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Samsung Galaxy Note 20 Ultra im Test: Für Stift-Fetischisten

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Das Samsung Galaxy Note 20 Ultra 5G ist da. Die neueste Version von Samsungs-Stift-Phablets soll Käufer mit absoluter Spitzentechnik überzeugen, kostet aber auch entsprechend.

Update: Die Version mit 256 GByte hat einen neuen Tiefstpreis (Stand: 05.10.2020). Das Note 20 Ultra 5G kostet somit erstmals 920 Euro inklusive Versand. Noch vor wenigen Tagen lag es bei mindestens 980 Euro. Die Preiskurve zeigt, dass der Preis noch weiter fallen könnte (Link zum Preisvergleich).

Alle Jahre wieder bringt Samsung nach der S-Serie im zweiten Teil des Jahres eine neue Note-Version auf den Markt. Das neue Samsung Galaxy Note 20 Ultra orientiert sich nicht nur bei der Nomenklatur am S20 Ultra 5G (Testbericht), sondern bietet auch sonst viele Übereinstimmungen. Größter Unterschied ist und bleibt der ins Smartphone integrierte Stylus, im Detail gibt es aber noch weitere Abweichungen. Wir wollten im Test wissen, ob das reicht, um wirklich noch ein eigenes Gerät zu rechtfertigen.

Im Gegensatz zu den S20-Modellen kommt das Samsung Galaxy Note 20 Ultra etwas klotziger daher. Das beinahe schon monolithische Design erklärt sich in der Tatsache, dass der Hersteller den ikonischen S-Pen, den Stylus, der wie kein anderes Merkmal für die Note-Reihe steht, im Gerät unterbringen muss. Das funktioniert besser, wenn Stirn- und vor allem Fußseite des Gerätes im 90-Grad-Winkel zur Rückseite stehen, denn nur so lässt sich der Stylus einfach integrieren – und so bietet sich auch optisch ein ganz eigenes Design, das sich von der S-Serie unterscheidet.

Das bietet haptisch allerdings Nachteile. Denn während die langen Display-Seiten in schwungvoller Halbkreisform in den schmalen Metallrahmen und von dort beinahe nahtlos in die Glasrückseite übergehen, bildet der Übergang von Stirn- und Fußseite zu Front und Rücken eine vergleichsweise spitze Kante. Die ist zwar weit genug abgerundet, um nicht als scharfkantig zu gelten, beim Halten spürt man eine der Ecken im Handballen aber weit mehr als bei der S-Klasse. Mit diesem Problem hatte schon Sony bei seinen gewollt kantigen Designs zu kämpfen und auch Samsung hat dafür keine perfekte Lösung gefunden.

Das gilt in geringem Umfang auch für den seitlichen Übergang von Glas zu Metall und wieder zu Glas. Wer mit dem Finger darüber streicht, der wird einen Hauch von Scharfkantigkeit feststellen – auch hier ist das wieder nicht schlimm oder gar gefährlich, bei einem Preis von deutlich jenseits der 1000 Euro fällt so ein minimaler Makel aber einfach mehr als bei einem Einsteigergerät auf. Störender ist da schon die Rückseite. Zwar setzt Hersteller Samsung hier auf hochwertiges Aluminium und taucht den Werkstoff bei unserem Testgerät in einen außergewöhnlichen rosafarbenen Bronzeton, wer allerdings mit dem Finger auf das Metall klopft, bekommt als Resultat zumindest in der Mitte des Gerätes einen billig wirkenden, hohlen Ton zu hören. Das wirkt bei einem so teuren Smartphone einfach deplatziert und passt auch nicht zum ansonsten sehr hochwertigen Äußeren und der perfekten Verarbeitungsqualität. Ein weiteres Manko der Rückseite: Sie ist vor allem mit trockenen Fingern sehr rutschig. Immerhin bleiben Fingerabdrücke darauf nicht haften.

