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Parrot Anafi im Test: coole 4K-Drohne, aber zu teuer

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Mit der 4K-Video-Drohne Anafi bringt der französische Hersteller Parrot einen Konkurrenten zur DJI Mavic Air auf den Markt. Wir haben den Multicopter mit Drei-Achs-Gimbal, GPS und Zoomfunktion getestet und verraten, ob sich der Kauf lohnt.

Die Anafi kommt in einem schuhkartongroßen Paket bei uns an. Im Inneren befinden sich die Drohne samt schicker Transporthülle, ein Akku, der Handsender, eine 16-GByte-MicroSD-Karte, ein USB-C-Kabel und die Anleitung.

Beim Auspacken überrascht vor allem die Größe: Die Anafi ist deutlich kleiner und leichter als erwartet. Der Größenvergleich mit einem Feuerzeug macht deutlich, wie klein die Anafi wirklich ist.

Die Anafi ist zusammengeklappt sehr handlich.

Der Kunststoffrahmen ist zwar gut verarbeitet, allerdings wirkt er verhältnismäßig filigran und nicht extrem stabil. An die hochwertige Haptik einer DJI-Drohne kommt das Modell von Parrot auf jeden Fall nicht heran.

Der Handsender ist, verglichen mit dem Sender von DJI Spark (Testbericht) oder Mavic Air (Testbericht), etwas klobig und massiv. Das Design wirkt lieblos; für Parrot steht die Funktionalität klar im Vordergrund.

Auf den ersten Blick ist die Anafi eine echte Konkurrenz für die aktuell sehr erfolgreichen Kamera-Copter Mavic Air und Mavic Pro von DJI: GPS-unterstützte Flugmodi, 4K-Kamera mit 3-Achs-Gimbal, über 20 Minuten Flugzeit und eine Reichweite von bis zu vier Kilometern. Auch Design und Preis wecken Assoziationen zu den Drohnen von DJI.

Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass Parrot gänzlich auf eine Hinderniserkennung und die dazu notwendigen Sensoren verzichtet. Wer mit der Anafi unterwegs ist, muss die Umgebung genau im Auge behalten, um Zusammenstöße zu vermeiden. Wer Drohnen steuern kann, sollte damit keine Probleme haben. Gerade für Einsteiger und Gelegenheits-Piloten ist das allerdings deutlich problematischer. Zum Halten von Höhe und Position sind unterseitig immerhin zwei Sensoren verbaut.

Als Akku kommt eine Lithium-Polymer-Batterie mit einer Spannung von 7,6 Volt und einer Kapazität von 2700 mAh zum Einsatz. Modellbauer würden hier also von einem 2S-Akku sprechen.

Der Handsender ist zwar stabil, trotzdem wäre es praktisch, wenn man die Steuerknüppel für den Transport abschrauben könnte. Ohne passende Schutztasche sollte die Fernsteuerung sicherheitshalber nicht im Rucksack transportiert werden.

Eine Begrenzung von Höhe oder Distanz erfolg nur durch die Einstellungen innerhalb der App. Außerdem kennt Anafi im Gegensatz zu DJI keinerlei Flugverbotszonen. Während die Mavics sich in der Praxis schon mal weigern, zu starten, setzt Parrot voll auf die Vernunft der Piloten. Beides hat zwei Seiten – die man bei DJI häufig erst dann bemerkt, wenn man vollkommen legal fliegen möchte, das aufgrund übertriebener Richtlinien aber erst nach vorheriger Freischaltung und namentlicher Registrierung tun kann.

