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Realme 6 im Test: 90 Hertz zum Schnäppchenpreis

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Realme drängt mit Macht auf den deutschen Markt und bringt das günstigste Smartphone mit 90-Hz-Display, Quad-Cam und satt Power in den Handel.

Wer Realme bislang nicht kannte, sollte sich den chinesischen Hersteller, der mit dem ebenfalls chinesischen Schwergewicht Oppo eng verbandelt ist, spätestens jetzt merken. Denn Realme wächst nicht zuletzt wegen seines sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnisses schnell und könnte Xiaomi als Schnäppchengarant ablösen, wie wir in diesem Artikel bereits näher beleuchtet haben. Zum offiziellen Marktstart in Deutschland bringt Realme einige Schmankerl wie das Realme X50 Pro als Flaggschiffmodell mit Snapdragon 865 und bis zu 12 GByte RAM, aber auch für den kleineren Geldbeutel hat das Unternehmen Modelle in petto. Dazu gehört etwa das Realme 6, das mit starkem Chipsatz, viel Speicher, Schnelladefunktion, 90-Hz-Display und Quad-Kamera für gerade einmal knapp 220 Euro in der UVP punkten will. Ob das funktioniert, klären wir im Test.

Schick ist es, das Realme 6, besonders auf der Rückseite. Die besteht zwar wie der Rahmen aus Kunststoff, ist aber mit einem hübschen Farbverlauf von Blau zu Grau versehen und reflektiert einfallendes Licht spannend in vom unteren Ende ausgehender V-Form. Die Verarbeitung ist dabei so gut, dass auf den ersten Blick Glas und Aluminium gar nicht vermisst wird. Die Quad-Cam im oberen linken Eck steht zwar deutlich aus dem Gehäuse hervor, ist aber wie bei der Konkurrenz im vergangenen Jahr untereinander und nicht im Quadrat angeordnet – das wirkt weniger massiv und klumpig.

Auch auf der Front weiß das Smartphone zu überzeugen. Die Ränder rings um das Display fallen für einen Preis von wenig über 200 Euro erfreulich schmal aus, am breitesten ist er unterhalb des Screens. Dank ausreichend kleiner Punchhole-Notch in der oberen linken Ecke nimmt die Frontkamera wenig Darstellungsfläche vom Screen weg, das wirkt modern und hochwertig. Der Übergang vom Display-Glas zum Rahmen ist nicht ganz so gefällig wie von der seitlich gebogenen Rückseite zum Rahmen. Der vorne mit dem Finger leicht zu erfühlende Übergang lässt sich durch Entfernen der werkseitig aufgebrachten Schutzfolie etwas weicher gestalten. Insgesamt wirkt das Realme 6 hochwertiger und somit teurer, als von der 200-Euro-Klasse gewohnt. Wer wegen der Kunststoffrückseite Angst vor Kratzern hat, sollte die mitgelieferte Schutzhülle verwenden, auch wenn die etwas weit an den Display-Rändern übersteht.

Alle Bilder zum Realme 6 (12 Bilder)

Highlight des Realme 6 ist – zumindest auf dem Papier – das Display des günstigen Smartphones. Denn trotz des günstigen Preises stellt das nicht nur wie alle anderen Smartphones in dieser Preisklasse Inhalte 60 mal pro Sekunde, sondern 90 Mal dar. Inhalte werden somit in Bewegung flüssiger dargestellt. Das bemerkt man etwa beim Scrolling durch Menüs und Listen, bei dem Schriften und sonstige Inhalte auch in Bewegung noch schärfer bleiben. Das merkt man vor allem, wenn man längere Zeit 90-Hz-Wiedergabe forciert und dann testweise – oder zum Verbessern der Akkulaufzeit – wieder auf 60-Hz-Wiedergabe wechselt. Gefühlt ist die 90-Hz-Darstellung bei manchem, teils deutlich teurerem Konkurrenten, allerdings noch etwas flüssiger. Ein Grund hierfür ist womöglich die Verwendung von IPS-LCD statt OLED wie bei den meisten anderen Smarthones mit höherer Bildwiederholungsfrequenz.

