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Polar Grit X im Test: Smartwatch für Outoor-Sportler

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Die Polar Grit X will als Smartwatch-Multitalent für Outdoor-begeisterte Sportler überzeugen. Wir nehmen Design, Bedienbarkeit und Funktionen der Uhr unter die Lupe und klären in unserem Test, ob die gebotene Leistung den hohen Preis rechtfertigt.

Polar hat mit der Grit X eine neue Smartwatch auf den Markt gebracht, die sich explizit an Outdoor-Sportler richtet. Wer viel in der freien Natur unterwegs ist, sei es zu Fuß, mit dem Fahrrad, auf Skiern oder völlig anders, dem verspricht der Hersteller eine Art Rundum-sorglos-Paket mit den wichtigsten Outdoor-Funktionen, einem robusten Design und vielfältigen Trainingsoptionen. Wir testen die Grit X im Rahmen unserer Themenwelt Sportuhren.

Dort sind bereits Tests und Artikel zu anderen Geräten erschienen, darunter etwa der Polar Vantage M (Testbericht), zur Garmin Venu (Testbericht) oder zur Huawei Watch GT 2e (Testbericht). Wer sich nicht sicher ist, ob er eine Sportuhr oder einen Fitness-Tracker sucht, dem empfehlen wir einen Blick in unseren Ratgeber.

Dass es sich bei der Polar Grit X um eine Smartwatch handelt, die primär für den Outdoor-Gebrauch konzipiert ist, sieht man ihr von außen direkt an. Das Gehäuse der Uhr besteht aus Edelstahl in Kombination mit einem glasfaserverstärkten Rückenabdeckung aus Polymer. Das Touch-Display aus Gorilla-Verbundglas ist in eine Edelstahl-Lünette eingefasst, an deren Rand sich links zwei und rechts drei Bedienknöpfe befinden.

Die Polar Grit X. Man sieht der Uhr an, dass sie für den Sport gemacht ist.

Die Grit X ist nach MIL-STD-810G zertifiziert, konkret soll sie Stürze aus einer Höhe von 1,2 Metern überstehen und mit großen Höhen, hohen und niedrigen Temperaturen, Wasser, Regen, Staub und Sand zurechtkommen. Die Aussagekraft dieser Norm ist aber beschränkt, weil ein Hersteller auch dann mit dem Standard werben kann, wenn das Gerät nicht alle Tests der Norm bestanden hat. Polar gibt jedenfalls an, dass die Uhr nach dem Standard geprüft worden sei und Temperaturen zwischen -20 und +50 °C aushält. Außerdem ist die Uhr bis 100 Meter wasserdicht, also zum Schwimmen geeignet.

Der Lieferumfang der Grit X beinhaltet die Uhr, ein Armband sowie ein Ladekabel. Weitere Extras sind in der Packung nicht enthalten, allerdings bietet Polar kostenpflichtig zusätzliche Wechselarmbänder und ergänzendes Zubehör an.

Die Polar Grit X gibt uns beim ersten Start drei Möglichkeiten, die Smartwatch einzurichten: per Smartphone, über einen PC oder auf der Uhr selbst. Entscheiden wir uns für die ersten beiden Möglichkeiten, spielt die Flow App direkt aktuelle Firmware-Updates auf die Uhr – ein Vorgang, der mehrere Minuten dauern kann.

Der Einrichtungsprozess der Grit X birgt ansonsten keine Überraschungen: Wir koppeln die Uhr per Bluetooth mit unserem Mobilgerät, legen einen Polar-Account an und verbinden die Uhr mit der Flow-App. Richten wir die Grit X nur über die Uhr selbst ein, benötigen wir zwar keinen Polar-Account, können dann aber auch nicht alle Funktionen der Grit X nutzen.

Damit wir den vollen Funktionsumfang der Polar Grit X genießen können, müssen wir einen Polar-Account anlegen und die Flow-App auf unserem Smartphone installieren. Die App bietet einen umfassenden und übersichtlichen Überblick über unsere Tagesaktivitäten und Gesundheitsdaten. Ergänzend dazu können wir uns in der App unsere Trainings- und Schlafaufzeichnungen ansehen sowie allgemeine Einstellungen an der Uhr vornehmen.

Damit die Grit X unsere Trainings-, Gesundheits- und Aktivitätsdaten an die Flow-App überträgt, müssen wir manuell die Synchronisation aktivieren. Das funktioniert per Knopfdruck auf den unteren linken Bedienknopf der Uhr, den wir kurz gedrückt halten, damit die Datenübertragung beginnt. Die Synchronisation dauert dann einige Minuten, abhängig davon, wie viel Zeit seit der vorigen Synchronisation vergangen ist.

