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Neato Botvac D4 Connected im Test: Künstlich beschnitten

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Saugroboter sollen Arbeit abnehmen und bieten dafür immer mehr Technik auf. Der D4 Connected hat aber nicht einmal eine Seitenbürste – taugt er trotzdem was?

Neato Robotics ist ein US-Unternehmen, das unter anderem Technik für den erfolgreichen Kobold VR200 von Vorwerk (Testbericht) lieferte. Im Jahr 2017 kaufte Vorwerk Neato zwar vollständig auf, dennoch operiert das Unternehmen weiterhin eigenständig und brachte unter anderem die Connected-Serie auf den Markt, zu der auch das hier getestete D4-Modell gehört.

Die Älteren Neato-Modelle kamen in Weiß mit buntem Laser-Turm nach Hause, die Connencted-Modelle der jüngeren Zeit in unauffälligem Schwarz. Das ist auch beim vergleichsweise günstigen Botvac D4 Connected nicht anders. Das ganz aus Kunststoff bestehende Gehäuse wirkt insgesamt ausreichend hochwertig, zumal alle Spaltmaße gleichmäßig ausfallen. Auffällig im Vergleich zu den runden Robotern vieler anderer Hersteller ist die Gehäuseform, die in der Draufsicht an den ausgefüllten Buchstaben D erinnert. Damit kommt der Bot zumindest in der Theorie besser in Raumecken als bei runder Bauform – ob das klappt, klären wir später. Auffällig ist das Fehlen einer Seitenbürste. So gut wie jedes Konkurrenzprodukt kommt mit diesem Merkmal.

Wenig Bedienelemente

Auf der Oberseite befindet sich im hinteren Bereich des Gerätes ein flaches Türmchen, das einen rotierenden Laser beinhaltet, mit dessen Hilfe sich der Saubroboter im Raum orientiert. Vor dem Turm befindet sich die Öffnungsklappe für Zugang zum Schmutzbehälter. Im Gegensatz zu anderen Herstellern gibt die Klappe nicht nur Zugang zum Behälter frei, sondern ist gleichzeitig dessen Bestandteil. Noch weiter vorn auf der Oberseite befinden sich zwei Statuslampen für Fehlermeldungen und Ladezustand des Akkus, daneben die einzige Steuerungstaste des Roboters. Ein Display oder sonstige Anzeigen fehlen.

Kurz hinter dem Frontbumper platziert der Hersteller auf der rechten Seite einen Sensor zum Erkennen seitlicher Hindernisse. Auf der Rückseite wird die eingesaugte Luft wieder durch ein Gitter ausgestoßen. Im Lieferumfang befinden sich außer Kabel und Ladestation nur ein Ersatzfilter für den Schmutzbehälter und eine Kurzanleitung.

Neben dem bereits angesprochenen Lidar-System, das sich im kleinen Türmchen im hinteren Bereich auf dem Roboter befindet, verlässt sich der Botvac D4 Connected unter anderem auf einen seitlichen Sensor auf der rechten Seite. Mit seiner Hilfe navigiert der Bot um Ecken und fährt präzise an Wänden entlang. Der vordere Bumper sorgt als finale Sicherung. Zwar vermisst der Roboter seine Umgebung mittels des Lasers millimetergenau, dennoch fährt er immer noch leicht gegen Hindernisse, um möglichst nahe an ihnen reinigen zu können. Der Bumper lässt sich nicht nur frontal, sondern auch zu den Seiten hin leicht einschieben, was jeweils den Kontakt eines Mikroschalters schließt. So gesehen ist der Frontbumper drei Sensoren in einem. Direkt darunter befinden sich zudem an den äußeren Enden zwei Sensoren, die ein Abstürzen des Bots an Treppenabsätzen verhindern sollen. Im gegensatz zu teureren Modellen des Herstellers verfügt der Laser-Turm nicht noch einmal über zusätzliche Sensoren, wodurch sich der Roboter damit unter entsprechend niedrigen Möbeln festfahren kann.

Genaue Navigaion dank Laser-im Türmchen

Neben der Orientierung im Raum mittels Kamera setzen die meisten Hersteller von Saugrobotern inzwischen auf Laser-Navigation. Warum das so ist, zeigt der Neato Botvac D4 Connected im Test eindrucksvoll: Er erkennt auch kleine und dünnen Hindernisse zuverlässig, navigiert optimal und nah an ihnen entlang und fährt nach dem ersten Abfahren der Randbereiche perfekte, überlappende Bahnen im Innenbereich von Räumen. Das Anfahren von Hindernissen mittels des Frontbumpers geschieht dabei so sachte, dass niemand Angst um seine Möbel haben muss. Auf Wunsch lässt sich in der App zudem die „Schon-Navigation“ aktivieren, bei der der Roboter seine Umgebung – abgesehen vom Boden selbst natürlich - gar nicht mehr berührt. Festgefahren hat sich das D4 Connected im Test unverschuldet gar nicht, hier steht er seinen teureren Geschwistermodellen Botvac D5 Connected (Testbericht) und Botvac D7 Connected (Testbericht) in nichts nach.

