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Realme 7 Pro im Test: OLED-Display und 65-Watt-Laden

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Realme hat im Jahr 2020 in Deutschland richtig Gas gegeben, um sich einen Namen zu machen und Marktanteile zu sichern. Auch das neue Realme 7 Pro bietet gute Hardware für überschaubares Geld.

Im Jahr 2020 hat der chinesische Hersteller Realme den Schritt nach Deutschland gewagt, er verkauft seine Smartphones nun offiziell auch hierzulande. Die meisten neuen Modelle bieten ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, sodass wir das Unternehmen bereits „das neue Xiaomi“ genannt haben. Mit dem neuen Realme 7 Pro will der Hersteller diesem Ruf weiterhin gerecht werden – geht der Plan auf?

Beim Realme 6 Pro bestand die Rückseite noch aus Glas, beim neuen Realme 7 Pro verwendet der Hersteller wie schon beim Realme 6 (Testbericht) Kunststoff. In der Hand wirkt das Smartphone dadurch definitiv weniger hochwertig, optisch ist es aber wieder ein Hingucker. Denn auf der Rückseite verwendet das Unternehmen ein mattes Finish, das nicht nur durch einen schmalen Streifen mit abweichendem Mattheitsgrad versehen ist, sondern lässt dem Smartphone zudem eine besondere Oberflächenbehandlung zuteilwerden. Dadurch bricht sich das Licht je nach Einfall unterschiedlich und das Blau unseres Testexemplars glänzt immer etwas anders. Trotz des interessanten Lichtspiels ist der Auftritt des Realme 7 Pro etwas dezenter als beim Vorgänger.

Der Front sieht man den vergleichsweise niedrigen Preis von 299 Euro in der UVP bei genauerem Blick durchaus an. Zwar ist der Rahmen um das Display nicht übermäßig breit, vor allem unterhalb des Displays haben wir das allerdings schon deutlich schmaler gesehen. Dank Punchhole-Notch im oberen linken Eck sieht das Smartphone aber insgesamt ausreichend modern aus. In der Hand liegt das Realme 7 Pro sehr angenehm, auch wenn hier nicht nur Kunststoff statt Glas für die Rückseite, sondern auch die Verwendung des günstigeren Werkstoffes für den Rahmen auffällt. Wegen der sanften Rundungen an allen hinteren Kanten auf der einen sowie für ein heutiges Smartphone vergleichsweise geringen Maßen (161 × 74 × 8.7 Millimeter) und niedrigem Gewicht (182 Gramm) auf der anderen Seite macht sich das Smartphone im Alltag sehr angenehm. An der Verarbeitung gibt es nichts auszusetzen.

Alle Bilder zum Realme 7 Pro aus dem Test (14 Bilder)

Realme hat sich beim neuen 7 Pro für ein OLED-Panel mit einfacher 60-Hz-Wiedergabe entschieden – genaugenommen haben sich die Fans der Marke so entschieden. Denn die waren in einer Umfrage aufgerufen zu entscheiden, ob OLED oder 90 Hz wichtiger sind. Der Entscheidung folgend hat daher also das Pro-Modell ein OLED-Modell mit 60 Hz bekommen, während das etwas günstigere Realme 7 zwar 90 Hz bietet, dafür aber mit einem IPS-LCD ausgestattet ist. Wir sind etwas hin- und hergerissen. Denn einerseits präferieren wir OLED, andererseits fällt der Unterschied von 60 zu 90 Hz durchaus auf, sofern man einmal 90 Hz (oder mehr) gewohnt ist. Allerdings finden wir es klasse, das ein Hersteller so auf seine Community eingeht. Für ein ähnliches Vorgehen ist bislang vor allem Oneplus bekannt, das mit dem Nord (Testbericht) übrigens OLED mit 90 Hz anbietet – zu einer höheren UVP allerdings.

