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Samsung Galaxy A90 5G im Test: Mittelklasse zum Spitzenpreis

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Samsungs A-Klasse ist eigentlich in der Mittelklasse verortet; das Galaxy A90 5G kostet allerdings fast 750 Euro in der UVP. Wir verraten im Test, ob der hohe Preis gerechtfertigt ist.

Spitzen-Smartphones kosten problemlos über 1000 Euro – sogar ohne faltbares Display. Da schauen viele Interessierte dann doch lieber auf die Mittelklasse, die bei Samsung mit dem Buchstaben A gekennzeichnet ist. Sie verspricht ordentliche Technik zum vergleichsweise kleinen Preis, zumindest in der Theorie. Das Samsung Galaxy A90 5G bildet allerdings eine Ausnahme, denn das Modell gehört der Definition von Samsung folgend zwar zur Mittelklasse, allerdings kostet das Gerät so viel wie manches Topsmartphone. Ein Grund ist die Unterstützung des namensgebenden, neuesten Funkstandards 5G – das passt zwar zur Absicht Samsungs, neue Technologien vor allem in der Mittelklasse einzuführen, doch sind 750 Euro für Mittelklasse sinnvoll angelegt?

Glas vorn, Glas hinten, dazwischen ein Metallrahmen – so sehen alle hochwertigeren Smartphones von Samsung aus. Das ist nicht abwertend gemeint, im Gegenteil: Hochwertig wirkt auch das Galaxy A90 5G. Das liegt abgesehen von der bloßen Materialwahl am seitlich dezent gebogenen Display, den schmalen Rändern rings um den Screen sowie an der Glasrückseite mit stärker gebogenem Gorilla-Glas-6. Als Unterscheidung von anderen Samsung-Smartphones verwendet der Hersteller beim A90 5G nicht eine ausschließlich einfarbige Rückseite, sondern teilt die Fläche in vier unterschiedlich große Rechtecke auf, die je nach Lichteinfall heller oder dunkler schimmern. Das sieht schick aus, ohne aufdringlich zu wirken. Die Triplecam im oberen linken Eck steht kaum aus der Glasoberfläche der Rückseite heraus, was dem dezenten Gesamtauftritt des A90 5G weiter zugutekommt.

Schmale Ränder, kleine Notch

Eines ist das Samsung Galaxy A90 5G aber auf jeden Fall: groß. 165 × 76,5 × 8,4 Millimeter sind schon eine Ansage, 206 Gramm Gewicht erst recht. Das beeinträchtigt die Handhabung durchaus, zumal Glas-Smartphones und entsprechend auch das Samsung-Modell im Test immer etwas rutschig sind. Ansonsten punktet das Smartphone mit toller Verarbeitung und natürlich dem riesigen OLED-Display.

6,7 Zoll misst der Touchscreen, 2400 × 1080 Pixel formen das Bild. Das ist dank fast 400 Pixel pro Zoll scharf und darüber hinaus wegen der OLED-Technik farb- und kontrastreich. Auch bei der Helligkeit gibt sich der Screen keine Blöße. Rund 450 cd/m² im manuellen Modus sind in Ordnung, im Automatikmodus erreicht das OLED-Panel sogar fast 700 cd/m². Das ist ein sehr guter Wert, auch wenn der nur kurzzeitig ausgegeben wird. Im Gegenzug wirkt Weiß wie fast immer beim OLED nicht so richtig knackig, was besonders im Browser auf entsprechenden Seiten mit viel Text auffällt. Fotos oder Videos sind da schon mehr die Domäne von OLED-Displays, entsprechend brilliert hier auch das Galaxy A90 5G.

