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Retro-Konsole Neo Geo Mini im Test: Spielhallen-Flair deluxe

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Das Konzept von Mini-Konsolen ist einfach: Gehäuse schrumpfen, Platine mit Emulator einbauen und die besten Klassiker draufpacken. Beim Neo Geo Mini gestaltet sich das etwas schwieriger.

Zwar gab es auch Versionen für den heimischen Fernseher, aber eigentlich ist das System in den Spielhallen daheim. Deshalb hat sich Hersteller SNK für die Miniaturausgabe des Neo Geo etwas Besonderes ausgedacht: Das kleine Gerät ist eine Nachbildung eines Arcade-Automaten, inklusive Bildschirm, Joystick und Buttons. Damit fällt der Neo Geo Mini nicht nur auf, sondern funktioniert auch ohne Fernseher. In unserem Test zur ersten und internationalen Version verraten wir, warum die Spielhalle zum Mitnehmen trotz Schwächen eine witzige Ergänzung zur Mini-Sammlung ist.

Der Test zum Neo Geo Mini erscheint im Rahmen unserer Themenwelt zu Retro-Konsolen. Dort haben etwa bereits das Mega Drive Mini, die SNES Classic Mini getestet oder geben Tipps, wie sich eine Retro-Konsole mit einem Raspberry Pi bauen lässt.

Während die meisten Spieler den Super Nintendo oder den Mega Drive kennen dürften, ist der Bekanntheitsgrad des Neo Geo AES in unseren Breitengraden nicht ganz so hoch. Das liegt vor allem an dem ursprünglichen Preis: Etwa 650 Dollar hat die Basiskonsole anno 1990 gekostet. Da sie damals importiert werden musste, kamen für Kunden in Deutschland noch Einfuhrkosten oben drauf. Mit dem Grundgerät war es aber nicht getan: Jedes einzelne Spiel hat zwischen 100 und 300 Dollar gekostet. Was für den Heimanwender ein großer Kostenfaktor war, erwies sich für Betreiber von Arcade-Hallen als große Ersparnis. War es lange Zeit üblich, jedes Spiel als einzelnen und teuren Automaten zu verkaufen, ermöglichte Neo Geo den Austausch von Spielplatinen. Auf einem Basisautomaten liefen also mehrere Spiele. Es waren bis zu 6 Steckplätzen möglich, womit Besucher über einen Startbildschirm zwischen Titeln wählen konnten. SNK taufte das Prinzip MVS (Multiple Video System), es sparte neben Geld auch ordentlich Platz.

Für den Heimkonsolenmarkt gab es parallel ein separates System: AES, was für Advanced Entertainment System steht. Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass AES und MVS untereinander kompatibel sind. SNK wollte den Arcade-Maschinen nicht ihre Rechtfertigung nehmen und wählte für die Module einen anderen Formfaktor. Trotzdem waren sie technisch nahezu identisch, womit Hacker und Bastler inoffizielle Wege fanden. Mittlerweile sind Adapter ziemlich weit verbreitet und zu den meisten Spielen kompatibel. Diese waren aber Anfang der 90er selbstverständlich noch nicht in Sichtweite.

Wie ein kleiner Spielhallenautomat

Der Neo Geo AES war für damalige Verhältnisse ein verdammt krasses Stück Hardware! Es hatte eine 24-Bit-GPU, etliche Spezialchips und – je nach Version – sieben Prozessoren. Das zeigte sich auch in der audiovisuellen Qualität der Spiele: An 16-Bit-Grafiken gab es damals nichts besseres. Ein Arcade-Brecher wie Metal Slug, bei dem der ganze Bildschirm vor lauter Pixelexplosionen in Flammen stand, war auf dem Super Nintendo oder dem Mega Drive einfach undenkbar. Man hat sich also damals wirklich ein echtes Stück Arcade-Flair ins Wohnzimmer gestellt. Für viele junge Spieler war der Neo Geo ein heiliger Gral, auch wenn die Faszination mit der 1994 erschienenen Disk-Version etwas abnahm. Schließlich boten die nahezu zeitgleich erschienene Playstation, Saturn oder 3DO nicht nur hochwertige Musik von CD, sondern auch 3D-Grafiken. Polygone sind dem Neo Geo hingegen fremd. Zudem hemmten Ladezeiten von optischen Laufwerken den schnellen Einstieg in Arcade-Spiele.