Sollten wir keinen manuellen Abgleich anstoßen, synchronisiert sich die Uhr automatisch einmal pro Stunde oder nach Trainings, allerdings nur, wenn die App in Bluetooth-Reichweite gefunden wird. Hier kann es unter Umständen zu Problemen kommen: Unter Android kommt es immer wieder vor, dass die Kontroll-Apps für Uhren vom Stromsparmodus eingebremst werden und die Synchronisation im Hintergrund stoppt. Dann klappt der Abgleich nur, wenn man auf dem Handy die App aktiv im Vordergrund hat. Eine Abhilfe kann es sein, Polar Flow manuell in den Einstellungen zum Stromsparmodus freizuschalten.

Polar Grit X: Software (16 Bilder)

Wer mit der Polar Grit X die eigenen Aktivitäten jenseits des sportlichen Trainings tracken möchte, kann auf ein umfangreiches Arsenal an Funktionen zurückgreifen. Die Uhr misst nicht nur die Herzfrequenz und die zurückgelegte Strecke, sondern erlaubt auch das Festlegen spezifischer Aktivitätsziele. Wir haben dabei die Möglichkeit, eines von drei unterschiedlichen Aktivitätsniveaus zu wählen. Die App gibt uns keine detaillierten Information darüber, was die Aktivitätsniveaus genau bedeuten, sondern spricht lediglich Empfehlungen basierend auf unseren Alltagsaktivitäten aus.

Je nachdem, wie viel wir uns den Tag über bewegen, füllt sich eine Prozentleiste in der App, die angibt, ob wir das gewählte Aktivitätsniveau bereits erreicht haben. Klicken wir auf die Leiste, zeigt uns die App drei Möglichkeiten an, wie wir das tägliche Ziel erreichen können, zum Beispiel mit 11 Minuten Football, 38 Minuten Tischtennis oder 54 Minuten Gartenarbeit.

Wer sich tagsüber aus beruflichen Gründen wenig bewegt und viel Zeit in sitzender Position verbringt, kann die Polar Grit X so einstellen, dass sie in regelmäßigen Abständen eine Bewegungserinnerung anzeigt. Bewegen wir uns nicht genug, vibriert die Uhr nach einer Weile und fordert uns zu Bewegung auf.

Wie es sich für eine Smartwatch mit Sportfokus gehört, bietet die Polar Grit X eine Vielzahl unterschiedlicher Sportarten, die wir mit der Uhr aufzeichnen können. Darunter sind Klassiker wie Laufen, Radfahren und Schwimmen, aber auch Exoten wie Finnisch Baseball, Rollstuhlrennen oder Schneeschuhtrekking. Etwas seltsam: Wir können auch Klettern als Sportart aufzeichnen, die App bietet uns diese Sportart aber nur in der Indoor-Variante an.

Damit wir nicht jedes Mal durch eine ellenlange Liste scrollen müssen, können wir über die App bis zu 20 Sportarten speichern, die dann im Trainingsmenü der Grit X auftauchen. Wir haben außerdem die Möglichkeit, die Option Multisport zu wählen, wenn wir mehrere Sportarten nacheinander in einer Trainingseinheit aufzeichnen möchten.

Polar Grit X (8 Bilder)

Die Polar Grit X bietet in Kombination mit der Flow-App eine große Menge unterschiedlicher Tracking-Daten und Informationen, darunter:

  • Herzfrequenz, Strecke, Höhenunterschiede, Tempo, verbrannte Kalorien
  • Energiequellen: Wie hoch ist der Anteil von Kohlenhydraten, Protein und Fett bei der Menge der verbrauchten Kalorien einer Trainingseinheit?
  • Niveau der muskulären Belastung (bestimmt anhand von Leistung, Dauer und Körpergewicht)
  • Cardio Load (Intensität des Trainings im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen 90 Tage)
  • Trainingsnutzen (welchen Effekt hatte die Trainingseinheit für Ausdauer und Fettstoffwechsel?)

Alle diese Daten ermöglichen einen umfassenden Überblick über die eigene Trainingsleistung und bieten diverse Möglichkeiten zur Analyse des Trainings.

Die App zeigt außerdem die Bedeutung des jeweiligen Trainings für das eigene Fitnessniveau an: Wer regelmäßig trainiert, dem sagt die App, ob das aktuelle Trainingsniveau ausreicht, um den eigenen Fitnesslevel zu erhalten oder zu verbessern. Außerdem empfiehlt die Smart-Coach-Funktion der Polar Grit X dem Nutzer eine Sporteinheit basierend auf den bislang durchgeführten Trainings des aktuellen Tages und der vergangenen Wochen. Ergänzend dazu bietet die Polar Grit X eine sogenannte Refuel-Option, die den Nutzer erinnert, etwas zu trinken oder Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. Diese Option lässt sich ebenfalls individuell konfigurieren.

