Testzeitpunkt lag der Verkaufspreis in unserem Preisvergleich aber auf Augenhöhe mit der UVP.

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Weitere Angebote im Heise Preisvergleich

Dieser Einstand gelingt Sharp: Das Aquos V bringt (fast) alles mit, was ein Mittelklasse-Smartphone haben sollte, setzt das auch noch gut um und schafft das zu einem Preis, den sonst nur Xiaomi, Oppo und Co. schaffen. Negativ fallen vor allem fehlendes NFC und das alte Android auf, über den Verzicht auf eine Notch lässt sich streiten. Richtige Schwächen hat das Smartphone davon abgesehen aber nicht.

Für inzwischen noch weniger Geld bekommen Interessenten ansonsten Modelle wie das Honor 9X (Testbericht), Xiaomi Redmi Note 8T (Testbericht) oder das Samsung Galaxy A40. Weitere interessante Modelle haben wir in unserer Top-10 der besten Smartphones bis 200 Euro zusammengefasst.

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