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NAS-Alternative FritzBox: Was kann der Netzwerkspeicher?

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AVM-Nutzer haben mit FritzNAS einen kostenlosen Netzwerkspeicher in der Fritzbox integriert. Wir testen, ob die Gratis-Lösung mit echten NAS-Systemen mithalten kann.

Neben unseren Tests zu 2-Bay-NAS-Systemen gibt es für Sparfüchse mit geringen Anforderungen noch eine Alternative: Aktuelle Fritzboxen von AVM bringen mit FritzNAS einen integrierten Netzwerkspeicher. Ein großer USB-Stick oder eine externe Festplatte reichen, um mit Bordmitteln ein rudimentäres NAS-System aufzusetzen.

Einfach, billig, aber wenig Funktionen: Ein USB-Stick reicht, um aktuellen Fritzbox-Routern in eine rudimentäre NAS zu verwandeln.

Alle aktuellen AVM-Router verfügen über FritzNAS. Einen Unterschied gibt es allerdings im Hinblick auf die maximal erreichbare Übertragungsgeschwindigkeit des angeschlossenen Speichers: USB-3.0-Anschlüsse bieten lediglich die Top-Modelle mit integriertem Modem für den Internetempfang via DSL (Fritzbox 3490, 7490, 7580, 7590) und Glasfaser (Fritzbox 5490) sowie die Fritzbox 4040 ohne Modem. Alle anderen Modelle, auch die von Internetanbietern unter einem eignen Namen angebotenen, schaffen im Zweifel nur USB 2.0.

Der theoretische Datendurchsatz des langsameren Standards liegt bei 60 MByte/s (480 MBit/s), in der Praxis erreichen Geräte davon allerdings maximal 25-30 MByte/s. Zum Vergleich: USB 3.0 erlaubt bis zu 5 GBit/s. Die Praxis sieht allerdings anders aus. Bei großen Speicher-Sticks kamen im c’t Test nur wenige Geräte über 100 Mbyte/s Schreibgeschwindigkeit hinaus. Das ist wenig tragisch, denn der limitierende Faktor ist das Netzwerk, gerade im WLAN liegt die Funkgeschwindigkeit oft unter dem eigentlichen Durchsatz zum Speichermedium.

Für den Test entschieden wir uns für eine SSD, die eine 256 GByte große Toshiba Q300 Pro mit MLC-Flash sowie für das Gehäuse Transcend StoreJet 25CK3. Das mag überdimensioniert sein, stellt aber sicher, dass das Speichermedium im Leistungstest nicht der Flaschenhals ist.

Wer eine entsprechend günstige Festplatte sucht, hier sind die vier externe 2,5-Zoll-Festplatten, die keine eigene Stromversorgung benötigen und das beste Preis-pro-TByte-Verhältnis bieten:

Maxtor M3 Portable  4TB, USB 3.0 Micro-B (HX-M401TCB/GM)

Maxtor M4, 4TByte

Western Digital WD Elements SE  4TB, USB-A 3.0 (WDBJRT0040BBK)

WD Elements, 4 TByte

Intenso Memory Case schwarz  4TB, USB 3.0 Micro-B (6021512)

Intenso Memory Case, 4 TByte

Seagate Backup Plus Portable Drive blau  5TB, USB 3.0 Micro-B (STDR5000202)

Seagate Backup Plus, 5 TByte

Seagate Expansion Portable [2015]  4TB, USB 3.0 Micro-B (STEA4000400)

Seagate Expansion Plus, 4 TByte

Die Einrichtung des Speichers funktioniert komplett über die Administrationsoberfläche der Fritzbox. Der Router bietet an, das Laufwerk entsprechend zu formatieren, falls das noch nicht geschehen ist. Zur Wahl stehen dabei die Dateisysteme FAT32, NTFS und EXT3. Im Test nutzen wir NTFS, da FAT32 keine großen Dateien über 4 GByte verarbeiten kann.

Nach der Formatierung erkennt die Fritzbox den Speicher sofort für die NAS-Funktion. Dabei wird automatisch das SMB-Protokoll für die Netzwerkfreigabe unter Windows aktiviert. Zugriff über FTP benötigen wir für den Test nicht, also wird auch kein Haken in der entsprechenden Checkbox gesetzt. Abschließend ist noch ein Klick auf die Schaltfläche nicht erstellt unter Datei-Index nötig, um die Speicherindexierung abzuschließen. Für die volle Geschwindigkeit ersetzen wir unter Heimnetz/USB-Geräte/USB-Einstellungen den werksseitig eingestellten Green Mode (stromsparender USB-2.0-Betrieb) durch den schnelleren Power Mode mit USB-3.0-Unterstützung.