Technische Daten: Parrot Anafi
Technische Daten: Parrot Anafi
Drohne Kamera
Größe zusammengeklappt: 244x67x65mm Sensor: 1/2.4’’ CMOS
Größe ausgeklappt: 175x240x65mm LINSE :
Gewicht: 320 g ASPH (Asphärische Linse mit geringer Dispersion)
Maximale Übertragungsreichweite: 4km mit Controller Apertur: f/2,4
Max. Flugdauer : 25 Min. Brennweite (Entspricht 35mm-Format): 23-69mm (Foto), 26-78mm (Video)
Maximale horizontale Fluggeschwindigkeit: 15.3m/s (55km/h) Schärfentiefe: 1.5m - ∞
Maximale vertikale Fluggeschwindigkeit: 4m/s Belichtungszeit: Elektronischer Shutter 1 bis 1/10000s
Maximale Windfestigkeit: 50 km/h ISO-Werte: 100-3200
Dienstgipfelhöhe: 4500 m über dem Meer
Betriebstemperaturbereich: -10°C bis 40°C Video-Auflösung
Satelliten-Positionierungssysteme: GPS + GLONASS 4K Cinema 4096x2160 24fps
Intelligenter Akku 4K UHD 3840x2160 24/25/30fps
Typ: Lipo mit hoher Dichte (2 Zellen) FHD 1920x1080 24/25/30/48/50/60fps
Akkukapazität: 2700 mAh HFOV-Video: 69°
Betriebszeit: 25 Min. Maximale Geschwindigkeit des Video-Streamings : 100 Mbps
Ladeanschluss: USB-C Videoformat: MP4 (H264)
Spannung: 7,6 V DIGITALER ZOOM :
Maximale Ladeleistung: 24W Verlustfrei: bis zu 2.8x (FHD) & 1.4x (4K)
Parrot Skycontroller 3 Standard: bis zu 3x (4K Cinema, 4K UHD, FHD)
Größe zusammengeklappt: 94x152x72mm
Größe ausgeklappt: 153x152x116mm Foto-Auflösung
Gewicht: 386 g Wide: 21MP (5344x4016) / 4:3 / HFOV 84°
Übertragungssystem: Wi-Fi 802.11a/b/g/n Rectilinear: 16MP (4608x3456) / 4:3 / HFOV 75.5°
Betriebsfrequenz: 2.4 - 5.8 GHz Fotoformate: JPEG, Adobe DNG (RAW)
Maximale Übertragungsreichweite: 4km HDR: 4K UHD-Video
Auflösung des Videofeedbacks: HD 720p BILDSTABILISIERUNG :
Akkukapazität: 2500 mAh 3.6V Stabilisierung: hybrid, 3-Achsen
Betriebszeit: 2h30 (Android) / 5h30 (iOS) Mechanisch: 2-Achsen Roll-/Tilt-Winkel
Unterstütze Mobilgeräte: Displaygröße bis 6 Zoll Elektronisch (EIS): 3-Achsen Roll-/Pan-/Tilt-Winkel
USB-Anschlüsse: USB-C (Aufladen), USB-A (Anschluss) Kontrollierbarer Tiltbereich: -90° bis +90° (insgesamt 180°)

Die Anafi bietet neben dem manuellen Flug einige automatische und halbautomatische Flugmodi. Im Modus Cameraman kann sich der Pilot auf den Flug konzentrieren, und die Drohne behält ein vorher in der App markiertes Objekt in der Bildmitte.

Bei der Auswahl von Follow-Me verfolgt der Multicopter selbstständig die Fernsteuerung. Das zuvor gewählte Objekt bleibt dabei ständig im Bild.

Die automatischen Flug-Sequenzen heißen Smart-Dronies oder Areal-Selfies. Das Ergebnis sind perfekt getimte Filmsequenzen, für deren manuelle Ausführung viel Übung notwendig wäre.

Die App ist logisch und übersichtlich aufgebaut.

Eine ganz neue, nur durch den Zoom mögliche Funktion heißt Dolly-Zoom-Effect. Die Drohne fliegt dabei beispielsweise vom Piloten weg und zoomt während des Fluges immer näher an ihn heran. Im Beispielvideo ist eine kurze Szene ab Minute 3:27 zu sehen.

Der Waypoint-Modus bietet jede Menge Einstellungsmöglichkeiten und ermöglicht vom Piloten geplante Automatik-Flüge. Zusätzlich gibt es einen Modus für Slow-Motion- und Hyperlapse-Aufnahmen.

Die automatische Aufnahme von vollsphärischen Kugelpanoramen ist derzeit noch nicht möglich. Das ist aber nur eine Frage der Zeit. Das für iOS und Android verfügbare SDK ermöglicht die Entwicklung von eigenständigen Apps für die Drohne. Weitere Features sind also durchaus denkbar.

