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Oneplus 7T Pro Test: Turbo-Lader mit 90 Hertz

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Das Oneplus 7T Pro ist scheinbar nur im Detail besser als das Oneplus 7T, das wir bereits im Test hatten. Lohnt ein Kauf trotzdem?

In den vergangenen Jahren stieg der Preis der Oneplus-Smartphones kontinuierlich. Damals kostete der „Flagship-Killer“ Oneplus One knapp 400 Euro und punktete nicht nur mit ordentlicher Leistung, sondern vor allem einem hervorragenden Preis-Leistungsverhältnis. Heute liegt der Verkaufspreis des aktuellen Oneplus 7T Pro zwar immer noch deutlich unter den Fabelpreisen von Samsung und Apple, deren Topmodelle längst die 1000-Euro-Schallgrenze durchstoßen haben, aber auch 750 Euro sind eine ganz schön große Menge Geld. Das größte Problem ist aber nicht die starke Konkurrenz wie Xiaomi Mi 9 (Testbericht) oder Mi 9T Pro (Testbericht), sondern das Oneplus 7T (Testbericht) aus eigenem Hause. Das ist nämlich kaum schlechter, dafür aber spürbar günstiger. Lohnt ein Kauf des Oneplus 7T Pro vielleicht trotzdem?

Größentechnisch gibt es kaum Unterschiede zwischen dem Oneplus 7T und dem Oneplus 7T Pro. Das Pro-Modell ist knapp 2 Millimeter länger, etwa 1,5 Millimeter breiter und fast 0,7 Millimeter dünner. Zudem durchbricht das Oneplus 7T Pro die 200-Gramm-Schallmauer und wiegt insgesamt 16 Gramm mehr als das „einfache“ 7T. Offensichtlicher ist der Unterschied aber auf der Front beim Display. Denn beim 7T Pro gibt es keine Notch, da der Hersteller dem teureren Modell eine Pop-Up-Frontkamera verpasst. Beim 7T befindet sich die Frontkamera mittig am oberen Display-Bereich in einer Tropfen-Notch.

Pro links, "normales" 7T rechts

Der nächste große Unterschied ist die Display-Oberfläche. Fällt sie beim Oneplus 7T (Testbericht) noch nahezu gerade aus und weist nur an den äußersten Rändern eine leichte Abrundung auf (2,5D), so zieht sich das Display-Glas an den seitlichen langen Rändern des Pro-Modells deutlich um die Kanten. Das erinnert an Konkurrenzprodukte wie das Samsung Galaxy Note 10+ (Testbericht) und sieht ziemlich schick aus. Andererseits führt das schnell zu unschönen Reflexionen.

Auch auf der Rückseite hat sich etwas getan. War die Kameraeinheit beim 7T noch rund und stand recht deutlich hervor, sind die einzelnen Linsen beim Pro-Modell nun untereinander angeordnet und ergeben einen vertikalen Balken – der genauso aus dem Gehäuse hervorsteht. Ob das schöner ist? Geschmacksache. Schick ist aber die matt-glänzende Farbe "Haze Blue" des 7T Pro, die von grünen Farbtönen ins Blaue changiert. Eine andere Farbe steht derzeit nicht für das Pro-Modell zur Auswahl. Einzelne Fingerabdrücke sieht man auf der Oberfläche nicht, Fettschmierer aber durchaus.

Schicker Farbverlauf des Pro-Modells

Die Verarbeitung ist richtig gut, Mängel sind hier nicht zu finden. Der Übergang von Front und Rückseite in den seitlich schmalen und gerundeten Metallrahmen ist weitestgehend fließend. Insgesamt liegt das Oneplus 7T Pro trotz seiner Größe angenehm in der Hand, auch wenn das Smartphone wegen der Verwendung von behandeltem Glas als Hauptwerkstoff nicht übermäßig griffig ist. Das lässt sich mit der im Lieferumfang befindlichen, durchsichtigen Kunststoffhülle ändern, auch wenn die das schicke Design teilweise verdeckt. Eine IP-Zertifizierung verpasst Oneplus dem 7T Pro nicht. Schade, langsam wird das für ein Topmodell Zeit.

