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Runcam 3s im Test: Remake des Gopro-Session-Klons

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Nachdem Gopro die Produktion der kompakten Session-Serie eingestellt hat, kommt der Hersteller Runcam mit einer Neuauflage seiner Mini-Actioncam auf den Markt. Das Vorgängermodell hat im Test überzeugt. Schafft das die Runcam 3S auch?

Der Hersteller Runcam ist eigentlich auf Kameras für den Modellflug spezialisiert. Neben einfachen PAL-Kameras zur Livebildübertragung hat der Hersteller allerdings auch Actioncams im Angebot. Der Verkauf der Runcam 3 HD (Testbericht), eines Gopro-Session-Klons, wurde 2017 gerichtlich untersagt. Der Grund dafür waren Patentverletzungen aufgrund der Würfel-Bauform und der nahezu identischen Platzierung der Bedienelemente (Quelle). 2018 hat Gopro die Produktion seiner Session-Modelle eingestellt und Runcam bringt eine Neuauflage seiner Actioncam auf den Markt.

Größenvergleich zwischen Runcam 3, Runcam 3S und der Gopro Hero 2018.

Das Design der Runcam 3S ist der Gopro-Session-Reihe sehr ähnlich und wurde im Vergleich zum Vorgänger nur minimal verändert. Die Abmessungen des knallorangen Kunststoff-Gehäuses betragen 40×30×37 Millimeter, das Gewicht liegt bei 69,5 Gramm. Die alte Runcam 3 ist ein Ideechen kleiner, weshalb die Schutzhüllen nicht zueinander kompatibel sind.

Der Auslösetaster auf der Oberseite ist beim neuen Modell quadratisch. Der Micro-USB-Slot zum Laden sitzt auf der Rückseite. Darüber sitzt ein weiterer Taster. Dieser dient zum Wechsel zwischen Foto- und Videomodus, beziehungsweise zur Aktivierung des WLAN-Moduls.

Eine echte Neuerung ist der wechselbare Akku mit einer Kapazität von 850 mAh. Bei der Runcam 3 HD war dieser noch fest verbaut. Der Einschub für Micro-SD-Speicherkarte und Akku versteckt sich getarnt hinter einer Kunststoffklappe auf der rechten Seite. Die maximale Kapazität der Speicherkarten liegt bei 64 GByte. Für Full-HD-Auflösung ist das ausreichend.

Der Akku ist im neuen Modell nicht fest verbaut.

Weitere Merkmale vieler Actioncams wie Display oder Stativgewinde gibt es nicht. Die Runcam ist im Gegensatz zur Session-Reihe nicht wasserdicht. Neben der Kamera gehören ein Micro-USB-Kabel, ein AV-Kabel mit Batterie-Eingang und zwei Klettbänder zum Lieferumfang. Ein USB-Netzteil liegt nicht bei.

Technisch gesehen hat sich bei der Runcam 3S kaum etwas geändert. Sie ist am ehesten mit der Gopro Session 4 aus dem Jahr 2016 vergleichbar. Mit der Session 5 (Testbericht) oder gar der Hero 6 (Testbericht) kann sie nicht mithalten.

Videos in Full-HD-Auflösung (1920×1080) landen mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde auf der Speicherkarte. Die Bitrate der Videos beträgt 30 MBit/s. Höher auflösende Aufnahmen in 2,7K oder gar 4K sind nicht möglich. Fotos nimmt die Kamera im JPEG-Format mit maximal 2 Megapixeln auf. Die Auflösung wird zwar noch interpoliert, doch auch das hilft nicht: Die Fotoqualität ist ausgeprochen mies. Neben Einzelaufnahmen stehen auch eine Serienbild- und eine Zeitrafferfunktion zur Verfügung.

Für Fotos ist die Runcam ungeeignet. Hier ein Vergleich zur Gopro Hero 2018.

Zur Verbesserung von Aufnahmen mit starkem Hell-Dunkel-Kontrast ist eine WDR-Funktion (wide dynamic range) integriert. Diese erhöht den Dynamikumfang, wodurch Details sowohl in hellen als auch in dunklen Bildbereichen besser zur Geltung kommen. In der Praxis fällt der Unterschied aber kaum auf.

Zusätzlich zur Bedienung per Tasten steht auch eine kostenlose App für iOS und Android zur Verfügung. Die Software ist intuitiv, aber stellenweise schlecht übersetzt. Neben der Livebild-Vorschau und bietet sie deutlich mehr Einstellungsmöglichkeiten, als es ohne Smartphone der Fall ist. Die WLAN-Verbindung zwischen Smartphone und Kamera ist im Testbetrieb stabil und einfach einzurichten.

