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Nest Hello im Test: Gute Klingel mit schwacher Ausstattung

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Die smarte Türklingel Nest Hello ersetzt komplette Systeme einschließlich Gong. Dafür kostet sie stolze 260 Euro. Ist das gerechtfertigt?

Wer günstig eine Video-Türklingel möchte, findet diverse Lösungen; darunter die ACME Doorbell (Testbericht) oder Eufy Video-Türklingel (Testbericht). Nicht jede dieser Türklingeln ist jedoch ein vollwertiger Ersatz für bestehende System: Beispielsweise klappt beim Modell von ACME nicht die Anbindung an den Haus-Gong. Beim Modell von Eufy ist die App unübersichtlich.

Die Google-Tochter Nest hat natürlich auch eine Lösung. Sie heißt Hello. Wir zeigen, was die Klingel kann und wo sie sich besonders gut schlägt.

Das „smart“ bei Türklingeln spricht für eine Integration in nachrüstbare Smart-Home-Systeme wie Amazon Alexa oder Google Assistant sowie Apple Homekit. Diese Lösungen erlauben das Aufnehmen von Personen vor der Tür per Kamera und das generelle Anzeigen des Eingangsbereiches auf einem Display im Haus oder unterwegs auf dem Smartphone. Auf diesem Wege kann man auch mit Menschen vor der Tür sprechen.

Das Konzept der Google Nest Hello geht noch einen Schritt weiter. Die Klingel merkt sich vertraute Gesichter und spielt automatisch generierte Nachrichten auf Wunsch ab. Erkennt sie dann etwa den Postboten, spielt sie auf Wunsch automatisch den Satz „Hallo, stellen Sie das Paket ab“. Zudem lässt sich die Klingel wie alle weiteren Nest-Produkte – also etwa eine Nest Cam IQ (Testbericht) – über die Nest-App am Smartphone oder einen Google-Home-Gerät wie Home Mini (Testbericht) oder Home Hub (Testbericht) steuern. Nachteil der Hello-Lösung: Sie funktioniert nur mit Googles Smart-Home-System sowie Amazon Alexa.

Besonderen Wert legt Google auch auf Kompatibilität zu bestehenden Gongs im Haus. Schließlich soll die Klingelanlage trotz Tablet & Co. in den meisten Fällen wahrscheinlich weiter funktionieren. Selbst Laien sollen die Klingel entsprechend einfach daran anschließen können. Das hat seinen Preis, gut 260 Euro kostet die Lösung von Nest. Selbst eine ähnlich professionelle Ring Doorbell 2 (Testbericht) liegt aktuell bei unter 100 Euro, eine vergleichbare Doorbell Pro bei 200 Euro.

Strom abschalten, alte Klingel ab, Drähte an die Nest Hello ran und fertig? Naja, fast. Zuerst sollte man sich die Nest-App herunterladen, um die Google-Lösung auch gleich mit dem Heimnetz zu verbinden.

Die Klingel selbst hat einen anderen Formfaktor als die meisten herkömmlichen Klingeln an Eingangstür oder Gartentor – sie ist länglich und geht kaum in die Breite. Das zwingt den Nutzer in aller Regel, die Stellen links und rechts der Klingel neu zu verputzen.

Nest Hello Setup im Detail (19 Bilder)

Nach Download der Nest-App und Registrierung mit Name, E-Mail-Adresse und Postleitzahl kann die Einrichtung der Klingel beginnen.

Im Anschluss muss die alte Verkabelung am Glockengehäuse entfernt werden, um den Nest-Empfänger anzubringen. Hierzu liefert die Nest-App eine ausführliche Erklärung mit Bild und Text – das gefällt uns sehr gut. Wer sich das nicht zutraut, kann alternativ direkt über die App einen Termin mit einem Installateur vereinbaren, der sich mit Nest-Produkten auskennt.

Ist das alles geschehen, schaltet man den Strom wieder ein und folgt den letzten Schritten der Einrichtung – in diesem Fall der Verbindung von Klingel und WLAN. Aber Achtung: Die Nest Hello verträgt keine großen Entfernungen. In unserem Testumfeld steht der Router gut 10 Meter und zwei massive Wände von der Klingel entfernt. Das sorgt für einen schlechten Empfang und häufige Aussetzer. Wer seinen Router also weit weg von der Klingel stehen hat oder die Hello gar am Gartentor anbringen will, braucht einen Repeater. Für Gärten haben wir im Beitrag: Outdoor-Repeater & Co. passende Modelle aufgeführt.

Nest Hello erkennt Personen vor der Tür und Geräusche in unmittelbarer Nähe – etwa zwei bis drei Meter in unserem Test. Diese Erkennung funktioniert einwandfrei und das, obwohl sie nur mit Software arbeitet und nicht etwa über Sensoren. Wer Mitteilungen dazu erhalten will, kann auswählen, ob das nur bei Geräuschen oder Personen geschehen soll. Zudem erlaubt Nest Hello eine komplette Deaktivierung für bis zu drei Stunden oder sogar komplett. Wenn man also wirklich keine Lust auf Besuch hat, ist das die Lösung.

Nest Hello im Detail (7 Bilder)

Nest Hello ist gut verarbeitet.

