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Samsung Galaxy Tab S7+ 5G im Test: Was für ein Brett!

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Samsung durchbricht mit dem Galaxy Tab S7+ seit langer Zeit mal wieder die 12-Zoll-Grenze und packt auch sonst nur Highend-Technik inklusive OLED-Display und Stift mit in den Lieferkarton. Wir zeigen im Test, was das Spitzen-Tablet alles kann.

Abgesehen von ein paar Ausnahmen mit teils deutlich über 10 Zoll haben sich die meisten Hersteller von Android-Tablets auf 10,1 Zoll als Standard-Display-Größe geeinigt. Samsung bricht mit dieser “Normalität” und verpasst seinem Spitzen-Tablet Galaxy Tab S7+ satte 12,4 Zoll bei hoher Auflösung und in OLED-Qualität, außerdem steckt der Hersteller alles in das Tablet, was im Highend-Regal an Technik zu finden ist. Besitzer eines iPad Pro werden sich die Augen reiben: Der S-Pen genannte Stylus ist beim Galaxy Tab S7+ trotz ohnehin schon niedrigerem Preis des Tablets mit dabei, beste Voraussetzungen also für Bestnoten im Test – oder?

Was für ein Brett! Das ist das Erste, was uns beim Auspacken des Samsung Galaxy Tab S7+ in den Sinn kam und darum hat es dieser Gedanke auch in die Überschrift geschafft. Denn Samsung kombiniert das riesige Display, das dank gleichmäßig schmaler Ränder fast die ganze Front einnimmt, mit gerade einmal knapp 6 Millimeter dünnem Alugehäuse. Insgesamt wirkt das Galaxy Tab dadurch fragil und enorm hochwertig zugleich. Zwar lässt sich das Tablet leicht verwinden (bei der dünnen Bauform kein Wunder), dennoch macht das Gerät einen recht robusten Eindruck, sofern man gesittet damit umgeht. Die monolithische Bauweise erhöht den faszinierenden Eindruck noch weiter. Der Hersteller wählt eine sehr kantige Formensprache, dennoch fasst sich das Gerät nicht scharfkantig an. Lediglich die Größe von 285 × 185 Millimeter und das daraus resultierend hohe Gewicht von 575 Gramm erschwert eine andauernde Verwendung in der Hand. Eine Nutzung ist auf längere Sicht daher auf dem Tisch liegend oder im optional erhältlichen Keyboard Cover empfehlenswert.

Beim Liegen auf geraden Oberflächen stört die rund einen Millimeter vorstehende Kameraeinheit auf der Rückseite kaum, durch die schiere Fläche des Tablets liegt das Modell bei Bedienung weitestgehend wackelfrei. Die komplette Rückseite besteht aus Aluminium. Zu den Seiten hin sind als Designmerkmal perfekt in das Metall integrierten Antennenstreifen erkennbar. Von der Kamera ausgehend zieht sich ein langer schwarzer Streifen aus Glas, der als Andock- und Lademöglichkeit für den im Lieferumfang befindlichen Stylus dient. Der ist an einer Seite etwas abgeflacht und wird richtig angebracht magnetisch gehalten. Eine kurz auf dem Display eingeblendete Anzeige verrät den Ladezustand des S-Pen genannten Stifts.

Die Haltekraft ist stark genug, dass der Stylus nicht durch versehentliches Anrempeln oder Schütteln des Tablets abfällt. Dennoch macht diese Aufbewahrungsart den Eindruck, eher für zwischendurch gedacht zu sein. Eine Integration des S-Pen wie beim aktuellen Samsung Galaxy Note 20 Ultra (Testbericht) ist wegen der dünnen Bauform des Tablets und dem Stylus in normaler Kugelschreibergröße- und dicke aber nicht anders möglich. Trotz des Unibodys des Galaxy Tab S7+ ist das Tablet nicht wasser- und staubdicht.

