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Nextbase DVR-Mirror im Test: Getarnte Dashcam

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Die Nextbase-Dashcam ist in einem Rückspielge verbaut. Wir haben sie getestet und verraten, was uns trotz gutem Konzept und ausgereifter Technik nicht gefällt.

Aus Sicht von Fahrer und Beifahrer sieht das Testgerät tatsächlich wie ein gewöhnlicher PKW-Rückspiegel aus. Lediglich die sieben Taster, unterhalb der Spiegelfläche, sind auffällig. Erst der Blick auf die Rückseite enttarnt die Dashcam. Auf der Fahrerseite sitzt die beweglich, etwas klobig wirkende, Kameralinse. Mittig sitzen fünf schwarze Saugnäpfe. Auch Mini-USB-Eingang, MicroSD-Karteneinschub, Reset-Taster und Mikrofon- und Lautsprecher-Öffnungen sind zu sehen. Vier Befestigungshaken für die Sicherung mit den Gummiringen sind ebenfalls vorhanden. Die Verarbeitung ist gut und der verwendete Kunststoff fühlt sich gut an.

Zum Lieferumfang gehören neben der Dashcam ein Mini-USB-Netzteil für den Zigarettenanzünder und eine Tüte mit verschieden Sicherungs-Gummiringen. Das USB-Kabel zur Stromversorgung ist mit 2 Metern länge ausreichend dimensioniert. Auch Warn-Sticker für die Fensterscheibe, ein USB-Kabel und eine CD mit Anleitung und Auswertungs-Software sind beigelegt.

Die Kamera auf der Rückseite wirkt klobig, funktioniert aber sehr gut.

Im direkten Größenvergleich fällt auf, dass die Spiegel-Kamera deutlich breiter ist als Standard-Rückspiegel. Die Außenmaße betragen 32 × 10 × 5 Zentimeter und das Gewicht liegt bei 294 Gramm.

Die Dashcam zeichnet Fahrten in Full-HD-Auflösung mit 30 Bildern pro Sekunde auf. Bei hohen Geschwindigkeiten stehen alternativ Aufnahmen mit 720p und 60fps zur Auswahl. Der Sichtwinkel beträgt ausreichende 140 Grad und die Blendenöffnung von f/1,8 verspricht eine hohe Lichtempfindlichkeit.

Zur Überprüfung des Kamerabildes und zur Steuerung der Dashcam verbirgt sich hinter der Spiegelfläche ein 4-Zoll-Bildschirm mit einer Auflösung von 800 × 480 Pixeln. Damit dieser nicht die Sicht nach Hinten einschränkt, ist er ganz links in der Spiegelfläche verbaut. Zieht man die Monitorfläche von der Gesamtbreite ab, bleibt etwa die Größe eines Standard-Rückspiegels. Darstellung und Ablesbarkeit sind gut und überzeugen auch an sehr sonnigen Tagen.

Die Verarbeitung ist hochwertig und die schwenkbare Kamera liefert ordentliche Bilder.

Zu den wichtigsten Ausstattungsmerkmalen zählen die Loop-Funktion, ein integrierter GPS-Empfänger, ein WLAN-Modul und ein Beschleunigungs-Sensor. Im Loop-Modus zeichnet der Rekorder solange ein bis drei-minütige Videoclips auf, bis die Speicherkarte voll ist. Anschließend überschreibt sie die ältesten Aufzeichnungen und erfüllt somit die rechtlichen Bedingungen in Sachen Datenschutz. Der Beschleunigungs-Sensor sorgt dafür, dass nicht versehentlich relevante Aufnahmen von Brems- oder Crash-Situationen überspielt werden. Er registriert extreme Verzögerung und Beschleunigung und verschiebt das entsprende Video in einen eigenen Ordner auf der Speicherkarte. Wer eine brenzlige Situation händisch schützen möchte, drückt während der Aufnahme auf den Protect-File-Taster. Im Parkzustand reagiert der Sensor ebenfalls und hilft so im Zweifel bei Parkremplern und Vandalismus. Zur Auswertung von Videos kann der Nutzer die Daten bequem per WLAN-Verbindung auf das eigene Smartphone übertragen. Um alle Daten inklusive der Positions- und Geschwindigkeitsdaten auszuwerten empfiehlt sich die Nutzung der beigelegten Software.

Um sich nicht vom Livebild auf dem Display ablenken zu lassen, besteht die Möglichkeit die aktuell gefahrene Geschwindigkeit anzuzeigen. Dieser Funktion ist nicht nur praktisch, sie sieht auch sehr cool aus. Auf der linken Seite des Spiegels erscheint das per GPS ermittelte Tempo – die Optik erinnert ein bisschen an ein Taxameter.

Das Bedienfeld ist vernünftig beschriftet und die Bedieung ist sehr intuitiv.