Von der Bildwiederholungsrate abgesehen gibt es gerade auch mit Blick auf den Verkaufspreis des Realme 7 Pro am Display nichts auszusetzen. Die Bildschärfe ist dank erweiterter Full-HD-Auflösung (2400 × 1800 Pixel) sehr gut, die Helligkeit liegt bei sehr guten 600 cd/m² im Automatikmodus – das liegt gar nicht so weit unter dem Niveau des kürzlich getesteten Huawei Mate 40 Pro (Testbericht) für mehr als dreimal so viel Geld. Dank der guten Kontraste und der tollen Blickwinkelstabilität gibt es damit auch im Freien keine Probleme mit der Ablesbarkeit. Vorteil OLED außerdem: Das Realme 7 Pro verfügt über ein praktisches Always-on-Display.

Realme hat sich beim neuen 7 Pro für eine Kombination aus 64-Megapixel-Hauptkamera von Sony mit f/1.8-Blende und Weitwinkel mit 8 Megapixel und f/2.3 entschieden. Um der Bezeichnung „Quad-Camera“ gerecht zu werden, baut das Unternehmen außerdem noch eine Makro- (2 Megapixel) und einen Tiefensensor ein – beides ist im Alltag sinnlos. Die Frontkamera knipst Bilder mit 32 Megapixel.

Die Hauptkamera ist toll, der Rest überflüssig

Der Sony-Chip steckt in vielen Mittelklasse-Smartphones und leistet für den Preis der Geräte vor allem bei Tageslicht gute Ergebnisse. Das ist auch beim Realme 7 Pro nicht anders. Bilddynamik, Bildschärfe und Farbwiedergabe gefallen uns sehr gut, Fans von kräftigen Farben werden mit dem zuschaltbaren KI-Modus glücklich. Der Weitwinkel produziert halbwegs brauchbare, aber sichtbar weniger scharfe Aufnahmen, die auch bei der Bilddynamik schlechter abschneiden. Bei Nachtaufnahmen schneidet das neue Realme-Modell für die Mittelklasse überraschend gut ab. Bildrauschen bleibt in vertretbaren Grenzen und die Bildschärfe geht auch noch in Ordnung. Ein Vergleich zu Huawei-Modellen wie dem P40 Pro (Testbericht) oder dem Mate 40 Pro (Testbericht) hält das natürlich nicht Stand, die kosten aber auch deutlich mehr.

Alle Originalaufnahmen mit der Kamera des Realme 7 Pro (40 Bilder)

Die Frontkamera produziert brauchbare Fotos, bei denen uns vor allem ein gelegentlicher Rotstich von Hauttönen gestört hat. Die Bildschärfe geht hingegen in Ordnung. Videos mit der Hauptkamera sind bis 4K/30 drin, dann stimmt die Qualität in puncto Schärfe und auch Dynamik; leider kommt es bei Schwenks zu typischer Unschärfe mangels höherer Bildrate. Die Stabilisierung ist für ein Mittelklasse-Smartphone recht gut.

Bei der Wahl des Chipsatzes überrascht Realme mit dem gleichen SoC (System on a Chip) wie beim Vorgänger – dem Snapdragon 720G. Leistungstechnisch reicht das nach wie vor aus, zudem profitieren Nutzer von der 8-Nanometer-Fertigung des Chips mit entsprechend niedriger Leistungsaufnahme. Problematisch wird hier nur der Umstand, dass inzwischen gar nicht so viel teurere Modelle wie ein Poco F2 Pro (Testbericht) deutlich schneller und günstigere Smartphones wie das Poco X3 NFC (Testbericht) in etwa gleich schnell sind. Die rund 290.000 Punkten im Antutu-Benchmark sind daher eigentlich in Ordnung, sie werden von Spitzenmodellen allerdings etwa um den Faktor Zwei geschlagen. Im Alltag werden Nutzer damit keine Probleme bekommen. Ladezeiten, Multitasking und einfache Aufgaben bewerkstelligt das Realme 7 Pro sehr gut, erst bei anspruchsvollem Gaming wird der Unterschied zu Spitzen-Smartphones deutlich spürbar. Normale Games laufen aber auch mit dem Snapdragon 720G gut.

