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Samsung Galaxy S5 im Test: Vieles richtig gemacht

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Die Vorstellung des Samsung Galaxy S5 auf dem Mobile World Congress im Februar ließ schon erahnen: Hier kommt etwas Großes auf uns zu. Nicht, weil die Veranstaltung besonders pompös gewesen wäre. Und auch nicht in Bezug auf die Display-Diagonale des neuen Android-Smartphones – obwohl das zugegebenermaßen auch passen würde. Nein, beeindruckt hat die mediale Aufmerksamkeit, die Samsung hier erreicht hat: Tausende Journalisten quetschten und drängten sich vor den noch verschlossenen Türen, als gäbe es etwas umsonst. Etwas großes, wofür es sich lohnt, sein Leben auf's Spiel zu setzen. So wie den Sommerschlussverkauf bei Karstadt.

Inzwischen hatten wir die Möglichkeit, uns zwei Wochen ausführlich mit dem Galaxy S5 zu beschäftigen. Kurz und knapp: Ein geiles Teil. Aber der Reihe nach.

Das S5 ist auf den ersten Blick der Galaxy-S-Reihe zuzuordnen: Flach, silberner Rahmen, viel Display an der Front, mechanischer Home-Button. Eine sanfte Weiterentwicklung von dem, was wir schon kennen. Gefällig, aber nicht aufdringlich. Allerdings: Es bleibt beim großzügigen Einsatz von Korea-Metall, sprich: Plastik. Freunde edler Materialien kommen hier nicht auf ihre Kosten. Der silberne Rahmen am Rand? Lackierter Kunststoff, versehen mit Rillen. Erinnert mich irgendwie an den Look von US-Sportwagen der 60er Jahre.

Nimmt man es in die Hand, kommen aber erste Zweifel – denn so hat sich vorher noch kein Mitglied der Galaxy-S-Serie angefühlt. Die Rückseite ist gummiert. Grundsätzlich bin ich davon ein großer Fan, zumindest im Vergleich zu glänzendem Plastik: Man sieht keinen Dreck, es gibt nicht so schnell fiese Kratzer, und griffiger ist es obendrein. Doch die Rückseite des S5 fühlt sich irgendwie ... speckig an. Für mich ist das gewöhnungsbedürftig. Der erste Eindruck: Besser als zuvor, aber auch noch nicht richtig gut.

Hier ist die Golfball-Rückseite des Galaxy S5 zu sehen.

Der Vorteil von Plastik: Kosten und Gewicht. Während das S5 zwar nicht billiger ist als das HTC One mit seinem Alu-Unibody-Gehäuse, ist es aber zumindest leichter. So auffällig leicht wie die früheren Modelle ist es allerdings auch nicht mehr. Dafür sind vor allem das fette Display und der kräftige Akku verantwortlich.

Ungewöhnlich ist auch die Form der Rückseite. Der abnehmbare (Applaus!!!) Akkudeckel, unter dem sich sogar ein austauschbarer Akku befindet (Standing Ovations!!!), erinnert mit seinen kleinen Einbuchtungen ein wenig an die Form eines Golfballs. Vielleicht hilft das bei der Aerodynamik, sollte man sein S5 einmal wütend durch die Gegent schmeißen.

Außerdem haben es die Koreaner trotz abnehmbarem Akkudeckel geschafft, ihr Flaggschiff wasserdicht zu bekommen. Im Inneren zieht sich eine Gummidichtung um den Stromspeicher, die nach der Schutznorm IP67 Feuchtigkeit und Schmutz draußen hält. Damit das in der Praxis zuverlässig funktioniert, ist es wichtig, die Schutzkappe über der breiten USB-3.0-Buchse immer fest verschlossen zu halten. Die kleine Klappe rastet fest ein und hat einen stabilen Sitz – das sollte also kein Problem sein.

Trotz abnehmbarem Akkudeckel ist das Galaxy S5 wasserdicht.