Neben typischen Funktionen wie einem Blaufilter, einem Nachtmodus und der Anpassung der Farbintensität erlaubt das A909 5G auch die Anzeige eines konfigurierbaren Always on Displays. Darüber hinaus können die Randbereiche des Screens bei eingehenden Nachrichten aufleuchten, das bieten nicht viele Smartphones. Im unteren Bereich des Panels verbirgt sich der Fingerabdrucksensor, der bei Nichtgebrauch unsichtbar ist. Insgesamt überzeugt der große Touchscreen des Samsung-Riesen auf ganzer Linie.

Die Kamera auf der Rückseite besteht aus drei Linsen mit 48, 8 und 5 Megapixel. Die große Hauptlinse setzt auf Pixelbinning und muss dabei mit einer Offenblende von f/2.0 auskommen, der 8-Megapixel-Ultraweitwinkel und der 5-Megapixel-Tiefensensor haben sogar nur f/2.2. Das machen inzwischen fast alle Smartphones in der Preisklasse des A90 5G mit Blendenöffnungszahlen von f/1.6 oder sogar f/1,5 klar besser. Dennoch ist die generelle Bildqualität sehr gut, auch bei schwachem Licht können sich die Ergebnisse noch sehen lassen. Bei Tageslicht sind Bilddynamik und generelle Bildschärfe gut, im Detail wirkt die Nachschärfung der Kamera-Software aber etwas übertrieben. Bildrauschen ist kaum zu sehen, allerdings ist der Darstellungsgrad von Details im Vergleich zu Modellen wie dem Samsung Galaxy S10+ (Testbricht) oder dem Huawei P30 Pro (Testbericht) schwächer – beide Geräte sind wegen ihrer inzwischen schon recht langen Marktverfügbarkeit deutlich günstiger als das neue A90.

Ordentliche Kamera

Videos sind auf 4K mit 30 Bildern beschränkt, dadurch wirken Schwenks immer etwas ruckelig. Bildqualität und Bildstabilisierung fallen hingegen besonders in Full-HD sehr ordentlich aus. Fotos mit der Selfiecam lassen etwas an Details vermissen, gehen aber insgesamt in Ordnung. Bei Aufnahmen mit künstlichem Bokeh gehen feine Strukturen wie einzelne Haare schnell verloren, das macht die Hauptkamera dank ihres eigens dafür eingebauten dritten Sensors etwas besser. Mit seiner Hilfe sind auch Videos mit künstlichem Bokeh möglich, die allerdings nicht immer fehlerfrei gelingen und daher bisweilen unnatürlich wirken. Insgesamt bietet das Samsung Galaxy A90 5G aber eine solide Kamera, die es mit den meisten Modellen am Markt aufnehmen kann, solange als Konkurrenten keine echten Topmodelle herangezogen werden.

Statt eines hauseigenen Exynos-Prozessors kommt im Samsung Galaxy A90 5G ein Snapdragon 855 von Qualcomm zum Einsatz. Dessen Leistung ist über jeden Zweifel erhaben, auch Anfang 2020 gibt es nicht übermäßig viele Smartphones, die deutlich schneller sind. Das bestätigt sich im Antutu-Benchmark, das dem Display-Riesen ordentliche 400.000 Punkte bescheinigt, und auch im Alltag gibt sich das Gerät keine Blöße. Anteil daran hat sicherlich der mit 6 GByte ausreichend bemessene Speicher, auch wenn diese Menge von aktuellen Spitzen-Smartphones mittlerweile doppelt übertroffen wird. Apps landen im 128 GByte großen Speicher, der per Micro-SD um bis zu 512 GByte erweitert werden darf. Diese Erweiterbarkeit fehlt der Version mit 8 GByte RAM, die offiziell aber ohnehin in Deutschland nicht erhältlich ist.