Es klang bereits an: Die Unterschiede bei Design und Technik, also auch dem Display, liegen zumindest auf den ersten Blick eher im Detail. So ist der Screen des Pro-Modells mit 6,67 zu 6,55 Zoll minimal größer. Unter der Haube gibt es aber durchaus lohnenswerte Änderungen. So ist die Auflösung beim Topmodell mit 3120 × 1440 Pixel deutlich höher, was in einer höheren Bildschärfe von 515 statt 401 Pixel pro Zoll resultiert. Der Unterschied ist aber nur bei sehr genauem Hinsehen erkennbar und sorgt für einen noch exquisiteren Eindruck, die meisten Nutzer dürften auch beim Oneplus 7T (Testbericht) nichts auszusetzen haben.

Pro (links) ohne, 7T mit Notch

Der Screen brilliert zudem mit guten Kontrasten und auf Wunsch einstellbar sogar sehr intensiven Farben – OLED sei Dank. Die Helligkeit ist mit fast 500 cd/m² für diese Technik ebenfalls sehr gut, im Zusammenspiel mit hervorragender Blickwinkelstabilität ist die Ablesbarkeit auch im Freien richtig klasse. Ein besonderes Schmankerl dürfte für einige Nutzer die 90-Hertz-Technologie des Screens sein, die in der Theorie flüssigeres Scrollen und geschmeidigere Darstellung bei Games ermöglicht. Wir empfehlen, das einmal selbst auszuprobieren, um herauszubekommen, ob Interessenten wirklich einen nennenswerten Unterschied zu herkömmlichen 60-Hz-Panels bemerken. Denn als Nachteil verbraucht die höhere Bildwiederholungsfrequenz auch mehr Strom. Dank OLED als Technologie verfügt das Oneplus 7T Pro über ein informatives Always-on-Display.

Die Hauptkamera des neuen Oneplus 7T Pro erinnert stark an die Kamera des 7 Pro (Testbericht): Hauptkamera mit 48 Megapixel, lichtempfindlicher Blende von f/1.6 und optischem Bildstabilisator, dazu eine Ultraweitwinkelkamera mit 16 Megapixel und f/2.2 sowie eine Teleoptik mit jetzt drei- statt zweifacher Vergrößerung, 8 Megapixel und f/2.4. Hinzu kommt eine ausfahrbare Frontkamera mit 16 Megapixel, die nach wie vor Blicke auf sich zieht, weil nur wenige Smartphones mit einer Pop-Up-Kamera ausgestattet sind. Unterschiedliche Arten von Pop-Up-Kameras haben wir übrigens im Beitrag
Flip, Slideout und Popup: Handy-Kameras im Überblick vorgestellt.

Haupt- und (eingefahrene) Frontkamera auf einen Blick

Die Bildqualität bei Tageslicht ist mit einem Wort hervorragend. Schärfe, Detailgrad, Farben, Dynamik – alles passt, so soll es bei einem Topmodell sein. Die Plastizität der Aufnahmen wirkt dabei nie künstlich, Bildrauschen gibt es ebenfalls nicht. Positiv: Egal ob hervorragende Teleeinstellung, Hauptkamera oder Weitwinkel – Weißabgleich, Helligkeit und Farbwiedergabe bleiben einheitlich. Bei wenig Licht überzeugt das Oneplus 7T Pro sogar im Automatikmodus mit überraschend scharfer Darstellung, die im Telemodus allerdings etwas abnimmt. Bildrauschen ist dann zwar vorhanden, geht aber in Ordnung. Im Weitwinkel werden Fotos allerdings wegen der deutlich lichtschwächeren Blende sehr dunkel. Der Weißabgleich macht entsprechende Aufnahmen zu gelb.

Das ist auch im manuell zuschaltbaren Nachtmodus so, der allerdings mit noch einmal schärferen Bildern und besserer Aufhellung der Szenerie glänzt. Das vertretbare Bildrauschen lässt sich nur im Promodus auf Stativ mit Dauerbelichtung bis zu 30 Sekunden minimieren, bei denen dann allerdings einzelne Lichter ausbrennen können. Insgesamt ist die Fotoqualität des Pro-Modells hervorragend und fast auf dem Niveau des Klassenprimus Huawei P30 Pro (Testbericht).