Samsung wäre nicht Samsung, wenn das S5 kein OLED-Display hätte. Genauer: Vermutlich das beste, was wir jemals in den Fingern hatten. Es brennt einem mit knapp 380 cd/m2 im Dunkeln schon fast die Netzhaut weg – perfekt, denn im Dunkeln lässt es sich dimmen und bei direkter Sonneneinstrahlung noch ordentlich ablesen.

Wer auf dem Display einzelne Pixel erkennen möchte, braucht schon eine Lupe. Rechts oberhalb der Anzeige sitzt die Front-Kamera mit ihren 2,1 Megapixeln.

Die Blickwinkel sind technisch bedingt perfekt: Egal, von wo wir auf die Anzeige blicken, es gibt weder Farbveränderungen noch Kontrastprobleme. Und auch der Kontrast ist technisch bedingt perfekt. Da bei einem AMOLED-Display schwarze Pixel komplett abgeschaltet sind, ist er unendlich hoch. Noch dazu leuchten die Farben extrem kräftig – das hinterlässt einen tollen, aber etwas unnatürlichen Eindruck.

Allerdings könnte die Schärfe noch ein kleines bisschen besser sein. Das beweist uns HTC beim neuen One M8. Legt man beide Geräte direkt nebeneinander, sieht kleine Schrift auf dem HTC noch etwas besser aus als auf dem Samsung.

Klangwunder darf man von dieser kleinen Tröte auf der Rückseite des Galaxy S5 nicht erwarten.

Der kleine Lautsprecher auf der Rückseite ist die größte Schwäche des Galaxy S5 – vor allem im Vergleich zum HTC One, das mit kräftigen Stereo-Boxen an der Vorderseite punktet. Hier hat das Samsung gleich mehrere Haken im Vergleich zur Konkurrenz.

Bei hohen Lautstärken verzerrt der Klang. Das Galaxy S5 plärrt auf Wunsch zwar kräftig wie die Ultras des Lokalvereins, allerdings scheint es noch im Stimmbruch zu stecken. Noch dazu vibriert die Rückseite. Das macht keinen Spaß.

Bei der Digicam hat Samsung in den vergangenen Jahren kräftig aufgeholt. Das gilt auch für das neue Modell. Um genau zu sein gehört die Kamera des S5 zu den besten, die wir jemals im Labor getestet haben. Schärfe, Detailreichtum und Ausleuchtung sind überdurchschnittlich gut – und das, obwohl die Koreaner im Gegensatz zu HTC mit seiner Doppel-Kamera oder Nokia mit der 41-Megapixel-Kamera des Lumia 1020 hier keine speziellen Tricks auspackt, sondern "einfach nur" einen hochauflösenden Bildsensor verbaut.

Wobei: Etwas Hokuspokus ist doch an Bord. Spezielle Autofokus-Sensoren sollen das Fokussieren beschleunigen. Das funktioniert okay. Für Schnappschüsse reicht die Geschwindigkeit aus, doch den Speed des HTC One erreicht das S5 nicht.

Vor allem auf dem kräftig leuchtenden Display fällt auf, dass speziell rote und grüne Farbtöne etwas übertrieben dargestellt werden. Das sieht zwar beeindruckend, aber nicht sonderlich natürlich aus. Und: Für die krassen Töne zeichnet sich nicht nur die Anzeige verantwortlich. Auch auf dem Computer wirken die Farben zu kräftig.

Im Vergleich zum HTC One fällt auf, dass sich die Bilder sogar in dunkler Umgebung überraschend gut schlagen. Obwohl die Taiwaner beim M8 verhältnismäßig große Pixel auf Kosten der Auflösung verbauen, erkennen wir ein stärkeres Bildrauschen als beim Galaxy.

Das Galaxy macht übrigens auch als Camcorder keine schlechte Figur. Im Gegensatz zum HTC One zeichnet es Video nicht "nur" in Full-HD-, sondern in 4K-Auflösung auf. In wie weit es sinnvoll ist, diese großen Datenmengen unterwegs aufzuzeichnen, sei mal dahingestellt – aber es geht. Auch in Full-HD gelingen Videos auch dank des Bildstabilisators überdurchschnittlich gut.

Die folgende Tabelle informiert über die genaue technische Ausstattung des S5.