Sobald der Handsender aufgeklappt wird, schaltet er sich ein. Die Halterung für das zur Steuerung notwendige Smartphone ist zweckmäßig und nimmt Geräte bis zu einer Größe von sechs Zoll auf. Das beigepackte USB-C-Kabel dient nicht nur als Ladekabel für Akku und Sender, es dient gleichzeitig als Verbindungskabel zwischen Fernsteuerung und Handy. Wer ein Smartphone mit Lightning- oder Micro-USB-Anschluss nutzt, muss sich ein zusätzliches Kabel besorgen. Nach dem Start der kostenlosen App Freeflight 6 folgt die Kopplung von Sender und Drohne, anschließend eine kurze Kalibrierung. Die notwendigen Schritte erläutert die App anhand von verständlichen Grafiken.

Für Start und Landung reicht ein Druck auf die entsprechende Taste an der Fernsteuerung. Anschließend startet die Drohne ihre Motoren und hebt auf eine Höhe von circa einem Meter ab. Das Flug-Geräusch ist vergleichsweise leise und unterbietet beispielsweise die kleinere DJI Spark deutlich.

Der Multicopter reagiert zuverlässig und präzise auf jede Eingabe am Handsender. Die Reaktionsgeschwindigkeit und die maximalen Geschwindigkeiten für alle Achsen sind frei einstellbar.

Beim Schwebeflug fällt auf, dass die Parrot-Drohne ihre Position und Höhe nicht so präzise hält, wie die Modelle von DJI. Während eine Mavic wie angewurzelt in der Luft steht, sind bei der Anafi deutliche Kreisbewegungen erkennbar. Die Drohne bewegt sich in einem Umfeld von etwa einem halben Kubikmeter. Wer in Bodennähe oder nahe von Bäumen fliegt, muss aufpassen, um nicht versehentlich zu kollidieren. Dies scheint nach Aussage des Herstellers allerdings nur beim Vorserienmodell der Fall zu sein, bis zur Marktreife soll das Problem behoben sein. Die auf der Unterseite erkennbaren Sensoren sollen bei der finalen Version das Halten von Höhe und Position signifikant verbessern.

Die Sensoren auf der Unterseite funktionieren beim Vorserienmodell noch nicht vernünftig. Beim Serienmodell soll sich das ändern.

Die über zwanzig Minuten Flugdauer unserer Testflüge stimmt mit der Herstellerangabe überein. Im Praxistest bleibt die Anafi deutlich länger in der Luft als beispielsweise die DJI Spark. Parrot gibt die Höchstgeschwindigkeit mit 50 Kilometern pro Stunde an. Im Test war die Drohne dank Rückenwind sogar noch schneller.

Ob die angegebene Maximal-Reichweite von vier Kilometern tatsächlich stimmt, können wir nicht sagen, da das Ausprobieren in Deutschland rechtlich nicht zulässig ist. In einem Radius von 500 Metern funktioniert die WLAN-Verbindung auf jeden Fall zuverlässig, man muss lediglich mit kurzen Rucklern im Livebild rechnen. Sollte die Verbindung zur Fernsteuerung abreißen, kehrt die Anafi selbstständig wieder zum ihrem Startort zurück.

Insgesamt macht das Fliegen mit der Anafi ebenso viel Spaß wie mit einer DJI-Drohne. Flugtempo, Reichweite und Präzision überzeugen im Test. Nur das schwammige Verhalten im Stand unseres Prototypen hat etwas gestört – aber wie gesagt, bis zur Markteinführung soll das Problem behoben sein.

Die Bildqualität der Anafi ist ausgesprochen gut. Trotz schwieriger Lichtverhältnisse entstehen scharfe und kontrastreiche Aufnahmen mit einer Auflösung von 21 Megapixeln. In den Standardeinstellungen sind uns die Fotos bei Gegenlicht eine Spur zu dunkel. Im Foto-Modus fällt auf, dass die Kamera trotz Gimbal und Gummi-Aufhängung leicht zittert. Im Video-Modus oder auf den gespeicherten Fotos ist davon nichts zu erkennen. Parrot nutzt zusätzlich zum Gimbal eine Software-Stabilisierung.

So sehen die Fotos der Anafi aus.