Die tolle Verarbeitung zeigt sich etwa in den weitestgehend optimal und unfühlbar in Stirn- und Fußseite ins Metall eingelassene Kunststoffantennenfugen und kaum sichtbaren und gleichmäßigen Spaltmaßen. Auch Lautstärkewippe und Powerbutton sind fast wackelfrei in das Gehäuse eingelassen und überzeugen mit genau definiertem Druckpunkt und angenehm knackigem Tastenhub. Bei einem anderen Punkt patzt Samsung aber schon wieder: Das Note 20 Ultra klappert, wenn man es schüttelt. Das Geräusch scheint vom optischen Bildstabilisator der Kamera zu kommen, zumindest ertönt es von der auffälligen Kameraeinheit. Auf einem Sonntagsspaziergang ist das Geklapper in seiner Hosentasche deutlich zu vernehmen, das macht keinen vertrauenserweckenden Eindruck – auch wenn es im Testbetrieb zu keinem spür- oder sichtbaren Hardware-Defekt kam.

Apropos Kameraeinheit: Die ist wie schon beim Samsung Galaxy S20 Ultra groß und ausladend, zudem steht sie noch etwas mehr aus dem Gehäuse hervor. Gute zwei bis drei Millimeter sind es jetzt beim Note 20 Ultra, da hilft wohl auch keine Schutzhülle mehr. Da die Einheit nicht mittig im Gerät platziert wurde, kippelt das Note 20 Ultra, sobald es auf einem Tisch liegend bedient werden soll. Alles in allem gibt es beim Thema Design und Verarbeitung trotz gutem Gesamteindruck Licht und Schatten – vielleicht sogar zu viel Schatten für ein so teures Smartphone.

Alle Bilder zum Samsung Galaxy Note 20 Ultra aus dem Test (27 Bilder)

Samsung Galaxy Note 20 Ultra

6,9 Zoll misst das Display des Samsung Galaxy Note 20 Ultra in der Diagonalen – also fast so viel wie bei einem Tablet, allerdings bei weniger Gehäusemaß, die in Relation dazu “nur” 165 × 77 Millimeter und nicht viel mehr als 200 Gramm betragen. Die Auflösung liegt bei 3088 × 1440 Pixel und ist knackscharf. Dank OLED-Technik ist die Darstellung des Screens in Bezug auf Kontrast, Farbe und Blickwinkelstabilität hervorragend. Auch die Helligkeit sucht ihresgleichen, mit über 900 gemessenen cd/m² im Automatikmodus zeigt Samsung erneut, wer der OLED-Champion ist. Denn zusätzlich zu solch überragenden Werten punktet das Panel mit HDR10+- und 120-Hertz-Wiedergabe – beeindruckend. Ein Manko bleibt aber auch hier: Die hohe Bildwiederholungsrate ist nur möglich, wenn das Display maximal Full-HD+ darstellt, nicht aber bei voller WQHD-Auflösung. Das war schon beim Samsung Galaxy S20 Ultra 5G (Testbericht) so, dessen Screen ähnlich grandios ist. Neu ist hingegen die Variable Refresh Rate. Sie erlaubt in der Theorie nicht nur die Wahl zwischen fixen Werten wie 60, 90 oder 120 Hz, sondern alles zwischen 10 und 120 Hz. Aktuell funktioniert das aber nur mit 10, 30, 60 und 120 Hz und hilft dann beim Stromsparen, etwa bei der Bildbetrachtung und automatisch nach unten geregelten 10 Hz.

