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Samsung Galaxy A80: Coole Drehkamera für viel zu viel Geld

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Die Mittelklasse-Smartphones von Samsung werden größer, bieten aber auch immer mehr technische Highlights. Beim Galaxy A80 ist es die ausfahrbare Hauptkamera mit 180-Grad-Scharnier, die im Test fasziniert.

Im vergangenen Jahr war das Samsung Galaxy A9 (2018) das größte Samsung-Smartphone der Mittelklasse, in diesem Jahr ist es – zumindest bis jetzt – das Galaxy A80. Doch neben der schieren Display-Größe will das Modell auch mit einer ausfahr- und drehbaren Hauptkamera punkten, die so auch zur Frontkamera wird.

Riesig ist es, das Samsung Galaxy A80. 165,2 × 76,5 × 9,3 Millimeter misst das Mittelklasse-Smartphone, stolze 220 Gramm ist es schwer. Damit ist es so etwas wie der Sumo-Ringer unter den Mobiltelefonen. Wobei das nur bedingt ein treffender Vergleich ist, denn groß und schwer passt zwar, dick ist das Smartphone aber nur im Vergleich. Zwar ist das Topmodell Samsung Galaxy S10+ (Testbericht) nur 7,8 Millimeter dünn, die rund 1,5 Millimeter zusätzliche Bauhöhe fällt beim A80 wegen gelungener Proportionen gar nicht auf. Und während man bei einem japanischen Sumo-Ringer vermutlich mit Fug und Recht von „unförmig“ sprechen darf, wäre auch das beim Mittelklasse-Riesen von Samsung fehl am Platz. Denn trotz Maximalwerten bei Größe und Gewicht ist das Smartphone sehr gut proportioniert und liegt dank sanfter Rundungen von Rückseite und Rahmen durchaus angenehm in der Hand. Nur zu lange sollte es dort nicht verweilen, denn auch noch so schickes und geschicktes Design kann das hohe Gewicht nicht verbergen.

Sehr gute verarbeitung auch bei den seitlichen Tasten.

Hübsch ist es also, das Samsung Galaxy A80. Dabei könnten böse Zungen behaupten, der Hersteller setze nicht einmal auf hochwertige Materialien. Tatsächlich ist die schicke Rückseite nicht aus Glas, sondern aus Kunststoff gefertigt; das sieht man ihr aber nicht an. Stattdessen überzeugt sie zumindest optisch mit schickem Hochglanz-Finish, das überraschend wenig Fingerabdrücke anzieht. Beim Klopfen auf die Rückseite wird dann aber schnell klar, dass es sich um Plastik handelt – es klingt einfach etwas hohl und nicht sehr hochwertig. Optisch auffällig ist hinten eigentlich nur die Hauptkamera, die bei unserem schwarzen Testmodell mit goldenen Applikationen abgesetzt ist. Zudem fällt darunter eine schmale Fuge auf, die einen Hinweis auf die Ausfahrmöglichkeit des oberen Teils der Rückseite gibt. Außerdem fällt auf, dass die Kamera nicht fest im Gehäuse sitzt. Mit dem Finger ließ sie sich bei unserem Testmodell ohne Kraftaufwand minimal bewegen. Im Zusammenspiel mit der Tatsache, dass das Smartphone auf glatten Oberflächen auf genau dieser Kamera aufliegt, erscheint das nicht sehr vertrauenerweckend.

Schlichte Rückseite mit Kamera ein- (li.) und ausgefahren.

Die Front des Samsung Galaxy A80 überzeugt dagegen auf ganzer Linie. Ein Druck auf die perfekt verarbeitete Power-Taste illuminiert das beeindruckende Display, das nahezu die komplette Front einnimmt. Einen Rand an den Seiten und über dem Screen sucht man beinahe vergeblich, lediglich unter dem Display misst er einige wenige Millimeter. Auch eine Notch gibt es nicht, möglich macht das die ausfahrbare Hauptkamera, die sich um 180 Grad drehen kann. Im Zusammenspiel mit der hervorragenden Verarbeitung macht das alles einen sehr hochwertigen Eindruck.

Satte 6,7 Zoll misst der OLED-Screen des Samsung Galaxy A80, viel größer geht es derzeit nicht. Mit seinen 2400 × 1080 Pixel im 20:9-Format liegt die Bildschärfe knapp unter 400 Pixel pro Zoll (PPI) und ist insgesamt gut. Das trifft auch auf die anderen Werte zu: Farbwiedergabe und Schwarzwert sind wie von OLED gewohnt sehr intensiv, die Blickwinkelstabilität hervorragend. Auch bei der Helligkeit gibt es nichts zu meckern – sie ist zwar im manuellen Modus nicht ganz so hell wie bei vielen LCDs, kann dafür aber im Automatikmodus noch einmal nachlegen. Im Freien ist das Ablesen daher meist kein Problem, selbst bei direkter Sonneneinstrahlung erkennt man noch mehr, als bei den meisten anderen Smartphones. Wie immer bei Samsungs OLED-Phones bietet auch das Galaxy A80 ein Always-on-Display, das sich in den Einstellungen konfigurieren lässt.