Dennoch: Insgesamt überzeugt das Panel des günstigen Realme 6 auf ganzer Linie. Auf 6,5 Zoll verteilen sich 2400 × 1080 Pixel, was einer scharfen Darstellung von 405 Pixel pro Zoll entspricht. Die angegebene Helligkeit von 480 cd/m² erreichte unser Testgerät nicht ganz, unser Messgerät bescheinigt dem günstigen Smartphone nur etwas über 400 Candela – das ist eher Mittelmaß, aber für den aufgerufenen Preis absolut in Ordnung. Die Blickwinkelstabilität ist sehr gut, lediglich bei flachen Winkeln und einer Draufsicht vom oberen Rand des Gerätes verfärbt sich die Darstellung leicht ins gelbliche. Ansonsten werden Farben und Kontraste gut wiedergegeben, die Darstellung überzeugt – nicht nur, aber vor allem auch für den niedrigen Verkaufspreis des Gerätes.

Die Einstellungsmöglichkeiten sind mit Blaufilter, Dark-Mode und anpassbarer Farbtemperatur ausreichend, wenn auch nicht übermäßig üppig. Die Bildwiederholungsfrequenz lässt sich fest auf 90 oder 60 Hertz einstellen, alternativ übernimmt das Smartphone im Automatik-Modus die Anpassung in Abhängigkeit von den verwendeten Apps.

Auch die Kamera des Realme 6 sieht auf den ersten Blick nicht nach 200 Euro-Smartphone aus. Gleich vier Module baut der Hersteller auf der Rückseite ein: Die Hauptkamera mit Samsung-Sensor hat 64 Megapixel und eine f/1.8-Blende, die zweite Linse dient als Weitwinkel mit 8 Megapixel und f/2.3, bei der dritten Optik handelt es sich um eine Makro-Linse mit immerhin 4 Megapixel und der vierte Sensor arbeitet monochrom und mit nur 2 Megapixel. Er ist für Portraitaufnahmen gedacht. Wie immer bei so einer Konstellation halten wir zumindest den Tiefensensor für nicht zwingend nötig. Gleiches gilt normalerweise auch für die Makro-Linse, die aber in den meisten Konkurrenz-Produkten nur 2 Megapixel aufbringt – vielleicht ist das Realme 6 hier ja die rühmliche Ausnahme und auch der Makrosensor stellt sich als nützlich heraus?

Nein, tut er nicht. Die Bildqualität ist zwar nicht richtig schlecht, allerdings gelingen die deutlich besseren Nahaufnahmen mit der Hauptkamera im 2fach-Zoom. Außerdem ist es so nah am Motiv teilweise schwer, überhaupt den richtigen Fokuspunkt zu finden. Somit hätte sich auch Realme die vierte Kamera, die in unseren Augen mal wieder bestenfalls schmückende Alibifunktion fürs Datenblatt hat, sparen können. Die Hauptkamera macht hingegen zumindest bei gutem Licht durchaus brauchbare Fotos. Die werden dank Pixel-Binning 16 Megapixel groß und punkten mit guter Dynamik. Farben werden bisweilen – sofern die AI nicht bestimmte Farbtöne wie Grün oder Blau zu stark anhebt – ausreichend natürlich in den Speicher gebannt. Allerdings wird die Bildschärfe zu aggressiv nachbearbeitet. Dadurch wirken Aufnahmen in der Vollbildbetrachtung zwar sehr scharf, bei genauem Hinsehen und vor allem bei Vergrößerung der Bilder schnell pixelig. Bildrauschen wird hingegen erfolgreich unterdrückt.