Neu ist beim Note 20 Ultra allerdings das Display-Glas. Samsung setzt auf das neue Corning Gorilla Glas Victus, das Gorilla Glass 6 ablöst. Victus soll widerstandsfähiger gegen Kratzer als der Vorgänger sein, außerdem verspricht Corning, dass das Glas einen Sturz aus 2 Meter Höhe auf harten, glatten Untergrund überlebt. Wir wollten unser von Samsung gestelltes Testgerät solchen Strapazen nicht unterwerfen, der Youtuber JerryRigEverything hat aber bereits Tests mit dem Note 20 Ultra gemacht. Bei der Kratzfestigkeit bemerkte er keine Verbesserung im Vergleich zu Gorilla Glas 6, stattdessen scheint Victus sehr anfällig gegen Feuer zu sein. Beim Versuch, das Display mit einem Feuerzeug zu beschädigen, färbte sich die Oberfläche schwarzgrün und erholte sich auch nicht mehr. Normalerweise bleiben nur einige helle Stellen nach so einer Feuerzeugattacke zurück. Da Nutzer ihren teuren Schatz aber wohl kaum offener Flamme aussetzen, überwiegen die vielen positiven Aspekte des Note-20-Ultra-Panels deutlich.

Die riesige Kameraeinheit auf der Rückseite des Samsung Galaxy Note 20 Ultra steht nicht nur weit aus dem Gehäuse hervor, sondern zeigt auch noch sehr große Linsen. Das verspricht gute Fotoqualität. Zumindest auf das hohe Niveau des Samsung Galaxy S20 Ultra 5G (Testbericht) sollte es das Note schaffen, schließlich verfügen beide Geräte über die gleiche Hauptkamera mit 108 Megapixel und f/1.8-Blende. Dazu gesellen sich zwei 12-Megapixler für Weitwinkel (f/2.2) und Telefunktion (f/3.0), auf weitgehend überflüssige Technik wie einen Tiefensensor verzichtet Samsung. Haupt- und Telekamera werden von einem optischen Bildstabilisator (OIS) ruhig gehalten, der Weitwinkel muss ohne auskommen.

Die Triple-Cam ist bei Tag richtig gut

Bei Tageslicht brilliert das Kamera-Trio des Samsung Galaxy Note 20 Ultra. Hier zeigen Aufnahmen gute Bildschärfe, kaum Bildrauschen, ausreichend viele Details und angenehm satte, aber natürliche Farben. Die Bilddynamik fällt insgesamt sehr gut aus, sodass auch in dunklen Bildteilen noch vergleichsweise viel zu erkennen ist und helle Bildbereiche nicht ausbrennen. In der Vergrößerung sehen Details allerdings bisweilen etwas überzeichnet aus, das wirkt dann etwas zu gemalt. Besser wird das bei Aufnahmen mit vollen 108 Megapixel. Hier ist in der Vergrößerung ein deutlicher Unterschied zwischen einer herkömmlichen Aufnahme mit 12 Megapixel und Pixel-Binning und 108 Megapixel zu sehen, die zwingend in 4:3-Format geschossen werden. Der Zuwachs an Bildschärfe und Details hat allerdings seinen Preis: Während normale Fotos meist um 3,5 MByte Speicherplatz benötigen, fressen Aufnahmen mit voller Auflösung fast 10 Mal so viel. Außerdem verbessert sich die Qualität nur bei viel Licht, also etwa bei Tag und Außenaufnahmen. Ansonsten profitieren Fotos eher vom Pixel-Binning der Standardeinstellung, bei dem Informationen aus 9 Pixel zu einem Pixel zusammengesetzt werden.

Bei gutem Licht machen auch Weitwinkel und Telelinse qualitativ sehr ansprechende Aufnahmen. Gut gelungen ist Samsung die Abstimmung zwischen den einzelnen Linsen in Bezug auf Farbtemperatur und Lichtstimmung. Während einige Konkurrenten hier starke Unterschiede zwischen einzelnen Kameras zulassen, sehen Aufnahmen beim Note 20 Ultra in puncto Lichtstimmung nahezu gleich aus. Lediglich stärkeres Bildrauschen ist in der Vergrößerung im Weitwinkel sichtbar. Dafür bekommen Fotografen damit viel mehr Inhalt aufs Bild und der Zoom ermöglicht optisch bis zu 5-fache und elektronisch bis zu 50-fache Vergrößerung. Auf den 100-fachen Spacezoom des Galaxy S20 Ultra verzichtet Samsung beim Note-Modell. Der ist dort tatsächlich eher ein Marketingwerkzeug und erlaubt zwar schon mal faszinierende Einblicke, bietet allerdings nicht wirklich gute Bilder. Das ist beim 50-fach-Zoom des Note 20 Ultra ähnlich, nutzbar ist eher der Bereich bis 20-fache Vergrößerung. Druckreif ist die Qualität sogar eher nur bis zur 10-fachen Vergrößerung.

