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Parrot Anafi Thermal im Test: fliegende Wärmebildkamera

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Thermal-Bilder und Videos eignen sich sehr gut, um Kältebrücken und Wärmequellen zu identifizieren. Wir testen die Drohne Anafi Thermal, die solche Bilder aus der Luft macht.

Die Drohne Anafi von Parrot ist Mitte 2018 auf den Markt gekommen. Neben einem Bundle mit mehreren Akkus und Tasche, gibt es das Modell seit einiger Zeit in der Thermal-Version. Diese ist, bis auf die zusätzliche Wärmebildkamera, identisch zur normalen Parrot Anafi (Testbericht).

Wärmebildkameras nutzen die Thermographie (Wikipedia), um die Oberflächentemperaturen von Objekten anzuzeigen. Dabei wird die Intensivität der Infrarotstrahlung, die von einem Punkt ausgeht, als Maß für dessen Temperatur gedeutet. Die Auswerteelektronik erzeugt daraus ein Bild in Falschfarben, mit dessen Hilfe sich Temperaturunterschiede deutlich erkennen lassen. In den meisten Fällen werden kalte Bereiche blau, warme Bereiche rot oder gelb dargestellt. Für die Thermographie ist keine externe Lichtquelle nötig.

Die Anafi Thermal hat neben einer 4K-Videokamera eine solche wärmeempfindliche Kamera an Bord. Die Dualkamera ist an einem zweiachsigen Gimbal aufgehängt und ermöglicht ruhige, stabilisierte Videoaufnahmen während des Fluges. Neben klassischen Luftaufnahmen sind so auch Wärmebilder aus ungewöhnlicher Perspektive möglich. Und das mit 2,8-fachem verlustfreiem Zoom.

Die zusätzliche Wärmebildkamera ist das einzige Unterscheidungsmerkmal zur Standard-Anafi.

Auf den Thermalbildern sind Wärmeunterschiede zwischen -10 °C bis +400 °C sichtbar. Diese helfen beispielsweise Wäremebrücken zu finden oder den Effekt durchgeführter Dämmarbeiten zu dokumentieren. Auch zur Wildtierbeobachtung oder beim Aufspüren vermisster Personen ist die fliegende Thermal-Kamera ein praktisches Werkzeug.

Wie genau die Wärmebilder angezeigt werden, bestimmt der Pilot der Anafi mit Hilfe der App. Hier lassen sich verschiedene Falschfarben und Temperaturbereiche einstellen. Anbei einige Beispielfotos unserer Testflüge.

Die Anafi Thermal gleicht, bis auf die wärmeempfindliche Kamera, dem seit Mitte 2018 erhältlichen Standardmodell. Die klappbare Drohne ist sehr kompakt und verhältnismäßig leise im Flugbetrieb.

Die Ausstattung kann sich sehen lassen: GPS-unterstützte Flugmodi, 4K-Kamera mit 2-Achs-Gimbal, 25 Minuten Flugzeit und eine Reichweite von weit über einem Kilometer – deutlich weiter als dies in Deutschland zulässig ist. Zusätzlich hat die Thermal-Version den für die Wärmebildaufnahmen notwendigen Lepton-3.5-Sensor von Flir an Bord. Höhe und Position hält die Anafi dank Barometer und GPS selbstständig.

Anders als beispielsweise die Drohne Mavic 2 von DJI (Testbericht), verzichtet der Hersteller Parrot komplett auf eine Hinderniserkennung und die dazu notwendigen Sensoren. Wer mit der Anafi fliegt, muss die Umgebung im Auge behalten, um Zusammenstöße zu vermeiden. Wer Drohnen steuern kann, sollte damit keine Probleme haben. Gerade für Einsteiger und Gelegenheitspiloten ist dieser Punkt allerdings nicht ganz unkritisch.

In der handdlichen Tasche stecken die Drohne, Handsender, Tablet-Halterung, drei Akkus, zwei Satz Ersatzpropeller und ein Mehrfachladegerät.