Die diversen Tracking-Optionen bieten Nutzern, die ihr Training selbstständig und umfangreich aufzeichnen und optimieren möchten, eine Fülle an hilfreichen Möglichkeiten. Allerdings können die Menüs und Optionen unerfahrenere Nutzer schnell überfordern, weil sie eine gewisse Einarbeitung und Planung erfordern. Trotzdem gehört das Trainingstracking zu den großen Stärken der Polar Grit X.

Wie üblich lassen sich externe Sensoren, etwa Bluetooth-Pulsgurte für die Brust, mit der der Uhr koppeln. Ebenfalls gut ist, dass die Uhr die Position per GPS, GLONASS, Galileo und QZSS bestimmen und dabei mehrere Systeme parallel nutzen kann. Dazu lassen sich komplette Touren über die App Komoot planen und die Karten auf der Uhr speichern.

Während des Trainings hatten wir nur einmal ein wirklich seltsames Verhalten: Bei einer zweieinhalbstündigen Wanderung spielte nach gut anderthalb Stunden die Erfassung der Herzfrequenz mehrfach verrückt. Die Uhr zeigte einen Puls von 165 an, während die tatsächliche Herzfrequenz (gemessen per Finger an der Halsschlagader) bei maximal 100 Schlägen pro Minute lag.

Das Problem ließ sich unterwegs nicht beheben, allerdings funktionierte die Uhr nach einer Weile wieder normal. Wir konnten das Problem nicht reproduzieren und auch keine potenzielle Ursache für den Fehler ausmachen. Wir empfanden ihn aber als ausgesprochen ärgerlich, vor allem auch deshalb, weil dadurch eine zentrale Funktion beim Tracking des Trainings beeinträchtigt wurde und die Uhr rund 200 Kalorien zu viel anzeigte (Vergleich mit einer anderen Smartwatch und Google Fit).

Wir haben Polar um eine Stellungnahme zu dem aufgetretenen Fehler bei der Pulsmessung gebeten und die Auskunft erhalten, dass es sich hier um einen Einzelfall handelt. Laut Polar hat es bislang keine ähnlichen Fehlermeldungen von Testern oder Käufern der Uhr gegeben. Weil wir den Fehler nicht reproduzieren konnten und die Uhr danach wieder einwandfrei funktionierte, gehen wir davon aus, dass es sich bei unserem Problem tatsächlich um einen isolierten Ausfall der Pulsmessung gehandelt hat. Wir haben uns deshalb entschlossen, im Test auf den Fehler hinzuweisen, die Uhr aber dafür nicht abzuwerten.

Obwohl es sich bei der Polar Grit X um eine Smartwatch handelt, verfügt sie über keinerlei Telefonie- oder Musiksteuerung. Wir können weder Telefonrufe annehmen noch Musik direkt wiedergeben oder Musik-Apps unseres Smartphones steuern.

Immerhin besitzt die Grit X eine Funktion für Push-Benachrichtigungen. Damit diese Benachrichtigungen funktionieren, müssen wir auf unserem Smartphone die Polar Flow App ausführen. Dann können wir die entsprechende Funktion aktivieren, sodass die Uhr eingehende Anrufe, Nachrichten und App-Benachrichtigungen anzeigt und uns per Vibration über neue Benachrichtigungen informiert.

Das Schlaf-Tracking gehört zu den von Polar prominent beworbenen Features der Grit X. Die Smartwatch nutzt das sogenannte „Sleep Plus Stages“-Tracking, das den Schlaf des Nutzers nach Menge und Qualität der einzelnen Schlafphasen analysiert und anhand eines Schlafindex bewertet.

Damit die Grit X den Schlaf bewerten und vergleichen kann, müssen wir zunächst eine gewünschte Schlafzeit in der Polar Flow App einstellen und die Uhr drei Nächte lang beim Schlafen tragen. Sie erlaubt dann über die Anzeige „Nightly Recharge“ eine Übersicht der Schlafdetails und zeigt Schlafdauer, Kontinuität, Unterbrechungen, Schlafzyklen und Schlafphasen an.

Ergänzend dazu liefert die App, eine Übersicht und Bewertung der Schlafanalyse anhand des Schlafindex und vergleicht diese mit den Durchschnittswerten voriger Nächte. Nutzer können außerdem eine eigene Bewertung der Schlafqualität vornehmen, die allerdings keine Auswirkung auf die angezeigte Schlafbewertung besitzt.

Die Sensoren für den Puls sitzen auf der Rückseite, ein externer Pulsgurt lässt sich per Bluetooth koppeln.

