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Nokia 7.2 Test: Solides Paket mit Zeiss-Kamera

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Triple-Kamera und Akku stellt der Hersteller beim Nokia 7.2 in den Vordergrund und verlangt dafür keine 300 Euro. Geht die Rechnung auf?

Der Name Nokia ist dank des Herstellers HMD Global wieder ein Begriff – zumindest im Mittelklasse-Bereich. In der Oberklasse tut sich der Anbieter hingegen noch schwer, wie das Nokia 9 PureView (Testbericht) bewiesen hat. Läuft das beim Nokia 7.2 besser?

Aufregend ist das Design des Nokia 7.2 nicht gerade, eher gediegen. Ein matter Metallrahmen mit sanfter Rundung hält Glasfront und Rückseite zusammen, die beide nur an den äußersten Kanten leicht abgerundet sind. Die Rückseite ist matt in Rahmenfarbe eingefärbt, in Fall unseres Testgerätes ist das schlichtes Anthrazit. Die Mattierung hat den Vorteil, dass keine einzelnen Fingerabdrücke zu sehen sind, Fettspuren sammeln sich aber auf Dauer trotzdem darauf – immerhin aber weniger als auf typischen Glasoberflächen. Griffig ist das Smartphone allerdings wegen der Lackierung nicht gerade, bei trockenen Fingern fühlt sich das Gerät sogar recht rutschig an. Die Verarbeitung ist davon abgesehen aber hervorragend, auch die Übergänge von Front oder Rückseite zum Rahmen fallen sehr fließend aus.

Auf der Rückseite fallen vor allem die große, runde Kameraeinheit und der darunter platzierte Fingerabdrucksensor auf. Die Einheit mit den drei Objektiven und dem LED-Blitz stehen mehr als ein Millimeter aus dem Gehäuse hervor – das kann schon mal stören, wenn der Nutzer das Smartphone in die Hosentasche steckt. Optisch verstärkt gerade dieses scheinbare Manko aber den Eindruck, eine „echte“ Kamera samt großem Objektiv in der Hand zu halten. Da die Erhebung mittig auf der Längsachse platziert wurde, kippelt das Smartphone auf einem Tisch liegend bei Bedienung kaum.

Glasrückseite, aber matt

Die seitlichen Tasten – auch die Assistant-Taste auf der linken Gehäuseseite – lassen sich hervorragend bedienen, Tastenhub und Druckpunkt fallen nahezu optimal aus. Auffällig ist hierbei, dass der Assistant-Button selbst dann den Google-Sprachassistenten aufruft, wenn das Smartphone gesperrt ist. In der Tasche ist das eher störend.

Das LC-Display des Nokia 7.2 mit mittig am oberen Rand platzierter Notch für die Frontkamera misst 6,3 Zoll in der Diagonale und bietet dabei 2280 × 1080 Pixel, also Full-HD+-Auflösung. Das gibt eine Bildschärfe von 400 Pixel pro Zoll (PPI) und erlaubt knackscharfe Darstellung, an der es nichts auszusetzen gibt. Das sogenannte PureDisplay passt in der Voreinstellung Farbe, Kontrast und Helligkeit automatisch an, auch Upscaling von SDR-Inhalten zu HDR ist bereits ab Werk eingerichtet. Abgeschaltet ist hingegen der ebenfalls optional verfügbare automatische Weißabgleich. Ein Blaufilter zum Schonen der Augen in der Nacht ist ebenfalls verfügbar, ein Always-on-Display gibt es hingegen nicht.

Display mit Notch

Insgesamt überzeugt die Darstellung mit ausreichenden Kontrasten, intensiven Farben und einer ordentlichen Helligkeit von 400 cd/m². Auch die Blickwinkelstabilität ist in Ordnung, in erster Linie lässt sich die LCD-typische Abschattung ab einem gewissen Winkel feststellen.

Der Aufdruck „Zeiss“ weckt bei Nokia-Fans nach wie vor alte Erinnerungen an längst vergangene Tage – und zwar gute Erinnerungen. Denn die Zusammenarbeit zwischen den beiden namenhaften Herstellern ist beinahe legendär und hat Kamerahighlights wie das Pureview 808 und das Lumia 920 hervorgebracht – Nokia mit Zeiss steht einfach für gute Bildqualität. Um das auch beim Mittelklasse-Smartphone Nokia 7.2 gewährleisten zu können, baut der Hersteller eine Triplecam mit 48 Megapixel, f/1.6-Blende und einem 1/2-Zoll großen Sensor, eine Ultraweitwinkelkamera mit 8 Megapixel (118 Grad Blickwinkel) sowie einen Tiefensensor mit 5 Megapixel ein.