Produktdaten
Hersteller Samsung
Straßenpreis 445 Euro
Betriebssystem Android
Display 5,10 Zoll / AMOLED
Auflösung 1920 × 1080 Pixel / 432 ppi
Kamera 16 Megapixel / k. A.
Blitz, Videoleuchte Foto-LED
Auflösung (Video) 3840 x 2160
Frontkamera 2 Megapixel
Prozessor Qualcomm Snapdragon 801 MSM8974AC / 2,5 GHz / 4 Kerne
Speicherkartenslot ja / MicroSDXC bis 128 GByte
LTE ja / 800, 850, 900, 1800, 1900, 2100, 2600 (je nach Marktunterstützung unterschiedlich verfügbar)
WLAN 802.11a/b/g/n und ac
Bluetooth 4
NFC ja
GPS / Glonass ja / ja
Radio / FM-Transmitter nein / nein
Akku-Kapazität 2800 mAh / k. A.
Standby / Gesprächszeit 2G 450 h / 20 h
Standby / Gesprächszeit 3G 350 h / 17 h
Abmessung 72 × 142 × 10 mm
Gewicht 144 Gramm
Zwischen den beiden Touch-Tasten für Taskswitcher und Zurück befindet sich der Home-Button mitsamt integriertem Fingerabdrucksensor.

Darüber hinaus hat Samsung seinem neuen Flaggschiff noch zwei Besonderheiten verpasst. Die erste davon: ein Fingerabdruckscanner. Obwohl er wie beim iPhone 5S im Home-Button integriert ist, erinnert er mehr an die Lösung, die HTC beim One Max verbaut hat, als an die von Apple: Man muss seinen Finger nämlich nicht auflegen, sondern über den Sensor ziehen. Leider funktioniert das bei Samsung auch ähnlich durchwachsen wie bei HTC. Zuverlässig entsperren ohne Passwort-Eingabe? Klappte bei uns leider nicht. Ja, es geht, so ganz grundsätzlich. Aber der Frust-Faktor ist hoch. Wer zuverlässig scannen möchte, benötigt dafür schon fast beide Hände.

Ähnlich durchwachsen ist die zweite Besonderheit: der Pulsmesser. Er ist unterhalb der Kamera verbaut und arbeitet optisch. In ähnlicher Form kennen wir das schon von Apps für das iPhone, das aber keinen expliziten Sensor benötigt: Dort erfolgt die Messung über die Kamera.

Unterhalb der rückseitigen Kamera ist der Sensor für die Pulsmessung untergebracht.

Wenn Samsung hier mit einer anderen Technik ein besseres Erlebnis hinbekommen hätte, wäre es eine feine Sache. In der Praxis halten wir den Scanner aber für ein unnötiges Extra, das das Datenblatt ein wenig aufbläht. Sonderlich genau arbeitet er jedenfalls nicht; zumindest warnt Samsung davor, ihn für medizinische Zwecke einzusetzen. Und besonders schnell ist er auch nicht. Während der Messung muss man den Finger ruhig auf dem Sensor halten und soll sich weder bewegen noch reden – und die Messung dauert eine gefühlte Ewigkeit. Im Idealfall zeigt die S-Health-App den Puls nach ungefähr 5 Sekunden, meist dauert es aber deutlich länger – bis zu 20. Nun gut, wir beschweren uns nicht darüber, dass der Sensor da ist. Aber wir hätten ihn auch nicht vermisst, wenn es anders wäre.

Unter der Haube arbeitet das obere Ende der technischen Fahnenstange. Bei uns gibt’s das Galaxy S5 nur mit Snapdragon-801-Prozessor von Qualcomm – ein Quad-Core-Chip, der mit 2,5 GHz noch 200 MHz schneller taktet als der ansonsten baugleiche Prozessor im HTC One.

In Anbetracht der Tatsache, dass alle aktuellen Top-Smartphones so schnell sind, dass in der Bedienung keinerlei Ruckeln oder nervige Wartezeiten auftreten, halten wir diesen Punkt kurz. Erwartungsgemäß liegt die Leistung in den meisten Benchmarks etwas über dem niedriger getakteten HTC One, in der Praxis sind aber keine Unterschiede feststellbar.

