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Nest Cam IQ im Test: Outdoor-Kamera mit Personenerkennung

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Die smarte Outdoor-Kamera Nest Cam IQ verfolgt Menschen und filmt mit zwölffachem Zoom. Wir haben sie getestet.

Die Nest Cam Outdoor (Testbericht) hat uns gezeigt, dass sich die Google-Tochter Nest sich mit Überwachung auskennt. Die große Schwester Cam IQ für rund 330 Euro hat mehr Funktionen: Zwölffacher digitaler Zoom, Gesichterkennung und verschlüsselte Bildübertragung. Wir haben getestet, ob sich der Aufpreis von gut 140 Euro lohnt.

In der Verpackung der Nest Cam IQ finden sich Kamera, Netzteil und USB-C-Stromkabel mit üppigen 7,5 Metern Länge. Zusätzlich liegen hochwertige Schrauben und Dübel, Kabelklemmen, Inbusschlüssel sowie eine mehrsprachige Betriebsanleitung bei. Auf eine magnetische Wandbefestigung verzichtet Nest bei der IQ. Diese gibt es bei der Cam Outdoor kostenfrei hinzu. Mieter, die keine Löcher bohren wollen oder dürfen, haben hier das Nachsehen.

Die Nest-Kamera ist laut Herstellerangaben zwischen -40° bis 45°C einsetzbar und wetterfest (IP66-Zertifizierung). Eine Dusche unter dem Wasserhahn hat die Kamera in unserem Test jedenfalls unbeschadet überstanden.

Man könnte meinen, dass der äußere Kranz einen LED-Scheinwerfer enthält. Tut er aber nicht

Die Kamera selbst bringt 612 Gramm auf die Waage. Unter der Plastikverkleidung sitzt eine 8-Megapixel-Kamera mit Full-HD-Auflösung (1920 × 1080 Pixel). Die Nest IQ erfasst Aufnahmen in einem Winkel von 130 Grad und ist damit mit der Eufy Cam 2c (Testbericht) und der günstigeren Nest Cam Outdoor (Testbericht) vergleichbar. Um die Linse herum verbaut Nest drei Mikrofone, eine Status-LED und vier Infrarot-LEDs für die Nachtsicht. Auf der Unterseite der Kamera ist ein Lautsprecher verbaut, um mit potentiellen Einbrechern Kontakt aufzunehmen. LEDs und Mikrofone lassen sich manuell oder innerhalb eines Programmes an- und abschalten.

Auf der Hinterseite der Kamera hat Nest die Halterung mit 360-Grad-Schwenkkopf verbaut. Zudem überlässt Nest dem Anwender, ob er die Kamera mit einer Innen- oder Außensteckdose verkabelt, denn das Netzteil der IQ ist wasserfest.

Die Befestigung der Wandhalterung gelingt einfach. Zuerst wird die (zu Anfang geklebte) Wandplatte vom Kameramodul entfernt. Die Wandplatte hat vier Löcher zur Befestigung und dient als Bohrschablone. Bevor die Halterung an die Wand montiert wird, sollten sich Anwender allerdings überlegen, ob das Kabel der IQ-Kamera durch die Wand oder an der Außenseite verlegt werden soll. Für die Montage durch die Wand bietet die Wandplatte eine weitere Aussparung mit Silikonummantellung, um das Kabel hindurchzuziehen. Ansonsten besitzt die Wandplatte noch eine Aussparung an der Unterseite, durch die das Kabel ebenfalls verlegt werden kann.

Unser Tipp bei der Montage: Nur zwei Löcher diagonal bohren. Damit hat die Wandplatte genug Halt an der Wand und bietet zudem etwas Spielraum bei der Montage, falls die Löcher nicht ganz passen.

Nachdem die Platte fixiert ist, kommt die Kamera mitsamt Kabel dran – das Ganze wird einfach nur fest zusammengedrückt, bis die Kamera an der Halterung einrastet. Die Kamera hält bombenfest an der Wand – Grund ist ein Aluminiumring im Inneren, der einrastet. Nur der mitgelieferte Inbusschlüssels löst die Kamera wieder von der Platte. Hierzu hat die Kamera auf der oberen Kante ein entsprechendes Loch, in das der Schlüssel passt. Dreht man hier circa drei Millimeter gegen den Uhrzeigersinn, löst sich die Cam von der Wandhalterung.

Einmal zusammengesteckt, bekommt man Platte und Kamera nur noch mit Werkzeug auseinander

Die Aktivierung der Kamera erfolgt über die Nest App; sie ist kostenlos für Android und iOS. Die App fordert ein Konto. Name, E-Mail-Adresse und Postleitzahl sind Pflichtfelder. Weitere Angaben wie Straße und Hausnummer sind freiwillig.

Nach der Registrierung findet man in der App direkt die Option Gerät hinzuzufügen. Es erscheint eine Liste mit allen Nest-Produkten; darunter befindet sich auch die Nest Cam IQ. Im Anschluss wird der QR-Code auf der Unterseite der Cam mit dem Smartphone gescannt. Damit ist der Verbindungsaufbau zur Kamera abgeschlossen. In unserem Test dauerte der Prozess von Produktauswahl bis Scannen des Codes und Inbetriebnahme gut 30 Sekunden – Firmewareupdates wie etwa bei der Netatmo Presence (Testbericht) waren nicht nötig.

