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Nest Cam Outdoor im Test: Intelligente Überwachung mit Google

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Sie erkennt Menschen, schießt Nahaufnahmen und weiß, wann der Eigentümer zu Hause ist. Wir haben die Überwachungskamera Nest Cam Outdoor getestet.

Wenn Google etwas kann, dann ist es überwachen: Standorte, Suchverlauf, persönliche Vorlieben – Google weiß, was der Nutzer will oder sucht. Das gleiche Konzept kommt bei der Nest-Überwachungskamera zum Einsatz. Die smarte Cam ist so nutzerfreundlich, dass es schon fast beängstigend ist. Wer hier lieber auf weniger Überwachung bei ähnlichen Funktionen setzen möchte, findet bei der Abus Lichtkamera (Testbericht), der Blaupunkt Lampcam (Testbericht) oder der Ring Floodlight (Testbericht) gute Alternativen.

Im Lieferumfang sind die Kamera, das Netzteil sowie zwei Halterungen für die genannten Komponenten enthalten. Zudem wird noch eine optionale Magnethalterung für die Cam und diverse Kabelschellen, Schrauben und Dübel für eine saubere Installation mitgeliefert.Die Kamera selbst zeichnet Videos in HD-Auflösung – also 1280 × 720 Pixel – auf und erkennt über die integrierte Software – also nicht über physische Sensoren in der Kamera – Bewegungen und Geräusche.

Die Nest Cam Outdoor ist minimalistisch gehalten

Die Nest Cam Outdoor ist in wenigen Schritten eingerichtet. Zuerst wird die Nest-App benötigt. Die gibt es für Android und iOS kostenlos. Im Anschluss trägt der Nutzer die persönlichen Daten des Google-Kontos ein – falls noch keines vorhanden, muss entsprechend ein Neues angelegt werden – und ergänzt seine personenbezogenen Daten. Nest würde gerne wissen, wo der Anwender wohnt. Die Angaben sind bis auf die Postleitzahl alle freiwillig.

Im Anschluss bietet die App die Option, ein Nest-Produkt hinzuzufügen. Damit wird es Zeit die Outdoor-Kamera auszupacken. Wir empfehlen erst einmal nur die Kamera und das Netzteil herauszuholen. Die weiteren Komponenten zu Befestigung werden später wichtig. Also: Kamera und Netzteil verbinden und an den Strom anschließen. Im Anschluss geht es wieder zurück zur App. Mit einem Klick auf das Plus-Symbol und dann auf Nest Outdoor Cam gelangt der Anwender ins nächste Menü. Hier wird man gebeten den QR-Code auf der Unterseite der Kamera mit seinem Smartphone zu scannen. Dann verbindet sich die Cam mit dem Smartphone und möchte das Passwort des heimischen WLANs wissen. Haben diese Schritte alle geklappt, ist die Kamera direkt einsatzbereit.

Die Nest wird wahlweise magnetisch an einen metallischen Gegenstand geheftet oder mit Schrauben und Dübel an der Hauswand befestigt. Der Vorteil bei Nest gegenüber Modellen wie etwa von Abus oder Blaupunkt: Es werden keine Schablonen benötigt, denn die Halterungen benötigen nur eine Schraube. Ist die angebracht – einmal für die Kamera und einmal für das Netzteil – werden die Komponenten drangeklippt und festgedreht beziehungsweise ausgerichtet. Die Klipps halten stabil, ein muskulöser Einbrecher hat aber dennoch kein Problem, die Kamera von der Halterung zu reißen.

So minimalistisch die Nest Cam aussieht, so gering ist auch der Umfang der verbauten Hardware. Statt auf teure Sensoren setzt Nest beziehungsweise Google auf die Leistung seiner Software. Bedeutet: Menschen, Geräusche und Nachtsicht werden vollständig digital erfasst. Über eine Alarmsirene oder einen LED-Scheinwerfer verfügt die Nest-Kamera ebenfalls nicht. Hier haben die eingangs angesprochenen Modelle wie Blaupunkt Lampcam (Testbericht), Abus Lichtkamera (Testbericht) oder Ring Floodlight (Testbericht) mehr zu bieten.

Die HD-Aufnahmen der Nest sind nicht zeitgemäß

Das Kameramodul der Nest nimmt HD-Aufnahmen auf, der Betrachtungswinkel liegt bei 130 Grad. Wenn man die Kamera entsprechend auf den empfohlenen 2,5 bis 3 Metern Höhe anbringt, hat man ganze Räume oder Gärten fast vollständig im Blick. Die Kamera der Nest bietet gegenüber anderen Cams, die wir getestet haben, noch einen Vorteil: Anwender können in Live-Aufnahmen und Aufzeichnungen reinzoomen. Das Ganze ist in HD, man kann aber Details – gerade etwa bei Nacht – etwas deutlicher erkennen.