Die mit der Anafi aufgenommenen 4K-Videos sehen richtig gut aus. Kontrast, Schärfe und Dynamik sind für den privaten Bereich auf jeden Fall ausreichend. Trotz des um 180 Grad schwenkbaren Gimbals sind nie störende Propeller im Bild zu sehen.

Im Test funktionieren aufgrund der von uns genutzten Beta-Software allerdings nur die Standardeinstellungen für 4K-Aufnahmen. Wie andere Auflösungen, Hyperlapse-, Slow-Motion-Filme oder HDR-Videos in der Praxis aussehen, können wir deshalb nicht beantworten. Ein Highlight ist die praktische Zoom-Funktion, die interessante filmische Möglichkeiten bietet. Dabei handelt es sich nicht um einen klassischen Digitalzoom mit entsprechendem Qualitätsverlust. Dank des großen 21-Megapixel-Sensors und der entsprechenden Software vergrößert die Parrot zwar ebenfalls digital, aber nicht durch Interpolation – und daher quasi ohne Qualitätsverlust. Bei 4K-Aufnahmen beträgt der Zoomfaktor 1,4, bei 1080p beträgt er 2,8. Die Bildraten liegen bei 30 fps bei 4K-Auflösung und bei 60 fps bei 1080p, unabhängig vom Zoom.

Aktuell sind lediglich Ersatz-Propeller und Akkus als Zubehör gelistet. Wenn die Anafi ab Juli 2018 verfügbar ist, werden Dritthersteller sicherlich passendes Zubehör wie Rucksäcke und ND-Filter anbieten. Die Anschaffung einer Landematte ist grundsätzlich sinnvoll. Sie schützt Kamera, Objektiv und Drohne vor Dreck und Staub auf schmutzigen Böden; außerdem hat man ein Ziel, das man wieder anfliegen kann.

Parrot Anafi schwarz (PF728000)

Parrot Anafi Akku 2700mAh (PF070312)

Ersatz-Akku Parrot Anafi

Parrot Anafi Propeller grau (PF070311)

Ersatz-Prpeller Parrot Anafi

(Kein Produktbild vorhanden)

Drohnen-Landematte

Mit der Anafi hat Parrot eine ausgesprochen gute, klappbare Video-Drohne für den Privateinsatz im Angebot. Zu den Highlights zählen die Zoomfunktion und die zahlreichen automatisierten Flugmodi, insbesondere der Dolly-Zoom-Effect. Dank des nach oben schwenkbaren Gimbals sind neuartige Perspektiven möglich. Die Qualität der Aufnahmen und das Flugverhalten sind ausgesprochen gut.

Die fehlende Hinderniserkennung ist ein Haken. Geübte Piloten können problemlos darauf verzichten. Für Drohnen-Einsteiger dürfte dieser Punkt allerdings ein K.O.-Kriterium sein. Dafür ist die Anafi mit einem Vorbesteller-Preis von 700 Euro einfach noch zu teuer.

Die Anafi neben der deutlich günstigeren DJI Spark.

Die DJI Spark hat zwar keinen Zoom und nur ein Zwei-Achs-Gimbal, dafür hat sie Hinderniserkennung und kostet deutlich weniger. Die besser ausgestattete DJI Mavic Air kostet mit einem Akku nur unwesentlich mehr als die Anafi. Mit dem derzeitigen Preis wird sich Parrot schwer tun. Wer dem Marktführer Konkurrenz machen möchte, muss entweder deutlich besser sein, oder aber deutlich günstiger. Beides ist bei der Parrot-Drohne nicht der Fall. Unser Tip lautet deshalb: Abwarten und hoffen, dass der Preis in naher Zukunft auf 500 Euro fällt. Sieht man sich die Preisentwicklung des Parrot-FPV-Fliegers Disco an, so scheint dies nicht unrealistisch zu sein.

In Sachen Flugerlebnis und Aufnahmequalität hat die Parrot Anafi auf jeden Fall das Zeug zur DJI-Alternative. Wäre die Video-Drohne günstiger, bekäme sie eine klare Kaufempfehlung. So würden wir eher zur etwas teureren, aber spürbar besseren Mavic Air raten – oder zur kleineren und günstigeren Spark.

Kaufberatung: DJI Mavic Air oder Mavic Pro?

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