Neben der Drohne gehören ein Handsender inklusive zusätzlicher Tablet-Halterung, ein Mehrfach-USB-C-Ladegerät, zwei Sätze Ersatzpropeller, drei Akkus und eine Tasche zum Lieferumfang. Als Akkus kommen Lithium-Polymer-Batterien mit einer Spannung von 7,6 Volt und einer Kapazität von 2700 mAh zum Einsatz. Mit den drei Akkus ist eine Gesamtflugzeit von über einer Stunde möglich.

Die bei der Thermal enthaltene Umhängetasche bietet für das komplette Set ausreichend Platz. Bei der Standard-Anafi ist lediglich ein kleines Täschchen für die Drohne enthalten – Akkus, Sender und Zubehör müssen extra untergebracht werden. Das ist bei der Extended-Version und der Thermal-Variante deutlich besser gelöst. Der Handsender wirkt auf den ersten Blick wie ein Gamepad für X-Box. Im Praxisbetrieb funktioniert er zuverlässig und ermöglicht eine komfortable und intuitive Bedienung der Drohne.

Eine Begrenzung von Höhe oder Distanz erfolgt durch die Einstellungen innerhalb der App. Die Anafi kennt im Gegensatz zu DJI-Drohnen keinerlei Flugverbotszonen. Parrot setzt an diesem Punkt voll auf die Vernunft der Piloten.

Wie die Videoaufnahmen der Drohne in der Praxis aussehen, sieht man in unserem Testvideo zur Standard-Anafi.

Die Bedienung der Anafi Thermal ist auch für unerfahrene Piloten schnell erlernbar. Außer der Drohne, Handsender und vollem Akku, braucht der Pilot lediglich ein Smartphone mit der kostenlosen Free-Flight-6-App. Sind Drohne, Sender und App miteinander verbunden, bekommt der Nutzer das Livebild der Drohne angezeigt. Für Änderungen der Kameraeinstellungen, Flugparameter und Steuerungsempfindlichkeit ist die App zuständig. Ein Klick auf das Sichtspektrum ändert beispielsweise die Darstellung zwischen 4K-Kamerabild und Thermal-Ansicht. Ob die Anafi sportlich und sehr agil reagiert oder langsam und behäbig fliegt, kann der Pilot jederzeit ändern.

Zum Fliegen fehlt nur noch ein Smartphone mit der Free-Flight-6-App.

Auch verschiedene automatische und halbautomatische Flugmodi stehen zur Verfügung. Diese sind vor allem für klassische Videos geeignet, helfen aber auch bei der Nutzung der Thermal-Kamera. Per Zeitraffer kann so beispielsweise eine Erwärmung oder Abkühlung dokumentiert werden.

Mit der Anafi Thermal hat Parrot derzeit eine der günstigsten Drohnen mit Wärmebildkamera im Angebot. Die guten Flugeigenschaften, das unkomplizierte Handling und eine mittlerweile ausgereifte App machen die Drohne zu einem sehr interessanten Werkzeug für Selbstständige und Firmen im Bereich der Wärmedämmung und Wartung. Mit einem Preis ab etwa 2200 Euro ist die Anafi Thermal auch für private Anwender interessant.

Wer die Wärmebildkamera benötigt und sich beim Flug nicht auf die eigenen Flugkünste verlassen möchte, hat allerdings ein Problem. Eine Hinderniserkennung, wie bei der Mavic 2 Enterprise Dual von DJI, steht nicht zur Verfügung. Wer sich lieber auf die Sensorik, als auf die eigenen Fähigkeiten verlässt, muss allerdings nochmal deutlich mehr Geld ausgeben. Mehr Informationen dazu gibt es in unserem Ratgeber Drohnen mit Wärmebildkamera .

Wer auf die Wärmebildkamera verzichten kann, sollte sich unseren Ratgeber Drohnen mit GPS und Gimbal für perfekte Videos ansehen.

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