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Sennheiser Momentum 3 im Test: Feines für die Ohren

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Sie haben es wieder getan: Mit der dritten Auflage des Momentum verbindet Sennheiser Klang, Funktionen und Design zu einem nahezu perfekten Kopfhörer.

Es sind nur Details, die die Neuauflage des Momentum Wireless vom Vorgänger unterscheiden. Die Design-Updates, die Sennheiser der dritten Version seines Vorzeigemodells spendiert hat, sind dezent, aber wirkungsvoll.

Der Test zum Sennheiser Momentum 3 fällt in unsere Themenwelt Kabellose ANC-Kopfhörer. Dort sind bereits Testa zum Sennheiser PXC 550, dem Bose NC 700 oder zu den Surface Headphones von Microsoft uns weiteren ANC-Kopfhörern erschienen.

Wo das Polster des Kopfbügels vorher eine Aussparung hatte, befindet sich beim aktuellen Modell eine komplette Ummantelung aus Schafsleder. Das bringt zwar kaum mehr Komfort, wirkt aber moderner – ohne die Retro-DNA komplett zu verleugnen. Der Bügel besteht noch immer aus Metall, die ohrenumschließenden Hörer werden daran an einer Schiene in der Höhenposition verschoben. Der Kunststoff der Ohrhörer-Gehäuse hat einen komplett matten Look, was sie edel erscheinen lässt und perfekt mit der metallischen Aufhängung korrespondiert.

Auf eine moderne Touchbedienung muss man beim Momentum verzichten. Die Bedienelemente für alle wesentlichen Funktionen befinden sich nach wie vor hinten am rechten Ohrhörer. Ganz oben sitzt der ANC-Schalter, mit dem die Geräuschunterdrückung aktiviert oder zwischen Geräuschunterdrückung und Transparentmodus ausgewählt wird. Darunter befinden sich Lautstärke-Tasten, dazwischen die Multifunktionstaste mit der beispielsweise Musik gestartet oder angehalten wird oder Anrufe angenommen werden. Der nächste Button dient zur Aktivierung von Sprachassistenz oder zur Bluetooth-Kopplung. Dann folgt der USB-C-Anschluss zum Aufladen oder um Musik kabelgebunden zu übertragen. Der traditionelle Klinkeneingang befindet sich letztendlich an der Unterseite.

Einen Powerbutton gibt es nicht: Der Momentum wird durch zusammenklappen an- und ausgeschaltet, die entsprechenden Kontakte für diese Funktion befinden sich in den Scharnieren der Aufhängung. Hier sollte man darauf achten, dass der Kopfhörer bei Nichtnutzung korrekt zusammengefaltet wurde, sonst bleibt die Verbindung zum Smartphone bestehen und Anrufe werden automatisch auf den Momentum umgeleitet. Eine weitere Bedienung ist ebenfalls unsichtbar: Mit dem Smart-Pause-Feature stoppt die Musik automatisch beim Absetzen des Kopfhörers – und beginnt wieder, sobald der Momentum wieder aufgesetzt wurde. Dieses Feature lässt sich per App aktivieren.

Insgesamt hat Sennheiser an den richtigen Stellen geschraubt, der Momentum wirkt frischer und gleichzeitig wuchtiger, als der Vorgänger. Trotz eines Gewichts von gut 300 g sitzt er perfekt und ist auch nach längerem Tragen kaum zu spüren. Der Kopfhörer bleibt ein optisches Statement im hochwertigen Look.

Den Sennheiser Momentum 3 gibt es bislang nur in der Farbe Schwarz. Im Karton liegt noch eine stabile Transporttasche, ein Micro-USB-C-Kabel, ein USB-C-Adapter, mit dem der Kopfhörer auch mit älteren USB-Anschlüssen betrieben werden kann und ein Klinkenkabel.

Bereits das Vorgängermodell produzierte einen Klang auf höchstem Niveau. Auch in dieser Disziplin legt der Momentum 3 noch eine Schippe drauf. Bei den Codecs hat Sennheiser mit SBC, aptX, aptX Low Latency und AAC nicht gespart, auch bei Filmen wird der Sound ohne wahrnehmbare Latenz übertragen.

Bei Wiedergabe von Musik zeigt der Kopfhörer seine Muskeln. „Time-Lapse City“ von GoGo Penguin beginnt mit einer soften Pianofolge, die so räumlich und nah klingt, als säße man in einem Privatkonzert. Der einsetzende Bass fügt sich perfekt ein, deutlich und akzentuiert zu hören, aber nie dominant. Die Percussion binden den Klang in den Höhen perfekt ab, die Hi-Hat zischt, wird nie schrill und schwebt über der Jazz-Melodie. Wenn man eine Kritik äußern wollte, könnte höchstens der leicht klinische Sound irritieren. Wir würden es aber eher unverfälscht nennen.

