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Olympia Touch 2: Pseudo-Smartphone für Senioren

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Das nur knapp 50 Euro teure Senioren-Smartphone Olympia Touch 2 kommt mit Touchscreen, einem austauschbaren Akku und zwei SIM-Slots. Wir haben das Handy ausführlich getestet.

Das Olympia Touch 2 ist ein rudimentäres Senioren-Smartphone – beziehungsweise eben nicht. Wohl aufgrund des Touchscreens schreibt der Hersteller „Smartphone“ auf die Verpackung, aber es spielt weder MP3-Dateien noch Video-Files ab, hat keinen Internet-Browser und erst recht kein offenes Betriebssystem samt App-Store.

Zugegeben: Auf den ersten Blick erinnert es mit seinem 3,5 Zoll großen Touchscreen und der Oberfläche in Kachel-Optik an ein Windows Phone oder an ein Android-Gerät mit vereinfachter Benutzerführung. Und in der Tat, eine möglichst komfortable Bedienung für ältere Menschen war eindeutig das Ziel der Entwickler. Aber das ändert nichts daran: Ein Smartphone ist das nicht.

Den niedrigen Preis merkt man dem Olympia Touch 2 an. Nicht unbedingt, was die Verarbeitungsqualität angeht: Abgesehen von der unter Druck etwas nachgebenden Rückseite ist das ganz ordentlich. Bei den verwendeten Materialien handelt es sich jedoch ausschließlich um nicht sonderlich wertiges Plastik. Unterhalb des Displays sind drei mechanische Taster platziert: Ein grüner Taster um Annehmen von Anrufen, ein Home-Button und ein roter Taster zum Beenden von Anrufen, der gleichzeitig – lange gedrückt – als Ein- und Ausschalter dient.

Bild: Techstage Unterhalb des Displays sitzen drei Taster, die Bedienung erfolgt jedoch größtenteils auf dem Touchscreen.

Auf der linken Seite sitzt eine Lautstärkewippe, auf der rechten Seite unten ein Taster, um die Kamera-„App“ zu öffnen. Der Lautsprecher hat seinen Platz auf der Rückseite mittig weit oben gefunden. Links davon befindet sich ein SOS-Taster, den der Nutzer mit einer Telefonnummer der Wahl programmiert – das können Verwandte, Nachbarn oder ein Pflegedienst sein. Einen eigenen Service, der auf eingehende Anrufe reagiert, gibt es aber nicht.

Die Kamera sitzt links oben in der Ecke. Am oberen Rand des Smartphones gibt es noch eine Kopfhörerbuchse und einen Micro-USB-Anschluss; unten zwei Pins zur Verbindung mit der im Lieferumfang befindlichen Ladestation. Aufladen lässt sich das Gerät wahlweise in der Ladestation, aber auch per mit dem Netzteil verbundenen Micro-USB-Kabel. Im Lieferumfang befindet sich neben dem Ladegerät, einem USB-Kabel und der Ladestation noch ein Headset mit integriertem Mikrofon zum Telefonieren.

Bild: Techstage Damit das Einsetzen nicht so fummelig ist gibt es beim Touch 2 das Mini-SIM-Format.

Die Inbetriebnahme des Olympia Touch 2 gestaltet sich unkompliziert. Zum Einsetzen von Akku, SIM- und Speicherkarten lässt die Kunststoffrückseite leicht abnehmen. In der linken unteren Ecke gibt es eine entsprechende Aussparung, um mit dem Fingernagel dazwischenzugehen und die Abdeckung aufzuhebeln. Beim SIM-Format handelt es sich um Mini-SIM, das Einsetzen ist also nicht ganz so fummelig, wie bei Micro- oder Nano-SIM-Karten. Da die drei Karten-Slots direkt übereinander liegen, ist aber trotzdem viel Feingefühl beim Einsetzen nötig. Nach Einschalten durch langes Drücken der roten Taste ist das Handy schnell hochgefahren und einsatzbereit. Da das Olympia Touch 2 weder per WLAN noch Mobilfunknetz ins Internet geht, gibt es keinerlei Setup-Prozess oder Registrierungs-Zwang, der erst noch durchlaufen werden müsste.

Auf dem Olympia Touch 2 läuft ein proprietäres Betriebssystem, dessen Oberfläche ähnlich wie bei aktuellen Smartphones aufgebaut ist. Alle verfügbaren Optionen sind in Form von anklickbaren Icons auf drei Homescreens verteilt, zwischen denen der Nutzer durch vertikales Wischen auf dem Display wechselt. Ein Systemeinstellungs-Menü gibt es nicht, eventuell vorhandene Optionen sind nach Öffnen des entsprechenden Programms jeweils über ein Auswahl-Menü unten links erreichbar.

