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Oneplus Nord N10 5G im Test: Im Preis vergaloppiert

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Das Oneplus Nord N10 5G ist eine noch einmal günstigere Variante als das “Ur-Nord”, für 50 Euro weniger müssen Nutzer auf OLED, etwas Rechenpower und Sony-Sensoren verzichten. Lohnt die Anschaffung?

Oneplus hat einen interessanten Wandel hinter sich: Vom Preisbrecher im Oberklassegewand wandelte sich das Unternehmen mit dem Oneplus 8 Pro (Testbericht) endgültig auch preislich zum Oberklasse-Hersteller – und dann kam das Oneplus Nord (Testbericht). Damit brachte das Unternehmen das typische Oneplus-Gefühl endlich wieder zum Mittelklassepreis zum Kunden. Die Technik ist beim Ur-Nord zwar im Vergleich zu Modellen wie dem aktuellen Oneplus 8T (Testbericht) reduziert, den typischen Tugenden wie hoher Alltagsgeschwindigkeit tut das aber keinen Abbruch.

Aber warum Ur-Nord – das Gerät ist doch gerade erst wenige Monate alt? Weil Oneplus beschlossen hat, mit Oneplus Nord N10 5G und N100 weitere, noch günstigere Ableger auf den Markt zu bringen. Wesentlich günstiger ist das hier getestete N10 5G allerdings gar nicht, die UVP ist mit 349 Euro nur 50 Euro niedriger als beim Nord. Dafür müssen Käufer aber mit deutlichen Abstrichen leben: Kein OLED, schwächerer Prozessor und keine Sony-Kamera mehr. Das klingt nicht gut.

Auf den ersten Blick sieht das Oneplus Nord N10 5G recht schick aus. Die glänzende Rückseite reflektiert Licht eher bläulich, in Innenräumen sieht das Gerät fast schwarz aus. Die Kameraeinheit im oberen linken Eck erinnert an das Oneplus 8T (Testbericht), anders ist hier vor allem der Fingerabdrucksensor, der über dem Oneplus-Logo statt vorn im Display platziert wurde. Vorne gibt sich das N10 5G modern mit Punchhole-Notch, die Ränder rings um das Display sind aber vor allem unterhalb des Screens deutlich breiter als beim normalen Nord. Ein weiterer Unterschied wird offensichtlich, sobald man das Gerät in die Hand nimmt. Kam das Nord noch mit Glasrückseite und Kunststoffrahmen, setzt Oneplus beim Nord N10 5G nun ganz auf Kunststoff.

Das Smartphone liegt dank seiner angenehmen Rundungen und fließender Übergänge von Front zu Rückseite sehr angenehm in der Hand, so hochwertig wie das erste Nord ist es aber nicht. Auffällig: Weder Schutzfolie noch Schutzhülle spendiert der Hersteller Käufern des Mittelklasse-Smartphones. Dabei dürfte das gerade für die Kunststoffrückseite auf Dauer unverzichtbar sein, soll die nicht im Laufe der Zeit mit Kratzern übersäht werden. Den Touchscreen schützt immerhin Gorilla Glas 3 im 2,5D-Design. In den Rahmen über dem Display integriert Oneplus einen der beiden Stereo-Speaker, eine Benachrichtigungs-LED fehlt – das ist gerade wegen des Wechsels zu LCD und dem dadurch fehlenden Always-on-Display schade. Die generelle Verarbeitungsqualität ist dem Preis angemessen. Auch wenn die Tasten aus Kunststoff sind, lassen sie sich doch sehr gut bedienen und das Gerät macht einen robusten Eindruck.

Alle Bilder zum Oneplus Nord N10 5G im Test (10 Bilder)

Knapp 6,5 Zoll misst das Display des Nord N10 5G und setzt seit langer Zeit bei Oneplus mal wieder auf LC-Technik. Neben der Materialwahl des Gehäuses ist das schon die zweite Sparmaßnahme. Immerhin werden die 2400 × 1080 Pixel aufgrund der 90-Hertz-Bildwiederholungsfrequenz überwiegend sehr flüssig bewegt und der Screen überzeugt auch mit seinen sonstigen Werten. So haben wir im Automatikmodus bis zu 540 cd/m2 gemessen, das sorgt auch in heller Umgebung für gute Ablesbarkeit. Kontraste und Farben kommen zwar technikbedingt nicht an die Darstellungsqualität eines OLED-Screens heran, das Panel des Nord N10 5G leistet aber insgesamt gute Dienste.