Die Kameraeinheit steht deutlich aus dem Gehäuse hervor

Für die Hauptkamera kommt der neue Isocell-GM1-Sensor von Samsung zum Einsatz. Dazu gibt es einen LED-Blitz. Die Frontkamera erlaubt Fotos mit bis zu 20 Megapixel. Sowohl die große 48-, also auch die Frontkamera mit ihren 20 Megapixel verwenden Pixel Binning, bei dem die Informationen von immer vier Bildpunkte für bessere Bildqualität in einem Superpixel zusammengefasst werden. Entsprechend sind im Alltag entsprechende Aufnahmen nicht 48, sondern 12 Megapixel groß, vorn sind es 5 statt 20 Megapixel. Außerdem werden bei Bildern aus freier Hand bis zu 8 Fotos nahezu gleichzeitig geknipst und anschließend zusammengebaut, um optimale Bildinformation zu erhalten. Eine optische Bildstabilisierung fehlt leider allen Linsen. Beim Nokia 7.2 liefert Zeiss übrigens nicht nur die Hardware, sondern legt auch Hand an Bildverarbeitung und Kamera-App.

Im Alltag liefert die Hauptkamera im Vollbild scharfe und detailreiche 12-Megapixel-Aufnahmen. Erst in der Vergrößerung erkennt man nachlassende Detailgenauigkeit und zunehmenden Pixelmatsch, für ein Smartphone in der 300-Euro-Klasse geht das aber in Ordnung. Auffälliger ist die starke Sättigung der Aufnahmen. Grund könnte hier die KI sein, die verschiedene Szenen erkennt und wie bei der Konkurrenz dann grünes Gras noch grüner und blaues Wasser noch blauer einfärbt. Dafür überzeugt das Nokia 7.2 mit guter Bilddynamik dank Auto-HDR, Motive sind ganzheitlich ordentlich ausgeleuchtet. Der Ultraweitwinkel der Zweitkamera kann da bei der Bildschärfe nicht mithalten, sie fällt sichtbar geringer aus. Das geht mit einem insgesamt eher matschigen Gesamteindruck einher, außerdem weisen entsprechende Aufnahmen wesentlich weniger Details auf. Dafür hilft im Ultraweitwinkel keine KI übermotiviert bei der Sättigung nach, sodass diese Aufnahmen viel natürlicher wirken. Schade allerdings, dass Nokia Ultraweitwinkelbilder heller und kühler darstellt, solch ein Unterschied sollte eigentlich nicht bei zwei Kameras eines Smartphones vorkommen.

Aufwändiger als bei früheren Smartphones von Nokia ist der Portraitmodus, der – mit der Hauptkamera fotografiert – sogar auf eine eigens dafür eingebaute Kamera für besseres künstliches Bokeh zugreift. Neben der Intensität des Bokehs darf der Nutzer beim Nokia 7.2 nun auch die Art des Bokehs anpassen. Dann gibt es etwa nicht nur typische Unschärfe von wahlweise Vorder- oder Hintergrund, sondern die künstlich unscharf gerechneten Tiefenebenen setzen sich auf Wunsch aus Sternen oder Herzen zusammen. Solche Features boten bislang nur teurere Phones. Wirklich nötig sind sie wohl kaum, zumal sie auch nicht live im Kamerasucher, sondern nur später in der Bildergalerie zu sehen sind. Dort dürfen sie noch nachbearbeitet werden. Wichtiger ist vielmehr die Qualität solcher Aufnahmen – und die kann sich sehen lassen, wenn auch ohne durch besondere Qualität hervorzustehen. Das künstliche Bokeh an sich ist zwar schön, doch trotz der Tiefenkamera werden feine Strukturen wie Haare gern mal von der Software mit abgeschnitten – wie bei anderen Smartphones auch. Spätestens in der Detailbetrachtung fallen solche Bildfehler immer auf. Einen nennenswerten Unterschied zu entsprechenden Aufnahmen der insgesamt guten Frontkamera gibt es nicht – obwohl sie mangels zusätzlicher Tiefenkamera alles allein per Software erledigt.

