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Motorola One im Test: Android-One-Smartphone mit Notch

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Das Motorola One ist ein Mittelklasse-Smartphone mit schickem Design und Android One als Betriebssystem. Ob und für wen sich der Kauf lohnt, haben wir getestet.

Smartphones mit dünnen Rändern und einer Einkerbung im Display erreichen langsam aber sicher die Mittelklasse. Vor gut einem Jahr kamen mit dem Essential PH-1 oder dem iPhone X (Testbericht) erste Vertreter dieser Designlinie in nahezu randloser Optik nur in der Oberklasse auf den Markt – für viel Geld. Neben dem Honor 8X (Testbericht) von Huawei bietet nun auch Lenovo mit dem Motorola One ein solches Gerät an.

Auch die Rückseite ist aus Glas
Auch die Rückseite ist aus Glas

Sowohl die Front als auch der Rücken des Motorola One sind aus widerstandsfähigem Glas gefertigt. In der Mitte sitzt ein Rahmen aus Metall, der beide Schalen miteinander verbindet und zugleich für die nötige Stabilität sorgt. Das Smartphone ist hochwertig verarbeitet und lässt keine Wünsche offen: Alle Übergänge sind sauber und akkurat, störende und ungenaue Spaltmaße gibt es nicht. Im Großen und Ganzen liegt das Motorola One angenehm in der Hand, auch wenn der Übergang links und rechts vom Display-Glas zum Rahmen etwas kantig und hart wirkt.

Motorola One
Motorola One

Das gegen Spritzwasser geschützte Gehäuse hat auf der rechten Seite eine Ein- und Ausschaltetaste und eine Wippe zum Regulieren der Lautstärke. Die Tasten sind gut erreichbar und haben einen angenehmen und spürbaren Druckpunkt. Der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite arbeitet schnell und zuverlässig.

Der im Motorola One verbaute Qualcomm Snapdragon 625 arbeitet mit einer Taktfrequenz zwischen 652 und 2016 MHz. Dem Achtkern-Prozessor stehen 4 GByte RAM zur Seite. Obwohl die CPU nicht mehr ganz so aktuell ist und schon vor zwei Jahren vorgestellt wurde, läuft das System schnell, flüssig und ohne Verzögerungen. In den gängigen Bewertungssystemen, wie beispielsweise dem Antutu Benchmark, schlägt sich das Motorola One hervorragend. Verglichen mit Smartphones aus der gleichen Kategorie wie dem Galaxy A6 (Testbericht) ist es bis zu 30 Prozent schneller. Detaillierte 3D-Spiele oder Virtual-Reality-Inhalte (VR) bringen das Lenovo-Smartphone allerdings an seinen Grenzen. Die Wiedergabe von aufwendiger Grafik läuft mit sechs Bildern pro Sekunde; das ist alles andere als flüssig.

Abgerundetes Glasgehäuse des Motorola One
Abgerundetes Glasgehäuse des Motorola One

Der Speicher des Motorola One ist 64 GByte groß. Dem Nutzer stehen davon etwa 46 GByte für seine Daten zur Verfügung. Das entspricht einem Anteil von 72,5 Prozent, das ist durchschnittlich in dieser Preisklasse. Wem der Speicher dennoch zu wenig ist, der setzt eine Micro-SD-Karte ein. Parallel dazu lässt sich auch eine zweite Nano-SIM-Karte einlegen. Der Nutzer muss sich nicht entscheiden, ob er Dual-SIM möchte oder die Speichererweiterung. Welche Speicherkarte die beste für Android ist, haben wir ausführlich getestet: Kaufberatung & Test: Welche Micro-SD-Karte für Android?