Das erste Nord (Testbericht) kam trotz Mittelklasse-Ausrichtung mit Sony-Bildsensor, das Nord N10 5G geht andere Wege. Der Hersteller hat sich für den in der Mittelklasse weit verbreiteten Sensor Samsung GW 1 entschieden, der Bilder mit bis zu 64 Megapixel bei lichtempfindlicher f/1.79-Blende knipst. Hinzu kommt ein Weitwinkel mit 8 Megapixel und f/2.25, je ein 2-Megapixel-Tiefen- und Makrosensor sollen aus der Kamera eine Quad-Cam machen. Sollen, denn Tiefensensor und Makrolinse sind – zumindest wie hier verwendet – in unseren Augen typische Schummel-Linsen, die im Alltag nur wenig taugen.

Die Hauptkamera geht für den Preis in Ordnung

Das zeigt sich schon nach wenigen Aufnahmen. Makroaufnahmen sind viel zu unscharf und weisen zu viel Bildrauschen auf, um auch nur annähernd als gut durchzugehen. Ein Tiefensensor ist technisch grundsätzlich nicht nötig, da Oneplus hier allerdings auf einen Monochrom-Sensor setzt, sind so immerhin “echte” Schwarz-Weiß-Fotos möglich. Die Hauptkamera weiß da schon besser zu gefallen – zumindest bei gutem Licht. Ihre Fotos überzeugen mit für ein Mittelklasse-Smartphone guter Bildschärfe und entsprechend hohem Detailreichtum. Bilddynamik und Kontrast dürften aber wie auch bisweilen Farben stärker ausgeprägt sein. Bildrauschen ist nur unter optimalen Bedingungen nicht zu sehen – und die sind schwer zu finden. Schon bei bedecktem Himmel sinkt die Bildqualität in allen Bereichen, Nachtaufnahmen sind weit von der Qualität teurerer Smartphones entfernt. Im Vergleich zu teureren Modellen wie dem Oneplus 8T (Testbericht), aber auch zum kaum teureren Oneplus Nord (Testbericht) ist das enttäuschend. Wichtiger Unterschied dürfte hier der fehlende optische Bildstabilisator sein.

Alle Originalaufnahmen mit dem Oneplus Nord N10 5G (27 Bilder)

Der Weitwinkel ist hingegen auf in etwa gleichem Niveau wie beim Oneplus Nord: Kann man benutzen, muss man aber nicht. Denn während schon die Bildschärfe in der Bildmitte schwächer als bei der Hauptkamera ist, sinkt sie zu den Rändern hin noch sichtbar weiter. Die Frontkamera gefällt da schon besser, sie knipst ausreichend scharfe Bilder, die zudem überraschend gute Bilddynamik aufweisen. Videos mit der Hauptkamera lassen sich zwar in 4K aufnehmen, allerdings ist bei 4K/30 Schluss. Das ist schade, denn so wirken Aufnahmen trotz der ordentlichen elektronischen Bildberuhigung bei Schwenks trotzdem immer etwas unscharf – wohl ein Zugeständnis an den Mittelklasse-Chipsatz.

Als Antrieb für das Nord N10 5G hat sich Oneplus für den recht neuen Snapdragon 690 von Qualcomm entschieden. Der Nachfolger des Snapdragon 675 soll rund 20 Prozent mehr Leistung als der Vorgänger bieten und sorgt in Verbindung mit 6 GByte RAM tatsächlich für überwiegend flüssige Bedienung. Dass die Power aber dann doch nicht ganz an den Snapdragon 765G des Oneplus Nord (Testbericht) und schon gar nicht an die Topmodelle des Unternehmens heranreicht, zeigen nicht nur Benchmarks. In Antutu (rund 280.000 Punkte) liegt der Chip ein gutes Stück hinter dem erwähnten Chip des teureren Nord, vor allem die Grafikleistung des 765G ist hier klar besser. Das merkt man insgesamt auch im Alltag. Generell läuft hier zwar alles flüssig und auch Multitasking stellt das N10 5G vor kaum Probleme, immer wieder hakt es aber dann doch mal kurz, als ob der Chipsatz erst einmal Kraft für die gewünschte Aufgabe sammeln müsste.

