Nokia 3.4 im Test: Update-Versprechen für wenig Geld | TechStage
TechStage
Logo Qwant

Ein Angebot von

Nokia 3.4 im Test: Update-Versprechen für wenig Geld

von  // 

Gerade mal 159 Euro in der UVP verlangt HMD Global für das Nokia 3.4, dabei bietet es ein großes Display, 3 GByte RAM und einen ordentlichen Mittelklasse-Prozessor. Passt das Gesamtkonzept?

HMD Global ist einer der wenigen Hersteller, die noch Smartphones mit Android One als Betriebssystem herstellen. Das zeigte die letzte Aktualisierung unserer Bestenliste Android-One-Smartphones. Einer dieser Vertreter ist das Nokia 3.4, das neben der Android-Version mit Update-Versprechen zudem mit niedrigem Preis trotz ordentlicher Technik aufwarten will. Das klingt ein bisschen nach eierlegender Wollmilchsau – wie sieht das Konzept in der Realität aus?

Bei einer UVP von gerade einmal 159 Euro muss jeder Hersteller Abstriche machen. HMD Global macht die beim Nokia 3.4 beim Material. Denn statt Glas und Metall kommt bei dem günstigen Modell ausschließlich Kunststoff für das Gehäuse zum Einsatz, dementsprechend kommt das Modell nicht so hochwertig wie teurere Smartphones rüber. Bei der niedrigen UVP macht das aber auch nichts. Denn hässlich ist das Gerät nicht und gut in der Hand liegt es dank angenehmer Rundungen auch noch. Die geriffelte Rückseite zieht zudem keine Fingerabdrücke an, das ist beim Großteil der auf dem Markt befindlichen Smartphones anders.

Die Verarbeitung an sich ist ebenfalls nicht schlecht, die Tasten haben einen ordentlich definierten Druckpunkt und Tastenhub und Knarzgeräusche entlockt man dem Nokia 3.4 nur mit Gewalt. Alles in allem macht das Gerät also einen dem Preis sehr angemessenen Eindruck, es wirkt dank Punchhole-Notch trotz sichtbarer Display-Ränder ausreichend modern.

Alle Bilder zum Nokia 3.4 im Test (13 Bilder)

Knapp 6,4 Zoll misst das IPS-LCD des Nokia 3.4 in der Diagonalen. Knackpunkt und offenbar weiterer Ansatz für einen Rotstift ist die Auflösung: 1560 × 720 Pixel sind etwas wenig, andere Modelle in dieser Preisklasse bieten da durchaus schon Full-HD. Als Resultat kommen so gerade einmal 269 Pixel pro Zoll zusammen, das ist für ein modernes Smartphone zu wenig.

Die ansonsten ganz guten Werte des Panels kaschieren das im Alltag zum Glück etwas. So liegt die Helligkeit bei ausreichenden 380 cd/m2, die Kontraste sind hinreichend stark und die Blickwinkelstabilität zeigt außer einer etwas hohen Abdunklung bei flachen Winkeln kaum Farbverfälschungen. Auch mit etwas schwacher Darstellungsschärfe sollten die meisten Nutzer, die wenig Geld für ein Smartphone ausgeben wollen, damit insgesamt zurechtkommen.

Auf dem Papier präsentiert HMD Global beim Nokia 3.4 eine Triple-Cam: 13-Megapixel-Hauptkamera, 5-Megapixel-Weitwinkel und 2-Megapixel Tiefensensor. Genutzt werden können davon nur die beiden Erstgenannten, der dritte Sensor ist mal wieder nur Schmuck am Nachthemd. Wunder sollten Nutzer bei einem so günstigen Smartphone nicht erwarten. Bei Tageslicht sind die Aufnahmen der Hauptkamera noch ausreichend, Bildschärfe, Bilddynamik und Farbwiedergabe sind durchaus brauchbar. Bei Nacht oder generell bei schlechteren Lichtverhältnissen nimmt die Qualität aber rapide ab, da hilft auch ein Nachtmodus nicht mehr. Beim Weitwinkel sieht es noch schlechter aus.