Kurz gesagt: Die Funktionen sind rudimentär. Für viele Anwender reicht es aber, einfach Speicher im Netzwerk bereitzustellen. Die AVM-Lösung streamt Filme und Musik auf das Smartphone oder andere Geräte, so lange diese bzw. die darauf verwendete Software UPnP AV unterstützen. Die Möglichkeiten sind noch nicht einmal auf das lokale Netzwerk beschränkt, FritzNAS bringt eine eigene Cloud-Funktion mit. Da nur ein Speichermedium zum Einsatz kommt, sind RAID-Verfahren nicht möglich. Wichtige Daten sollten also tunlichst noch an einer anderen Stelle gesichert sein.

Die Daten können lokal im Netzwerk oder über MyFritz abgerufen werden.

Dank SMB ist es möglich, Dateien direkt aus dem jeweiligen Dateimanger aus zu übertragen. Alternativ klappt das auch über das Webinterface, dank HTML5 ist sogar ein Drag & Drop vom Desktop aus möglich.

Multimediadaten liefert FritzNAS auch über den eigenen UPnP-Server aus. Kompatible Geräte können Inhalte direkt streamen. Im Test klappte das gut unter Windows und auf dem Smartphone. Allerdings fehlt eine Transcoding-Funktion, so dass die Videoauflösung beim Streamen übers Mobilfunknetz nicht reduziert wird.

Alle Daten stellt die Fritzbox im Internet auf Wunsch als „private Cloud“ bereit, der Zugang läuft über den MyFritz-Dienst von AVM. Dieser richtet eine Weiterleitung aus dem Internet auf den eigenen Router ein. Über die entsprechende URL oder die MyFritz-App erreicht Ihr eure Daten. Zusätzlich integriert die Lösung externe Cloud-Speicher. Von Hause aus umfasst diese Möglichkeit allerdings nur die entsprechenden Lösungen einiger hiesiger Internetanbieter. Zusätzliche Anbieter müssen den webDAV-Standard unterstützen,um kompatibel zu sein.

Für den Geschwindigkeitstest haben wir unser Testlaufwerk als NTFS, FAT32 und EXT3 formatiert und anschließend durch unseren klassischen Netzwerkbenchmark geschickt. Wie bei der Synology DS216j (Testbericht), der WD My Cloud Home Duo (Testbericht) und der Buffalo Linkstation 520 (Testbericht) haben wir mehre Durchläufe mit unterschiedlichen Datenarten übertragen: Wir schreiben und lesen 2000 jeweils 128 KByte große Dateien mit zufälligem Inhalt, die von der Größe her in etwa einem längeren Word-Dokument ohne Bilder entsprechen. Der nächste Durchlauf verwendet 600 je 2,5 MByte große Dateien, die etwa den Umfang einer Musikdatei oder eines Fotos in mittlerer Qualität haben. Zusätzlich verwenden wir eine einzelne, 7,94 GByte große ISO-Datei. Einzige Ausnahme: Aufgrund der Beschränkungen von FAT32 nutzten wir für diesen Test eine 3,5 GByte große ISO.

Dabei muss sich zeigen, wie stark das getestete Laufwerk an das Maximum der Gigabit-Ethernet-Anbindung herankommt. Theoretisch sind bis zu 125 MByte/s möglich, in der Praxis liegt der Wert erfahrungsgemäß deutlich unter 120 MByte/s. Zusätzlich haben wir die FTP-Funktion mit den gleichen Dateien getestet, hier gab es allerdings Probleme mit den kleineren Dateien, deren Ursprung wir nicht nachvollziehen konnten. Deswegen hier nur die Daten für die ISO-Datei. Im Alltag raten wir zum Einbinden des Laufwerks per SMB.