Die Kameraeinheit steht weit aus dem Gehäuse hervor

Bei Nacht lässt die Bildqualität ohne Nachtmodus sichtbar nach. Samsung unterdrückt zu starkes Bildrauschen dadurch, dass Aufnahmen weniger als bei der Konkurrenz aufgehellt werden – das gibt im Ergebnis ähnlich wie beim Sony Xperia 1 II (Testbericht) natürlichere Bilder, die realistischer das abbilden, was das menschliche Auge sehen kann. Allerdings vermitteln sie im Gegenzug weniger Faszination, die sehr hellen Bildern innewohnt. Außerdem werden Nachtaufnahmen bisweilen sehr unscharf und es bilden sich starke Artefakte, manche Aufnahmen sind hingegen wieder erstaunlich scharf – so uneinheitliche Aufnahmen sind wir von der Konkurrenz nicht gewohnt. Da das aber in unserem Fotoblindtest (Testbericht) beim Galaxy S20 Ultra auch schon passierte, das dort bei der Nachtaufnahme einfach den Fokus nicht fand, gehen wir nicht von einem Defekt unseres Testgerätes aus. Im Nachtmodus bessert sich einiges davon. Die Bildschärfe ist gut, Artefakte produzierte unser Testgerät aber immer noch – deutlich zu starke sogar. Das macht Huawei besser, vielleicht kann Samsung hier schnell per Update nachhelfen.

Alle Originalaufnahmen mit der Kamera des Samsung Galaxy Note 20 Ultra (21 Bilder)

Samsung Galaxy Note 20 Ultra

Bei der Frontkamera gibt es solche Probleme auch, hier gilt das aber eher als normal – kaum eine Frontkamera kann mit wenig Licht umgehen. Bei gutem Licht macht die auch sehr schöne Aufnahmen, die bis auf etwas starkes Weichzeichnen kaum Wünsche offenlassen. Das gilt weitestgehend auch für Videos, die sich sogar in 8K aufnehmen lassen, zumindest in 4K/60 über sehr brauchbare Stabilisierung verfügen und auch beim Thema Sound ordentlich abliefern. Hier bietet sich erstmals die Möglichkeit, im Pro-Modus einzelne Mikrofone gezielt anzusprechen. Außerdem dürfen Videographen Filme nun mit 120 Frames per Second aufnehmen – nicht als Zeitlupe, sondern in Echtzeit. Insgesamt liefert Samsung beim Galaxy Note 20 Ultra sehr gute Kameraqualität, auch wenn die bei Nachtaufnahmen nach wie vor nicht ganz an Spitzenkonkurrenz wie das Huawei P40 Pro (Testbericht) herankommt und noch Update-Bedarf besteht.