Unbekannte Personen dokumentiert die IQ. Wenn man die Menschen kennt, kann eine Freigabe erteilt werden

Das Menü der App bietet diverse Einstellungen für den täglichen Gebrauch: Mit Zuhause/Abwesend registriert die Kamera, wenn das Smartphone des Besitzers in der Nähe ist und schaltet sich ab. Die Funktion Programm ermöglicht die Scharfschaltung der Kamera zu bestimmten Tagen und Uhrzeiten. Mit Alarmbereiche legen Anwender fest, welche Bereiche erkannt werden sollen – ein komplettes Schwärzen von Bildteilen ist aber nicht möglich. Das ist bei der Montage in Hinblick auf die Privatsphäre von Nachbarn zu beachten.

Die Funktion Bekannte Gesichter lernt über die Zeit Personen, die sich häufig im Umfeld der Kamera befinden. Erlernte Gesichter erhalten über die App auch eine Freigabe, sodass Sie an der Kamera vorbeigehen, ohne einen Alarm auszulösen.

Weitere Menüpunkte konfiguieren Videoqualität, Bandbreite, Intensität der Nachtsicht, Statusleuchte, Mikrofon sowie eine Nachverfolgungsfunktion, die Personen dank des digitalen Zwölffachzooms in Nahaufnahme aufnimmt und ihnen folgt.

Eine Anbindung an die Sprachassistenten Google Assistant und Amazon Alexa ist möglich. Die Verbindung zu Apple Homekit funktioniert bisher noch nicht.

Die Nest Cam IQ bietet nicht viel mehr als die günstigere Schwester Nest Cam Outdoor (Testbericht). Größte Unterschiede sind eine automatische Personenverfolgung mit Nahaufnahme und eine eine hellere Nachtsichtbeleuchtung. Ansonsten verzichtet auch die IQ auf eine Sirene und ein Flutlicht. Wer so etwas braucht, findet diese Funktionen für gut das gleiche Geld kabellosen Kameras wie der EufyCam 2c (Testbericht) oder Ezviz C3A (Testbericht) sowie kabelgebundenen Modellen wie der Netatmo Presence (Testbericht).

Die Nest Cam IQ zeichnet Aufnahmen mit bis zu 1920 × 1080 Pixel auf – als Standard sind Aufnahmen mit 1280 × 720 Pixel eingestellt. Video-Clips bei Tag wirken matschig, es fehlt an Farbe. Die Aufnahmen reichen aber aus, um alle Details zu erkennen.

Aufnahmen bei Tageslicht sind scharf, aber farblos

Erfasst die IQ einen Vorfall, beispielsweise eine unbekannte Person, zeichnet sie die Situation in voller Länge auf. Hier ist es egal, ob ein Vorfall zehn Sekunden oder zwei Minuten dauert. Hilfreiches Feature: Die Nest-Kamera speichert Aufnahmen ab und fokussiert die gefilmte Person die ganze Zeit als Nahaufnahme mit Nachverfolgung. Sollten Besitzer der Kamera das gesamte Bild sehen wollen, zoomen sie einfach aus der Aufzeichnung heraus.

Nachtaufnahmen sind detailreich und gut ausgeleuchtet

Aufnahmen bei Nacht gelingen scharf und zeigen alle notwendigen Details. Die IQ leuchtet mit vier IR-LEDs den Einsatzort aus. Aufnahmefunktionen sind identisch zum Tagmodus. Ein Flutlicht besitzt die Nest-Kamera nicht.

Die IQ bietet nur alle Funktionen, wenn das kostenpflichtige Nest Aware Abo abgeschlossen ist. Für 10 Euro im Monat erhält der Anwender die Videos der letzten zehn Tage in der Cloud, für 30 Euro die Videos der letzten 30 Tage. Die Preise gelten pro Kamera, für jede weitere Cam gibt Nest 50 Prozent Rabatt. Ohne Abo bleiben die Daten der letzten 24 Stunden erhalten.

Verzichten Nutzer auf das Abo, fehlen Gesichtserkennung, 24/7-Aufzeichnung, Nahaufnahmen und Alarmbereiche in den Einstellungen – eigentlich alle Funktionen, die die IQ besonders machen.

Das ist schade, denn somit kann die Cam nur in vollem Umfang genutzt werden, wenn monatlich Geld ins Nest-Abo fließt. Hier ist noch ein weiterer Kritikpunkt aufzuführen: Google speichert alle Daten in der Cloud. Dies geschieht zwar verschlüsselt (128-bit, AES), die Nest-App bietet aber keine Option zur lokalen Speicherung.

Günstigste Angebote für Nest Cam IQ Outdoor

Alle Preise inkl. MwSt. und ggf. zuzüglich Versandkosten. Details zu den Angeboten auf der jeweiligen Webseite.

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Die Nest Cam IQ ist ein hochwertiges Produkt und hervorragend verarbeitet. Die versprochenen Funktionen laufen einwandfrei, die Gesichtserkennung ist präzise und die Kamera nimmt bei Bedarf ununterbrochen auf. Dennoch hat die IQ-Kamera eine Schwäche, den Cloud-Dienst Nest Aware. Dieser kostet nicht nur monatlich Geld, sondern macht erst die ganzen intelligenten Funktionen der IQ möglich.

Somit können wir die Cam eigentlich nur Nutzern empfehlen, die bereits auf das Google- beziehungsweise Nest-Ökosystem setzen. Für User, die auf eine kostenpflichtige Cloud verzichten, akkubetriebene oder fest verbaute Kameras suchen, gibt es noch andere Optionen. Wir haben etwa die akkubetriebene Eufy Cam 2c (Testbericht) oder auch fest verbaute Lösungen wie die Netatmo Presence (Testbericht), Blaupunkt Lampcam (Testbericht) oder Abus Lichtkamera (Testbericht) getestet.

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