Alle Bilder vom Samsung Galaxy Tab S7+ im Test (28 Bilder)

Samsung Galaxy Tab S7+

Neben der ultradünnen Bauform ist das riesige Display am imposantesten. Das liegt neben der schieren Größe von 12,4 Zoll vor allem an der Brillanz, die das Panel ausstrahlt. Farben werden leuchtend, aber ohne den Bonbon-Look früher OLEDs dargestellt und die Kontraste zum abgrundtiefen Schwarz begeistern. Das ist grundsätzlich auch bei guten Smartphone-Displays nicht anders, auf über 12 Zoll wirkt das aber noch einmal beeindruckender. Hinzu kommt, dass Samsung dem Screen eine Bildwiederholungsrate von 120 Hertz spendiert. Im Zusammenspiel mit der starken Hardware werden bewegte Inhalte dadurch absolut flüssig dargestellt – toll. Im Gegensatz zu den Smartphones des Herstellers funktioniert das nicht nur bei reduzierter Full-HD-Auflösung, sondern auch den vollen 2800 × 1752 Pixel des Tab-S7+-Displays. Damit kommt der Screen übrigens auf 266 Pixel pro Zoll - natürlich weniger als bei einem Smartphone, aber wegen des normalerweise größeren Abstands zum Auge genug, um als scharf gelten zu dürfen.

Besonders gelungen ist auch die Blickwinkelstabilität. Selbst aus sehr flachen Betrachtungswinkeln gibt es keine nennenswerten Farbveränderungen und die Helligkeit bleibt nahezu gleich. Letztendlich gibt es nur zwei Einschränkungen: Die spiegelnde Gorilla-Glas-3-Oberfläche des Panels und die Helligkeit. Beides verhindert eine effektive Nutzung im Freien. Die Helligkeit, die – zumindest im Automatikmodus – sonst eher eine Paradedisziplin von Samsungs OLED-Screens ist stellt hier sogar eine Schwachstelle dar: Selbst bei hellem Umgebungslicht konnten wir nur rund 450 cd/m2 messen. Das ist wenig für ein Spitzenprodukt, zumal Samsung bei seinen Smartphones auch schon mal an der 1000-Candela-Marke kratzt. Damit verbannt der Hersteller das Galaxy Tab S7+ ins Homeoffice – Terrasse oder Park bleiben weitestgehend verwehrt. Schade. Ein Grund dafür könnte der Stromverbrauch sein, der in einem so dünnen Tablet (und entsprechend begrenztem Raum für einen starken Akku) bei so großem Screen schnell zum Problem wird.

Traditionell taugen die Kameras auf der Rückseite bei einem Tablet wenig und die Frontkamera wird zur Hauptkamera. Ganz so schlimm ist es beim Samsung Galaxy Tab S7+ nicht, zu viel sollten Nutzer aber dennoch nicht erwarten. Im Vergleich zu einer guten Smartphone Kamera, die Samsung in seine Spitzenmodelle wie Samsung Galaxy S20 Ultra (Testbericht) oder Samsung Galaxy Note 20 Ultra (Testbericht) einbaut, fehlt es der 13-Megapixel-Hauptlinse und der nur 5 Megapixel starken Weitwinkeloptik an Bildschärfe und Detailreichtum. Das fällt auf den ersten Blick in der Vollbildbetrachtung kaum auf, zumal die Bilddynamik ordentlich ist und sich Bildrauschen in Grenzen hält. Feine Strukturen wirken bei genauerer Betrachtung aber immer etwas verwaschen.

Die Kamera ist für ein Tablet in Ordnung

Fast schon überraschend gut ist der Weitwinkel – trotz seiner niedrigen Auflösung sorgt er ebenfalls für passable Bildqualität, auch wenn zu den Rändern hin sichtbare Verzeichnung und chromatische Aberration sichtbar sind. Mit abnehmendem Licht sinkt die Bildqualität aller Linsen schnell bis zur Unbrauchbarkeit ab – ein typisches Tablet-Problem. Die Frontkamera knipst Aufnahmen mit 8 Megapixel und eignet sich gut für Videochats, die mit bis zu 4K/30 möglich sind. Dabei fallen weder die nicht ganz optimale Bildschärfe, noch die im Vergleich zur Hauptkamera auf der Rückseite etwas schwächer ausgeprägten Kontraste auf. Die Selfie-Kamera leistet befriedigende Arbeit und bietet viele Software-Features.