An der guten Multitasking-Qualität ist natürlich auch der große Arbeitsspeicher mit 8 GByte beteiligt, Apps landen im 128 GByte großen internen Speicher. Der darf zusätzlich zu zwei SIM-Karten mittels einer Micro-SD-Karte erweitert werden – vorbildlich. Ansonsten ist technisch alles mit dabei, was heute nötig ist. Nur 5G und Wifi 6 fehlen noch. Der Fingerabdrucksensor im Display arbeitet dafür ordentlich, wenn auch nicht so schnell wie bei teureren Modellen und der Sound aus den Stereo-Lautsprechern ist ausreichend laut, wenn auch nicht übermäßig voll.

Als Software läuft über Android 10 die hauseigene Nutzeroberfläche Realme UI. Sie stammt ursprünglich an ColorOS von Konzernmutter Oppo, orientiert sich aber etwas mehr an Vanilla-Android. Hilfreiche Erweiterungen gibt es dennoch, so bleibt dem Nutzer überlassen, ob er einen App-Drawer nutzen möchte oder nicht und für Spiele-Fans gibt es einen Game-Modus. Wer wegen der Anpassungen Angst hat, dass der Hersteller Updates entweder spät oder gar nicht bringt, darf beruhigt sein. Ein Update auf Android 11 soll noch dieses Jahr kommen – das ist schneller als bei den meisten Premium-Herstellern.

Der Akku des Realme 7 Pro leistet 4500 mAh, das lässt zusammen mit dem sparsamen Chipsatz und dem OLED-Display auf gute Laufzeiten hoffen. Tatsächlich sind die auch nicht übel, allerdings fallen sie mit rund 11 Stunden im PCmark-Battery-Test niedriger als erwartet aus. Über zwei Tage kommen Nutzer damit gut, das ist allerdings heute eher guter Standard als außergewöhnliche Bestleistung.

Die bietet der Hersteller hingegen bei der Ladegeschwindigkeit. Mit dem mitgelieferten Superdart-Netzteil und dessen 65 Watt lädt das Smartphone in unter 40 Minuten komplett auf, schon mit wenigen Minuten Ladezeit kommt man über den Tag. Das ist hervorragend – nicht nur für die Mittelklasse.

Das Realme 7 Pro gibt es in Deutschland nur in der Speicherversion 8/128 GByte, bei der Farbe gibt es minimal mehr Auswahl: Schwarz und Blau stehen zur Verfügung.

Das Realme 7 Pro ist ein ziemlich gutes Mittelklasse-Smartphone, das für den aufgerufenen Preis grundsätzlich gute Leistung liefert. So freuen sich Nutzer über das tolle OLED-Display, viel Speicher, eine tolle Hauptkamera, schickes Design und einen strammen Akku, der in kürzester Zeit wieder voll aufgeladen ist. Der Teufel steckt allerdings wie so oft im Detail. So bietet das Display nur 60 Hz, das Gehäuse besteht nur aus Kunststoff, der Weitwinkel fällt qualitativ sichtbar ab und die anderen Linsen sind überflüssig. Der eingebaute Chipsatz ist zwar eigentlich ausreichend, allerdings gab es ihn auch schon im Vorgänger.

Das alles wäre nicht so schlimm, wenn Realme nicht immer noch dabei wäre, sich einen Namen auf dem deutschen Markt zu erkämpfen – und wenn die Konkurrenz nicht bessere Smartphones im Angebot hätte. Das bereits erwähnte Poco F2 Pro (Testbericht) kostet zwar mehr, ist aber auch wesentlich stärker. Das Poco X3 NFC (Testbericht) ist deutlich günstiger, kommt aber mit 120-Hz-Display und ähnlicher Kamera. Das Oneplus Nord (Testbericht) ist inzwischen kaum teurer und bietet insgesamt in einigen wichtigen Punkten mehr.

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