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Mytier im Test: Der Panzer unter den E-Scootern

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Tier verkauft seine generalüberholte Flotte an Privatkunden. Für 700 Euro bietet der E-Scooter gute Bremsen, großen Akku und sicheres Fahrgefühl. Im Test gefällt uns aber nicht alles.

Sieht man einen der zahlreichen E-Scooter in deutschen Städten herumstehen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um einen Tier handelt. Denn der Sharing-Anbieter ist einer der größten Europas, seine Flotte steht in fast jeder deutschen Großstadt. Welcher tatsächlich der Beste ist, verraten wir im Beitrag Lime,Tier, Voi & Circ: Wer ist der beste E-Scooter-Verleih?

Nun tauscht Tier seine alte Flotte aus und ersetzt sie durch Modelle mit wechselbarem Akku. E-Scooter mit fixem Akku, die nicht länger als vier Monate im Einsatz waren, generalüberholt das Unternehmen und verkauft sie an Privatkunden. Das ergibt Sinn, schließlich gründete und leitete der aktuelle Geschäftsführer von Tier Rebuy, einen Online-Händler für gebrauchte. Aber lohnt sich nun der Kauf eines neuen alten Tier-Scooters oder kauft man 23 Kilogramm Altmetall? Dieser Frage geht der Test des Mytier auf den Grund. Alle Einzeltests und noch viel mehr finden sich auf unserer Themenseite zu E-Scootern.

Der Mytier E-Scooter kommt in einer riesigen Verpackung. Kein Wunder, schließlich hat er keinen Klappmechanismus, steht also in voller Größe im Karton. Der fehlende Klappmechanismus ist Fluch und Segen zugleich. So ist Mytier deutlich weniger mobil, passt zum Beispiel kaum in normale Autos. Wo man andere E-Scooter zusammengeklappt an der Lenkstange problemlos ein paar Meter oder ein paar Stufen tragen kann, schleppt sich der Mytier so angenehm wie ein Sack Zement.

Vorteil der starren Lenkstange: Der Mytier ist robust wie ein Stahlträger. Muss er auch sein, wenn man bedenkt, dass er ursprünglich als Sharing-Lastenesel konzipiert wurde. Bei anderen E-Scootern, wie zum Beispiel beim an sich guten Trekstor EG3178 (Testbericht), entpuppte sich der Klappmechanismus als Achillesferse.

Mytier: Der E-Scooter von Tier im Test (18 Bilder)

Der Lenker fühlt sich sehr wertig an. Seine Griffe sind für einen besseren Halt leicht gummiert, die Klingel auf der linken Seite voll integriert. Der Gashebel rechts besitzt einen angenehmen Abstand zur Hand und einen sehr guten Druckpunkt. So ermüdet auch bei längeren Fahrten der Daumen kaum. Links und rechts sitzen die Bremshebel für die zwei mechanischen Bremsen.

Das minimalistische Display sitzt versenkt in der Lenkstange mittig unter dem Lenker. Minimalistisch, da es lediglich die Akkuladung in vier Schritten und die Geschwindigkeit mit einer Nachkommastelle anzeigt. Knöpfe jeglicher Art sucht man am Mytier vergeblich. Das Frontlicht leuchtet hell und sitzt weit oben direkt unter dem Lenker. Es schaltet sich genauso wie das Rücklicht automatisch mit dem E-Scooter ein und aus.

Auf der linken Seite befindet sich der sehr gute Ständer. Das Einklappen ist jedoch derart laut, dass einige empfindlichere Redaktionskollegen im Bürostuhl zusammenzuckten. Das knallende Geräusch könnte man sicher mit etwa Moosgummi abmildern.

Bei Mytier handelt es sich wie oben geschrieben um ein generalüberholtes Modell. Entsprechend befinden sich an unserem Modell leichte Gebrauchsspuren. Eine Schraube an der Front ist durch, die bekommt man wohl nur noch mit Spezialwerkzeug auf.

Das Display ist klein. Hier im Bild scheint es zu spiegeln, bei der Nutzung war es jedoch stets gut ablesbar.

Bei allen bisher von uns getesteten E-Scootern drückte man zum Starten einen Knopf. Nicht so beim Mytier. Hier müssen sich Nutzer zunächst die bisher ausschließlich für den Sharing-Service nutzbare Tier-App auf ihr Smartphone laden und registrieren. Dort findet man im Menü ganz unten den neuen Punkt Mytier öffnen. Nun sucht die App automatisch Mytier-E-Scooter in der Nähe und verbindet sich nach der einmaligen Eingabe eines Passworts mit ihnen. Das geht auf Wunsch auch mit mehreren Nutzern. Auf die gleiche Art sperrt man Mytier auch ab. Wer also sein Smartphone nicht dabei hat oder der Akku leer hat, kann Mytier weder aktivieren noch deaktivieren.

Der Mytier-Bereich der Tier-App könnte minimalistischer kaum sein. Es gibt einen Button Aufschließen und einen Button Abschließen – mehr nicht. Nicht mal das Abfragen der Gesamtkilometer ist möglich. Hier hätten wir uns doch deutlich mehr erhofft. Abgesperrt aktiviert sich automatisch die Motorbremse. Das ist zwar kein effektiver Diebstahlschutz, allerdings ist Schieben so nicht mehr möglich und das Tragen des E-Scooter-Panzers ist wirklich kein Spaß. Wir hätten uns gewünscht, dass Mytier den GPS-Sensor des E-Scooters nutzt, damit Nutzer zum Beispiel einen geklauten Mytier orten können. Stattdessen entschied man sich dafür, die generalüberholte Flotte per Software im Funktionsumfang zu kastrieren. Als Grund nennt Tier den Datenschutz.

