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Polierpaste im Test: Entfernt sie wirklich Display-Kratzer?

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Der Hersteller Displex bewirbt sein Zwei-Komponenten-System damit, dass es leichte bis mittlere Kratzer aus Glas-Displays entfernt. Wir haben es am Smartphone getestet.

Kratzer in Displays sind ärgerlich, seit es Displays gibt. Konnte man das Problem in den 90ern noch mit Politur bei den Kunststoff-Oberflächen lösen, sind Kratzer in den Glasscheiben moderner Smartphones ein übles Ärgernis – oft bleibt nur der Tausch der Scheibe, die bei modernen Smartphones eine teure Einheit aus Touchscreen und Display darstellt.

Glaubt man dem Hersteller einer Politur-Paste, ist das aber nur die halbe Wahrheit. Kann das Produkt überzeugen?

Das Polier-Set von Displex besteht aus zwei verschiedenen Pasten, einem Poliertuch, einem Holzstäbchen mit einem Dutzend Polierstreifen, einem Gummiring und einer mehrsprachigen Anleitung.

Hier sieht man, wie sehr das Display über die Zeit gelitten hat.

Um Kratzer zu entfernen, kommt zunächst die Repair-Paste auf das Display. Zum Polieren kommt das Holzstäbchen mit einer Art Stoff-Streifen zum Einsatz. Das ist irgendwie etwas unhandlich, klappt aber ganz gut. Anschließend muss man die Prozedur mit der Finish-Paste noch einmal durchführen. Bei tiefen Kratzern wiederholt man alle Arbeitsschritte gegebenenfalls mehrfach.

Für Geräte mit beschichtetem oder entspiegeltem Display eignet sich die Paste nicht, da sie die Oberfläche angreift. Beispiele für eine solche Beschichtung ist etwa ein Nano-Partikel-Finish, das Fingerabdruckspuren vom Display fernhalten soll – und eben jenes wird durch das Polieren entfernt. Wer versehentlich trotzdem ein beschichtetes Smartphone bearbeitet hat, kann nur den Rest der Oberfläche ebenfalls runterpolieren; dann sieht man wenigstens keine Unterschiede mehr zwischen behandelten und nicht behandelten Stellen.

Im Praxistest halten wir uns penibel an die Anleitung und reinigen zuerst das Display mit dem beigelegten Mikrofasertuch. Bei entsprechender Beleuchtung sind nun Unmengen an sehr kleinen, mittleren und tiefen Kratzern zu erkennen. Diese sind das Ergebnis von mehreren Jahren alltäglicher Nutzung – ohne Schutzscheibe.

So polieren wir das Display.

Öffnungen für Lautsprecher und Kamera sollte man zum Schutz vor Beschädigungen abkleben. Da unser Testgerät nicht mehr zum Telefonieren oder Fotografieren genutzt wird, sparen wir uns das und bereiten direkt das Polierstäbchen vor. Dazu trennen wir einen der papierähnlichen Polierstreifen ab und stülpen ihn über das abgeschrägte Ende des Holzstabes. Das beigelegte Gummiband hält den Streifen fest in Position.

Nun kommt eine kleine Menge der Repair-Paste auf das Display, dann beginnt die Handarbeit: die zu reparierende Stelle drei Minuten lang senkrecht zu den Kratzern polieren. Für ein optimales Ergebniss müssen die Bewegung schnell genug und mit genügend Druck durchgeführt werden. Am Ende ist von der vormals weichen Paste nur noch ein angetrockneter Schmierfilm übrig. Diesen entfernen wir mit einem Papiertuch und bereiten Schritt zwei vor: neuer Polierstreifen auf den Holzstab, ein Tropfen der Finish-Paste auf das Display, drei Minuten polieren. Es klingt zwar lächerlich, aber die insgesamt sechs Minuten Polieren sind durchaus anstrengend.

Die leichten Kratzer verschwinden ganz oder zumindest teilweise. Die großen Macken bleiben übrig.

Das Ergebnis nach der ersten Anwendung ist ernüchternd. Unser Smartphone-Display sieht kein bisschen besser aus als vor dem Poliervorgang. Da der Hersteller in der Anleitung bis zu sechs Wiederholungen empfiehlt, besteht aber noch Hoffnung. Insgesamt wiederholen wir die Arbeitsschritte fünf Mal – solange, bis die beiden Pasten komplett aufgebraucht sind und die Finger schmerzen. Das dauert insgesamt über eine halbe Stunde.

Das Endergebnis sieht schon besser aus. Die Oberfläche ist zwar keinesfalls frei von Kratzern, aber zumindest die kleinen Beschädigungen sind weniger geworden. Mittlere Kratzer sind zumindest stellenweise nicht mehr zu erkennen. Die tieferen Macken sind allerdings nach wie vor deutlich zu sehen. Da die kleinen Kratzer weniger geworden sind, fallen die größeren Schrammen nun allerdings weit mehr ins Auge.

Bei unserem Testgerät, einem betagten iPhone 6s, fällt übrigens kein Unterschied in der Haptik der Oberfläche auf. Der Gesamteindruck des Displays ist deutlich besser als vor der Behandlung. Zu behaupten, es sähe aus wie neu, wäre allerdings gelogen. Der leichte Grauschleier, der durch unzählige Mikrokratzer entsteht, ist immerhin verschwunden, die tieferen Macken sind aber unverändert sichtbar.

Die Polierpaste funktioniert tatsächlich, trotz aller Bedenken im Vorfeld. Kleine Kratzer sind nach mehrmaliger Politur nicht mehr zu sehen. Mittelstarke Kratzer sind nach der Prozedur immerhin weniger deutlich sichtbar. Bei tiefen Macken reicht auch häufiges Wiederholen nicht aus – sie sind weiterhin deutlich zu sehen und zu spüren.

Wer lediglich ein paar Mini-Kratzer auf seinem Smartphone hat, kann mit dem Zwei-Komponenten-System einen Erfolg erzielen. Allerdings nur, wenn es sich um kein beschichtetes Display und wirklich nur sehr geringe Beschädigungen handelt. Wer allerdings gehofft hat, sein verschrammtes Smartphone sähe nach dem Polieren aus wie neu, wird enttäuscht. Hier hilft nur der Wechsel des Displays und das kann, je nach Smartphone, ganz schön teuer sein.

Um auch nach Monaten ein unverkratztes Display zu haben, muss man es präventiv schützen. Das klappt am besten mit Schutzfolien und Scheiben. Wie sich die unterschiedlichen Materialien unterscheiden, erklären wir beispielhaft am iPhone 7 und 8. Für einige Smartphones, wie das Huawei Mate 20 Pro, Huawei P20 lite, Huawei P20, Huawei P20 Pro, iPhones XS und XR haben wir die interessantesten Display-Schutz-Varianten in eigenen Ratgebern zusammengefasst.

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