Die Kamera ist nur für gelegentliche Schnappschüsse zu gebrauchen

Dessen Bildschärfe ist generell etwas niedriger, gleiches gilt für die Bilddynamik und die Gesamtqualität. Gerade zu den Rändern hin sinkt die Bildschärfe noch weiter ab, außerdem werden Farben und Kontraste schwächer dargestellt. Bei schwachem Licht sollten Nutzer den Weitwinkel lieber gleich ganz ignorieren. Die Frontkamera macht ausreichende Aufnahmen, die wie fast immer bei Frontkameras über schwache Bilddyanmik verfügen. Videos mit der Hauptkamera sind auf 1080p beschränkt. Wegen der außerdem auf 30 Bilder pro Sekunde limitierten Bildanzahl sinkt die Bildschärfe bei Schwenks noch weiter. Mangels ordentlicher Bildstabilisierung sind Videos nur mit sehr ruhiger Hand erträglich. Der Sound ist hingegen erstaunlich gut. Die Kamera des Nokia 3.4 ist eher für gelegentliche Schnappschüsse zu gebrauchen, ansonsten sind Bediengeschwindigkeit und Qualität nicht gut genug.

Alle Originalaufnahmen mit dem Nokia 3.4 (8 Bilder)

Mit dem Snapdragon 460 von Qualcomm baut HMD Global in das Nokia 3.4 einen vergleichsweise potenten Chipsatz ein, der gerade im Zusammenspiel mit der einfachen HD-Auflösung leichtes Spiel hat. Entsprechend ist die Bedienung im Alltag mit den eingebauten 3 GByte RAM meist schön flüssig, nur hin und wieder erlaubt sich das Smartphone eine kurze Gedenksekunde. Die rund 5500 Punkte im Benchmark PCmark Work 2.0 zeigen zwar, wohin die Reise geht und dass Interessenten keine Spitzenleistung erwarten sollten, selbst einfaches Gaming und auch der ein- oder andere 3D-Shooter ist mit reduzierter Grafik durchaus drin.

Ansonsten bietet das Nokia 3.4 eher einfache, aber im Alltag normalerweise ausreichende Standardkost: WLAN n, Bluetooth 4.2, GPS und ein auf der Rückseite positionierter, gut funktionierender Fingerabdrucksensor. Der Lautsprecher erfüllt seinen Zweck – mehr aber auch nicht. 32 oder sogar 64 GByte interner und erweiterbarer Speicher sind dabei in dieser Preisklasse durchaus eine Extraerwähnung wert, zumal die größere Speichervariante bei einigen Händlern sogar günstiger als die kleinere ist - merkwürdig. Außerdem sollten Interessenten darauf achten, welche SIM-Version angeboten wird,verfügbar sind Single- und Dual-SIM-Modelle.

Es wurde bereits angedeutet: Das Nokia 3.4 ist mit Android One ausgestattet und erhält daher als eines von in 2020 nur fünf Modellen das Updateversprechen von 2 Jahren für Versions- und 3 Jahren für Sicherheits-Updates. Die anderen 4 Modelle haben wir in unserer Top 5 der besten Android-One-Smartphones zusammengefasst. Da solche Smartphones ohne Modifikationen der Hersteller auskommen und entsprechend nicht über das, was Google als Vanilla-Android bezeichnet, hinaus gehen, gibt es zur Nutzeroberfläche nichts zu sagen – kennt mein eines der One-Smartphones, kennt man alle. Auffällig allerdings: Obwohl Android 11 schon länger vorgestellt wurde kommt das Nokia 3.4 noch mit Android 10 zum Kunden.

Dank 4000-mAh-Akku und gemäßigtem Stromverbrauch zeigte sich das Nokia 3.4 im Test ziemlich ausdauernd. Stolze 11,5 Stunden hielt das Modell im Battery Test von PCmark durch, das ist ein recht strammer Wert. Je nach Nutzung sind damit zwei oder drei Tage ohne Nachladen drin – ein ordentliches Ergebnis. Sonderlich schnell lädt das Gerät allerdings nicht auf, erst nach guten 1,5 Stunden ist der Akku wieder voll.

Die UVP für das Nokia 3.4 fängt in der kleinen Speichervariante bei 159 Euro an, zur Auswahl stehen 3/32 und 3/64 GByte in Blau, Schwarz und Lila.

Wer ein einfaches, ehrliches Smartphone zum günstigen Tarif sucht, der wird beim Nokia 3.4 durchaus fündig. Die Leistung ist für die Preisklasse ordentlich, der Speicher überraschend groß und dank Android One ist die Nutzeroberfläche nicht überladen und Updates gibt es über einen vergleichsweise langen Zeitraum. Leistung und niedrigen Preis erkauft HMD aber zum Teil durch eine recht niedrige Display-Auflösung und auch die Kamera ist eher eine echte schön-Wetter-Knipse. Wer ein paar Euro mehr auf den Tisch legt, bekommt inzwischen deutlich mehr Technik geboten, hier lohnt ein Blick auf Modelle wie das Realme 7 (Testbericht) oder das Xiaomi Poco X3 NFC (Testbericht).

Einloggen, um Kommentare zu schreiben