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Parrot Bebop 2 im Test: Quadrocopter für Einsteiger

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Mit einer Geschwindigkeit von bis 60 km/h über die Maisfelder fliegen: Die Bebop 2 von Parrot bietet viel Flugspaß. Wie sich der Quadrocopter im Luftraum schlägt, erfahrt Ihr im Test von TechStage.

Ende November hat der französische Hersteller Parrot die zweite Generation seines Quadrocopters Bebop vorgestellt. Die Bebop 2 ist nun größer, schwerer und hat sich in Sachen Aerodynamik verbessert. Der wichtigste Unterschied ist aber die Flugdauer: Statt 11 Minuten wie beim Vorjahresmodell fliegt die Bebop 2 nun 25 Minuten, bis sie an die Elektro-Tankstelle muss. Diese Angabe des Herstellers habe ich während des Testzeitraums von drei Monaten nicht erreicht, ich musste üblicherweise nach 22 bis 23 Minunten landen. Das ist im Toleranzbereich.

Parrot Bebop 2
Schwebend in der Luft: die Bebop 2 von Parrot fliegt am Stück 23 Minuten

Dafür vermisse ich eine Lösung, um den 2700 mAh starken Akku mobil aufzuladen. Das klappt weder im Auto über die Bordspannungssteckdose noch über eine Powerbank. Das ist richtiger Mist! Warum? Die Antwortet lautet: Ich wohne in Hamburg. Hier bei uns darf man nicht einfach mal so ein Fluggerät in die Luft steigen lassen. Dadurch, dass wir einen kommerziellen und einen Sonderflughafen in der Stadt haben, gelten bei uns strengere Aufstiegsregeln. Wie dem auch sei, um die Bebop 2 vernüftig testen zu können, musste ich des Öfteren nach Niedersachsen oder Schleswig-Holstein fahren. Ihr erkennt wahrscheinlich schon das Muster: nach einer kurzen Flugdauer ging's dann wieder nach Hause oder ins Office von TechStage. Ziemlich ineffizient, sagt Ihr nun vielleicht. Und ich bestätige: Ja, das war es. Ein zweiter Akku kostet 55 Euro und der Homo oeconomicus in mir hätte ihn schon längst gekauft. Mit dem mitgelieferten Ladekabel ließ sich der Akku in weniger als 50 Minuten aufladen – das fand ich gut.

Die Bebop 2 gibt es in zwei Farben: Mayo oder Ketchup Weiß-Schwarz oder Rot-Schwarz. Die Masse des Flugkörpers beträgt 500 Gramm – idealer Wert für den Transport. Die Flugbereitschaft ist schnell hergestellt; aufwendige Aufbauarbeiten sind nicht notwendig. Die vier Rotoren sind in wenigen Augenblicken mit Hilfe eines mitgelieferten Schlüssels angebracht. Im Lieferumfang gibt es ein weiteres Set aus Ersatzrotoren. Beim Anbringen ist darauf zu achten, dass immer zwei schwarze und zwei weiße Luftschrauben montiert werden, sonst wird das nichts mit dem Fliegen.

Luftschrauben der Parrot Bebop 2
Luftschrauben der Parrot Bebop 2

Die Parrot Bebop 2 verfügt über eine digitale Kamera. Der Bildsensor zeichnet JPEG- und RAW-Bilder mit einer Auflösung von 14 Megapixeln auf. Videos werden im Format 1080p bei einer Bildwiederholfrequenz von 30 Bildern pro Sekunde abgespeichert. Der interne Speicher des Quadrocopters hat eine Kapazität von 8 GByte – erweitern per microSDXC-Speicherkarte lässt er sich nicht. Anders als bei den größeren Systemen, lässt sich die Kamera der Bebop 2 nicht schwenken. Stattdessen gibt es eine Fish-Eye-Optik mit einem Öffnungswinkel von 180 Grad. Über die App kann der Nutzer seinen Sicht- und damit auch den Aufnahmebereich ändern. Mit dabei sind auch Bildverzerrungen. Die Qualität der Kamera ist Mittelmaß. Erst bei viel Licht, wie an sonnigen Tagen, bekommt man brauchbare Ergebnisse. Über mechanische oder optische Stabilisierung verfügt die Kamera der Bebop 2 nicht. Das Bild wird von der Software korrigiert. In vielen Fällen klappt das auch gut, aber manchmal sind Fehler in Gestalt von schwarzen Flächen sichtbar.