Keine Notch und nur unterhalb des Displays etwas Rand.

Das Highlight des Galaxy A80 ist die Kamera. Sie besteht nämlich nicht nur aus einer 48-Megapixel-Optik mit Pixel Binning, wodurch sie in der Werkseinstellung 12-Megapixel-Fotos schießt, sondern weist außerdem einen Ultraweitwinkel mit 8 Megapixeln und eine ToF-Kamera auf. Die ToF-Kamera (Time of Flight) ist ausschließlich für bessere Ergebnisse bei künstlichem Bokeh zuständig, sie misst mittels Laser-Zeitmessung den Abstand zu Objekten. Die Hauptkamera bietet 0,8 µm große Pixel und eine Offenblende von f/2.0, der Ultraweitwinkel zwar mit 1,12 µm größere Pixel, aber eine schlechtere Blende von f/2.2. Zugegeben – das alles ist noch nicht wirklich begeisternd, zumal die vergleichsweise kleine Blendenöffnung auf weniger gute Fotos bei schwachem Licht hindeutet. Spannend wird die Kamera vor allem durch ein Kunststück: Wechselt der Nutzer in den Selfie-Modus, fährt der obere Teil der Rückseite samt Kameramodulen motorisch hoch, die Kamera dreht sich horizontal um 180 Grad und dient dann als Frontkamera. Dadurch ist nicht nur ein Display ohne Notch möglich, sondern die Qualität der Selfies liegt auf Hauptkameraniveau – schließlich ist die Selfiecam die Hauptkamera.

Die Kamera als Frontkamera.

Zugegeben: So ein motorisches Element ist auch immer ein Teil mehr, das kaputt gehen kann. Gerade Schmutz, der sich in den beweglichen Teilen festsetzt, könnte so einen Mechanismus schnell zerstören. In der Hosentasche ist es nie wirklich staub- oder fusselfrei. Die Geräusche, die die Kamera von sich gibt, wenn sie sich nicht öffnen oder drehen kann – etwa flach auf dem Tisch liegend – klingen auch nicht gerade beruhigend. Andererseits sieht das Ausfahren ziemlich cool aus und bietet die bereits erwähnten anderen Vorteile. Schade nur, dass Samsung solche Bedenken nicht anhand von Dauertests zerstreut. So müssen sich Kunden wohl mit der Hoffnung begnügen, dass der Hersteller bestimmt an Dauerhaltbarkeit gedacht hat.

Beim Einsatz als Frontkamera dreht sie sich und ist hinten nicht mehr zu sehen.

Bis zu einem eventuellen Ausfall in weiter Ferne dürfen sich Käufer des Samsung Galaxy A80 aber zumindest bei Tag über ordentliche Kameraqualität freuen. Dank HDR+ ist die Bilddynamik in den meisten Fällen sehr gut, dunkle und helle Bereiche sind ausgewogen beleuchtet. Die Bildschärfe geht absolut in Ordnung, der Detailreichtum ebenfalls – auch, wenn beides nicht an das Topmodell Samsung Galaxy S10+ (Testbericht) herankommt. Das sieht man vor allem beim Bildrauschen. Das ist bei gutem Licht zwar nur schwach ausgeprägt, verstärkt sich aber bei abnehmendem Licht zusehends. Hinzu kommt dann ein sichtbarer Rückgang der Bildschärfe. Das sind Welten zu den Topmodellen aus eigenem Haus und zur Konkurrenz.

Für Selfies gelten obige Aussagen fast ungefiltert. Einzige Unterschiede: Als Frontcam funktioniert der Blitz nicht, obwohl man ihn auswählt und er zusammen mit den Kameras nach vorn gedreht wird. Stattdessen bietet das A80 dann nur einen Display-Blitz an – sehr seltsam. Die ToF-Kamera macht übrigens im Vergleich zur Konkurrenz bei künstlichem Bokeh keinen Unterschied, auch beim A80 schleichen sich schnell Bildfehler bei feinen Strukturen ein, wenn man es übertreibt. Einziger Punkt, an dem sie einen Mehrwert bietet: Die „Schnellmessung“-App im App-Drawer des Smartphones, mittels derer Distanzen bis zu etwa 4 Meter zentimetergenau gemessen werden können. Eine Besonderheit gibt es noch bei Videos: Die lassen sich nicht nur in 4K mit 30 Bildern pro Sekunde aufnehmen, sondern es gibt auch einen speziellen Steadycam-Modus. Mangels optischen Bildstabilisator setzt der Hersteller dabei auf elektronische Bildstabilisierung und filtert dabei richtig viele ungewollte Bewegungen raus. Leider sinkt dabei auch die Bildqualität, das Bild kriselt deutlich mehr als bei normalen Videos.