Die detaillierten Vergleichsmöglichkeiten erlauben eine gute Übersicht über die eigene Schlafqualität. Weil die Smartwatch und die App den Schlaf über einen längeren Zeitraum vergleichen und bewerten, bekommen Nutzer einen Überblick, wann sie besser oder schlechter als normal geschlafen haben. Dadurch können sie dann Rückschlüsse darauf ziehen, welche Lebensumstände ihren Schlaf positiv oder negativ beeinflussen.

Die Polar Grit X besitzt zudem auch einen integrierten Wecker, den wir direkt über das Display der Uhr aktivieren und konfigurieren können. Wir empfanden die Vibration der Uhr als ausreichend und zuverlässig, allerdings lässt sich der Wecker durch einen einzelnen Knopfdruck ausschalten – das ist für hartnäckige Aufstehverweigerer unter Umständen ein Nachteil. Wir empfanden das Tragen der Uhr beim Schlafen an sich als angenehm und nicht störend.

Polar bewirbt die Grit X mit einer „ultralangen Akkulaufzeit“. Verschiedene Energiesparoptionen sollen dafür sorgen, dass die Uhr möglichst lange durchhält und ihr selbst bei umfangreichen Outdoor-Touren nicht die Puste ausgeht. Wir haben im Test festgestellt: „ultralang“ ist ein relativer Begriff. Die Grit X hielt bei normalem Gebrauch mit mehreren Trainingseinheiten pro Woche und aktiviertem Schlaf-Tracking rund eine Woche durch. Das ist zwar durchaus beachtlich, aber immer noch deutlich weniger als beispielsweise die Huawei Watch GT 2e (Testbericht).

Die Energiespareinstellungen können wir außerdem nur während einer Trainingseinheit aktivieren, indem wir während der Einheit oder in den Voreinstellungen das zugehörige Menü aufrufen. Die Uhr speichert die Einstellungen nicht, stattdessen müssen wir sie für jedes Training erneut festlegen. Das empfanden wir im Test als ziemlich umständlich – hier hätte eine allgemeine Option, zum Beispiel in den Einstellungen der zugehörigen Polar-Flow-App, nicht geschadet.

Das Ladegerät der Polar Grit X ist zugleich das Datenkabel für den Anschluss am Computer.

Polar bietet die Grit X aktuell in verschiedenen Farbvarianten (silber mit grünem Armband, silber mit weißem Armband und schwarz mit schwarzem Armband) zum Preis von 429, 95 Euro an. Außerdem gibt es Armbänder aus Silikon für 29,95 Euro, aus Textil für 39,95 Euro und aus Leder für 49,95 Euro.

Der Straßenpreis der Polar Grit X weicht aktuell kaum von der Hersteller-UVP ab, lediglich die Variante mit grünem Armband gibt es bei einzelnen Händlern für 422 Euro. Die Outdoor-Smartwatch gehört dementsprechend preislich in das absolute Oberklasse-Segment der Sport-Wearables.

Knapp 430 Euro für eine Smartwatch sind eine Menge Geld. Wer eine derartige Summe für eine Armbanduhr aufruft, muss auch eine entsprechende Leistung erbringen.

Zwar verfügt die Grit X über ein Potpourri an hilfreichen Zusatzfunktionen, die die Uhr insbesondere für Wanderer und andere Outdoor-Sportler zum hilfreichen Accessoire macht: Die Smart-Coaching-Funktion, die Möglichkeit der Routenplanung und die umfangreiche Datenanalyse gehören zu den Alleinstellungsmerkmalen einer Uhr, die sich in dieser Form von anderen Smartwatches am Markt deutlich abhebt.

Uns fehlte im Test aber die Funktion, um die Musikwiedergabe zu steuern oder, noch besser, die Musik auf die Uhr zu verlagern. So müssen wir trotz integriertem GPS ein Smartphone oder einen Musik-Player zum Training mitnehmen. Das macht etwa Garmin bei der Venu (Testbericht) geschickter. Dazu wäre es gut, wenn Polar nicht nur nach MIL-STD-810G sondern auch nach dem konkreteren IP-Testverfahren prüfen würde.

Die Grit X zielt eher auf Sportler, die neben normalen Trainings auch Touren planen und durchziehen wollen. Nur dann lohnt sich der Aufpreis gegenüber Geräten wie der Vantage M wirklich. Wer das nicht benötigt, der kann auch zur günstigeren Variante greifen.

Einen lobenswerten Hinweis gibt es aber noch: Bei der Vantage M (Testbericht) haben wir im Nachhinein eine Aufwertung vorgenommen, weil Polar eine exzellente Software-Unterstützung lieferte und auch lange nach dem Start des Sportuhr neue Funktionen und Verbesserungen brachte. Dies dürfte auch für die Grit X gelten und macht die Uhr damit in jedem Fall zukunftstauglich.

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