TechStage
Logo Qwant

Ein Angebot von

Realacc R20: Günstiger DJI-Tello-Klon im Test

von  // 

Der Erfolg von der Mini-Drohne Tello von DJI ruft Nachahmer auf den Plan. Wir haben uns eine Kopie angesehen und verraten, warum uns der günstige Realacc R20 enttäuscht.

Auf den ersten Blick ist der kleine Multicopter kaum vom Original des Herstellers DJI zu unterscheiden (DJI Tello Testbericht). Im Direktvergleich fällt aber auf, dass die Kopie insgesamt etwas größer ist. Außerdem ist der Power-Taster auf der Oberseite, statt auf der Seite verbaut.

Die Kopie (links) neben dem Original von DJI.

Neben Sender, Drohne und Akku gehören ein USB-Ladegerät, Propeller-Schützer und ein Satz Ersatzpropeller zum Lieferumfang. Ein Netzteil für das Ladekabel und Batterien für den Handsender sind nicht beigepackt.

Die Drohne besteht aus einem schwarz-weißen Kunststoffgehäuse, schwarzen Propellern, Frontkamera, und vier kleine Bürstenmotoren. Die Verarbeitung kann bei weitem nicht mit der des Originals mithalten. Der verwendete Kunststoff wirkt deutlich billiger und weniger hochwertig.

Der Klon kommt zusammen mit einer Fernsteuerung zum Kunden. Die original Tello setzt allerdings auf eine WLAN-Verbindung und die Steuerung per Smartphone. Das scheint dem chinesischen Hersteller aber herzlich egal zu sein und so kopiert er das Design der DJI-Spark-Fernsteuerung und packt diese zum Tello-Klon. Die Verarbeitung des Senders und der integrierten Smartphone-Halterung ist in Ordnung. Mit der Haptik des Originals kann sie nicht mithalten. Die beiden Antennen des Handsenders sind übrigens reine Dekoration. Bei genauer Betrachtung fällt auf, dass sie komplett aus Kunststoff bestehen und keinerlei technische Funktion haben. Damit die Videoverbindung zum Smartphone funktioniert, muss dieses mit dem R20 gekoppelt werden. Das klappt im Test schnell und problemlos.

Bei unserem Multicopter fehlte beim Auspacken eines der Gummifüßchen der Drohne. Bei Ebay gibt es diese als Ersatzteil. Wir haben für den Test ein Landebein aus aushärtender Knetmasse gebastelt.

Der Lieferumfang des R20 ist ausreichend.

Der Hersteller Realacc setzt bei der Steuerung auf eine 2,4GHz-Verbindung und die Verwendung eines Handsenders. Optische Sensoren, wie sie die DJI Tello verwendet, sind nicht verbaut. Das billige Modell kann somit nicht die Position halten und so muss der Pilot ständig gegensteuern, um Wegdriften zu verhindern. Die Höhe hält die Drohne immerhin selbstständig.

Die integrierte WLAN-Kamera ist, anders als beim Modell von DJI, per Hand nach unten schwenkbar. Die Auflösung liegt bei 2 Megapixeln für Fotos und bei 720p für Videos. Ein Speicherkarteneinschub ist auch beim Klon nicht vorhanden. Aufgezeichnetes Material landen direkt auf dem Smartphone-Speicher. Inklusive aller Bildfehler aufgrund von Funkstörungen .

Der Akku wird außerhalb des Multicopters geladen.

Die 3,7V-Akkus haben eine Kapazität von 1000mAh und sehen denen von DJI sehr ähnlich. Zum Laden wird der Akku entnommen und mit dem mitgelieferten USB-Kabel geladen. Anders als bei der Tello, ist somit gleichzeitiges Laden und Fliegen möglich. Vorausgesetzt es sind mehrere Akkus vorhanden. Die Propeller-Schützer werden an den Motoren fest geclipst. In der Praxis zeigt sich allerdings schnell, dass sie nicht besonders fest sitzen. Ein leichter Crash reicht aus und die Kunststoffbügel fallen ab. Ebenso wie die Gummifüssche, die wir während der Testflüge immer wieder verlieren.

Die englischsprachige Smartphone-App zur Überprüfung des Live-Bildes und zum Auslösen der Kamera ist unkompliziert und sehr ähnlich zur Software von anderen billigen China-Koptern.

Da die Drohne weder optische Sensoren, noch GPS verwendet, steht letztlich nur der stabilisierte Flugmodus zur Verfügung. Dieser sorgt dafür, dass sich der Multicopter gerade in die Luft stellt, sobald er keine Steuerbefehle bekommt. Das Halten der Höhe klappt immerhin einigermaßen. Der Klon steht zwar nicht so sauber in der Luft wie sein Vorbild, aber er sackt beim Vorwärtsflug deutlich weniger ab als andere Modelle.