Samsung setzt trotz Kritik, der Hersteller baue mit seinen eigenen Exynos-Prozessoren im Vergleich zu Snapdragon-Chipsätzen in anderen Regionen der Welt minderwertige Hardware in europäische Modelle ein, weiterhin auf seine eigenen Chips. Im Samsung Galaxy Note 20 Ultra handelt es sich dabei um einen Exynos 990, dessen acht Kerne mit bis zu 2,73 GHz takten. Kombiniert wird der Antrieb mit stolzen 12 GByte RAM. Trotz dieser Speicherausstattung hinkt das Samsung-Flaggschiff in Benchmarks anderen Modellen – und dem eigenen Modell mit Snapdragon 865, das in den USA verkauft wird – hinterher. Im Antutu-Benchmark erreicht das Stift-Phablet rund 520.000 Punkte, die besten Modelle mit Qualcomm-Chip durchbrechen die 600.000-Punkte-Grenze. Weiterer Nachteil der Exynos-Chips: Die Produkte von Qualcomm gelten als energieeffizienter und kühler. Zumindest letzteres ist gelegentlich spürbar, das Note 20 Ultra wurde während des Testzeitraums öfter als andere Modelle warm.

Der S-Pen reagiert jetzt schneller und kann mehr

Den Leistungsunterschied merkt man hingegen im Alltag nicht. Das Note 20 Ultra zeigte sich im Test in allen Lebenslagen als flüssig bedienbar und ruckelfrei, auch starkes Multitasking zwingt das Gerät nicht in die Knie. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die 120-Hz-Wiedergabe, die Bewegungen zusätzlich glättet. Spiele laufen durch die Bank schnell und sehen dabei gut aus, auch wenn längst nicht alle Games auf 120 Hertz eingestellt sind.

Bei der restlichen Hardware greift Samsung mal wieder ins Volle. Neben LTE Cat 20 steckt daher auch ein 5G-Modem im Note 20 Ultra, hinzu kommen NFC, Bluetooth 5.0 und eine eSIM. Sie lässt sich sogar als dritte SIM zusätzlich zu den beiden herkömmlichen SIM-Karten nutzen. Eine Micro-SD-Karte mit bis zu 1 TByte schluckt das Smartphone außerdem. Die meisten Nutzer dürften das aber gar nicht brauchen, denn das Note 20 Ultra gibt es ausschließlich in den Varianten mit 256 und 512 GByte internem Speicher – das ist eine ordentliche Menge. Der Stereolautsprecher ist wie schon beim S20-Modell laut und klingt voll, IP68-Schutz gegen Wasser und Staub besitzt das Note 20 Ultra ebenfalls. Der Fingerabdruckscanner im Display gilt bei Samsung als sicherer als bei der Konkurrenz, im Test überzeugte er wie schon beim Samsung Galaxy S20 Ultra 5G (Testbericht) auf ganzer Linie. Lediglich die Geschwindigkeit dürfte bisweilen noch etwas höher ausfallen, mit der Erkennungsgenauigkeit gab es hingegen keine Probleme.

Android 10 ist Pflicht, darüber liegt die OneUI 2.5 von Samsung. Die bietet enorm viele Features, bisweilen sogar zu viele. So erscheint neben der neuen und besonders schnellen Nearby-Share-Funktion von Google, mittels derer Inhalte schnell von einem Smartphone auf ein in der Nähe befindliches anderes Gerät geschickt werden können, auch noch Quick Share von Samsung und das noch ältere Android Beam. Eigentlich könnte Nearby Share die anderen beiden Technologien längst ersetzen. Auch an anderer Stelle überfrachtet Samsung sein Vorzeige-Smartphone, unter anderem installiert der Hersteller rund 20 App, die über das eigentliche Vanilla-Android hinausgehen. Immerhin lassen die sich jetzt weitestgehend komplett entfernen, sogar Facebook. Ob diese Apps dann mit dem nächsten Update nicht wieder munter frisch am Start sind, steht auf einem anderen Blatt.

Auch die Standard-Funktionen des Stylus wurden erweitert

Der Desktop-Modus Dex funktioniert beim Samsung Galaxy Note 20 Ultra jetzt nicht mehr nur per HDMI-Kabel, sondern auch kabellos per Miracast. Die Steuerung des Mauszeigers über das Smartphone als Mousepad ist zwar gewöhnungsbedürftig, im Zusammenhang mit dem S-Pen, der bei Präsentationen weiterhin als Fernauslöser zum Auswählen des nächsten Slides tätig werden darf, klingt das zumindest für eine bestimmte Nutzergruppe interessant. Im Gegensatz zur Verbindung per Kabel ist der neue kabellose Ansatz nicht ganz so direkt und immer etwas zeitverzögert, das stört durchaus bei längerer Nutzung.

