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Nokia 4.2 Test: Trotz Schick nur 2. Wahl

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Aktuelle Nokia-Modelle sind für ihr gutes Preis-Leistungsverhältnis bekannt. Das will der Hersteller auch beim neuen Nokia 4.2 bieten, das vor allem mit hochwertigen Materialien und niedrigem Preis punkten soll.

HMD Global, der Lizenznehmer der Smartphone-Marke Nokia, deckt seit seinem Neustart der finnischen Marke vor wenigen Jahren vom Einsteiger-Smartphone bis zum Topmodell alles ab. Das Nokia 4.2 richtet sich eher an preisbewusste Käufer, die dennoch nicht auf ordentliche Technik und schickes Design verzichten wollen.

Entsprechend setzt HMD auf Glas auf Front und Rücken und der Rahmen besteht nicht aus Kunststoff, sondern tatsächlich aus Metall. Das ist in der Preisklasse unter 200 Euro eine Seltenheit und verleiht dem günstigen Modell in Kombination mit zeitlosem Design eine überraschend hohe Wertigkeit. Dafür sind die Glasflächen zu den Rändern hin leicht gewölbt, wodurch der Übergang zum ebenfalls ergonomisch gewölbten Rahmen gut gelungen ist. Mit nur 149 × 71,3 × 8,4 Millimeter und 161 Gramm liegt das Nokia-Modell insgesamt sehr angenehm in der Hand.

Zeitlos schick.

Die Ränder rings um das Display auf der Front sind deutlich wahrnehmbar. Vor allem unter dem Panel ist recht viel Rand zu sehen, der keine Funktion bietet und stattdessen einem Nokia-Schriftzug zeigt. Über dem Display ist der Rand schmaler, da HMD dem Nokia 4.2 eine Notch für die Frontkamera spendiert. In Anbetracht des niedrigen Verkaufspreises gehen die Ränder in Ordnung, insgesamt wirkt das Smartphone ausreichend modern. Auch die Verarbeitung ist ordentlich, lediglich die seitlichen Tasten – inklusive der beleuchteten Power- und der zusätzlichen Assistant-Taste – hätten ruhig etwas fester montiert sein dürfen.

Das LC-Display des Nokia 4.2 ist 5,7 Zoll groß und bietet modernes 19:9-Format – das geht heute schon eher als klein durch und ist einer der Gründe für die Handlichkeit des Smartphones. Die Auflösung fällt mit 1520 × 720 nicht gerade üppig aus, die Bildschärfe liegt entsprechend nur bei 270 Pixel pro Zoll (PPI). Das wird vielen Nutzern im Alltag gar nicht auffallen, wer aber gute Augen oder einen direkten Vergleich zu einem Full-HD- oder noch höher auflösenden Display hat, erkennt durchaus eine minimale Treppchenbildung. Die Helligkeit haben wir im Test mit etwa 380 cd/m² gemessen, das geht für ein Smartphone der Einstiegsklasse absolut in Ordnung. Nicht so gut gefallen haben uns Kontrast und Farbintensität, beides fällt etwas gering aus. Die Ablesbarkeit im Freien erschweren zudem deutliche Spiegelungen und eine frühe Abschattung des Screens, sobald man nicht mehr direkt frontal draufschaut. Auch hier relativiert der niedrige Preis aber die leichten Unzulänglichkeiten.

Display mit Notch.

Bei günstigen Smartphones sind für Hersteller gerade auch die Kameras immer ein Ansatzpunkt zum Sparen. Das ist auch beim Nokia 4.2 nicht anders. Als Hauptkamera kommt eine Optik mit 13 Megapixel, f/2.2-Blende und einer Pixel-Größe von 1,12 µm zum Einsatz. Ein zweites Modul mit 2 Megapixel und f/2.2 ist ausschließlich für künstliches Bokeh zuständig. Diese Kombination scheint oftmals eher eine Alibifunktion nach dem Motto „Dual-Kamera klingt besser“ zu sein und auch beim Nokia 4.2 hätte der Hersteller wohl ruhig darauf verzichten dürfen. Denn die Bokeh-Funktion funktioniert zwar, aber die Pixel-Phones beweisen eindrucksvoll, dass das auch ohne spezialisierte Zusatzkamera geht.

Dual-Kamera - Zweitkamera nur für Bokeh.

Nicht falsch verstehen: Für die Preisklasse bis 200 Euro ist die Bildqualität durchaus okay, die liebsten Urlaubserinnerungen sollten dann aber doch eher von einer besseren Kamera festgehalten werden. Denn was zumindest bei Tageslicht auf den ersten Blick als scharf, kontrastreich und farbintensiv durchgeht, offenbart schon in leichter Vergrößerung eher Detailarmut und Pixelmatsch. Grund für den ersten guten Eindruck ist eine aggressive Nachbarbeitung der Kamera-Software, die stark nachzeichnet und damit einen typischen Fall von „mehr Schein als Sein“ fabriziert. Spätestens bei Aufnahmen mit weniger Licht kommt die Software an ihre Grenzen. Dann werden Aufnahmen überproportional schnell unscharf, Bildrauschen tritt in den Vordergrund und Fotos sehen einfach nicht mehr gut aus.