Der Prozessor des Samsung Galaxy A80, ein Qualcomm Snapdragon 730 mit acht Kernen, ist klar der gehobenen Mittelklasse zuzuordnen. 8 GByte RAM sind hingegen schon Oberklasse, insgesamt verwundert es nicht, dass die Performance des Riesen-Smartphones tadellos ist. Im Antutu-Test bringt es das Modell zwar auf „nur“ 203.000 Punkte und ist damit ein gutes Stück von Smartphones mit Spitzenchipsätzen entfernt. Im Alltag ist das A80 aber nicht ins Schwitzen zu bringen – weder von intensivem Multitasking, noch von anfordernden 3D-Games. Auf den ersten Blick ist die technische Ausstattung vollständig: WLAN ac mit 2,4 und 5 GHz, Bluetooth 5.0, NFC, GPS mit Unterstützung von Glonass, Galileo und Baidou und sogar ein Inprint-Fingerabdrucksensor im Display sind mit an Bord.

USB-C-2.0, aber kein Klinkenanschluss.

Im Detail gibt es aber durchaus einige Dinge, die dem einen oder anderen fehlen dürften. Zwei SIM-Karten finden auf Wunsch im Smartphone Platz, sie erlauben 4G-Downloads mit immerhin bis zu 800 MBit/s. Egal ob eine oder zwei SIMs: Eine zusätzliche Speicherkarte nimmt das Galaxy A80 nicht an, bei 128 GByte internem Speicher ist Schicht im Schacht. Einen Klinkenanschluss suchen Interessenten ebenso vergeblich wie eine IP-Zertifizierung gegen eindringendes Wasser oder Staub. Zu guter Letzt konnte uns der Fingerabdrucksensor nicht restlos überzeugen. Er reagierte nicht nur in vielen Fällen etwas langsam, sondern erkannte auch eingespeicherte Finger zu selten. So etwas nervt im Alltag schnell. Ebenfalls nicht ganz überzeugend: Anstelle des obligatorischen Lautsprechers am oberen Ende des Displays nutzt das Galaxy A80 Oberflächenvibration, um die Stimme des Gesprächspartners ans Ohr zu übertragen. Das klappt in der Praxis leider nur bedingt gut, insgesamt klingen Gesprächspartner etwas dumpf und matschig. Der Lautsprecher zum Freisprechen tönt hingegen laut und klar, beinahe etwas zu spitz.

Als Betriebssystem setzt Samsung auf Android 9 Pie, darüber liegt One UI in Version 1.1. Das Sicherheitspatch stammte vom 1. Juli und ist damit ausreichend aktuell.

Der Akku des Samsung Galaxy A80 ist mit 3700 mAh etwas kleiner als im im Vorgänger Samsung Galaxy A9 (2018), liefert aber ähnliche Laufzeiten. Im Battery Test von PCMark schaffte das Smartphone mit der Drehkamera ordentliche 9:26 Stunden, insgesamt bringt es das A80 damit auf ein bis zwei Tage bei normaler Nutzung. Im Hinblick auf das Riesen-Display ist das ein guter Wert, davon abgesehen eher durchschnittlich. Dafür lädt das Samsung-Smartphone dank neuer 25-Watt-Schnellladetechnik in weniger als 1,5 Stunden wieder voll auf, nach 30 Minuten ist der Akku bereits bis zur Hälfte gefüllt. Kabelloses Laden per Qi & Co. gibt es beim Galaxy A80 nicht.

Knapp 500 Euro kostet das Samsung Galaxy A80 derzeit, dafür gibt es das Modell hierzulande in der Farbe Phantom Black. Einige Euro mehr kosten die Varianten in Angel Gold und Ghost White.

Samsung Galaxy A80 Duos A805F/DS phantom black

Samsung Galaxy A80 Duos A805F/DS angel gold

Samsung Galaxy A80 Duos A805F/DS ghost white

Nein, so richtig überzeugt uns das Samsung Galaxy A80 nicht. Klar, technisch punktet das Modell mit seinem tollen OLED-Display, dem schicken Design, der guten Alltags-Performance und der coolen Drehkamera. Aber unterm Strich bleiben einfach zu viele Punkte, die suboptimal gelöst sind – vor allem für den Preis von immer noch etwa 500 Euro. Dafür gibt es bessere Smartphones, die keine schlechte Sprachqualität bieten, einen zuverlässigeren Fingerabdrucksensor und eine bessere Kamera haben. Das Xiaomi Mi 9T (Testbericht) etwa – das hat sogar auch eine ausfahrbare Kamera und kostet mit ansonsten gleicher Technik deutlich weniger. Noch bessere Technik bietet das Xiaomi Mi 9 (Testbericht) und selbst das "kleine" Topmodell aus eigenem Hause, das Samsung Galaxy S10e (Testbericht), kostet derzeit kaum mehr.

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