Die Bedienung der Runcam 3S ist unkompliziert. Ein langer Druck auf den Auslösetaster schaltet die Runcam ein und aus. Ein kurzer Druck löst die Kamera aus, beziehungsweise startet und stoppt Videoaufnahmen. Zum Umschalten zwischen den Aufnahmemodi dient der rückseitige Taster. Welche Funktion aktiv ist, zeigt die Status-LED: rot für den Videomodus, grün für die Aufnahme von Fotos.

Wer die Auflösung ändern oder in den Zeitraffer-Modus wechseln möchte, braucht die Runcam-App. Auch alle sonstigen Einstellungen, wie das Ein- oder Ausschalten des Tonsignals, sind nur mit Hilfe der Software möglich und können nicht direkt an der Kamera vorgenommen werden.

Die App ist übersichtlich, aber stellenweise schlecht übersetzt.

Die Qualität der Aufnahmen ist in Ordnung, aber nicht herausragend. Tendenziell sind die Aufnahmen deutlich heller als die des Vorgängermodells. Insgesamt wirken aber sowohl Videos als auch Fotos leicht überbelichtet. Kontrast und Farben sehen gut aus. Die Schärfe, gerade auf Fotos, ist allerdings nicht besonders gut. Die Stärke der Runcam sind Full-HD-Videos. Diese müssen sich nicht verstecken, wie dieser direkte Vergleich zwischen Runcam 3 und 3S zeigt.

Die 60 Bilder pro Sekunde kommen vor allem bei actionreichen Aufnahmen mit schnellen Bewegungen zum Tragen. Diese sehen mit hoher Bildwiederholungsrate viel flüssiger aus als bei 30 fps. Für Zeitlupenvideos ist die Bildrate zu niedrig.

Bei der Aufnahme von dunklen Objekten vor hellem Hintergrund kommt es bei einigen Aufnahmen zu chromatischen Aberrationen. Dies äußert sich durch ungewollte Farbränder. Diese sind zwar nur bei genauer Auswertung des Bildmaterials sichtbar, stören aber trotzdem.

Wer hineinzoomt, erkennt farbliche Ränder an den Ästen.

Die Batterielaufzeit bei voller Videoauflösung liegt bei gut einer Stunde. Das ist nicht übermäßig viel, aber in der Praxis meist ausreichend. Mit optionalen Ersatzakkus kann es dann direkt weitergehen. Für mehrstündige Zeitrafferaufnahmen kann die Runcam während der Aufnahme an eine Powerbank angeschlossen werden. Während des Betriebs erhitzt sich die kleine Kamera erheblich. Nach zwanzig Minuten Betrieb ist sie auf etwa 60 Grad aufgeheizt. Auf der Rückseite ist deshalb der Hinweis Hot aufgedruckt.

Absolut unverständlich ist die Zubehör-Politik des Herstellers. Zur Befestigung der Kamera stehen derzeit nur 3D-gedruckte Halterungen für Multicopter zur Verfügung. Ein Unterwassergehäuse wie für die Runcam 3 ist aktuell gar nicht erhältlich. Und wir hätten uns wenigstens eine Lösung zur Befestigung an einem Stativ oder Gorillapod gewünscht.

Die Runcam 3s punktet mit der kompakten Bauform und einem fairen Preis- Leistungsverhältnis Die Bildqualität ist bei 60 fps wirklich gut, allerdings nur bei Videos in Full-HD-Auflösung. Für die Aufnahme von Fotos ist die Kamera aufgrund der niedrigen Auflösung gänzlich ungeeignet. Auch eine Bildstabilisierung fehlt völlig. Wer die Kamera stationär nutzt, kann zwar darauf verzichten, bekommt dann aber Probleme bei der Befestigung der Kamera.

Als Zweitkamera für die Aufnahme von alternativen Sichtwinkeln oder Zeitraffervideos ist die 3S geeignet, mehr aber auch nicht. Gerade wenn es darum geht, eine kleine und leichte Kamera zu nutzen, hat die Runcam eine Da­seins­be­rech­ti­gung. Als Drohnen-Kamera beispielsweise macht die Runcam weiterhin einen guten Job.

Technisch gesehen ist die Kamera auf dem Stand von 2017. Wer hohe Ansprüche an die Qualität hat, wird enttäuscht. Wer möglichst hohe Auflösung, Stabilisierung und vielfältige Befestigungsmöglichkeiten braucht, sollte eine Alternative suchen. Technisch gesehen sind die Gopro-Hero-Modelle ab Version 5 deutlich überlegen.

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