Bei den auf den drei Homescreens verteilten Optionen handelt es sich um acht frei belegbare Schnellwahl-Slots sowie die vorinstallierten Apps Telefonbuch, Telefon, SMS, Anrufliste, Bildbetrachter, Kamera, Signaltöne, Bluetooth und FM-Radio. Während der Navigation durch Menüs gelangt der Nutzer durch Anklicken eines auf dem Display unten rechts eingeblendeten Zurück-Buttons jeweils auf die vorherige Ebene, der Weg zurück auf den Homescreen geht über den mechanischen Home-Button unterhalb des Displays. Das gibt nach kurzer Eingewöhnung keine Rätsel auf.

Bild: Techstage Mit dem Kamera-Taster wird das Handy bei eingeschalteter Bildschirmsperre auch wieder aktiviert.

Der tatsächlich kapazitiv arbeitende Touchscreen reagiert präzise auf Eingaben und prinzipbedingt auf Berührung, nicht auf Druck. Die Software läuft die meiste Zeit flüssig und ohne auffälligere Hänger oder Denkpausen. Die Bedienung geht gut von der Hand und ist im Großen und Ganzen selbsterklärend. Auch ältere Menschen, die bislang noch kein Touchdisplay bedient haben, dürften mit dem Olympia Touch 2 nach kurzer Einarbeitungszeit gut klarkommen. Auch auf dem Display eingeblendete Tastatur zum Schreiben von SMS und zum Erstellen von Kontakten funktionierte im Test gut, auf dem Bildschirm mit 3,5-Zoll-Display-Diagonale sind die einzelnen Tasten jedoch ziemlich klein. Mit etwas Übung dürften aber auch Senioren diese Art der Eingabe weniger fummelig empfinden, als mit einer T9-Tastatur Texte zu verfassen, aber wer motorische Einschränkungen hat, braucht vermutlich etwas anderes.

Bild: Techstage Das Handy kann per USB-Kabel und per Ladestation wieder mit Energie versorgt werden.

Beim Telefonieren klingt das Olympia Touch 2 zwar ein wenig blechern, der Gegenüber ist jedoch gut zu verstehen. In Sachen Akkulaufzeit kann sich das Olympia Touch 2 nicht mit Senioren-Handys ohne Touchscreen messen. Im Testzeitraum war es kein Problem, den 1200-mAh-Akku innerhalb des Tages leer zu bekommen, wobei wir dabei das Gerät natürlich ausgiebig auf Herz und Nieren getestet haben. Ein realistisches Nutzerverhalten beim Olympia Touch 2, mit dem der Besitzer letztendlich nicht viel mehr als telefonieren wird, sieht natürlich anders aus. Mit gelegentlichen Telefonaten und geringer Display-Zeit – wofür sollte man das ohne Internet-Browser und Apps auch brauchen – hält das Gerät im Standby einige Tage durch.

Keine Apps, kein Android, kein Internet. Einzig Bluetooth steht zur Verbindung mit anderen Geräten und zum Datenaustausch zur Verfügung. Was den Bereich Multimedia angeht, sieht es beim Olympia Touch 2 ebenfalls mau aus. Das Handy spielt weder MP3 noch Videoclips ab und zeigt nur die mit der eigenen Kamera geschossenen Bilder an. Die Qualität der 0,3-Megapixel-Knips ist, gelinde gesagt, unterirdisch. Wer den ein oder anderen Schnappschuss von den Enkeln machen möchte, der wird enttäuscht sein: So eine miese Kamera hatten wir lange nicht mehr in den Fingern.

Sofern der Nutzer die Kamera trotz der schlechten Qualität nutzen möchte, ist zwingend eine eingelegte Speicherkarte erforderlich. Der interne Speicher reicht nämlich nur für etwa sechs Bilder mit einer Gesamtgröße von circa 150 KByte.

Bild: Techstage Für den Notfall gibt es einen gut erreichbaren und frei belegbaren SOS-Button auf der Rückseite des Gerätes.

Das Olympia Touch 2 eignet sich durchaus für ältere Menschen, die nicht viel mehr als telefonieren oder SMS schreiben wollen, und die Bedienung eines Handys mit kleineren mechanischen Buttons als fummelig empfinden. Die Steuerung des Smartphones geht dank des 3,5 Zoll (ca. 9 cm) großen Touchscreens und der großen Icons gut von der Hand, wenn man sich auf Touch-Bedienung einlässt. Tiefer gehende Aktionen wie das Schreiben und SMS oder das Erstellen von Kontakten sind in der Regel selbsterklärend. Für alles andere ist das Gerät aber die falsche Wahl. Die Bezeichnung „Smartphone“ entpuppt sich als schlechter Witz, Kamera- und Multimediafunktionen sind an der Grenze zur Unbrauchbarkeit oder gar nicht vorhanden.

Man sollte sich daher genau überlegen und am besten im Fachhandel ausprobieren, ob es unbedingt der Touchscreen sein muss. Nur fürs Telefonieren eignet sich auch ein günstiges Handy ohne berührungsempfindliches Display und ist mit großen Tasten eventuell leichter zu verstehen. Und wer ein richtiges Smartphone sucht, braucht definitiv etwas anderes. Wir werden in den nächsten Wochen noch einige Alternativen zum Olympia Touch 2 testen.

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