FritzNAS Leistung
SMB: NTFS SMB: FAT32 SMB: EXT3 FTP: NTFS
2000x 128-KByte-Dateien: Lesen 10,4 MB/s 9,5 MB/s 13,8 MB/s
2000x 128-KByte-Dateien: Schreiben 3,3 MB/s 2,8 MB/s 3,8 MB/s
600x 2,5-MByte-Dateien: Lesen 48,5 MB/s 48,0 MB/s 52,6 MB/s
600x 2,5-MByte-Dateien: Schreiben 17,1 MB/s 16,1 MB/s 17,2 MB/s
1x 7,94-GByte-Datei: Lesen 58,5 MB/s 59,0 MB/s * 62,8 MB/s 97,4 MB/s (Peak: 97,5 MB/s)
1x 7,94-GByte-Datei: Schreiben 20,9 MB/s 19,8 MB/s * 20,3 MB/s 34,7 MB/s (Peak: 36,5 MB/S)
Gemischter Ordner (9,53 GByte): Lesen 05:33 min 06:05 min 04:46 min
Gemischter Ordner (9,53 GByte): Schreiben 17:10 min 20:07 min 15:53 min
* = Nur 3,5 GByte ISO

Die Schreibleistung von FritzNAS liegt erwartungsgemäß hinter der Performance spezieller NAS-Geräte. Das zeigt sich insbesondere bei sequenziellen Schreibvorgängen. Mit um 20 MByte/s schreibt die kostenlose Lösung von AVM mit einem Fünftel der Geschwindigkeit eine Synology DiskStation DS216j (Testbericht). Für viele Heim-Einsatzbereiche reicht der Durchsatz allerdings aus und ermöglicht sogar das problemlose Streamen unterschiedlich kodierter 4k-Videoinhalte auf einen PC oder ein mobiles Endgerät. Allerdings sollten dann nicht mehrere Nutzer gleichzeitig auf den Netzwerkspeicher zugreifen.

Der Test fand mit der Beta-Firmware in der Version 06.98-50795 für die AVM Fritzbox 7590 ZI statt. Dabei muss man die Werte mit etwas Vorsicht genießen: Die letzte finale Firmwareversion ging noch mit schlechteren NTFS-Übertragungswerten einher, mit der kommenden, offiziellen Firmware wird das aber auch für weniger experimentierfreudige Anwender behoben.

Zum Thema Stromverbrauch und Lautstärke gibt es nicht viel zu sagen: Während die Geräuschentwicklung allein vom Typ des über USB angeschlossenen Speichers abhängt, lässt sich der zusätzliche Stromverbrauch der NAS-Funktion des Routers nicht isoliert messen. Die Fritzbox 7590 ZI wird mit einem 12-Volt-Netzteil mit 2.5 Ampere ausgeliefert. Das reicht also für eine Maximalleistung von 30 Watt, in der Regel liegt der Verbrauch des Routers deutlich darunter.

AVM FRITZ!Box 7490 (20002584/20002585)

Fritzbox 7490 (VDSL)

AVM FRITZ!Box 4040 (20002763)

Fritzbox 4040

AVM FRITZ!Box 7590 (20002784)

Fritzbox 7590 (VDSL)

AVM FRITZ!Box 5490

Fritzbox 5490 (Glasfaser)

AVM FRITZ!Box 6590 Cable (20002781)

Fritzbox 6590 (Kabel)

Die FritzNAS-Lösung ist deutlich langsamer als alle anderen getesteten Netzwerkspeicher. Sie reicht aber dennoch für einzelne Anwender oder wenn es nur darum geht, Dateien für ein paar Geräte schnell zur Verfügung zu stellen. Sie ist ungeschlagen beim Preis – wer bereits eine Fritzbox hat, muss nur noch einen USB-Speicher anstecken.

Der Funktionsumfang konzentriert sich auf das Nötigste, somit ist FritzNAS kein Konkurrent für eine mehrere hundert Euro teure, eigenständige NAS-Lösung. Es gibt keine speziellen Multimedia- und Backupfunktionen, keine Dateiverschlüsselung und keine zusätzlichen Softwarekataloge, mittels derer sich die Funktionalität erweitern lässt. Dafür ist ist der Speicher problemlos von außen via Smartphone oder über PCs erreichbar, es gibt grundlegende Funktionen für eine rudimentäre Zugriffsverwaltung und die Möglichkeit, eine zusätzliche Cloud-Umgebung zu integrieren.

Alles in allem handelt es sich also bei diesem Gratis-Feature für Fritzbox-Besitzer um eine gelungene Möglichkeit, den Einstieg in die Welt der Netzwerkspeicher zu wagen – wer keine spezifischen Zusatzansprüche hat, wird mit dem gebotenen Funktionsumfang auch langfristig glücklich.

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