Bei Nacht sollte man das Nokia 4.2 lieber gleich in der Tasche lassen. Ach der rudimentäre Promodus sorgt dann nur noch für leichte Verbesserungen an der Bildqualität. Videos mit ihren maximalen 1080p/30 sehen spätestens bei Bewegung wegen mangelnder Bildstabilisierung nicht mehr gut aus. Davon abgesehen reicht Full-HD mit 30 fps bei Bewegtbildern einfach nicht aus, um einen ausreichenden Schärfeeindruck zu generieren.

HMD knausert gerne mal bei der Speicherausstattung seiner Smartphones, das ist auch beim Nokia 4.2 so. Es gibt zwei Varianten: Einmal mit 2 GByte RAM und 16 GByte internem Speicher und einmal mit 3 GByte RAM und 32 GByte Speicher. Auch wenn beide Versionen per microSD erweiterbar sind, können wir für die kleinere Speichervariante keine Empfehlung aussprechen. Sowohl RAM als auch interner Speicher in dieser „Größe“ passen einfach nicht mehr ins Jahr 2019. Das gilt übrigens auch für den Mikro-USB-Anschluss, der im Nokia 4.2 steckt. Günstiger Preis hin- oder her: Das muss einfach nicht mehr sein!

Als Antrieb dient ein Snapdragon 439. Er verfügt zwar über acht Prozessorkerne, heftige Spiele-Power sollten Interessenten aber nicht erwarten. Einfache Games laufen – teilweise auf niedrigen Grafikeinstellungen – zwar durchaus flüssig, anfordernde 3D-Spiele wie Asphalt 9 bringen das Smartphone aber schnell an seine Grenzen. Im Alltag merkt man davon abgesehen aber selten etwas. Dank der niedrigen Display-Auflösung und dem schlanken Betriebssystem Android One (Version 9.0 Pie) sorgt auch der vergleichsweise schwache Chipsatz des Nokia 4.2 für überwiegend flotte und direkte Bedienung.

Die restliche Ausstattung ist insgesamt dem Preis angemessen: WLAN ohne ac-Standard, Bluetooth 4.2, GPS mit Unterstützung von Glonass und Beidou, außerdem LTE Cat. 4 mit bis zu 150 MBit/s im Download und sogar NFC – gerade letzteres sucht man bei Konkurrenten im ähnlichen Preisumfeld oft vergeblich. Der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite funktionierte im Test überwiegend schnell und zuverlässig. Ein kleines Highlight ist die beleuchtete Power-Taste. Sie signalisiert nicht nur den Ladevorgang, sondern dient gleichzeitig auch als Benachrichtigungs-Leuchte. Die Sondertaste für den Google Assistant auf der linken Seite lässt sich leider nicht anderweitig belegen und dürfte daher nicht für jeden sinnvoll sein. Dafür gibt es sogar ein UKW-Radio – obwohl kein Headset im Lieferumfang ist, das als Wurfantenne dienen könnte.

Der fest eingebaute Akku im Nokia 4.2 leistet 3000 mAh – das ist nicht übermäßig viel, passt aber zur Ausstattung. Da die größten Energiefresser Display-Größe, Auflösung und Chipsatz eher sparsam ausgelegt sind, kommt das Nokia-Smartphone durchaus auf brauchbare Werte und hält bei normaler Nutzung auch mal zwei Tage durch. Störend ist eher die lange Ladezeit: Mangels Schnellladetechnik benötigt eine vollständige Ladung gute 3 Stunden und sollte daher lieber über Nacht stattfinden.

Das Nokia 4.2 gibt es in den Farben Schwarz und Pink. Von den Versionen mit 2/16 GByte Speicher raten wir ab!

Nokia 4.2 Dual-SIM 32GB schwarz

Nokia 4.2 3/32 GByte Schwarz

Nokia 4.2 Dual-SIM 32GB pink

Nokia 4.2 3/32 GByte Pink

Echte, preisübergreifende Highlights bietet das Nokia 4.2 natürlich nicht, in Bezug auf Preis-Leistung geht das Glas-Smartphone aber in Ordnung. Womit auch gleich einer der Pluspunkte angesprochen wäre: Die Materialauswahl. Denn bei Smartphone-Preisen unter 200 Euro bekommt man Glas und Metall selten zu Gesicht, beim Nokia 4.2 ist das anders. Dadurch wirkt es im Zusammenspiel mit seinem zeitlosen Design insgesamt hochwertiger, als der Preis vermuten lässt.

Der Rest ist durchschnitt – auch in Relation zum Preisschild. Das Display dürfte zwar etwas höher auflösend sein und auch Farben und Kontraste sind etwas schwach ausgeprägt, insgesamt reicht das aber. Das gilt auch für den Prozessor, der im Alltag absolut ordentliche Arbeit leistet, vor heftigen 3D-Spielen aber kapituliert. Der Speicher ist selbst in der „großen“ Variante mit 3/32 GByte knapp bemessen und die restliche Technik zwar vollständig, aber auf niedrigem Leistungsniveau angesiedelt. Von der kleinen Speichervariante raten wir klar ab!

Alternativen zum Nokia 4.2 sind Smartphones wie das Motorola Moto G7 Power (Testbericht), Xiaomi Redmi 7 (Testbericht) oder das Xiaomi Mi 9 SE (Testbericht). Sie sind kaum teurer, bieten aber teilweise deutlich mehr für ihr Geld.

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