Die Bedienelemente am Sennheiser Momentum 3.

„The Truth“ von James Blunt startet mit einer rhythmisch gezupften Gitarre, die im gesamten Klangspektrum abgebildet wird. Selbst das Ausklingen der Saiten ist deutlich hörbar, nur selbstgespielt klingt wahrhafter. Der Rest des Songs ist langweilige Standardware: Hört sich auf dem Momentum zwar blendend an, an der Komposition kann der Kopfhörer aber natürlich nichts verbessern.

Bei Live-Aufnahmen wirkt der Sound ein wenig distanziert: Die Toten Hosen haben für das Album „Unter Strom“ auch ihren Hit „Hier kommt Alex“ vor Live-Publikum eingespielt. Bei dem Song liegt der Fokus vor allem auf den wirklich guten Mitten, es fehlt allerdings an Räumlichkeit, die Tiefen sind zu verhalten, die Höhen dafür ein wenig zu stark. Selbst mit viel Fantasie kommt nicht das Gefühl auf, im Publikum zu sitzen. Durch die Equalizer-Einstellungen per App ließe sich das optimieren, in der Standardeinstellung fehlt es ein wenig an Wumms.

Der taucht dann wieder bei „Touch“ von Cigarettes After Sex auf. Der leichte Basslauf erwischt sofort Ohr und Herz und bildet ein feines Fundament für den Song. Der Gesang von Greg Gonzalez schleicht sich ganz sanft heran und kann in allen Facetten glänzen. Die fast flüsternde Stimme bekommt vom Momentum eine perfekte Bühne. „Bust This Town“ von Stereophonics wiederholt diesen Effekt aufs wundervollste. Der Anfang ist noch karg – eine Gitarre und der Gesang. Doch dann, ein paar Takte später legt die Band los. Bass, Drums, Backround-Chor kommen hinzu, die Stimme von Kelly Jones nimmt an Fahrt auf. Jeder Part wird mit dem Momentum exzellent dargestellt, jedes Instrument lässt sich orten und macht aus dem Klangerlebnis eine runde Sache.

Das gilt auch für „Blah Blah Blah“ von Armin van Buuren. Auch wenn der Song wahrscheinlich komplett am Computer entstand, wird er mit dem Momentum sehr lebendig aufgelöst. Trotz der wuchtigen Basstöne bekommen die Mitten und Höhen viel Platz zur Entfaltung. Die Klänge, die mit anderen Kopfhörern leicht zu einem akustischen Eintopf verrührt worden wären, sind hier jeder für sich wahrnehmbar. Allerdings ist der Momentum nicht unbedingt für Musik dieser Art gemacht: Dem Bass fehlt hier die Dominanz, die man bei einem Club-Sound erwarten würde. Wer fettere Beats hören möchte, greift eher zum Studio 3 Wireless von Beats (Testbericht). Wer allerdings unabhängig vom Genre auf einen perfekt balancierten Sound steht, wird dem Momentum immer den Vorzug geben. Was Bassliebhaber als fehlenden Wumms bezeichnen könnten, nennen wir vornehme Zurückhaltung.

Bei der Geräuschreduzierung gibt sich der Momentum ebenfalls keine Blöße. Auch wenn die Platzhirschen Sony mit dem WH-1000 XM3 (Testbericht) und Bose mit seinen NC 700 (Testbericht) und Quietcomfort 35 II (Testbericht) in dieser Disziplin noch immer den Ton angeben (oder besser: abstellen), macht Sennheiser wahrlich einen guten ANC-Job. Der Schieberegler an der Hardware aktiviert den per App voreingestellten Stärkegrad der Geräuschunterdrückung. Hier hat man die Wahl zwischen Maximal mit der größtmöglichen Abschirmung, Anti-Wind mit geringerer Abschirmung aber Schutz vor Windgeräuschen und Anti-Druck ohne das für ANC häufig typische Druckgefühl auf den Ohren.

Sennheiser Momentum 3

Und in der Tat reduziert der Momentum in der maximalen Einstellung Außengeräusche gut. Straßenlärm wird erträglich, Bahngeräusche sind kaum noch störend. Im Büro wird das Geschnatter der Kollegen zu einem fernen Brummen. Wird der ANC-Hebel herunterzogen, wird Transparent Hearing aktiviert. Die vier an den Hörmuscheln angebrachten Mikrofone übertragen die Außengeräusche wie Ansagen oder Straßenverkehr bei laufender Musik.

