TechStage
Logo Qwant

Ein Angebot von

Nokia 1: 99-Euro-Handy mit Android Go im Test

13
von  //  Twitter Google+

Für den schmalen Geldbeutel hat HMD Global ein Handy auf den Markt gebracht, dass schlicht auf den Namen Nokia 1 getauft wurde. Es läuft mit Android Go, ansonsten aber Hardware aus der Steinzeit. Ob das Smartphone trotzdem einen Blick wert ist, zeigt unser Test.

Rein optisch ist das Nokia 1 ein schickes Handy. Rund um das Display zieht sich ebenso wie um die Kamera mit LED-Blitz auf der Rückseite ein schmaler, weißer Rahmen. Power-Button und Lautstärkewippe unseres blauen Test-Gerätes sind ebenfalls weiß und stechen wie die Kamera optisch heraus. Auf der Rückseite ist mittig das Nokia-Logo, in der unteren rechten Ecke der Lautsprecher angebracht.

Bild: Techstage Ganz schick, das günstige Nokia-Handy.

Die Rückseite des Telefons ist abnehmbar und austauschbar: Nokia bietet optional sogenannte Xpress-on Covers in verschiedenen Farben zum Austausch an. Erhältlich sind diese zum aktuellen Zeitpunkt jedoch noch nicht. Hinter der rückseitigen Abdeckung stecken zwei SIM- und ein MicroSD-Karten-Slot, außerdem der wechselbare Akku. Unten am Gerät sitzt ein Micro-USB-Anschluss zum Aufladen und Datenaustausch. Die Abmessungen des Nokia 1 betragen 133,6 × 67,8 × 9,5 mm bei einem Gewicht von 131 g.

Während uns das Handy optisch gefällt und angenehm in der Hand liegt, merkt man dem Nokia 1 den kleinen Preis bei der Haptik deutlich an. Uns kam im Test der Vergleich mit einem Spielzeugtelefon in den Sinn – der verwendete Kunststoff wirkt doch recht billig. Positiv ist hingehen noch die IP52-Zertifizierung, diese steht für Schutz vor Tropfwasser.

Die Specs des Nokia 1 klingen alles andere als berauschend: Der Quadcore-Prozessor von Mediatek (MT6737M) taktet mit maximale 1,1 GHz, der Arbeitsspeicher ist nur 1 GByte groß. Auch der interne Speicher ist mit gerademal 8 GByte (!) sehr klein. Dem Nutzer stehen nach dem ersten Start nur knapp 5 GByte zur Verfügung. Zum Nachrüsten von Speicher hat das Handy einen MicroSD-Karten-Slot. Wer Musik speichern oder größere Apps installieren will, sollte in eine Speicherkarte investieren. Empfehlenswerte Karten stellen wir im Artikel Welche microSD-Karte für Android? vor. Im mobilen Internet unterstützt das Nokia 1 LTE der Kategorie 4 mit bis zu 150 Mbit/s im Downstream, ins WLAN geht es per 802.11 b, g und n. Neben GPS gehört noch Bluetooth in Version 4.2 zu den technischen Spezifikationen. Die Kapazität des austauschbaren Akkus beträgt 2150 mAh.

Bild: Techstage Für ein so günstiges Gerät kann sich das Display sehen lassen.

Das 4,5 Zoll große IPS-Display hat eine Fwvga-Auflösung, das entspricht 854 × 480 Pixel. Bei der geringen Bildschirmdiagonale genügt dies für ausreichend scharfe Darstellung von Inhalten. Die Farbwiedergabe des Panels gefällt uns und auch die Blickwinkelstabilität ist gut – überraschend, bei dem niedrigen Preis. Für den Außeneinsatz bei hellen Lichtverhältnissen dürfte der Bildschirm allerdings etwas weniger spiegeln. Neben der aktuellen Software ist der Bildschirm das größte Plus des Nokia 1.