Pop-Up-Frontkamera

Fotos mit der Frontkamera gelingen problemlos, sie sind ebenfalls schön scharf und detailreich. Im Portraitmodus klappen weitgehend fehlerfreie und recht natürliche Aufnahmen mit künstlichem Bokeh. Videos dürfen Nutzer mit der Hauptkamera in 4K/60FPS aufnehmen. Schärfe, Bilddynamik und Farben überzeugen auch hier. Die Bildstabilisierung ist insgesamt lobenswert, wenn auch noch nicht ganz auf Samsung-Niveau.

Der Qualcomm Snapdragon, der dieses Jahr in vielen Topmodellen aller möglichen Hersteller steckte, war schon richtig schnell. Noch stärker ist die überarbeitete Version, der Snapdragon 855 Plus. Genau der steckt im Oneplus 7T Pro und sorgt zusammen mit 8 GByte RAM für nie dagewesene Power. Im Antutu-Benchmark erreicht das Modell daher überragende 480.000 Punkte – Rekord. Es gibt derzeit nichts, was das Pro-Modell nicht flüssig darstellen könnte. Bei Games wird das Smartphone aber spürbar warm.

USB C statt 3,5 Millimeter

Außerdem gibt es noch ein anderes Problem mit Spielen: Oneplus scheint die Bildwiederholungsfrequenz auf 60 Bilder pro Sekunde zu drosseln. Das gilt auch für diverse Apps wie Kamera, Telefon und sogar einige Browser. Der Hersteller dürfte das aus Gründen des Stromsparens so machen, allerdings stört es, dass Nutzer das nirgendwo mitgeteilt bekommen. Selbst in den Einstellungen des Displays, in denen die Wahl zwischen 90 und 60 Hz besteht, scheint die 60-Hz-Einstellung für konstante 60 Bilder pro Sekunden zu sorgen, während die 90-Hz-Einstellung eher so etwas wie eine „Automatik-Einstellung“ ist. Umgehen lässt sich das mit Bordmitteln nicht, die Experten von XDA-Developers (Link) haben aber einen Weg gefunden, den Screen dauerhaft mit 90 Hz laufen zu lassen.

An der restlichen Hardware gibt es fast nichts auszusetzen. Fast zumindest. Denn sieht Oneplus nach wie vor keine Speichererweiterungsmöglichkeit vor, sondern verlässt sich ausschließlich auf internen Speicher. Der misst beim Pro-Modell 256 GByte – das ist ordentlich. Eine kleinere Version gibt es nicht. Ansonsten gibt es NFC, Bluetooth 5.0, WLAN ac mit 2,4 und 5 GHz, so gut wie alle weltweit nötigen LTE-Frequenzen sowie genaues GPS mit Unterstützung von Glonass, Beidou und sogar Galileo. Der Fingerabdrucksensor, der sich unter der Display-Oberfläche verbirgt, ist grundsätzlich zuverlässig und schnell, herkömmliche Sensoren wie bei günstigeren Smartphones sind aber in beiden Disziplinen immer noch besser. Zudem stört es bisweilen, dass der Sensor im 7T Pro nur dann aktiv ist, wenn das Smartphone zuvor bewegt wurde. Beim Huawei P30 Pro etwa ist das anders.

Eine Entsperrung über die Frontkamera ist auch möglich, sollte aber aus Sicherheitsgründen nicht genutzt werden, da sich diese Methode zu leicht austricksen lässt. Zudem braucht sie minimal mehr Zeit, als bei Smartphones mit herkömmlicher Frontkamera. Der einzelne Lautsprecher ist sehr kraftvoll, ohne dabei zu übersteuern. Fans der Marke müssen jetzt allerdings ohne 3,5-Millimeter-Anschluss auskommen.

Bei der Software ist Oneplus wie immer ganz weit vorn mit dabei. So setzt das Unternehmen auch beim 7T Pro auf neuestes Android 10 mit OxygenOS als erweiterte Nutzeroberfläche. Sie bringt bisweilen angepasste Menüstrukturen und zusätzliche Features mit und ist generell sehr einprägsam. Bis auf einige Apps des Herstellers, darunter das Game Center oder die Oneplus-Community-App, gibt es keine Bloatware. Praktisch ist das Versprechen des Unternehmens, seine Smartphones wie Google bei den Pixel- und Android-One-Smartphones 3 Jahre lang mit Sicherheits-Updates und 2 Jahre lang mit Versions-Updates zu versorgen.