Auch Telefonate klingen hervorragend, auf beiden Seiten. Hier merkt man deutlich, dass Sennheiser sich mit Mikrofonen auskennt. Obwohl sich die Mikros des Momentum in Höhe der Ohren befinden, zeichnen sie die eigene Stimme gut auf und minimieren gleichzeitig störende Außengeräusche. Die Gegenseite klingt wiederum so gut, wie es eine Telefonübertragung erlaubt. Richtig gut wird es, wenn die Gespräche mit Services wie Skype, Whatsapp oder Facetime erfolgen.

Laut Sennheiser hält der nicht wechselbare Akku – abhängig von der gewählten Lautstärke – lediglich bis zu 17 Stunden durch, wenn Bluetooth und ANC aktiviert sind. Hier wäre deutlich mehr drin gewesen. Bis zu drei Stunden dauert es, bis der Kopfhörer wieder voll aufgeladen ist.

Mit der kostenlosen Smartphone-App „Smart Control“ lässt sich vor allem die ANC-Stärke regeln und der Equalizer justieren. Darüber hinaus dürfen Nutzer damit die Funktion „Smart Pause“ aktivieren, wodurch die Audiowiedergabe startet oder pausiert, sobald der Kopfhörer auf- oder abgesetzt wird.

Sennheiser hat dem Momentum eine dezidierte Taste spendiert, über die sich der auf dem Smartphone aktivierte Sprachassistenten direkt nutzen lässt.

Der UVP des Sennheiser Momentum 3 liegt derzeit bei 399 Euro. Ein stolzer Preis, aber in Bezug auf Verarbeitung, Design, Klangqualität und ANC-Fähigkeit absolut gerechtfertigt. Wem das zu teuer ist, kann mit dem Vorgängermodell bei nicht wesentlich schlechterer Qualität deutlich Geld sparen.

Sennheiser Momentum 3 Wireless (508234)

Sennheiser Momentum 3

Sony WH-1000XM3 schwarz (WH1000XM3B.CE7)

Sony WH-1000XM3

Bose Noise Cancelling Headphones 700 schwarz (794297-0100)

Bose NC 700

Microsoft Surface Headphones (GUW-00008/MXZ-00009)

Microsoft Surface Headphones

Der Sennheiser Momentum 3 ist in diesem Preissegment ein Kopfhörer der Extraklasse. Die Verarbeitung ist toll und der Sitz bequem. Doch besonders beim Klang kann der Momentum überzeugen. Selten hatten wir einen Kopfhörer im Test, der den Sound so ausgewogen und akzentuiert darstellt. Bass-Enthusiasten werden möglicherweise von der Zurückhaltung bei den Tiefen ein wenig enttäuscht sein und auch Freunde von großer Wärme frösteln vielleicht ein wenig, wenn sie ihre Lieblingssongs mit dem Momentum hören.

Der Momentum ist das Pendant zu Marie Kondō: Er wirkt sehr aufgeräumt, komplett befreit von unnötigem Ballast. Die leicht klinische Note lässt sich entsprechend der eigenen Hörgewohnheiten per Equalizer optimieren, doch damit nimmt man dem Kopfhörer die Kraft des Minimalismus. In unserem Test bewegt sich der Momentum klanglich auf Augenhöhe mit dem WH-1000 XM3 von Sony. Die ANC-Fähigkeiten sind ebenfalls gut, wenn auch nicht perfekt. Geräusche werden gut abgeschirmt, allerdings hätten wir uns mehr Stufen zur individuelleren Regulierung gewünscht. Das Transparent Hearing ist eine willkommene Ergänzung. Die App-Funktionen sind auf das Nötigste reduziert, häufig muss die App nicht aufgerufen werden.

Etwas störend der fehlende Power-Schalter am Momentum. Eigentlich ist es smart, den Kopfhörer durch zusammenfalten auszuschalten. Allerdings bleibt er manchmal dennoch an und hält die Verbindung zum Smartphone aufrecht. Hier würden wir uns ein Firmware-Update für eine Desensibilisierung wünschen. Insgesamt ist der Momentum 3 ein toller Kopfhörer. Im Vergleich mit dem Vorgänger ist es zwar nur ein kleines Update, im Vergleich mit der Konkurrenz ein großer Wurf für den Klang.

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