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Nokia 1.3: Billigheimer mit Update-Versprechen im Test

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Andere Hersteller liefern selbst bei teuren Smartphones nicht lange Updates aus, Nokia verspricht sogar Android 12 für sein neues 100-Euro-Modell 1.3.

Fragmentierung und generell das Update-Verhalten der Hersteller lastet nach wie vor auf Android wie ein Fluch. Zwar kommen immer mehr Hersteller auf die Idee, dass Kunden auch nach mehr als einem Jahr noch Updates für das zuvor ausgegebene Geld erwarten, sicher können sich Käufer aber nach wie vor nur bei Android-One-Smartphones und dem damit verbundenen Update-Versprechen von Google sein. Die besten Geräte mit Android One haben wir bereits zusammengestellt. Aber es gibt auch Ausnahmen. Nokia hat sich inzwischen längst einen Ruf als Hersteller erarbeitet, der seine Kunden auch bei relativ günstigen Modellen möglichst lange mit aktueller Software versorgt. Jetzt geht der Hersteller sogar noch einen Schritt weiter. Für das neue Nokia 1.3, das gerade einmal 109 Euro in der UVP kostet, gibt das Unternehmen Käufern jetzt sogar ein Update-Versprechen für die nächsten zwei Android-Versionen. Wer also jetzt das Billig-Smartphone kauft, bekommt erst Android 11 und in zwei Jahren Android 12. Lohnt sich das bei einem so günstigen Smartphone überhaupt?

Glas vorn und hinten, einen edlen Metallrahmen und ein randloses Display – all das bekommen Käufer des Nokia 1.3 nicht. Das wäre für eine UVP von 109 Euro zum Marktstart wohl auch etwas zu viel des Guten. Dennoch überraschte uns das günstige Smartphone im Test positiv. Natürlich ist der Rahmen rings um den Screen deutlich dicker als bei hochpreisigeren Modellen, er hält sich aber noch in Grenzen und das Modell verfügt sogar über eine moderne Notch. Außerdem stimmt die Verarbeitungsqualität. Die Rückseite besteht zwar nur aus mattem Kunststoff, der noch dazu in einem Schwung um die Seiten bis zum vorderen Display-Rahmen geht, das Material ist aber schön gerundet, sitzt bombenfest und spaltfrei und ist dank feiner Riffelung sogar noch halbwegs griffig. Und es lässt sich nicht eindrücken – ein Umstand, der Smartphones ansonsten immer etwas billig wirken lässt. Selbst bei moderaten Verwindungsversuchen gibt der Billigheimer keinen Mucks von sich, das haben wir schon bei deutlich teureren Modellen anders erlebt.

Alle Bilder vom Nokia 1.3 (10 Bilder)

Dank der rückseitigen Rundungen liegt das Modell gut in der Hand, zumal es mit vergleichsweise kleinem Display daherkommt und nur 155 Gramm wiegt. Etwas unschön ist der relativ scharfkantige Bereich im Übergang vom geraden und nicht gekrümmten Display zum Rahmen. Ihn berührt der Nutzer bei Wischgesten immer wieder. Außerdem stört etwas, was im Normalbetrieb und in puncto Verarbeitung noch positiv wirkte: Die Rückseite lässt sich zum Einlegen von SIM- und/oder Micro-SD-Karten entfernen, außerdem ist so auch ein einfacher Akkuwechsel möglich. Mangels Ansatzpunkt für Fingernägel und wegen des festen Haltes ist das Entfernen der Rückseite allerdings fummelig und gerät zum Kraftakt.

Der Touchscreen des Nokia 1.3 misst 5,7 Zoll und kommt trotz des sehr niedrigen Preises immerhin mit 720p-Auflösung daher. Erstaunlich gut ist die Blickwinkelstabilität, nur beim Blick von schräg oben gibt es eine nennenswerte Farbveränderung. Ansonsten ist die typische Abschattung überraschend schwach ausgeprägt und die Helligkeit fällt mit gemessenen knapp 400 cd/m² ebenfalls absolut befriedigend aus. Farben werden etwas blass dargestellt, gehen aber insgesamt in Ordnung. Alles in Allem überrascht das Display trotz des niedrigen Verkaufspreises mit solider Qualität.