Dieses einstige Arcade-Monster nun in einer winzigen Version vor sich stehen zu sehen, wirkt schon fast absurd. Und niedlich, denn dem kleinen Arcade-Automaten für den Schreibtisch kann man einen gewissen Charme nicht absprechen. Mit einer Breite von etwa 10 cm und einer Tiefe von 13 cm hat es eine vergleichbare Stellfläche wie die anderen Mini-Konsolen. Mit 16cm Höhe ist das Gerät trotzdem um einiges größer und auffälliger. Anders ließe sich wohl der 3,5-Zoll-TFT-Bildschirm nicht unterbringen, durch den sich der Neo Geo Mini auch ohne Fernseher betreiben lässt. Schon auf dem ersten Blick wird allerdings deutlich, dass die Qualität nicht an die von aktuellen Smartphones heranreicht. Der Bildschirm wirkt nicht so klar, flimmert subtil und gibt Farben nicht mit der gleichen Intensität wieder. Klar, er hat auch nur eine Auflösung von 320 × 224 Pixeln. Trotzdem ist das Bild nicht schlecht und befindet sich auf einem ähnlichen Niveau wie der Nintendo 2DS. Die Pixelgrafiken kommen auf dem kleinen Schirm gut rüber, selbst wenn man von einem Seitenwinkel draufschaut. Der interne Lautsprecher hält da kaum mit. Der Klang ist für die gelegentliche Runde zwischendurch zweckhaft, aber schon ab der mittleren Lautstärke beginnt er zu Klirren. Für längere Sessions empfiehlt es sich, den Kopfhörerausgang auf der Rückseite zu benutzen.

Im Vergleich zu den anderen Mini-Konsolen ist der Plastik-Flair beim Neo Geo Mini ausgeprägter. Der Eindruck entsteht vorwiegend durch die Farben des Gehäuses. Das Blau bei unserer Testversion kann einen gewissen Spielzeug-Anstrich nicht abstreifen. Es gibt auch eine andere Variante in Rot/Schwarz, aber diese sieht sogar noch mehr wie Kinderspielzeug aus. Die eigentliche Verarbeitung ist aber durchweg gut: Das Gehäuse ist stabil und sitzt Dank Anti-Rutsch-Pads sicher auf glatten Oberflächen. Da kann man noch so sehr dran rütteln, da wackelt nix! Und das ist auch gut so, denn die Steuerungseinheit ist direkt in das Gehäuse eingebaut. Neben Start und Select gehören vier Buttons und ein Joystick dazu. Selbst nach langen Spielsessions zeigen die keine Ermüdungserscheinungen. Überhaupt waren wir überrascht, wie gut man auf dem kleinen Gerät spielen kann. Selbst mit großen Händen bleibt durch die offenen Seiten genug Platz zum Bedienen. Da über dem Schirm ein Vordach hängt, ist der Neo Geo Mini sogar gegen seitlich einfallendes Sonnenlicht gefeit.

Auch wenn der Neo Geo Mini wie ein gänzlich mobiles Gerät anmutet, ist es eigentlich nicht dafür gedacht. Dazu fehlt ein Akku. Allerdings ist es möglich, den kleinen Arcade-Automaten über eine Powerbank zu betreiben. Mit Strom wird es über einen USB-C-Anschluss versorgt, womit man prinzipiell jedes passende Kabel nutzen kann. SNK legt eines bei, allerdings nicht den Stromadapter. Ähnlich wie bei Nintendo oder Sega muss man sich diesen selbst zulegen. Meistens hat man aber ohnehin durch ein Smartphone oder vergleichbares Gerät den passenden Adapter im Haus. Hat ein USB-Anschluss genug Saft (2 Ampere sollten ausreichen), geht es auch über einen Computer, USB-Hub oder Fernseher.

Neben einem 3,5-Klinkeneingang für Lautsprecher oder Kopfhörer befindet sich auf der Rückseite noch ein Mini-HDMI-Ausgang. Damit lässt sich der Neo Geo Mini an den Fernseher anschließen. Leider liegt dieses Kabel nicht bei. Ärgerlich, denn Mini-HDMI kommt eher bei Digitalkameras zum Einsatz und gehört nicht unbedingt zur Standardausrüstung jedes Haushaltes. Viele Spieler werden sich also eines nachkaufen müssen, auch wenn sie kaum teurer als normale HDMI-Kabel sind.