Der Staubbehälter wird zusammen mit der oberen Abdeckung des Roboters herausgenommen. Dabei sollten Nutzer aufpassen, keinen eingesammelten Schmutz aus der kleinen Öffnung wieder zu verstreuen, durch die er in den Behälter gelangt ist. Das eigentliche Entleeren des Inhalts geschieht über den Papierfilter mit Kunststoffrahmen, der dazu entnommen werden muss. Dieser Vorgang funktioniert besser, als beim kürzlich getesteten Anker Eufy Robovac L70 (Testbericht), ein kleiner Teil des Schmutzes geht aber auch beim Neato-Modell gern mal daneben.

Das Entleeren des Schmutzbehälters ist nicht schlecht, aber auch nicht optimal gelöst

Zum Starten der Reinigung reicht entweder ein Druck auf die einzige Bedientaste auf der Oberseite des Gerätes, ein Klick in der App oder ein Sprachbefehl an Amazon Echo oder Google Home. Weitere Steuerungsoptionen sind eine Apple Watch, der Neato Chatbot for Facebook und der beliebte Dienst IFTTT.

Der Akku des Neato Botvac D4 Connected ist vergleichsweise schwach dimensioniert. Er hält nach Herstellerangaben maximal 75 Minuten durch, das gilt aber nur im Eco-Modus. Im Test stellte sich eher eine Zeit von 50 bis 60 Minuten als realistisch heraus. Danach fährt der Roboter allerdings wieder zuverlässig zur Ladestation und reinigt anschließend dort weiter, wo er aufgehört hat. Mit etwa 1 Quadratmeter pro Minute ist der Neato-Bot nicht gerade schnell.

Die Neato-App ist insgesamt leicht verständlich aufgebaut, auch wenn die verschiedenen Optionen des Roboters etwas verteilt erscheinen. Vor dem ersten Start müssen Neu-Nutzer lediglich den einzelnen Schritten zum Verbinden von App, Roboter und WLAN folgen, nach wenigen Minuten ist das abgehakt. Anschließend landen sie auf dem Hauptbildschirm, auf dem der Status des Roboters samt Ladezustand des Akkus angezeigt wird. Das typische Hamburger-Menü mit den drei übereinander liegenden Linien erlaubt Zugriff auf die Zeitplanerstellung, in der minutiös Pläne für die ganze Woche inklusive Einstellung des Reinigungsmodus (Eco oder Turbo) erstellt werden dürfen. Außerdem gibt es hier Hilfe bei Fragen, Zugang zum Neato-Shop und Zugriff auf Account-Einstellungen. Hier finden Nutzer auch eine der wichtigsten Funktion im Alltagsbetrieb: Den Grundriss der Reinigungsfläche und die Möglichkeit, No-Go-Linien zu erstellen. Damit lassen sich mit nur einer Fingerbewegung Zugangsbeschränkungen zu einzelnen Räumen festlegen, ohne etwa die entsprechende Tür schließen zu müssen. Die typischen Magnetbänder, die älteren Neato-Modellen zu diesem Zweck dienten, funktionieren zusätzlich.

Über das Roboter-Symbol oben rechts auf dem Hauptbildschirm ist Zugriff auf direkte Roboterfunktionen möglich. Hier darf der Nutzer die bei Neato immer schon etwas nervigen Piepslaute abschalten, die der Roboter als Warnung oder Hinweis von sich gibt. Außerdem lassen sich hier Warnintervall zum Leeren des Schmutzbehälters, des Filters oder der Bürste einstellen. Unten rechts gibt es dann noch Optionen, in denen sich der Saugmodus von Eco auf Turbo umstellen und die Schon-Navigation aktivieren lässt. Zudem finden sich hier Einstellungsmöglichkeiten für die größe des Bereichs einer Spot-Reinigung von 2 × 2 auf 4 × 4 Meter.

Neben der hervorragenden Navigation des Neato Botvac D4 Connected gefiel uns im Test auch die Reinigungsleistung des Roboters gut. Hier gibt es zwar noch bessere Vertreter der Gattung Staubsaugerroboter, doch im Alltag hält der D4 Connected eine Wohnung bei regelmäßiger Fahrt ausreichend sauber. Das funktioniert dank seiner Bürste, die zur Hälfte aus Borsten und zur anderen Hälfte aus Gummilamellen besteht, auch bei Tierhaaren auf Teppich ausreichend gut. Ein Wechsel in den Turbomodus bringt dabei außer einer Anhebung des Geräuschpegels kaum etwas. Ähnliches hatten wir auch schon beim Eufy Robovac L70 Hybrid (Testbericht) festgestellt, der aber insgesamt leiser als der Neato-Roboter war. Das gilt für die reine Sauglautstärke, aber auch für die Bewegungen des Roboters.