Der DVR-Spiegel wird mit den Saugnäpfen am Originalrückspiegel befestigt und anschließend mit den beiliegenden Gummiringen fest fixiert. Der linke Teil ragt dabei über den eigentliche Rückspiegel hinaus und ermöglicht einen freien Blick. Das Befestigen funktioniert mit wenigen Handgriffen und ist schnell erledigt. Allerdings ist es wichtig, die korrekte Größe der Gummiringe zu wählen. Sitzten sie zu straff, gehen sie kaputt. Sind sie zu groß, wackelt der ganze Spiegel.

Die Steuerung der Dashcam ist logisch und klappt auch ganz ohne Smartphone oder Bedienungsanleitung. Neben Einstellungen bezüglich der Helligkeit, Auflösung oder Länge der Video-Clips kann auch ein Schriftzug mit einem kurzen Text, beispielsweise dem eigenen Kennzeichen, in der Aufnahme eingeblendet werden. Auch das Deaktivieren des Mikrofons ist möglich.

Die Dashcam zeigt die per GPS ermittelte Geschwindigkeit.

Wirklich cool ist die integrierte Timelapse-Funktion. Diese zeichnet die Fahrten auf und gibt ein beschleunigtes Video aus. Das Ändern des Aufnahmeintervalls ist nicht möglich.

Wer die Dashcam einmal eingestellt hat, muss sich nicht weiter darum kümmern. Sobald die Zündung aktiviert wird, schaltet sie sich ein und beginnt mit der Aufzeichnung. Nach etwa einer Minute hört der auf dem Display sichtbare Schriftzug GPS auf zu blinken. Ab diesem Zeitpunkt zeichnet die Dashcam auch die GPS-Daten auf. Eine Minute später verdunkelt sich der Bildschirm und die Geschwindigkeitsanzeige erscheint.

Höhere Temperaturen im PKW steckt der DVR-Mirror problemlos weg. Trotz über 40 Grad im Fahrzeuginneren machte die Dashcam beim Test keine Probleme.

Die Bildqualität ist sehr gut und und kann mit den Dashcams von Garmin (Testbericht) und Rollei (Testbericht) mithalten. Zumindest bei 1080p und 30fps. Während die Rollei auch 60fps in Full-HD schafft, ist beim Modell von Nexbase bei 30 Bildern pro Sekunde schluss. Im Stadtverkehr ist das weniger relevant. Gerade bei hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn ist der Unterschied aber deutlich sichtbar.

Der Blickwinkel von 140 Grad ist ausreichend groß, um das ganze Geschehen vor der Windschutzscheibe aufzuzeichnen. Fahrzeuge auf annähernd selber Höhe sind allerdings nicht zu erkennen. Hier sind Modelle mit einem größeren FOV überlegen.

Die Aufzeichnungen bei Dunkelheit sind ausreichend detailreich und das Geschehen ist gut zu erkennen, allerdings nur im Lichtkegel der Scheinwerfer. Reflektierende Nummernschilder entgegenkommender Fahrzeuge sind nicht zu identifizieren.

Das große Manko der Spiegel-Kamera ist nicht die Bildqualität der Kamera oder des Monitors, sondern die des Spiegels. Aus irgendeinem Grund haben wir beim Test das Problem, dass das Spiegelbild leicht unscharf oder verzerrt erscheint. Der Effekt erinnert an den Blick in ein Aquarium, bei dem uns die Optik auch manchmal einen Streich zu spielen scheint. Bei den ersten Fahrten mit dem Spiegel bekommen wir regelrecht Kopfschmerzen beim Blick nach hinten. Nach dem Austausch der Befestigungsgummis gegen Kleinere-Ringe, sitzt die Dashcam wesentlich besser und der Effekt nimmt zumindest ein bisschen ab. Nach einigen Tagen mit dem DVR-Mirror haben sich unsere Augen zwar auf die Optik eingestellt, zufrieden sind wir trotzdem nicht.

Dashcam, Rekorder und Monitor sind gut, der Spiegel aber ein echter Flop. Obwohl uns das Gesamtkonzept sehr gut gefällt, können wir so keine Kaufempfehlung aussprechen.

Aufnahmequalität, Ausstattung und Bedienung der Dashcam sind überzeugend gut und würden den verhältnismäßig hohen Preis rechtfertigen. Allerdings soll die Kamera gleichzeitig den Rückspiegel ersetzen und das klappt nur mit einer vernünftigen Spiegel-Qualität.

Wer auf das interessante Rückspiegel-Design verzichten kann, sollte sich die GPS-Dashcams von Rollei (Testbericht) oder Garmin (Testbericht) ansehen. Wenn es keine Kamera mit GPS sein muss und es hauptsächlich um ein gutes Preis-Leistungsverhältnis geht, ist die Yi Dashcam (Testbericht) eine gut Wahl.

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