Bei allem anderen ist das N10 5G gut aufgestellt: Die 128 GByte interner Speicher (UFS 2.1) lassen sich für Oneplus untypisch per Micro-SD um bis zu 512 GByte erweitern, dann entfällt allerdings die Möglichkeit, eine zweite SIM einzulegen. Wifi ac gibt es in 2,4 und 5 GHz, neben GPS versteht sich das Nord-Modell auf Glonass, BeiDou und Galileo. Bluetooth 5.1, NFC, ein 3,5-Millimeter-Anschluss und kräftige Stereo-Lautsprecher sowie namensgebenden 5G-Funk gibt es außerdem. Der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite funktioniert schnell und zuverlässig - sofern man sich wieder an den inzwischen fast ungewöhnlichen Platz auf der Rückseite gewöhnt hat.

Oxygen OS läuft auf dem günstigen Nord-Ableger in Version 10.5.7, der Sicherheits-Patch stammt von November und ist somit aktuell. Damit sind wir aber schon bei der negativen Seite der Update-Politik. Denn obwohl Oneplus sonst als vorbildlich gilt und wenigstens zwei Major-Updates und drei Jahre Sicherheits-Updates verspricht und auch umsetzt, ist das bei den beiden günstigen Nords N10 und N100 anders. Hier wird es nur ein Major-Update und zwei Jahre Sicherheits-Updates geben. Das verwässert Oneplus als Update-Vorbild weiter und wirft kein gutes Licht auf den Hersteller- natürlich ist das N10 5G vergleichsweise günstig, allerdings weit davon entfernt, ein billiges Smartphone zu sein. Schade – so wird das einzige große Update Android 11 sein, das zum Testzeitpunkt noch nicht verfügbar war. Davon abgesehen läuft Oxygen OS auf dem N10 überwiegen flüssig und bietet die gewohnten Features. Ganz so souverän wie auf teureren Modellen (auch auf dem nur unwesentlich teureren Ur-Nord!) klappt das aber nicht.

4300 mAh sind nicht viel für ein modernes Smartphone, das Nord N10 5G haushaltet aber dank 8-Nanometer-Chipsatz Snapdragon 690 gut damit. Mit 90 Hertz schafft das Gerät im Battery Test von PCmark knapp 12 Stunden, bei 60 Hertz ist es etwa eine Stunde mehr. Das macht das N10 zu einem guten Zwei-Tages-Smartphone – was mit erhöhter Hertz-Zahl ziemlich gut ist. Geladen wird entgegen dem noch günstigeren N100 mit 30 Watt. Das sorgt in einer halben Stunde für etwa 2/3 Füllstand, komplett ist das Gerät nach rund 55 Minuten gefüllt.

Es gibt nur eine Hardware-Version und eine Farbvariante – eben so, wie im Test beschrieben. Der Straßenpreis lag zum Testzeitpunkt bei rund 305 Euro, also knapp 45 Euro unter der UVP.

Vom Oneplus Nord (Testbericht) waren wir noch begeistert: Endlich wieder Oberklassegefühl zum Mittelklassepreis. Mit dem Nord N10 5G wechselt diese Freude aber in leichte Enttäuschung. Das Gerät ist keinesfalls schlecht, es erfüllt im Alltag so gut wie in allen Punkten absolut die Anforderungen an ein modernes Smartphone. Das Display ist an sich gut, die Akkulaufzeit sogar besser als im teureren Nord, der Speicher absolut ausreichend groß und die Kamera bei guten Lichtbedingungen sehr gut für den aufgerufenen Preis.

Das Problem ist der aufgerufene Preis – oder der “Ur-Ahn”. Denn der kostet in der UVP nur 50 Euro mehr mit gleich großem Speicher, bietet aber zudem OLED, einen stärkeren Prozessor, eine bessere Kamera (vor allem bei schwächerem Licht) und längere Updates. Hinzu kommt eine hochwertigere Glasrückseite - da kann das N10 5G nicht mithalten. Entsprechend verkauft sich das Modell nur über den Preis und tatsächlich ist der merklich gefallen, während das normale Nord zum Testzeitpunkt wieder nahe an der UVP kratzt. So gut das Gespür von Oneplus beim ersten Nord war, so sehr entzaubert sich der Hersteller beim N10. Schade. Alternativ lohnt der Blick zum deutlich günstigeren Xiaomi Poco X3 NFC (Testbericht) oder dem Mi Note 10 Lite (Testbericht).

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