Neben einer Hauptkamera mit einer Auflösung von 5 Megapixel plus LED-Blitz hat das Nokia 1 auf der Vorderseite eine 2-Megapixel-Selfie-Cam. Unsere Erwartungen waren gemessen an den Specs und angesichts des Preises des Handys gering – und wurden übertroffen. Zumindest bei sehr guten Lichtverhältnissen gelingen richtig brauchbare Bilder mit beiden Knipsen. Bei schlechten Lichtverhältnissen kann das Nokia 1 dann aber auch so richtig üble Ergebnisse abzuliefern.

Bild: Techstage Unter der abnehmbaren Rückseite verbergen sind ein austauschbarer Akku, zwei SIM-Karten-Schächte und ein microSD-Karten-Slot.

Mit dem schwachen Prozessor und dem kleinen Arbeitsspeicher gelingt dem Nokia 1 keine wirklich zufriedenstellende Performance. Da hilft auch das speziell auf schwache Systeme zugeschnittene Android-Go-Betriebssystem nichts. Während das System in Anwendungen, beim Surfen, beim Video schauen und auch bei einfachen Spielchen zumindest zeitweise flüssig läuft, gehören Denkpausen zur Tagesordnung. Prinzipiell lässt sich durchaus alles mit dem Gerät machen, was man von einem Smartphone erwartet – ob der immer wieder auftretenden Hänger kommt allerdings keine wirkliche Freude auf.

Die Akkulaufzeit des Nokia 1 ist zufriedenstellend. Wir kamen im Testzeitraum problemlos mit einer Ladung über den Tag, bei gemäßigter Nutzung sollten zwei Tage kein Problem darstellen. Das komplette Aufladen des austauschbaren Akkus nimmt knapp drei Stunden in Anspruch. Der auf der Rückseite des Smartphones untergebrachte Lautsprecher liefert nur einen dünnen und blechernen Sound ab. Die Sprachqualität beim Telefonieren ist hingegen auf beiden Seiten zufriedenstellend.

Bild: Techstage Android Go ist für Geräte mit schwacher Hardware optimiert.

Als Betriebssystem läuft auf dem Nokia 1 Android 8.1 Oreo in der „Go Edition“. Diese ist speziell für die Nutzung auf Telefonen mit schwacher Hardware ausgelegt und soll auf diesen für eine trotzdem noch brauchbare Performance sorgen. Dafür gibt es nicht nur das schon im Kern optimierte OS, sondern auch spezielle Go-Apps (beispielsweise Files Go, Gmail Go und Maps Go), die auf weniger Datenhunger ausgelegt sind und als Programme an sich verschlankt wurden.

Wie weiter oben in unserem Test beschrieben gelingt das im Fall des Nokia 1 nur bedingt, die Hardwareausstattung des Handys ist jedoch auch sehr schwach – vor allem was Prozessor und RAM angeht. Großes Plus des Betriebssystems: Der Nutzer bekommt neue Sicherheits-Patches und OS-Updates zeitnah auf das Telefon. Google gibt dabei eine Update-Garantie von zwei Jahren auf Updates und sogar drei Jahre auf die Patches.

Nokia 1

Blau

Nokia 1 Dual-SIM rot

Rot

Was kann man von einem 99-Euro-Smartphone erwarten? Im Falle des Nokia 1 bekommt der Käufer als größtes Plus die aktuellste Android-Version mit der Aussicht auf schnelle Updates auf neuere Versionen und Sicherheitspatches. Hardwareseitig kratzt das Telefon allerdings fast an der Schmerzgrenze.

Das schon deutlich besser ausgestattet Schwestermodell Nokia 3 (Testbericht) gibt es mittlerweile beispielsweise schon ab knapp 120 Euro, allerdings noch mit Android 7. Noch besser hat uns hingegen das Neffos X1 Lite (Testbericht) gefallen, das ab circa 110 Euro erhältlich und schon fast ein Mittelklasse-Smartphone ist.

Das Nokia 1 bekommt von uns keine Kaufempfehlung, im Gegenteil. Das Handy dürfte maximal interessant sein für diejenigen, die auf jeden Euro schauen müssen und denen eine aktuelle Software wichtiger ist als eine zufriedenstellende Performance.

Ähnliche Produkte im Test

Einloggen, um Kommentare zu schreiben

Anzeige