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E-Scooter ESA 1919 für 300 Euro im Test: günstig & trotzdem gut

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Der Doc Green Explorer ESA 1919 ist mit 300 Euro einer der günstigsten legalen E-Scooter. Im Testbericht überzeugt sein stimmiges Gesamtpaket.

Der elektrische Tretroller Doc Green / Explorer ESA 1919 ist regelmäßig bei Lidl, Edeka und Saturn im Angebot. Gerade bei den erstgenannten ist er häufig ausverkauft. Aktuell hat ihn ATU für sehr günstige 300 Euro im Sortiment. Üblicherweise kosten E-Scooter mit einer vergleichbaren Ausstattung deutlich mehr, so will Trekstor für den ähnlichen EG3178 (Testbericht) gleich mal 460 Euro haben. Aber man kann auch deutlich mehr ausgeben: etwa 1450 Euro für den Egret Ten V4 (Testbericht) oder 1600 Euro für den Metz Moover (Testbericht). Wie sich die E-Scooter im Vergleich schlagen, zeigt unser Vergleichstest E-Scooter mit Straßenzulassung und unsere Top-5-Bestenliste: E-Scooter mit Straßenzulassung. Alles rund um E-Scooter sammeln wir auf unserer Themenseite E-Scooter.

Der ESA 1919 erinnert stark an den guten E-Scooter-Klassiker Xiaomi Mijia M365 (Testbericht), für den es noch immer (Stand: 05/20) keine Straßenzulassung gibt. Die in weiten Teilen bestehende Baugleichheit hat den Vorteil, dass man weiß, was man bekommt: Einen stabilen und wertig verarbeiteten Allrounder zum günstigen Preis.

Der fixe Lenker ist etwa 110 cm hoch und eignet sich so auch für größere Fahrer. Das passt zur gummierten Trittfläche, die mit einer betretbaren Länge von 43 cm und einer Breite von knapp 15 cm ebenfalls großzügig ausfällt.

Doc Green Explorer ESA 1919 (21 Bilder)

Am Lenker selbst befindet sich mittig zwischen den gummierten Haltegriffen ein einfaches, auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut lesbares Display zur Anzeige der aktuellen Geschwindigkeit ohne Nachkommastelle. Vier LEDs zeigen die ungefähr verbleibende Akkukapazität an, darunter sitzt der On-/Off-Button. Leider ist es nicht möglich, die gefahrenen Kilometer einzusehen.

Ein blauer Hebel steuert den Antrieb, ein roter aktiviert die Motorbremse. Außerdem gibt es auf der rechten Seite einen Bremsgriff und auf der linken eine Klingel. Clever gelöst: Der Hebel zum Betätigen der Klingel ist gleichzeitig die Öse, in die im zusammengeklappten Zustand der Haken auf dem hinteren Schutzblech einrastet.

Zusammengeklappt hat der ESA 1919 nur noch eine Höhe von knapp 50 cm und kann an der Lenkstange hochgehoben werden. Damit ist es kein Problem, ihn etwa in die S-Bahn zu tragen oder in den Kofferraum des Autos zu heben. Längeres Tragen führt jedoch schnell zu Ermüdungserscheinungen, immerhin wiegt der ESA 1919 knapp 13 kg. Seine maximale Zuladung beträgt 100 kg.

Der ESA 1919 wirkt hochwertig verarbeitet.

Der Klappmechanismus selbst macht einen einfachen, aber stabilen Eindruck. Sollte er zu fest oder zu lose sein, kann man ihn über eine Inbusschraube justieren. Damit sich der Hebel etwa während der Fahrt nicht versehentlich von selbst löst, gibt es einen Sicherungshaken. Die Lenkgriffe sind nicht umklappbar.

Sehr schön: Nicht nur das vordere, sondern auch das hintere Licht hängt am Stromkreislauf und kann über den einzigen Knopf in der Mitte des Lenkers ein- oder ausgeschaltet werden. Selbst einige viel teurere E-Scooter wie der ansonsten sehr gute Egret Ten V4 (Testbericht) lösen das schlechter.

Zunächst fällt auf, dass der ESA 1919 keine Federung besitzt – weder zwischen Aufhängung des Hinterrads und Trittbrett wie beim 460-Euro-E-Scooter Trekstor EG3178 (Testbericht), noch direkt am Vorderrad wie beim massiven Mytier (Testbericht). Das ist gerade bei Honeycomb-Reifen sehr ungewöhnlich. Denn die Vollgummireifen mit Wabenstruktur fangen deutlich weniger Unebenheiten ab als Luftreifen und geben so Stöße ohne viel Dämpfung an den Tretroller weiter. Das belastet die Bauteile und schüttelt den Fahrer, zum Beispiel beim Überqueren von Ausfahrten mit Kopfsteinpflaster, ordentlich durch. Dafür ist das Fahrgefühl insgesamt sehr stabil, man hat stets das Gefühl der vollen Kontrolle.

Die Honeycomb-Reifen des ESA 1919 sind pannensicher.