Auf beiden Seiten des Gehäuses befindet sich knapp über dem Boden jeweils ein Anschluss für externe, optionale Controller. Die sind für 2-Spieler-Partien nötig, wobei man als Einzelspieler auch das Gehäuse als Controller am Fernseher nutzen kann. Besonders handlich ist das natürlich nicht. Die von SNK separat angebotenen, kabelgebundenen Controller sind denen des Neo Geo CD nachempfunden. Der aktuelle Anschaffungspreis liegt zum Zeitpunkt dieses Tests bei 20 Euro pro Stück, was absolut im Rahmen ist.

Gut bedienbar, aber ohne Klick

Auf dem ersten Blick ist die Verarbeitungsqualität bei den Pads sehr solide. Sie wirken griffig und das Kabel ist mit 2 Metern lang genug. Der feine Unterschied liegt aber bei den Analog-Sticks: Sie rasten nicht ein. Beim Original gibt es bei allen acht möglichen Richtungen ein Klick-Geräusch und ein spürbares, kleines Rasten. Das kommt durch die damals verwendeten Microswitches. Die gaben wertvolles Feedback, der bei den neuen Varianten verloren geht. Dort sind die Übergänge weich und schwammig. Damit werden vor allem Fighting Games schwieriger, weil viele Schlagabfolgen von der richtigen Position des Analogsticks abhängig sind. Dieses Klicken fehlt ebenso beim eingebauten Analog-Sticks des Gehäuses. Unspielbar werden die Spiele deshalb noch lange nicht, aber trotzdem geht etwas von dem typischen Neo-Geo-Gefühl verloren.

Enttäuschend ist ebenfalls die neue Anordnung der vier Action-Tasten: Die gesamte Reihenfolge des Originals hat sich um einen Platz im Uhrzeigersinn verlegt. Der rote A-Knopf war ursprünglich unten, befindet sich jetzt aber links. Stattdessen befindet sich jetzt unten der gelbe B-Knopf, der vorher aber rechts war. Für Neueinsteiger dürfte das neue Button-Layout keine große Sache sein, für Kenner des Originals ist es aber eine enorme Umgewöhnung. Davon abgesehen verfälscht es die Spielerfahrung. Bei Plattformern, Puzzle-Spielen oder Shootern kann man sich an das neue Layout gewöhnen, aber der größte Nachteil entsteht hier erneut bei Fighting Games. Wer dann später auf einem anderen Neo Geo oder einem Port für eine andere Konsole (z.B. Switch) spielen möchte, ist dann gänzlich verwirrt. Schade, denn auch wenn die Knöpfe kein Vergleich zu Arcade Sticks sind, haben sie trotzdem ein ordentliches Feedback.

Neo Geo ist quasi ein Synonym für Spielhallen, dementsprechend ist die Spielauswahl stark davon geprägt. Ein komplexes Rollenspiel oder Strategie wird man in der Ludothek nicht finden. Stattdessen dominieren Fighting Games, Shooter, Brawler und Plattformer. Gegenüber den anderen Miniatur-Konsolen ist die Auswahl weniger abwechslungsreich. Aber: SNK hat besonders für die internationale Version die beinahe größte Vielfalt herausgeholt, die unter diesen Umständen möglich war. Insgesamt 40 Spiele sind auf dem Neo Geo Mini vorinstalliert, womit man eine Weile beschäftigt sein dürfte. (SNK ist 40 Jahre geworden, daher pro Jubiläumsjahr ein Spiel).

Ein Dauerbrenner nimmt den prominentesten Platz ein: Metal Slug. Teil 1 bis 5, sowie das Sequel zum zweiten Teil sind vorhanden. Verwirrenderweise heißt es einfach “X” im Untertitel. Bei allen sechs Spielen handelt es sich um die weniger blutige Version, bei der der Lebenssaft einfach weiß eingefärbt ist. Das ist aber eigentlich nicht weiter schlimm, denn auch mit dieser Selbstzensur macht Metal Slug auch heute noch irre Spaß. Es ist eine (moralisch sicher diskussionswürdige) Parodie auf Kriegsfilme, bei der man als Soldat oder Soldatin gegen eine Horde von Feinden antritt. Ab und zu steigt man auch in Fahrzeuge, wie etwa einen Panzer. Besonders im 2-Spieler-Modus ist eine ganze Menge auf dem Bildschirm los. So sehr, dass die Framerate (auch im Original) oft einbricht, doch aus irgendeinem Grund wirkt das Spiel dadurch nur authentischer. Was die Pixelkunst betrifft, gibt es nur wenige Spiele, die der Metal-Slug-Serie im Laufe der Jahre das Wasser reichen konnten. Alle sechs Spiele sind die Anschaffung des Neo Geo Mini im Prinzip schon wert. Ja, so gut sind die!