Klingelt jemand bei aktivierter Hello an der Türe, erscheint ein Anruf-Fenster auf Smartphone, Tablet oder Google-Gerät – je nachdem, wo die Nest-App verbunden ist. Dann hat man die Wahl zwischen drei Funktionen: Sprechen, Ignorieren oder Antworten. Letzteres funktioniert wie eine Art Anrufbeantworter und bietet vorgefertigte Sätze; beispielsweise „Wir sind gleich da“ oder „Es kann gerade keiner zur Tür kommen“. Das kann besonders praktisch sein, wenn man gerade auf dem Rückweg nachhause ist.

In den App-Einstellungen erlaubt Nest zudem die Einstellung von Videoqualität (max. HD), Nachtsichtmodus (an / aus / automatisch) Kamerafreigabe (Zugriff für Familienmitglieder) oder Statusleuchte an der Klingel selbst (an / aus). Wer noch mehr will, muss sich das Cloud-Abo Nest Aware kaufen. Dazu zählen Alarmbereiche, also bestimmte Zonen im Blickfeld der Kamera. Ein Ausschwärzen von nicht erwünschten Aufnahmebereichen ist jedoch nicht möglich. Somit darf die Nest Hello nur dort sein, wo sie keinen öffentlichen Raum filmt – dazu zählt auch das bereits erwähnte Gartentor mit Blick auf eine Straße beispielsweise.

Wie bei der Eufy Video-Türklingel (Testbericht) liefert die Nest Hello Aufnahmen im 4:3-Format. Das soll Personen vor der Kamera besser darstellen. Bei der Auflösung ist die Nest-Klingel allerdings deutlich schlechter als das Pendant von Eufy. Gerade einmal 1600 × 1200 Pixel bieten Videos. Das reicht, um alles zu erkennen, wirklich zeitgemäß ist es aber nicht. Der Betrachtungswinkel liegt bei 160 Grad, hier hat man sehr viel im Blick. Zum Vergleich: Das menschliche Auge erfasst einzeln rund 150 Grad.

Wenig Kontrast, kaum Schärfe – Aufnahmen mit der Nest Hello sind keine Augenfreude.

Nachtaufnahmen der Nest Hello sind ausreichend hell, um die direkte Umgebung der Kamera zu erkennen. Es fehlt hier aber an Details und Kontrast wie man auch auf unserem Beispielbild sieht. Wie bei Aufnahmen bei Tageslicht ist die Bildschärfe ungenügend.

Die Wiedergabe von Sprache ist klar und deutlich. Redet der Postbote also in die Kamera, vernimmt der Nutzer auf der anderen Seite gut, was der Zusteller will. Der Lautsprecher in der Nest-Klingel ist hingegen schwach. Verzerrte Stimmen und eine leise Wiedergabe machen es Postboten & Co. mitunter schwer, den Anweisungen des Nutzers zu folgen.

Hello zeichnet dauerhaft auf. Aufnahmen werden aber nur sichtbar, wenn etwas passiert – also etwa eine Bewegung vor der Tür. Der Vorteil: Videos eines Ereignisses decken den gesamten Zeitraum ab – selbst, wenn der Postbote 5 Minuten vor der Tür steht. Die letzten drei Stunden bleiben kostenfrei im Online-Speicher der Nest-App erhalten. Ein Download von Aufnahmen ist nicht möglich. Den, sowie zusätzlichen Speicher, gibt es erst bei Abschluss eines Abos. Für 5 Euro im Monat (50 Euro im Jahr) gibt es 30 Tage Videoverlauf, Bearbeiten und Teilen von Videos sowie das Festlegen von Alarmbereichen. Für 10 Euro im Monat (100 Euro im Jahr) gibt es Speicher für 60 Tage sowie 10 Tage Non-Stop-Aufnahmen. In beiden Abos ist die Abdeckung für sämtliche Nest-Geräte in einem Haushalt abgedeckt.

Wer also Klingel, Kamera & Co. von Nest hat, zahlt nur einmal für alles. Eine Sicherung der Aufnahmen auf einem lokalen Speichermedium ist nicht möglich, somit muss der Nutzer Nest beziehungsweise Google seine Daten anvertrauen (Link zur Datenschutzerklärung zu Nest). Dort werden sie laut Google im 128-bit-Verfahren verschlüsselt. Und wer will, kann sich online sämtliche gesammelte Daten von Google herunterladen (Link zum Anbieter).

Eigentlich macht Nest Hello alles richtig. Die Klingel ersetzt herkömmliche Modelle samt Anbindung an den Gong. Personen- und Geräuscherkennung funktionieren einwandfrei und die Funktionen der App – auch ohne kostenpflichtiges Cloud-Abo – reichen für den Einsatzzweck aus. Bei Ton- und Bildqualität müssen Nutzer aber deutlich Abstriche machen. Hier gibt es besseres wie etwa die Eufy Video-Türklingel (Testbericht) beweist – und das für weniger als die Hälfte des Geldes.

Wer eine Klingel für ein bestehendes Nest-Ökosystem sucht, wird mit Hello wohl trotzdem glücklich. Die Steuerung über Google Home und Smartphone ist angenehm einfach. Wer hingegen mehr Qualität für weniger Geld erwartet, sollte zu einem anderen Anbieter greifen.

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