Das Trittbrett ist groß und trägt Personen bis 100 Kilogramm.

Das komfortable, gummierte Trittbrett ist 48 Zentimeter lang, 15,5 Zentimeter breit und trägt Personen bis 100 Kilogramm. In Kombination mit der fixen 116 Zentimeter hohen Lenkstange gehört der Mytier zu den E-Scootern mit dem angenehmsten Fahrgefühl. Der Lenkeinschlag ist vergleichsweise gering. Das stört beim Schieben des E-Rollers, nicht aber beim Fahren.

Die Federung soll die festen Hartgummireifen abfangen.

Die 9,5-Zoll-Reifen bestehen aus Vollgummi ohne Schlauch. Dadurch sind sie sofort einsatzbereit und pannensicher. Allerdings federn sie Unebenheiten kaum ab und übertragen jede Bodenwelle direkt an E-Scooter und Fahrer. Um das abzumildern, setzt Mytier auf eine Federung des Vorderrads. Trotzdem rollt es sich höchst unangenehm über Schotter, kleine Bordsteine und Kopfsteinpflaster. Kein Vergleich mit perfekt ausgleichenden Luftgummireifen wie sie beim Metz Moover (Testbericht) zum Einsatz kommen.

Nach dem manuellen Anrollen reagiert der Motor auf den Gaszug. Er gehört jedoch nicht zu den stärksten, auch wenn Tier einen Spitzenwert von 700 Watt angibt. Wie bei allen E-Scootern mit Straßenzulassung regelt der Motor bei 20 km/h ab.

Die mechanischen Bremsen greifen gut.

Der Mytier hat am Vorder- und am Hinterrad je eine mechanische Bremse, die über zwei Handgriffe auslösen. Außerdem schaltet sich die Motorbremse automatisch hinzu. Bei unserem Bremstest benötigte der Mytier 2,5 Meter für eine Bremsung von 20 auf 0 km/h. Das ist ein sehr anständiger Wert, gerade wenn man bedenkt, dass die harten Vollgummireifen deutlich schlechter greifen als klassische Luftreifen.

Der 461-Wh-Akku transportiert Fahrer je nach Gewicht, Strecke, Wetter und Geschwindigkeit laut Tier zwischen 25 und 40 Kilometer weit. Das ist verglichen mit anderen E-Scootern ein sehr guter Wert. Das mitgelieferte Netzteil schafft bei 4 Ampere stolze 168 Watt. Bei der Power ist es auch größer als wir es von anderen E-Tretrollern gewohnt sind. Es benötigt etwa 2,5 Stunden, um einen leeren Akku wieder vollzupumpen.

Tier verkauft den Mytier auf der eigenen Website für 699 Euro. Im Preis inbegriffen ist eine 12-monatige Gewährleistung und ein schwarzer Helm mit Mytier-Aufdruck, der zwar ganz cool ausschaut, aber nicht wirklich bequem ist. Außerdem gibt es mit der Versandbestätigung einen Gutscheincode für die Versicherung bis Februar 2021.

Der Mytier ist in den wichtigen Kategorien baugleich mit dem SXT Max, der neu knapp 1200 Euro kostet. In der Preisregion um die 700 Euro gibt es zum Mytier viele Alternativen. Wir empfehlen zum Beispiel den Trekstor EG3178 (Testbericht), den man im Gegensatz zum Mytier auch zusammengeklappt in den Kofferraum seines Autos bekommt. Wer etwas mehr investieren will, schaut sich den Metz Moover (Testbericht) an. Er ist der kompletteste E-Scooter und leistet sich so gut wie keine Schwächen.

SXT MAX eKFV Version Elektro-Roller (ESCMX)

SXT Max

TrekStor EG 3178 Elektro-Roller

TrekStor EG 3178

Metz moover Elektro-Roller schwarz

Metz moover schwarz

Metz moover Elektro-Roller rot

Metz moover rot

Metz moover Elektro-Roller grau

Metz moover grau

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Der Mytier ist unser Preis-Leistungs-Tipp. Für knapp 700 Euro bekommen Käufer einen massiven E-Scooter, der geradezu unkaputtbar wirkt. Alles ist perfekt integriert, die Bremsen greifen hervorragend. Der Motor ist nicht der stärkste, aber absolut ausreichend. Überhaupt ist das Fahrgefühl richtig gut. Die Reifen kommen ohne Luft aus. Dadurch sind sie pannensicher, allerdings rutschen sie eher weg und geben Unebenheiten deutlich spürbar an E-Roller und Fahrer weiter. Toll finden wir, dass Helm und ein Gutschein für die Versicherung gleich beiliegen.

Genervt sind wir vom App-Zwang. Denn nur mit App kann man Mytier auf- und zusperren. Auch zeigt das Display zu wenig an und überhaupt wirkt er verglichen mit den Sharing-Tiers abgespeckt. So gibt es keine Möglichkeit die Gesamtkilometerzahl zu sehen und auch der Zugriff auf die Ortsdaten des GPS-Moduls wären prima gewesen. Ein K.O.-Kriterium wird für einige der fehlende Klappmechanismus sein. So passt er nur in wirklich sehr große Autos und auch das Tragen des 23-Kilo-E-Scooters erweist sich aufklappt als schwierig.

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Alle Einzeltests und noch viel mehr finden sich auf unserer Themenseite zu E-Scootern.

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