Für damals opulente Grafik

Gleich nach Metal Slug fallen die zahlreichen Prügelspiele auf. Es gibt mehrere Varianten von King of Fighters, Samurai Showdown und Fatal Fury. Die sind alle gut spielbar und sehen toll aus, auch wenn nur Experten von Fighting Games die Unterschiede im Gameplay präziser definieren können. Absolutes Highlight unter den Kloppereien ist Garou: Mark of the Wolfes, ein Spin-Off von Fatal Fury. Es ist sehr einsteigerfreundlich und daher perfekt für die schnelle Runde mit Freunden geeignet. Interessant ist zudem das T.O.P-System: Vor dem Match können Spieler einen leuchtenden Bereich in einer Lebensleiste festlegen. Fällt die Lebensenergie im Kampf in diesen Bereich, erhält der Kämpfer einen Kräfteschub. Dadurch wird Garou taktischer als erwartet: Legt man sich diesen Bereich z.B. an den Anfang, muss man direkt zu Beginn eines Kampfes in die Vollen gehen. Sinn kann es aber auch machen, ihn ans Ende zu legen. Wenn’s also schlecht läuft und man viel einsteckt, hat man so noch eine Trumpfkarte. Garou: Mark of the Wolfes ist bei vielen FGC-Events ein Titel, der immer wieder gern zwischendurch gespielt wird.

Ausfälle gibt es bei der gesamten Ludothek nicht. Fast jedes Spiel in der Sammlung ist spielenswert. Last Resort ist zum Beispiel ein tolles Shoot’em Up, das mit einer düsteren Atmosphäre aufwartet. Viele der Level haben ein schön bizarres Design und erinnern an Genrekollegen wie Salamander oder R-Type. Ähnlich beeindruckend ist Blazing Star, bei dem man sogar stellenweise vorgerenderte 3D-Hintergründe bestaunen kann. Obwohl die Spiele jeweils nur eine halbe Stunde gehen, kommt man immer wieder gerne für einen neuen Highscore zurück. Neben bekannteren Titeln sind auch ein paar Geheimtipps dabei. Bei den Shootern ist es das vertikal scrollende Ghost Pilots. Das spielt in einem Weltkriegs-Szenario und ist nicht sonderlich hübsch. Wer aber eine Herausforderung sucht, ist hier genau richtig. Selbst auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad kann man sich die Zähne daran ausbeißen.

Zwischen den bekannten Titeln sind noch weitere Geheimtipps versteckt. Crossed Swords sei als Beispiel genannt, ein Solo-Kampfspiel, dass entfernt an Punch-Out erinnert: In einer Schulterperspektive liefert man sich in einer Fantasy-Welt zahlreiche Duelle gegen allerlei monströse Gegner. Dabei kommen ausschließlich Hiebwaffen, wie Schwert oder Axt, zum Einsatz. Wer nicht lernt zu parieren, hat schlechte Karten. Schläge abwehren und die Abwehr des Gegners brechen sind integrale Strategien. Für einen Arcade-Titel spielt sich Crossed Swords überraschend taktisch, weil es hier stark auf das richtige Timing ankommt. Es ist einer der ungewöhnlichen Spiele in der Sammlung. Solche eher unbekannten Titel sind es, die den Neo Geo Mini interessant machen. Schade ist bloß, dass kein Rennspiel dabei ist. Neo Drift Out wäre zum Beispiel ein idealer Kandidat gewesen. Das Rally-Spiel aus der Vogelperspektive ist bei Fans beliebt, aber nirgends auf dem Mini-Gerät zu finden.

Wie der Super Nintendo Mini oder der Playstation Classic lässt sich der Neo Geo Mini ebenso hacken. Man kann die Spielesammlung also anpassen, aber der Prozess ist etwas komplizierter: Man muss das Gerät unter Umständen aufschrauben, um an einen USB-Port auf dem Board zu kommen.