Alle Originalaufnahmen mit dem Samsung Galaxy Tab S7+ (10 Bilder)

Weitwinkel

Bei der Hardware baut Samsung in das Galaxy Tab S7+ allerhand Spitzen-Technik ein. So wird das Tablet von einem Snapdragon 865+ angetrieben, Qualcomms derzeit schnellstem Chipsatz. Kombiniert wird er mit 8 GByte LPDDR5-RAM – der ist zwar schnell, aber inzwischen sind 8 GByte längst nicht mehr State of the Art. Einige Gaming-Smartphones wie das Lenovo Legion Phone Duel kommt gar mit 16 GByte daher. Einen echten Unterschied zu den 8 GByte des Galaxy Tab S7+ dürfte allerdings nur in Ausnahmefällen zu bemerken sein, daher ist die Wahl der Arbeitsspeichergröße kein wirklicher Kritikpunkt. Zumal Inhalte im Zusammenspiel mit dem 120-Hz-Display absolut flüssig dargestellt werden und das Tablet zu keinem Zeitpunkt während des Tests den Eindruck machte, an seine Leistungsgrenzen zu kommen.

Das Tab S7+ macht auch in Spielen richtig Spaß

Das bestätigt das Ergebnis von rund 12.500 Punkten in PCmark Work 2.0 - das ist zwar deutlich weniger als bei manchem Smartphone mit gleichem Chipsatz, aber immer noch ein sehr strammer Wert. Die gute Performance zeigt sich auch in Spielen wie PUBG-Mobile, in denen das Tablet auch bei höchsten Grafikeinstellungen flüssige Darstellung bietet. Das ist dann auf dem großen Display sehr imposant und bietet starke Immersion, allerdings wird das Tablet auf Dauer etwas schwer. Abhilfe schaffen diverse Lösungsansätze, wie wir sie in unserem Ratgeber für perfektes mobiles Gaming zusammengefasst haben. Auf dort unter anderem angesprochene Bluetooth-Lautsprecher dürfen Nutzer allerdings gern verzichten. Die vier Lautsprecher zu beiden Seiten des Displays liefern lauten und klaren Sound, der sogar mit einer ausreichenden Spur Tiefgang gewürzt ist – viel besser geht es bei einem so dünnen Gehäuse einfach nicht. Damit lassen sich auch Serien gut schauen, die bei dem brillanten Display richtig Spaß machen. Toll ist der Stylus im Lieferumfang, der durch seine natürliche Größe gut in der Hand liegt. Die Latenz beim Schreiben oder Zeichnen hält sich in engen Grenzen. Dank des großen App-Angebots wie Autodesk Sketchbook lassen sich damit tolle Kunstwerke erstellen – sofern der Nutzer das denn beherrscht.

Der Stylus wirkt unterwegs erst mit dem teuren Keyboard Cover richtig sicher

Während der Stylus zwar dank starkem magnetischem Halt beim Aufladen nicht so schnell verloren gehen sollte, wirkt er auf der Rückseite des Tablets angebracht trotzdem immer etwas deplatziert. Anders ist das mit dem optionalen Keyboard Cover. Das verfügt nicht nur über eine gute Volltastatur inklusive einer kompletten Ziffernreihe, F-Tasten, Pfeiltasten und sogar einem Touchpad, sondern seine Abdeckung für die Rückseite umschließt auch den Stylus. Aus seiner Transportposition dürfen Nutzer ihn ganz einfach befreien, indem sie einen kleinen Teil der Rückseite umklappen. Zudem erlaubt die stufenlos abwinkelbare untere Hälfte der Abdeckung eine Aufstellung des Displays in beliebigen Winkeln sogar über 90 Grad hinaus. Das Cover ist zwar mit rund 150 Euro nicht gerade billig, ist aber im Zusammenspiel mit einem weiteren Monitor gerade mit Features wie Dex (kabellos oder für weniger Latenz per USB 3.2) einen echten PC-Ersatz für einfache Office-Anwendungen.

Nicht ganz so gut gefallen hat uns der Fingerabdrucksensor. Er ist im Display versteckt und zwar durch seine Platzierung weit am Rand gut positioniert, arbeitete aber im Test nicht so genau wie seine Pendants in Samsung-Smartphones und auch die Entsperrgeschwindigkeit dürfte ruhig etwas höher sein. Beim internen Speicher gibt es hingegen nichts zu meckern. Die 256 GByte UFS-3.1-Speicher im Tab S7+ sind ziemlich schnell und erreicht mit 19.900 Punkten in PCmark Storage ein ordentliches Ergebnis. Auch beim Rest der Hardware gibt es auch nichts zu meckern. Was alles dazugehört zeigt ein Blick in die Tabelle.