Ein Vorteil der Honeycomb-Reifen ist ihre Pannensicherheit: Wo keine Luft ist, kann auch kein Platten entstehen. Dafür rutscht man mit ihnen auf nasser Fahrbahn schneller weg und hat einen deutlich längeren Bremsweg.

Der Fahrer kann über einen Doppeldruck auf den Knopf zwischen dem auf 15 km/h gedrosselten Eco-Modus und dem normalen 20-km/h-Modus wechseln. Auch im normalen Modus ist die Beschleunigung moderat und nicht zu vergleichen mit dem Metz Moover (Testbericht), eher mit dem gemächlichen Soflow S06 (Testbericht). Der Motor mit der Nennleistung von 350 Watt schafft es kaum einen 85-kg-Fahrer auf die maximale Geschwindigkeit von 20 km/h zu beschleunigen. Trotzdem bringt uns der ESA 1919 auch auf steileren Straßen voran. Falls es zu steil wird, kann man mit dem Fuß nachhelfen.

Der Bremsgriff auf der rechten Seite des Lenkers löst gleichzeitig die mechanische Scheibenbremse am Hinterrad und die elektrische Motorbremse am Vorderrad aus. Das haben wir bereits beim Trekstor EG3178 (Testbericht) gesehen und waren schon dort wenig begeistert. Denn während man mechanisch mit der Scheibenbremse sanft bremsen kann, kennt die Motorbremse nur die Zustände ein und aus. So führt man auch beim leichten Anziehen der Bremse stets eine halbe Vollbremsung durch, was gerade für Anfänger richtig gefährlich sein kann. Nach einer gewissen Zeit gewöhnt man sich daran, vor jedem Bremsen zunächst den eigenen Körper deutlich nach hinten zu lehnen. Dabei scheint der ESA 1919 eine stärkere Motorbremse als der Trekstor EG3178 zu haben, zumindest wirkt das Bremsen deutlich abrupter.

Die Bremsen reagieren abrupt. Zu abrupt.

Wer nur die elektrische Bremse betätigen will, kann das mit dem Hebel auf der rechten Seite des Lenkers tun. Allerdings besteht hier die Gefahr, mit dem Vorderrad wegzurutschen. Das könnte wegen des schlechten Grips der Honeycomb-Reifen gerade bei nasser Fahrbahn passieren.

Vorteil der automatischen Kombination von mechanischer und elektrischer Bremse: Der Bremsweg ist sehr kurz, im Grunde mit etwas über 2 Metern aus voller Fahrt, 85 kg Zuladung und trockenem Asphalt sogar der kürzeste Wert aller von uns getesteten E-Scooter (Vergleichstest).

Der fest eingebaute Akku hat eine Kapazität von 259 Wh. Einmal leer benötigt das 63-W-Netzteil knapp 6 Stunden, um ihn wieder vollzupumpen. Laut Hersteller soll der ESA 1919 mit einer Akkuladung 22 km weit kommen. Damit stapelt man deutlich tiefer als die meisten anderen E-Scooter. Trotzdem erreichen wir in der Praxis den Wert nicht, kommen bei 85 kg auf ebener Strecke auf gut 15 km.

Der Doc Green Explorer ESA 1919 kostet bei Autoteile Unger (ATU) dauerhaft 300 Euro. Das ist ein sehr guter Preis für einen vollausgestatteten E-Scooter und unterbietet den bisher günstigsten von uns getesteten E-Tretroller um mehr als 150 Euro.

Der ESA 1919 ist für seine aktuell aufgerufenen 300 Euro unser Preis-Leistungs-Sieger. Klar müssen Käufer gerade im Vergleich zu teureren Modellen Abstriche in Kauf nehmen. So beschleunigt er zu gemächlich, was ihn für schwere Personen disqualifiziert. Auch fehlt in Kombination mit den Honeycomb-Reifen eine Federung, um das Fahrgefühl weicher zu gestalten und die Bauteile zu entlasten. Richtig nervig und im schlimmsten Fall sogar gefährlich können die Bremsen sein, die stets zu abrupt einsetzen. Dafür hat er aber auch den kürzesten Bremsweg aller von uns getesteten E-Scooter (Themenseite). Gut ist auch seine Verarbeitung, das sichere Fahrgefühl, die Integration des Lichts und der Klappmechanismus. Selbst die Reichweite, die mit gut 15 km eher moderat ausfällt, ist in Anbetracht des günstigen Kaufpreises von 300 Euro absolut in Ordnung. Der Doc Green Explorer ESA 1919 erhält damit unsere Kaufempfehlung.

Wer mit 450 Euro etwas mehr Geld in die Hand nimmt, bekommt beim Trekstor EG3178 (Testbericht) ein sehr vergleichbares Modell, allerdings mit Federung. 700 Euro kostet ein robuster, generalüberholter Mytier E-Scooter (Testbericht). Dazu empfehlen wir einen Blick in unseren Vergleichstest E-Scooter und unsere Topliste E-Scooter.

Ach ja, wer E-Scooter fährt, sollte auch einen Helm tragen. Wir hatten den guten Lumos Street im Test. Ein smarter Helm mit Blinker und App.

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