Neben LTE (4G) funkt das Galaxy A90 5G auch im neuen 5G-Funktnetz. Da das bislang in Deutschland nach wie vor kaum ausgebaut ist, dürfte für die meisten Nutzer die LTE-Geschwindigkeit spannender sein. Die ist mit bis zu 2 GBit/s enorm schnell, allerdings handelt es sich auch hier um einen theoretischen Wert, der aktuell in Deutschland abseits von Testnetzwerken nicht erreicht werden kann. An sonstiger Ausstattung ist fast alles vorhanden, was man von einem Oberklasse-Smartphone erwarten darf. Dazu gehören WLAN nach 802.11ac, Bluetooth 5.0, GPS mit Unterstützung für Glonass, Galileo und BDS, NFC und USB C 3.1. Der Fingerabdrucksensor unter dem Display funktioniert recht ordentlich, nach wie vor sind aber herkömmliche, sichtbare Sensoren zuverlässiger. Beim Preis von über 700 Euro etwas unpassend: Eine IP-Zertifizierung für Schutz gegen Staub und Wasser gibt es nicht. Fans eines 3,5-Millimeter-Klinkenanschlusses schauen ebenfalls in die Röhre.

Der Akku hat eine Kapazität von 4500 mAh und sorgt dafür, dass das Galaxy A90 5G im Battery Test von PCmark gute 12:30 Stunden durchhält. Das ist ein sehr guter Wert, der von unseren Eindrücken während des Testzeitraums bestätigt wird. 5G berücksichtigen wir zum jetzigen Zeitraum noch nicht, da es kaum Möglichkeiten gibt, den neuen Übertragungsstandard in Deutschland tatsächlich zu nutzen. Kabellos lässt sich der Powerpack des A90 leider nicht laden. Per Kabel dauert das wenig mehr als 1,5 Stunden, bereits nach einer halben Stunde ist der Akku wieder zur Hälfte gefüllt.

Das Samsung Galaxy A90 5G ist offiziell in Deutschland in den Farben Schwarz und Weiß verfügbar, außerdem ausschließlich in der Speicherkonfiguration 6/128 GByte. Zum Testzeitpunkt kostete das günstigste Modell rund 600 Euro.

Samsung Galaxy A90 5G (Telekom) A908B schwarz

Samsung Galaxy A90 5G

Samsung Galaxy A90 5G (Telekom) A908B weiß

Samsung Galaxy A90 5G Weiß

Das Samsung Galaxy A90 5G ist ein tolles Smartphone. Positiv machen sich der riesige OLED-Screen, das schicke Design, die ordentliche Kamera, ausreichend Speicher und einfach ein gutes Gesamtpaket inklusive 5G-Konnektivität bemerkbar. Obwohl 5G eigentlich ein interessantes Alleinstellungsmerkmal sein sollte, haben wir dieses Feature dennoch absichtlich zuletzt genannt. Denn auch Anfang 2020 ist der neue Funkstandard immer noch alles andere als flächendeckend verfügbar und somit lassen sich die von Netzbetreibern versprochenen „Gigabytes in Sekundenschnelle“ bestenfalls punktuell herunterladen.

Genau das ist aber das Problem des 5G-A90: Wohl auch wegen der neuen Technik ist das Modell ziemlich teuer. Auch wenn der Straßenpreis inzwischen schon deutlich gesunken ist, liegt der immer noch über dem, was auf der Straße für das ehemalige Spitzenmodell aus eigenem Hause zu zahlen ist: Die Rede ist vom Samsung Galaxy S10 (Testbericht). Das kann aber eigentlich bis auf 5G alles noch einmal eine Spur besser und ist somit einfach die logischere Wahl. Weitere Alternativen sind Modelle wie das Huawei P30 Pro (Testbericht), Oneplus 7T (Testbericht) oder ein LG G8S ThinQ (Testbericht). Wer nur ein bestimmtes Budget zur Verfügung hat, sollte einen Blick auf unseren Ratgeber: Die besten Smartphones bis 400 Euro, Bestenliste: Top-10 der Smartphones bis 200 Euro und natürlich die 10 besten Smartphones 2019 werfen – auch unter den ehemaligen Topmodellen sind mittlerweile Geräte unter 350 Euro zu finden.

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