Stolze 4085 mAh leistet der Akku des Oneplus 7T Pro. Das ist noch einmal mehr als das „normale“ 7T und auch etwas mehr als beim Vorgänger Oneplus 7 Pro (ohne T). Im Vergleich zum T-Modell der gleichen Generation ist bestenfalls eine leichte Verbesserung der Laufzeit zu erkennen. Schuld dürfte hier vor allem die höhere Auflösung sein, die die zusätzlichen Akkuleistung beim Thema Stromverbrauch wieder auffrisst. Im Vergleich zum Pro der letzten Generation ist der Vorteil etwas größer, hier dürfte sich die insgesamt etwas neuere Technik positiv bemerkbar machen. Riesig sind die Ausdauerzuwächse aber in beiden Fällen nicht. Im Battery Test von PCmark kommt auch das aktuelle Pro-Modell nicht wesentlich über 9 Stunden Laufzeit hinaus.

Das sollte aber die meisten Nutzer gut über zwei Tage ohne Nachladen bringen. Wer mehr will, sollte das Display auf 60 Hz begrenzen und bei Bedarf auf die Stromsparmodi des Oneplus 7T Pro zurückgreifen. Oder einfach kurz Zwischenladen. Das geht beim neuen Modell besonders schnell. Eine vollständige Ladung dauert kaum über eine Stunde und selbst wenige Minuten Stromzufuhr mit dem mitgelieferten Netzteil sorgen für etliche Stunden zusätzliche Nutzungszeit. Das lässt wohl den ein oder anderen Nutzer die Abwesenheit von kabellosem Laden besser ertragen.

Das Oneplus 7T Pro gibt es zum Testzeitraum ausschließlich in der Farbe Haze Blue mit schickem Farbverlauf und 8/256 GByte Speicher. Früher oder später wird Oneplus wie bisher aber sicherlich eine Sonderedition in andersfarbigem Gewand vorstellen. Der Preis liegt derzeit noch bei 758 Euro.

Das Oneplus 7T Pro ist wirklich klasse. Es ist richtig schick und hochwertig, hat ein grandioses Display, ist unfassbar schnell, bietet viel Speicher und eine tolle Kamera. Die Akkuleistung ist auch nicht übel und es gibt eigentlich nur Kleinigkeiten, die den Gesamteindruck etwas trügen und das Gerät vom Smartphone-Thron abhalten. Da wäre etwa die mangende IP-Zertifizierung oder fehlendes kabelloses Laden. Auch eine Speichererweiterung wäre nett – alle drei Punkte sind aber insgesamt verschmerzbar, weil sie etwa durch die extrem kurze Ladedauer oder den großen internen Speicher mehr oder weniger stark entkräftet werden

Ein Problem bleibt aber: Das Oneplus 7T (Testbericht) aus eigenem Hause. Denn das bietet unterm Strich je nach Ausstattungsversion so gut wie alles, was auch das teurere Pro-Modell hat. Die Hauptunterschiede sind demnach beim Pro die Pop-Up-Kamera und daraus resultierend keine Notch, eine höhere Display-Auflösung, mehr interner Speicher, nur bedingt die Kamera und eine gebogene Display-Oberfläche. Wem das aktuell rund 160 Euro mehr wert ist, der darf bedenkenlos zugreifen und erhält für sein Geld eines der derzeit besten Smartphones auf dem Markt. Alle anderen dürfen aber auch genauso gut zum günstigeren Oneplus 7T greifen.

Aber halt, es gibt noch ein Problem, das zu Beginn des Tests bereits angedeutet wurde: Der Preis des Oneplus 7T Pro ist nicht übermäßig hoch, aber die Zeiten der 400-Euro-Modelle ist bei diesem Hersteller längst vorbei. An dessen Stelle drängen nun andere Anbieter wie Xiaomi mit seinen Mi-9-Varianten wie dem Mi 9T Pro mit Pop-Up-Kamera (Testbericht) oder dem Mi 9 SE für Fans kleiner Geräte (Testbericht). Einen Vergleich der verschiedenen Mi-9-Modelle haben wir auch bereits gezogen. All diese Geräte sind deutlich günstiger als die neuen Smartphones von Oneplus.

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