In der App konfigurieren Anwender individuelle Feinheiten. Mit der Einstellung Zuhause/Abwesend erlaubt man Nest etwa das eigene Smartphone zu tracken. Sobald die Kamera registriert, dass das Smartphone in Ihrer Nähe ist, schaltet sie die Alarmfunktion aus. Ist die Personenwarnung aktiviert, erkennt die Nest-Kamera nur noch Menschen, aber keine Haustiere oder etwa Bäume im Wind. Ansonsten legen Anwender in der App noch Alarmbereiche fest, wann Benachrichtigungen auf das Smartphone gesendet werden (etwa nur bei Geräuschen oder bei Bewegungen) und welche Bereiche von der Erkennung ausgenommen werden sollen – etwa der Garten der Nachbarn oder die angrenzende Straße. Zudem verbindet sich die Nest-Cam mit Google-Assistent-Systemen, um beispielsweise Benachrichtigungen der Kamera über einen Home-Speaker abzuspielen.

Die Tonqualität der Nest Cam Outdoor ist gut bis sehr gut. Die Cam zeichnet Außengeräusche klar hörbar über das integrierte Mikrofon auf, der Lautsprecher der Kamera gibt die eigene Stimme ohne Verzerrung und verständlich wieder.

Bei Tag und Nacht kann man in einzelne Aufnahmen reinzoomen. So erkennt man im Zweifelsfall Details eines Vorfalls

Das übertragene Bild der Kamera ist, trotz HD-Auflösung, ausreichend scharf – Details erkennt man sowohl im Live-Stream wie auch in den Aufzeichnungen. Dennoch gibt es für einen Preis von gut 200 Euro schon Überwachungskamera mit besserer Auflösung. Hier hätte Google bei der Nest Cam Outdoor, die seit 2016 auf dem Markt ist und mehrmals als Refresh auf den Markt gekommen ist, gerne mal ein Full-HD-Update bei der Hardware liefern können.

Alles ist bei Nest in der Cloud. Aufnahmen werden in der Nest-App gespeichert und unterliegen der Datenschutzerklärung von Google zufolge dem Privacy Shield-Abkommen – eine informelle Abspreche zwischen den USA und der EU, dass das Datenschutzniveau der USA den Vorgaben der EU entsprechen sollte.

Wer die Cam ohne kostenpflichtiges Abo nutzt, hat seine Daten dennoch in der Cloud. Und der Anwender muss sich mit Aufzeichnungen der letzten drei Stunden zufriedengeben. Hier gibt es auch nur Screenshots und keine Video-Clips. Anwender, die hingegen den Service Nest Aware abonnieren, erhalten einen deutlich besseren Service. Ab 5 Euro im Monat wird der Videoverlauf der letzten fünf Tage vollständig aufgezeichnet, Alarmbereiche festgelegt und die Personenerkennung freigeschaltet. Zudem zeichnet die Kamera bei Bewegung oder Geräusch den kompletten Zeitraum des Vorfalls auf. Wenn beispielsweise eine Person im Blickfeld der Kamera zwei Minuten sichtbar ist, dann zeichnet die Kamera zwei Minuten lang auf. Wenn ein Postbote hingegen nur 10 Sekunden lang das Paket an der Pforte abstellt, dann speichert die Kamera 10 Sekunden Videomaterial. Das ist ein toller Service, kostet aber monatlich Geld. Für 10 Euro im Monat erhält der Anwender die Videos der letzten zehn Tage in der Cloud, für 30 Euro die Videos der letzten 30 Tage.

Die App funktioniert aber nicht immer fehlerfrei. Innerhalb unseres Tests gab es in nur vier Stunden drei Ausfälle der App. Zweimal ist die App abgestürzt, einmal mussten wir uns sogar komplett neu anmelden.

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Die Nest Cam Outdoor hat uns im Test in erster Linie durch die komfortable Einrichtung, das minimalistische Design und die simple Installation überzeugt. Die Kamera setzt dennoch auf alte Hardware, Aufnahmen in HD, und verfügt über keine Sensoren, sondern nur softwarebasierte Gesichts- und Geräuscherkennung. Im Alltag merkt man das nicht, dennoch hat hier Nest einfach Geld gespart. Auch auf eine LED-Beleuchtung oder eine Sirene muss der Anwender bei Nest verzichten.

Der Cloud-Service von Google, Nest Aware, ist komfortabel und gleichzeitig ein Wermutstropfen. Denn ohne mindestens fünf Euro im Monat verzichten Anwender auf die eigentlichen Features der Kamera – Personenerkennung, 24-Stunden-Aufzeichnung und eine Speicherung der Aufnahmen für mindestens fünf Tage. Ohne Cloud-Abo ist die Nest Cam zwar nutzbar, aber wenig hilfreich. Hier empfehlen wir ganz klar die Ring Floodlight (Testbericht). Diese bietet für gut 20 Euro mehr deutlich mehr Service und Hardware.

Dennoch ist die Nest Cam ein solides Stück Hardware, das im Test – trotz der angesprochenen Einschränkungen – gut bis sehr gut funktioniert hat.

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