Für Seitwärts-Rollen und Loopings gibt es eine eigene Taste auf dem Handsender. Auch der sogenannte Headless-Modus (Steuerung der Drohne unabhängig von deren Positionierung zum Piloten) und die Coming-Home-Funktion sind vorhanden.

Insgesamt ist die Flug-Charakteristik erfreulich gut. Sowohl Anfänger als auch geübte Piloten kommen auf Ihre Kosten. Dank 2,4GHz-Verbindung reagiert der R20 präzise und zuverlässig bis zu einer Entfernung von etwa 50 Metern. Dann bricht das Funksignal ab und der Mini-Multicopter landet. Eine Höhenbeschränkung wie beim Original ist nicht vorhanden. Das Steuern per Handsender ist deutlich intuitiver als die Bedienung per Smartphone. Das gefällt uns am Klon deutlich besser als beim Vorbild von DJI.

Die vom Hersteller angegebene Flugdauer von 10 Minuten haben wir nicht ganz erreicht, was allerdings an unserem sportlichen Flugstil liegen kann. Im Test hält der Akku etwa acht bis maximal neun Minuten durch. Für einen Mini-Multicopter eine durchaus beachtliche Leistung.

Der Sender fühlt sich extrem billig an.

Zur Einstellung der Steuer-Empfindlichkeit stehen drei Stufen zur Verfügung. Während die Drohne bei der ersten Stufe nur sehr behäbig reagiert, macht die mittlere Einstellung deutlich mehr Spaß. Die höchste Stufe enttäuscht allerdings. Der Copter reagiert zwar deutlich empfindlicher, bei sehr zackigen Richtungswechseln fehlt es den Motoren dann aber an Power und der kleine Copter stürzt zu Boden.

Während der Headless-Modus erstaunlich gut funktioniert, ist die Cominig-Home-Funktion ein Glücksspiel. In den Tests fliegt der R20 zwar auf Knopfdruck los, aber nicht immer in Richtung des Handsenders. Die Präzision ist aufgrund des fehlenden GPS-Empfängers nicht weiter verwunderlich und die Funktion somit unbrauchbar.

Das Hauptargument für den Kauf der rund 100 Euro teuren DJI Tello ist deren gute Bildqualität. Hier kann der günstige China-Klon bei weitem nicht mithalten. Für eine WLAN-Kamera und eine Drohne in dieser Preisklasse sind die Ergebnisse zwar in Ordnung, aber eben nicht gut. Die Aufnahmen sind am ehesten mit dem Revell Spot VR (Testbericht) und der sehr günstigen China-Drohe S9W (Testbericht) zu vergleichen.

Die Bildqualität vom R20 und Tello im direkten Vergleich.

Der Realacc R20 wird auch unter der Bezeichnung Linxtech 1802 vertrieben. Es gibt verschiedene Gehäusefarben und Sets mit mehreren Zusatz-Akkus.

Positiv sieht es mit der Ersatzteilversorgung des R20 aus. Neben Zusatzakkus und Propellern sind auch Motoren, Rahmen, Gummifüsschen und alle elektronischen Komponenten erhältlich — allerdings nur in chinesischen Shops.

(Kein Produktbild vorhanden)

Realacc R20

(Kein Produktbild vorhanden)

Linxtech 1802

(Kein Produktbild vorhanden)

Linxtech 1802

Der Realacc R20 sieht der DJI Tello (Testbericht) sehr ähnlich, kann aber insbesondere in Sachen Bildqualität nicht mithalten.

Wer lediglich einen Mini-Copter zum Herumdüsen im Garten sucht, der bekommt mit dem China-Klon ein ordentliches Fluggerät mit guter Akkulaufzeit. Wer auf Wechselakkus verzichten kann, bekommt mit dem SW9 (Testbericht) eine vergleichbare Qualität zu einem deutlich geringeren Preis.

Geht es vorrangig um das Flugerlebnis und nicht um das Aufzeichnen von Fotos und Videos, empfehlen wir einen Blick auf den Blade Inductrix FPV (Testbericht) oder dessen Klon Eachine 013 (Testbericht).

Wer eine Mini-Foto-Drohne sucht, sollte die Finger vom Klon lassen und zum Original DJI Tello (Testbericht) greifen. Wer das Hauptaugenmerk auf die Aufnahme von Videos legt, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen und sich ein Modell wie die DJI Spark (Testbericht) oder die DJI Mavic (Kaufberatung) zulegen.

Einloggen, um Kommentare zu schreiben

Anzeige