Allerdings: Wer das Galaxy S5 mehrere Tage intensiv ohne Neustart betreibt, spürt irgendwann ein leichtes Ruckeln.

Wer mit seinem S5 noch Freude haben möchte, sollte vor dem Baden sicherstellen, dass die USB-Abdeckung geschlossen ist.

Der Lithium-Ionen-Stromspeicher des S5 hat eine überdurchschnittlich hohe Kapazität von 2800 mAh. Doch das reicht nicht, um die Konkurrenz vollkommen auszustechen. Das Galaxy S5 rangiert hier auf hohem Niveau, aber nicht an der Spitze.

Bei der Wiedergabe von Videos geht ihm der Saft nach 10,5 Stunden aus – und damit früher als dem HTC One (11,6 Stunden). Dafür erweist sich das Samsung bei 3D-Spielen energieeffizienter und hält 5,2 zu 3,9 Stunden durch. Beim Surfen über WLAN hingegen ist das HTC mit 13 Stunden deutlich langlebiger als das S5 mit 9,1 Stunden.

Selbstverständlich setzt Samsung auf die aktuelle Android-Version 4.4, die die Koreaner mit einer eigenen Oberfläche "verschönert" haben. Im Vergleich zum User-Interface des Vorgängers, dem Galaxy S4, wurde zumindest ein wenig der Rückwärtsgang eingelegt: Aus dem im letzten Jahr vorgestellten TouchWiz Nature UX wurde die Natur wieder gestrichen – die neue Oberfläche heißt nur noch TouchWiz UX. Die nervig-asiatisch-verspielten Tastentöne sind aber geblieben.

Insgesamt wirkt die Oberfläche modern und hübsch, aber auch etwas übertrieben-knallbunt und überfrachtet. Doch das ist sicherlich Geschmackssache – denn der Erfolg der Galaxy-S-Reihe beweist, dass die Koreaner nicht viel falsch machen.

Was aber zweifelsfrei nervt: Samsung scheint sich die Kasse mit einer ordentlichen Portion Bloatware aufhübschen zu wollen. Die Apps von Pizza.de (mit dem Namen "Essen bestellen"), vom Foto-Dienst Cewe, die HRS-Hotelreservierung und kaufDA sind vorinstalliert. Immerhin lassen sie sich problemlos vom Gerät löschen. Ansonsten wirkt die große Auswahl von vorinstallierten Apps mit komischen Namen zumindest am Anfang etwas verwirrend. Kleine Details – etwa warum der Kalender "S-Planner" heißen muss – erschließen sich uns nicht, sind aber nach einer kurzen Eingewöhnungsphase kein Problem mehr.

Und so geht’s zurück zur Überschrift: Samsung hat beim Galaxy S5 verdammt viel richtig gemacht und zweifelsfrei eines der besten Smartphones abgeliefert, die man derzeit kaufen kann. Es gibt eigentlich nichts, was am Galaxy S5 wirklich schlecht wäre. Wer in der glücklichen Lage ist, gut 600 Euro für ein Smartphone ausgeben zu können, macht hier nichts falsch.

Allerdings: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Denn auch andere aktuelle Smartphones sind einfach wirklich gut – wie etwa das HTC One oder das iPhone 5S. Und somit entscheidet der Geschmack. Mehr Foto-Features und hochwertigeres Material sowie etwas gefälligere Software gibt’s zum Beispiel bei HTC, doch die reine Bildqualität ist bei Samsung besser, zudem sind die Farben sowohl von Fotos als auch vom Display hier kräftiger. Ein um 200 Megahertz schnellerer oder langsamerer Prozessor hingegen sollte nicht das Entscheidungskriterium sein.

Vor allem die Software entpuppt sich mehr und mehr als Entscheidungsmerkmal. Daher unser Tipp: Vor dem Kauf sollte man die infrage kommenden Alternativen einmal in die Hand nehmen und ausführlich begutachten. Danach fällt die Wahl sicher deutlich leichter.

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