Alle Fotos mit der Kamera des Realme 6 (20 Bilder)

Makro

Volle 64-Megapixel-Aufnahmen werden nur bei entsprechender Einstellung getätigt. Wer sich davon allerdings eine höhere Bildschärfe erwartet, wird enttäuscht: Aufnahmen sehen zwar natürlicher, aber auch verwaschener als im normalen Modus aus. Eine Vergrößerung entsprechender Bilder zeigt zwar deutlich angestiegenes Bildrauschen, aber keine Verbesserung bei der Bildschärfe. Die von der Kamera-App angebotene 2fache Vergrößerung geht qualitativ noch in Ordnung, der 5fache Zoom ist kaum noch zu gebrauchen. Im Weitwinkelmodus fällt die Bildschärfe noch einmal etwas mehr ab, bleibt aber brauchbar. Der Nachtmodus birgt keine ordentlichen Ergebnisse, sie werden zu matschig und unscharf.

Selfies werden mit 16 Megapixel geknipst und ausreichend scharf, ohne richtig knackig zu wirken. Videos mit der Hauptkamera dürfen trotz des niedrigen Verkaufspreises des Realme 6 in 4K aufgenommen werden und sehen dann richtig scharf aus, brauchen aber mangels Stabilisierung eine sehr ruhige Hand. In 1080p/60 ist die Stabilisierung durchaus ausreichend.

Unterm Strich ist die Bildqualität bei Fotos und Videos gerade für einen Verkaufspreis von um 250 Euro insgesamt sehr gut. Sie ist weit von den Pixelmatsch-Orgien vergangener Tage in der unteren Preisklasse entfernt, nach oben und zu wesentlich teureren Modellen ab 500 Euro ist aber natürlich durchaus noch Luft.

Als Antrieb setzt Realme beim 6er-Modell auf den Helio 90T von Mediatek. Für Fans von Custom-ROMs ist das vermutlich ein Ausschlusskriterium, alle anderen Interessenten freuen sich hingegen über massig Leistung für wenig Geld. Denn die acht Kerne des Chips mit bis zu 2,05 GHz Taktrate sorgen im Verbund mit einer Mali G76 MC4 für in der 200-Euro-Klasse überragende Ergebnisse, die sich sowohl im Alltag, als auch in Benchmarks bemerkbar machen. Im Antutu-Test erreicht das Smartphone knapp 290.000 Punkte, das ist bärenstark. Im Alltag stören keine Hänger oder Hakler, außerdem starten Apps schnell und auch in Spielen sind flüssige Framerates bei hohen Details meist kein Problem. Da nicht alle Spiele auf 90 Hertz angepasst sind, lohnt ein Blick in einschlägige Foren wie etwa Asus ROG.

Ein Grund für die gute Alltags-Performance dürfte übrigens auch der üppige Speicher unseres Testmodells sein, das mit 8 GByte RAM und 128 GByte internem Speicher ausgestattet war. Außerdem gibt es noch Varianten mit 4/64 und 4/128 GByte. Beim Datenspeicher handelt es sich übrigens um UFS-Speicher – nicht selbstverständlich in der unteren Mittelklasse. Ein weiterer Pluspunkt: Der Speicher darf erweitert werden, zusätzlich schluckt das Realme 6 zwei Nano-SIMs. Ansonsten findet sich an technischer Ausstattung alles, was die Mittelklasse normalerweise auch zu bieten hat und noch mehr: WLAN ac, Bluetooth 5.0, GPS mit Unterstützung von Glonass und BDS, NFC, ein UKW-Radio, 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss für herkömmliche Kopfhörer, USB-C und einen Fingerabdrucksensor. Der steckt in der Power-Taste auf der rechten Seite des Smartphones und funktioniert extrem schnell und zuverlässig. Alternativ steht Face-Unlock über die Frontkamera zur Verfügung. Das ist zwar nicht so sicher wie ein Fingerabdruck, funktioniert aber dank optionalem Aufleuchten des Displays selbst in dunkler Umgebung überraschend gut. Eine Benachrichtigungs-LED fehlt – besonders schade, da es mangels OLED-Screen auch kein Always-on-Display gibt.