Eine andere Ankündigung seitens des Herstellers dürfte alle Kunden und Interessenten gleichermaßen freuen: Teils rückwirkend für ältere Spitzenmodelle bis zum Samsung Galaxy S10 verspricht das Unternehmen nämlich jetzt erstmals drei volle Jahre Versions- und Sicherheits-Updates für seine Topmodelle der S- und Note-Reihe. Als nächstes folgt also vielleicht noch Ende des Jahres Android 11 und erst bei Android 13 wäre Schluss. Und wer weiß: Vielleicht bringt Samsung auch noch Android 14 - schließlich steht das nächste Versions-Upgrade schon so nah nach Marktstart des Note vor der Tür...

Auch der Stylus des Note 20 Ultra wurde überarbeitet. So wurde nicht nur seine Latenz von 42 auf jetzt 9 Millisekunden verbessert, um natürlicheres Schreibempfinden zu gewährleisten. Auch wenn das nach einer x-fachen Verbesserung klingt, fanden wir den Fortschritt im Test nur bedingt spürbar. Vermutlich fällt das im direkten Vergleich zum Vorgänger mehr auf. Auch die Handschrifterkennung wurde verbessert, entsprechende Notizen werden außerdem zwischen mehreren Geräten abgeglichen. Und natürlich gibt es auch wieder die Gesten, die schon beim Vorgänger eingeführt wurden. So dürfen Nutzer ihn weiterhin als Fernauslöser für die Kamera verwenden, weitere Gesten erlauben etwa das immer noch nicht recht sinnvoll erscheinende Zoomen mit der Kamera in Faktor-0,1-Schritten. Oder das Herumwedeln mit dem Stylus, um die Android-Befehle Zurück, Letzte Apps und Home aufrufen zu können. Über Sinn oder Unsinn mag man auch hier streiten, erkannt werden sie aber recht zuverlässig über einen Sechs-Achsen-Sensor im S-Pen.

Der S-Pen ist der größte (und fast einzige) Unterschied zur S-Reihe

Natürlich sind auch die klassischen Funktionen weiter mit an Bord, die wie gewohnt beim Herausziehen des Stiftes vorgeschlagen werden. So dürfen Nutzer Screenshots mit Hinweisen versehen, bestimmte Textinhalte oder Bilder passgenau ausschneiden oder markierte Textstellen übersetzen lassen. Auch Detailverbesserungen gibt es. So beherrscht die Notiz-App jetzt neue Dateiformate wie PDF und Inhalte lassen sich per Onedrive synchronisieren. Das funktioniert derzeit allerdings nur in eine Richtung, abrufbar sind Onedrive-Inhalte momentan nicht. Vielleicht reicht Samsung das genauso nach, wie die bei der Vorstellung der Note-20-Modelle gezeigten Audio-Notizen.

Der Vorgänger Note 10+ (Testbericht) hat einen Akku mit 4300 mAh, das neue Modell kommt mit 4500 mAh zum Käufer. Das verwundert trotz scheinbarem Zuwachs, schließlich bot das Samsung Galaxy S20 Ultra mit 5000 mAh deutlich mehr – darin musste aber auch kein Stylus Platz finden. Die gemessenen 9 Stunden im Battery Test von PCmark bei aktivierten 120 Hertz ist da noch ein recht ordentlicher Wert, vom Hocker gehauen hat uns das Note 20 Ultra im Testbetrieb allerdings nicht. Denn hier zeigte sich das Riesen-Smartphone tatsächlich eher als typisches Eintages-Modell – vermutlich eine der Auswirkungen der Wahl für einen Exynos-Chip und gegen einen Qualcomm-Chipsatz. Schade, ältere Notes – auch mit Exynos – galten noch als echte Dauerläufer.