Parrot Bebop 2

Für die Bebop 2 stehen zwei Optionen für die Steuerung zur Verfügung: das Smartphone oder Tablet sowie eine Steuereinheit. Welches Ihr nehmt, hängt ganz von der Größe Eures Portemonnaies ab. Der Parrot Skycontroller kostet 380 Euro, wenn man ihn einzeln kauft. Das Paket mit der Bebop 2 wird für 799 Euro angeboten. Wer auf die zusätzliche Hardware verzichten kann, zahlt allein für den Quadrocopter 549€. Auch nicht gerade günstig ...

Die Vorteile des Parrot Skycontroller liegen auf der Hand: Zum einen ist es die Haptik. Der Pilot des Quadrocopters steuert nicht über Wischgesten auf der Glasfläche des Smartphones oder Tablets, sondern mit richtigen Tasten und Sticks. Darüber hinaus verstärkt das System die Reichweite. Statt 300 Meter über mobile Geräte, ermöglicht der Skycontroller einen Radius von 2000 Meter. Bevor Ihr gedenkt, über 2 Kilometer über die Wolken zu fliegen, solltet Ihr wissen, dass in Deutschland Sichtkontakt zum Flugkörper vorgeschrieben ist – und zwar ohne technische Hilfsmittel. Man spricht von etwa 100 Meter – und nicht mehr.

Wer die Bebop 2 ein oder zweimal geflogen ist, will sie immer und immer wieder fliegen. Der Quadrocopter zeigt ein solides Flugverhalten und schwebt ruhig in der Luft. Selbst bei starkem Wind hält sich der Flugkörper stabil. Über die hauseigene Applikation FreeFlight 3 kann der Pilot die ab Werk gedrosselte Leistung voll aufgedrehen. Die Extremwerte sorgen für einen Flugspaß, den man später nicht mehr missen möchte. Die Bebop 2 kann bis zu sechs Meter pro Sekunde hochsteigen und 18 Meter pro Sekunde vorwärts oder rückwärts fliegen. Die möglichen 60 km/h sind nach 3,4 Sekunden erreicht. Prinzipiell ist das Fliegen einfach. Nach einer Zeit hat man den Dreh raus und entwickelt ein Gespür die Bebop 2.

In der App stehen auch vorgefertige Flugmanöver in Form von Salti zur Verfügung. Einmal auf die Anzeige des Smartphones oder Tablets doppelklicken und schon dreht sich der Quadrocopter um die eigenen Achsen. Ferner können auch In-App-Käufe getätigt werden, wordurch neue und modulare Funktionen freigeschaltet werden. Diese verwandeln die Bebop 2 zu einer intelligenten und teilautomatisierten Drohne, die beispielsweise eine vorprogrammierte Route abfliegt.

Zugegeben: Mit 60 Kilometer pro Stunde ist die Bebop 2 von Parrot ein schnelles Teil. Manche schließen eine FPV-Brille an den Skycontroller an und fliegen Rennen. Das Fliegen mit dem Quadrocopter macht viel Spaß. Auf der Rückseite gibt es eine große rot leuchtende LED. Die fanden wir hilfreich, denn dadurch ist das Fluggerät besser in der Luft zu erkennen. Lobenswert: das Gehäuse ist robust. Die Folgen einer Kollision mit einem fünf Meter hohen Baum konnten wir selbstständig und mit einem geringen Aufwand reparieren.

Was uns nicht gefallen hat, ist das Preis-Leistungs-Verhältnis: 550 Euro für einen Copter – ohne Fernsteuerung, die die Bebop erst vom Spielzeug zu einem ernstzunehmenden Multicopter macht. Das ist extrem viel Geld. Für die 800 Euro, die die Bebop im Komplett-Set kostet, gibt es auch schon einen Phantom 3 Advanced von DJI. Der macht zwar nicht so viel Spaß beim fliegen, liefert aber um ein Vielfaches bessere Bilder. Und wer lieber richtig fliegen möchte, bekommt für das gleiche Geld auch einen echten Race-Copter samt verzögerungsfreier FPV-Brille.

Die Bebop 2 ist also ein Allrounder, mit der man etwas fliegen und etwas filmen kann. Für Anfänger mit gut gefülltem Geldbeutel ist das ein guter Kauf – besonders, wenn man noch nicht weiß, in welche Richtung man sich entwickeln will. Doch die Spezialisten im Bereich Kamera oder Race-Copter sind in ihren Fachbereichen deutlich besser.

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