Denn der Neato-Bot verfügt hinten über zwei ungefederte Hartplastik-Rollen, auf denen das halbe Gewicht des Bots liegt. Damit rumpelt der Sauger auf harten Untergründen deutlich vernehmbar über Unebenheiten wie Fugen, das klingt alles andere als hochwertig. Nicht gefallen hat uns beim D4 Connected von Neato zudem die Reinigungsleistung nah an Hindernissen und Wänden. Der Roboter verfügt zwar wegen seiner Bauform über eine breitere Bürste als die meisten runden Bots, aber die kommt natürlich auch nicht ganz bis an den Rand des Gehäuses. Mangels seitlicher Bürste bleibt an den Rändern immer ein kleiner Bereich, in dem der Roboter keinen Schmutz aufnehmen kann. Die Einsparung der Seitenbürste erscheint als reines Instrument zur Differenzierung zu den technisch kaum anders aufgebauten, aber teureren Modelle des Herstellers. Das erscheint aus ökonomischen Gründen von Herstellerseite aus nachvollziehbar, aus Käufersicht hingegen ganz und gar nicht.

Im Vergleich zu den höherpreisigen Modellen von Neato, aber auch zu Konkurrenzprodukten, fehlen uns abgesehen von der Seitenbürste auch einige Software-Funktionen beim D4 Connected. Eine Zonenreinigung per Software, die Speicherung mehrere Grundrisse, das Fernsteuern des Robos und eine Suche des Gerätes, wenn es sich irgendwo festgefahren hat, ist nicht möglich. Auch die Spot-Reinigungsfunktion erscheint etwas zu simpel. Sie wird immer dann ausgeführt, wenn der D4 Connected nicht von der Ladestation aus startet. No-Go-Linien sind dann inaktiv. Die Spot-Funktion wird entweder dann in Kraft gesetzt, wenn sich der Roboter längere Zeit unbemerkt festgefahren hat und er dann wieder aktiviert wird oder wenn der Nutzer ihn händisch irgendwo anders hinstellt. Das ist zur Spot-Reinigung zwingend nötig – eine entsprechende Anweisung per Software ist nicht möglich.

Die Hauptbürste ist breit, zur ordentlichen Randreinigung fehlt aber eine Seitenbürste

Übrigens: Der Roboter verlangt beim ersten Reinigungsvorgang einen „Rundgang“ zum Erstellen der Karte. Zwar saugt er dabei auch sofort, das geschieht aber im Schon-Modus, der noch mehr Abstand zu Hindernissen und entsprechend mehr Schmutz an Rändern übrig lässt. Alles, was bei diesem ersten Kartografieren – etwa wegen geschlossener Türen – nicht erfasst werden kann, wird auch später nicht „nacherfasst“. Setzt man den D4 Connected dann manuell in ein zuvor unzugängliches Zimmer, beschwert er sich, weil er sich außerhalb seiner erstellten Karte befindet. Wer solche Bereiche dann vom Roboter reinigen lassen will, kommt um die Neuerstellung des kompletten Grundrisses nicht herum.

Zum Testzeitpunkt kostete der D4 Connected als zweitgünstigstes Modell der Reihe noch 369 Euro. Andere Ausstattungsvarianten gibt es nicht.

Neato Robotics BotVac D4 Connected

Neato Robotics Connected Series Ladestation (945-0261)

Ladestation

Neato Robotics Zubehör (verschiedene Ausführungen)

Filter

Die Navigation des Neato Botvac D4 Connected ist wie bei seinen teureren Geschwistern von Neato vorbildlich. Festfahren außer durch Fremdverschulden in Form von herumliegenden Kabeln oder anderen kleinen Gegenständen kennt das Modell nicht. Auch die Reinigungsleistung ist ordentlich, auch wenn das manche teureren Modelle noch besser machen. So recht zufrieden waren wir insgesamt dennoch nicht. Die Software-Einschränkungen im Vergleich zu den hochpreisigeren Neato-Modellen und vor allem das Weglassen der Seitenbürste wirken auf uns wie eine erzwungene Maßnahme zur Differenzierung der Geräte untereinander. Oder um es anders zu sagen: Der D4 wurde zu sehr beschnitten, um den vermeintlich hochwertigeren Modellen des Herstellers nicht das Wasser abzugraben.

Alternativen sind Neato Botvac D5 Connected (Testbericht), Roborock S5 Robot Vacuum Cleaner (Testbericht) oder der Eufy Robovac L70 Hybrid (Testbericht), der zusätzlich sogar wischen kann.

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