Auch ein Hundert-Euro-Handy hat Kameras, im Falle des Nokia 1.3 sind das eine einzelne Linse mit 8 Megapixel und Autofokus auf der Rückseite und eine Frontkamera mit 5 Megapixel. Weitere Daten gibt Nokia nicht an, das ist aber auch überflüssig. Denn bei dem Preis dürfen Käufer schlichtweg keine gute Bildqualität erwarten. Entsprechend fallen Ergebnisse von Front- und Hauptkamera eher in die Rubrik „man kann erkennen, was drauf ist“, mehr aber auch nicht. So fehlt es Fotos an Bildschärfe, die Bilddynamik ist schnell überfordert, Bildrauschen ist auch bei hellem Tageslicht zu sehen, an Rändern und in den Ecken gibt es nur noch Pixelmatsch und bei der hohen Auslösezeit sollten sich der Nutzer vorher überlegen, ob er wirklich noch ein Foto machen möchte. Auch wenn letzteres natürlich nicht ganz ernst gemeint ist, sollten Interessenten am Nokia 1.3 besser keine Ansprüche an die Kamera stellen. Das zeigt auch die maximale Auflösung für Videos von 720p/30.

Originalaufnahmen des Nokia 1.3 (9 Bilder)

Der Qualcomm Snapdragon 215, der sich mit seinen vier CPU-Kernen und von 1 GByte RAM unterstützt mit der Darstellung von Inhalten abmüht, ist alles andere als ein Leistungsmonster. Insgesamt funktioniert eine halbwegs flüssige Nutzung nur, weil Nokia sich für das auf schwache Hardware spezialisierte Android 10 Go entschieden hat. Aber auch damit gönnt sich das Nokia 1.3 immer mal wieder die ein- oder andere Gedenksekunde, von direkter Bedienung kann nur gelegentlich die Rede sein. Das scheint vor allem am etwas knapp bemessenen Arbeitsspeicher zu liegen, Scrolling im Browser verläuft zumindest flüssig, sofern einmal alle Bildinhalte geladen sind.

Auch bei der restlichen Ausstattung sieht man den niedrigen Preis: 16 GByte interner Speicher mit Speichererweiterungsmöglichkeit, 3,5-Millimeter-Anschluss für Kopfhörer, Dual-SIM, WLAN n, Bluetooth 4.2, GPS mit Unterstützung von Glonass und BDS, Micro-USB sowie UKW-Radio sind in Anbetracht des Preises voll in Ordnung, aber weit von aktuellen Mittelklassegeräten entfernt. Immerhin gibt es trotz des niedrigen Preises LTE, außerdem verfügt das Gerät über einen dedizierten Assistant-Knopf auf der linken Seite, über den der Google Assistant direkt aufgerufen werden kann.

Ein echtes Highlight bietet Nokia erst bei der Software: Während andere Hersteller nicht einmal deutlich teurere Smartphones viel länger als ein Jahr mit Updates versorgen, verspricht Nokia-Lizenznehmer HMD-Global Käufern des Nokia 1.3 sogar 2 Jahre Updates. Das bedeutet im Klartext, dass selbst dieses 100-Euro-Handy noch Android 12 Go bekommen wird. Das ist mal eine Ansage, von der sich alle anderen Hersteller mal eine Scheibe abschneiden sollten!

Der Akku ist – heutzutage alles andere als normal – auch ohne Werkzeug wechselbar, sofern man sich wie eingangs angesprochen beim Versuch nicht die Finger(nägel) bricht. Er leistet 3000 mAh und hält auch mal zwei Tage, sofern nicht zu viel Nutzung vorliegt. Da Gaming für die meisten Spiele aber eh ausfällt, dürften das viele Nutzer tatsächlich erreichen. Nachladen geht nicht übermäßig schnell, eine voller Ladevorgang dauert rund 1,5 Stunden.

109 Euro verlangt Nokia für das 1.3, das ist nicht viel Geld für die gebotene Leistung. Weitere Ausstattungsvarianten gibt es nicht, als Farben stehen Cyan (Türkis), Sand (Beige) und Charcoal (Anthrazit) zur Verfügung.

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Nokia 1.3 Dual-SIM charcoal

Schwarz

Nokia 1.3 Dual-SIM sand

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Nokia 1.3 Dual-SIM cyan

Türkis

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Für 109 Euro dürfen Interessenten bei einem Smartphone nicht viel erwarten und wer sich daran hält, wird vom Nokia 1.3 positiv überrascht. Denn es bietet ein erstaunlich gutes Display samt moderner Notch, ist handlich und kommt mit Update-Versprechen auf Android 12 Go. Speicher gibt es nicht viel, die Bedienung ist wenn, dann erst nach Gedenksekunde flüssig und die Kamera erfüllt kaum mehr als Alibifunktion. Dennoch bietet das Nokia 1.3 alles, was ein Smartphone können muss – wenn man eben keine Ansprüche stellt.

Alle anderen sollten zu besseren, aber dadurch zwangsläufig auch teureren Smartphones greifen. Hilfreich bei der Suche sind etwa unsere Bestenliste: Top-10 der Smartphones bis 200 Euro, Top 10: Smartphones mit Android 10 bis 250 Euro oder unser Artikel Smartphones mit OLED bis 300 Euro.

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