  • 3 Count Bout
  • Art of Fighting
  • Blazing Star
  • Blue's Journey
  • Crossed Swords
  • Fatal Fury Special
  • Foot Ball Frenzy
  • Garou: Mark of the Wolves
  • Ghost Pilots
  • King of the Monsters
  • King of the Monsters 2
  • Kizuna Encounter: Super Tag Battle
  • Last Resort
  • Magician Lord
  • Metal Slug
  • Metal Slug 2
  • Metal Slug 3
  • Metal Slug 4
  • Metal Slug 5
  • Metal Slug X
  • Mutation Nation
  • Ninja Master's: Haou Ninpou Chou
  • Puzzled
  • Real Bout: Fatal Fury
  • Robo Army
  • Samurai Shodown II
  • Samurai Shodown IV: Amakusa's Revenge
  • Samurai Shodown V Special
  • Sengoku 3
  • Shock Troopers
  • Shock Troopers: 2nd Squad
  • Super Sidekicks
  • The King of Fighters '95
  • The King of Fighters '97
  • The King of Fighters '98
  • The King of Fighters 2000
  • The King of Fighters 2002
  • The Last Blade 2
  • Top Player's Golf
  • World Heroes Perfect

Auf dem kleinen Bildschirm macht die Emulation einen sehr guten Eindruck: Die Spiele laufen, wie man sie in Erinnerung hat. Sogar die Slowdowns sind da, wo sie beim Original waren. Einen spürbaren Lag gibt es nicht und hat man Kopfhörer angeschlossen, klingen die Spiele authentisch. Unterschiede gibt es keine, weder bei der Grafik, der Spielgeschwindigkeit oder dem Sound. Die Emulation ist einwandfrei.

Der positive Eindruck ändert sich schlagartig, sobald man das Gerät an einen Fernseher anschließt. Die Emulation ist zwar identisch zum portablen Modus, aber die Bildqualität ist trotz HDMI überraschend schlecht. Wo andere Mini-Konsolen scharfe Pixel auf den Bildschirm zaubern, wirkt beim Neo Geo Mini alles verwaschen. Es wirkt fast so, als wäre dauerhaft ein Weichzeichner eingeschaltet. In den Optionen gibt es keine Einstellung, die Einfluss darauf nimmt. Das ist ein Hohn, gerade weil viele Titel in der Sammlung grafisch für damalige Verhältnisse sehr beeindruckend sind. Auf dem großen Schirm verlieren sie durch die suboptimale Darstellung an Glanz. Wenigstens kommt der Sound mit genug Druck durch, so dass es an einer anständigen Anlage gut klingt.

Das Neo Geo Mini kostete zum Testzeitpunkt ab 76 Euro und ist in zwei Farben erhältlich.

SNK Neo Geo Mini

Neo Geo Mini

SNK Neo Geo Mini Samurai Showdown Limited Edition

Neo Geo Mini Samurai Showdown Limited Edition

SNK Neo Geo Mini Pad schwarz

Gamepad

Der Neo Geo Mini erzeugt bei uns gemischte Gefühle. Auf der einen Seite sind wir von der Aufmachung angetan. Trotz leichtem Kinderspielzeug-Flair ist der kleine Arcade-Automat eine witzige Idee und ein echter Hingucker auf dem Schreibtisch. Eigentlich muss man den sogar aus Selbstschutz außer Reichweite stellen, denn durch die eingebaute Steuerungseinheit lädt es geradezu zum Prokrastinieren ein. Besonders, weil die Spieleauswahl exzellent ist.

Auf der Gegenseite stören uns das schwammige Bild am Fernseher und die fehlenden Microswitches der Sticks. SNK hat bisher keine Firmware-Updates veröffentlicht, um zumindest die Anzeige zu verbessern. Daher kann man den Neo Geo Mini zumindest in dieser internationalen Edition nur sehr eingeschränkt an ganz enthusiastische SNK-Fans empfehlen. Alle anderen bekommen zum Beispiel auf der Switch bereits viele der Spiele als Download im e-Shop, wobei pro Titel im Schnitt 7 Euro fällig werden. Wenn es rein um die Relation zwischen Preis und Leistung geht, ist der Neo Geo Mini sicher der bessere Deal, trotz seiner Schwächen.

SNK hat nach der International Edition eine Samurai Showdown-Edition veröffentlicht. Neben einer leicht veränderten Spieleauswahl soll auch der Emulator und die Hardware ein paar Tweaks erhalten haben. Leider stand uns zum Zeitpunkt des Tests diese Version nicht zur Verfügung. In unserer Themenwelt Retro-Konsolen haben etwa bereits das Mega Drive Mini und die SNES Classic Mini getestet und geben Tipps, wie sich eine Retro-Konsole mit einem Raspberry Pi bauen lässt.

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