Software-seitig läuft auf dem Realme 6 Android 10 mit darüber liegendem RealmeUI 1.0. Dabei handelt es sich um eine angepasste Version von Oppos ColorOS, das sich insgesamt stärker an Vanilla-Android orientiert, die grundsätzliche Struktur aber weitestgehend übernimmt. Nettes Feature: Die Darstellung der App-Icons darf in Form und Farbe dem eigenen Geschmack angepasst werden. Dafür bringt das Realme 6 allerdings einige Bloatware mit, dazu gehören der Opera Browser, Facebook, Kompass und eine eigene Musik-App – die sich aber deinstallieren oder zumindest einfach löschen lassen. Der Sicherheits-Patch unseres Testgerätes stammte noch von März 2020 – das geht noch gerade noch in Ordnung, gerade als „Neuer“ auf dem deutschen Markt wäre höhere Aktualität aber durchaus wünschenswert. Vermutlich wird Realme früher oder später wie andere chinesische Hersteller ein zwei-Monats-Intervall ansteuern.

Mit 4300 mAh sollte der Akku des Realme 6 eigentlich ziemlich ausdauernd sein. Im Battery Test von PCmark zeigte sich das Smartphone aber von einer anderen Seite. Hier kam das Gerät auf rund 7:45 Stunden – kein berauschender Wert. Grund dafür dürfte einerseits der Mediatek-Chipsatz sein, der zwar kräftig, aber durch seine 12-Nanometer-Bauart nicht übermäßig stromsparend ist. Ein anderer Ansatz könnte die neue RealmeUI sein, bei der es noch Arbeit bei der Energieeffizienz gibt.

Letztendlich sollten alle Nutzer mit dem Realme 6 auch bei intensiverer Nutzung über den Tag kommen, sicherheitshalber sollte aber von allabendlichem Laden ausgegangen werden. Oder Zwischenladen, wenn möglich. Denn dank VOOC-Schnellladefunktion mit 30 Watt benötigt das Smartphone für eine Ladung kaum mehr als eine Stunde – das ist ein sehr guter Wert. Wer nur eine halbe Stunde Zeit zum Laden hat, hat anschließend schon wieder etwas mehr als 50 Prozent Akkustand, das ist in dieser Preisklasse einzigartig und gleicht den Nachteil des vergleichsweise hohen Stromverbrauchs des Realme 6 im Alltag wieder aus.

Die UVP für das Realme 6 liegt bei knapp 220 Euro für die kleinste Speicherkonfiguration mit 4/64 GByte. Außerdem gibt es noch 4/128 und 8/128 GByte - eine Version mit 6 GByte RAM fehlt. An Farben stehen Blau und Weiß zur Auswahl.

Realme 6  64GB comet blue

4/64

Realme 6 128GB/4GB comet blue

4/128

Realme 6 128GB/8GB comet white

8/128

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Für nicht einmal 260 Euro bekommen Käufer beim Realme 6 Technik wie in der gehobenen Mittelklasse mit 8/128 GByte Speicher, 90-Hz-Display, ordentlicher Quad-Cam (auch wenn in erster Linie zwei Linsen davon interessant sind) und einem Prozessor mit ordentlich Dampf. Gespart wird beim Material des Gehäuses, das zwar durchaus ausreichend wertig wirkt, aber nur aus Kunststoff besteht. Nachteilig wirkt sich in erster Linie die etwas niedrige Akkulaufzeit aus, mit der aber trotz allem die meisten Nutzer gut über den Tag kommen sollten. Die VOOC-Schnellladetechnik gleicht diesen Nachteil zumindest teilweise wieder aus. Selbst die Kamera liegt über dem, was man in der 200 Euro-Klasse (die UVP der kleinsten Speichervariante liegt bei 220 Euro) erwarten darf. Insgesamt ist das Realme 6 daher aktuell ein unschlagbares Gesamtpaket und eine Empfehlung der Techstage-Redaktion.

Wer mit Realme nicht so richtig warm wird oder schlichtweg einem auf dem deutschen Markt so neuen Wettbewerber noch nicht so recht über den Weg traut, der sollte einen Blick auf unsere Bestenliste der Smartphones bis 200 Euro, der besten Android-One-Phones oder der besten Smartphones bis 400 Euro werfen.

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