Beim Laden gibt es im Vergleich zum S20 Ultra (Testbericht) einen überraschenden Rückschritt: Statt Schnellladen mit 45 Watt reduziert Samsung das beim Note-Modell auf nur noch 25 Watt. Kabellos sind es immerhin 15 Watt und damit nominell nicht viel weniger. Per Kabel dauert eine volle Ladung trotzdem nicht viel mehr als eine Stunde, per Induktion etwas mehr als 1,5 Stunden – ordentliche Werte.

Das Samsung Galaxy Note 20 Ultra gibt es in den Farben Schwarz, Weiß und Bronze, das je nach Lichteinfall recht rosa herüberkommt. Bei der Speicherausstattung haben Käufer die Wahl zwischen 12/256 und 12/512 GByte, eine Bestückung mit 16 GByte RAM gibt es im Gegensatz zum S20 Ultra nicht. Samsung verlangt für das Note 20 Ultra 1299 Euro (UVP), die größere Speichervariante kostet 100 Euro mehr. Vorbesteller bekommen wahlweise die neuen Galaxy Buds Live oder ein Xbox-Game-Pass-Bundle gratis dazu. Am 21. August 2020 ist das Stift-Smartphone offiziell im Handel.

Update: Die Version mit 256 GByte hat einen neuen Tiefstpreis (Stand: 05.10.2020). Das Note 20 Ultra 5G kostet somit erstmals 920 Euro. Noch vor wenigen Tagen lag es bei mindestens 980 Euro. Die Preiskurve zeigt, dass der Preis noch weiter fallen könnte (Link zum Preisvergleich).

Ist das Samsung Galaxy Note 20 Ultra ein gutes Smartphone? Zweifellos. Es hat ein tolles Display, sehr viel Speicher, ist schnell und bietet als einziges Smartphone am Markt einen richtig sinnvoll einsetzbaren Stylus. Auch die Kamera kann sich sehen lassen, allerdings hat Samsung mal wieder Probleme mit der Software – bei der tollen Hardware hätte da doch noch mehr gehen müssen, gerade bei Nachtaufnahmen! Dafür ist das Design klasse und die Verarbeitung vorbildlich, auch wenn es hier und da noch Verbesserungspotenzial gibt. Nicht ganz überzeugen kann das Gerät bei der Akkulaufzeit, die nichts mehr mit den Qualitäten älterer Note-Modelle gemein hat.

Ist es seinen Preis wert? Eher nicht. Das liegt nicht am Modell an sich, sondern schlichtweg daran, dass es inzwischen so viele Mittelklasse-Smartphones gibt, die einfach so gut sind, dass 1300 Euro in fast allen Fällen eine unnötige Ausgabe sind. Als erstes in den Sinn kommen da hervorragende Preis-Leistungs-Sieger wie Oneplus Nord (Testbericht) oder Xiaomi Poco F2 Pro (Testbericht). Lediglich Intensiv-Stylus-Nutzer kommen um das Note 20 Ultra nicht herum, alle anderen sind mit dem S20 Ultra (Testbericht) oder eben Mittelklasse-Smartphones genauso gut bedient.

Das bringt uns zur letzten Frage: Ist das Note 20 Ultra nötig, ja ist überhaupt die Note-Reihe generell noch nötig? Auch hier kommen wir zu dem Ergebnis: Nein zu beidem. Denn der Unterschied zur S-Reihe ist abgesehen vom Stylus nur noch marginal. Entsprechend sind andere Topmodelle wie ein Oneplus 8 Pro (Testbericht) oder ein – abgesehen von fehlenden Google-Diensten – Huawei P40 Pro (Testbericht) genauso gut. Warum dafür also nochmal mehrere hundert Euro mehr ausgeben?

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