Videos nimmt das Nokia 7.2 in 4K mit 30 Bildern pro Sekunde auf, das ist bei Schwenks zu wenig, sieht aber ansonsten recht gut aus. Die elektronische Bildstabilisierung arbeitet hingegen in Full-HD deutlich besser, dann ist allerdings das Bild zu matschig.

Das Nokia 7.2 ist ein Smartphone der unteren Preisklasse, bei den Themen Prozessor und Speicher ist das Modell durchaus im oberen Mittelklassebereich angesiedelt. So setzt Nokia auf den Snapdragon 660, dessen acht Kerne in jeder Lebenslage für ausreichend Power sorgen. Im Antutu-Benchmark erreicht das Smartphone damit 172.000 Punkte, ein ordentlicher Wert. Hinzu kommen je nach Variante entweder 4 oder 6 GByte RAM und 64 oder 128 GByte interner Speicher. Nett: Auch im Dual-SIM-Betrieb darf der interne Speicher per Micro-SD-Karte erweitert werden.

Dedizierter Button für den Google Assistant - funktioniert auch , wenn das Smartphone gesperrt ist

An weiterer Technik baut Nokia USB C (2.0), LTE Cat 5, WLAN mit 2,4 und 5 GHz und Bluetooth 5.0 ein. Auch ein UKW-Radio ist mit an Bord. Der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite arbeitete im Test schnell und zuverlässig. Gesichtserkennung beherrscht das Nokia 7.2 zwar auch, aber nur mittels der einfach auszutricksenden 2D-Frontkamera. Das klappte im Test nicht einmal gut, sodass Nutzer darauf lieber gleich ganz verzichten sollten. Da der finnische Hersteller Android One in Version 9 verwendet, bekommen Nutzer des Smartphones die nächsten zwei Jahre Updates des Betriebssystems, drei Jahre lang sogar Sicherheits-Updates. Android 10 hat Nokia für das 7.2 bereits versprochen.

Der Stromspeicher des Nokia 7.2 leistet 3500 mAh, das ist für die gebotene Technik in Ordnung. Damit sollten die meisten Nutzer im Alltag gut zwei Tage über die Runden kommen, im Test gab es damit zumindest keine Probleme. Der Battery Test von PCmark bescheinigt dem Smartphone allerdings ein durchschnittliches Durchhaltevermögen von nur 7:37 Stunden bei 200 cd/m² – das ist nicht übermäßig viel, auch wenn das neue Google Pixel 4 (Testbericht) damit immer noch deutlich geschlagen wird. Schnellladen gibt es nicht, kabelloses Laden fehlt ebenfalls.

Das Nokia 7.2 gibt es in drei Farben: Anthrazit, Grün und Silber. Zudem sind zwei unterschiedliche Speichervarianten verfügbar: 4/64 GByte und 6/128 GByte. Die Preise beginnen aktuell bei 278 Euro, die größere Version bei 345 Euro.

Nokia 7.2 Dual-SIM  64GB cyan green

Grün, 64 GB

Nokia 7.2 Dual-SIM  64GB charcoal

Schwarz, 64 GB

Nokia 7.2 Dual-SIM  64GB ice

Weiß, 64 GB

Nokia 7.2 Dual-SIM 128GB charcoal

Schwarz, 6/128 GB

Das Nokia 7.2 ist ein solides Smartphone: Schick, gut verarbeitet und mit ordentlicher Technik für den aufgerufenen Preis ausgestattet. Dazu gehört ein potenter Prozessor, eine je nach Version ordentliche Menge Speicher, eine dem Preis angemessene Kamera und ein Akku, der nicht schon nach einem Tag aufgibt. Dank Android One gibt es sogar noch lange Updates – was will man mehr?

Das Problem: Die vom Hersteller herausgestellten Highlights Kamera und Akku sind für sich gesehen aber eher okay als wirklich herausragend, eigentlich gibt es also gar keine echten Highlights. Entsprechend kann „solide“ schnell auch als "langweilig" interpretiert werden. Aufregender sind da zweifelsohne die Mi-9-Modelle von Xiaomi, etwa das Mi 9 (Testbericht) oder das Mi 9 SE (Testbericht). Welches Gerät für welchen Nutzer am besten geeignet ist, haben wir in unserer Kaufberatung Xiaomi Mi 9 vs Mi 9T vs Mi 9T Pro vs Mi 9SE herausgestellt. Auch interessant und mit ähnlichem Preispunkt und Datenblatt wie das Nokia 7.2: Das Xiaomi Redmi Note 8 Pro (Testbericht).

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