Bei der Software setzt Samsung immer noch auf Android 10 – gerade bei Tablets ist eine vergleichsweise langsame Update-Versorgung allerdings leider normal. Derzeit ist dabei Android 11 noch gar nicht zu finden. Tablets mit Android 10 haben wir hier (Ratgeber) aufgeführt. Der Sicherheits-Patch des Tab S7+ stammt von Oktober und ist zum Testzeitpunkt Anfang November ausreichend aktuell.

10.090 mAh leistet der Akku im Samsung Galaxy Tab S7+, das klingt in so einem dünnen Tablet nach einem richtig guten Wert. 14 Stunden Laufzeit gibt Samsung entsprechend für sein Spitzen-Tablet an – ohne dabei aber genau zu definieren, wie die sich zusammensetzen. Einem realistischen Szenario kann diese Angabe allerdings nicht entsprungen sein, dem widersprechen sowohl unser Eindruck, den wir uns vom Tablet im Testzeitraum machen konnten, als auch der Battery Test von PCmark. Bei einer fest eingestellten Helligkeit von 200 cd/m2 kam das Tablet hier nur auf rund 7,5 Stunden – im Vergleich zu vielen anderen Geräten ist das nicht viel. Der Vorgänger Samsung Galaxy Tab S6 (Testbericht) schaffte hier immerhin über 11 Stunden.

Das neue Modell bietet allerdings 120 Hz, das frisst erfahrungsgemäß in diesem Szenario rund 1 bis 2 Stunden Laufzeit – auch dann wäre das Tab S7+ allerdings kein Laufzeitwunder. Hier macht sich die extrem dünne Bauform des Spitzen-Tablets negativ bemerkbar. An anderer Stelle hätte Samsung für Ausgleich sorgen können, versucht das aber gar nicht erst: beim Laden. Über 3 Stunden dauert das beim Galaxy Tab S7+, das geht auch bei einem Akku jenseits der 10.000 mAh schneller. Kabellos klappt das beim Tab S7+ gar nicht.

Das Samsung Galaxy Tab S7+ gibt es in den Farben Schwarz, Silber und Bronze. Unterschiedliche Speicherausstattungen fehlen, Nutzer dürfen nur zwischen der Wifi-only-Variante für 954 Euro (UVP) und der 5G-Version für 1149 Euro (UVP) wählen. Das empfehlenswerte Keyboad Cover kostet knapp 150 Euro in der UVP.

Hauptunterschied zum günstigeren Samsung Galaxy Tab S7 (ohne Plus-Namenszusatz): 5G gibt es dafür nicht, außerdem kommt dort ein IPS-LCD statt des OLEDs zum Einsatz.

Das Samsung Galaxy Tab S7+ ist ein Spitzen-Tablet, das wir eher für den Einsatz in den eigenen vier Wänden konzipiert sehen. Dann fällt nämlich weder das etwas dunkle Display, noch der nicht ganz so ausdauernde Akku ins Gewicht. Stattdessen punktet das schicke Gerät dann mit brillanter Darstellung, grandioser Leistung und elegantem Design und macht sich so auf jedem Schreibtisch oder auf dem Sofa gut. Der im Lieferumfang enthaltene Stylus komplettiert das runde Gesamtpaket. Dank entsprechendem App-Angebot und dem teuren, aber hervorragenden Keyboard Covers dürfte das Tablet sogar im Homeoffice-Betrieb gute Dienste leisten – wem das nicht reicht, der sollte einen Blick in unseren Ratgeber zu Homeschooling-Lösungen (Ratgeber) werfen.

Insgesamt ist das Tab S7+ ein tolles Stück Technik, das allerdings auch seinen Preis hat – auch wenn der niedriger als beim direkten Konkurrenten iPad Pro liegt. Wer so viel nicht ausgeben will, sollte einen Blick zum Vorgänger Samsung Galaxy Tab S6 (Testbericht) werfen, das inzwischen deutlich günstiger zu bekommen ist.

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