Dual-SIM mit Speichererweiterung
Dual-SIM mit Speichererweiterung

Ein optisches Highlight des Motorola One ist der Bildschirm mit seinen vier abgerundeten Ecken. Die Anzeige im schlanken Seitenverhältnis von 2,1:1 hat eine Einkerbung (alias Notch) in der oberen Mitte. Darin sitzen unter anderem Hörmuschel, Frontkamera und Foto-LED. Der Rahmen um die Anzeige ist links, rechts sowie oben gleichermaßen schmal, das Stück Glas unterhalb des Displays ist etwas breiter. Auf ganzer Linie überzeugt der Bildschirm allerdings doch nicht: Die Auflösung mit 1520 × 720 Pixeln bei einer Diagonalen von 5,9 Zoll (ca. 15 cm) ist gering. So liegt die Bildschärfe bei unterdurchschnittlichen 285 Pixel pro Zoll. Gerade bei feinen Schriftarten oder runden App-Symbolen macht sich das bemerkbar. Aktuelle Geräte anderer Hersteller liegen weit drüber, etwa das Huawei Mate 20 Lite (Testbericht) mit 410 ppi. Auch in Sachen Helligkeit hat Lenovo gespart: Die Leuchtkraft liegt bei 383 Candela pro Quadratmeter. Das ebenfalls mit Android One ausgestattete BQ Aquaris X2 Pro bietet dagegen ein 5,65 Zoll großes Display mit einer guten Helligkeit von 626 cd/m2.

USB-C, Lautsprecher und Mikrofon
USB-C, Lautsprecher und Mikrofon

Die Dualkamera auf der Rückseite hat zwei Bildsensoren mit einer Auflösung von 13 und 2 Megapixel. Letzteres ist dazu da, die räumliche Tiefe zu ermitteln und ermöglicht darüber ein Porträtbild mit Bokeh-Effekt. Bilder mit einem verschwommenen Hintergrund sind ansehnlich. Feinere Elemente wie Menschenfinger oder Strohhalme schneidet die Kamera manchmal heraus. Durch solche Fehler wirken die Bilder gekünstelt. Allerdings ist dieses Problem auch bei anderen Smartphones der Mittelklasse wiederzufinden, wie beim Honor 8X. Die Kamera macht klare und detaillierte Bilder, der Fokus arbeitet schnell und präzise. Weil die Blende mit einem Öffnungsverhältnis von f/2 nicht lichtstark ist, erweist sich das Fotografieren mit dem Motorola One bei wenig Licht gelinde gesagt als suboptimal.

Die Kommunikation mit dem Netz baut das Motorola One über schnelles WLAN nach n-Standard über 2,4 und 5 GHz sowie LTE auf. Es hat Bluetooth 4.2, NFC und UKW-Radio. Das Musikhören klappt über den Klinkenanschluss mit 3,5 mm. Der Empfang und die Gesprächsqualität waren solide und ohne Auffälligkeiten.

Die Besonderheit des Motorola One ist Android One. Im Gegensatz zum herkömmlichen Android kommt das Betriebssystem mit einem Update- und Upgrade-Versprechen. Ab der Marktverfügbarkeit im Oktober 2018 will Lenovo das Gerät zwei Jahre lang mit den neuesten Android-Versionen versorgen. Für sicherheitsrelevante Aktualisierungen verpflichtet sich der Hersteller sogar für drei Jahre. Wie sehr Lenovo zu seinem Versprechen steht, wird sich in Kürze zeigen, denn die zugrundeliegende Betriebssystemversion des Motorola One ist Android 8.1 Oreo. Auf Nachfrage hieß es: „Kurz nach dem Marktstart kommt das Upgrade auf Android 9 Pie“. Bisher hat das Smartphones nichts erhalten. Auch der Sicherheits-Patch ist noch vom 1. August 2018, dabei hat Google bereits die Updates für September und Oktober veröffentlicht.

Im Übrigen ist das Betriebssystem sauber und übersichtlich gehalten. Es hat keinerlei Bloatware in Form von Werbe-Apps. Lenovo hat dennoch einige Anpassungen gemacht: Die Kamera-App schaut anders aus und ist umfangreicher als der Standard. Außerdem bietet das System eine Gestensteuerung, wie das schnelle Starten der Kamera durch eine Drehbewegung oder das Hacken, um die LED-Lampe zu aktivieren.

Im Lieferumfang des Motorola One befinden sich Smartphone, USB-C-Kabel, Schnellladegerät und eine Schutzhülle. Dafür fehlen Kopfhörer, die muss man sich selbst zulegen. Das kabelgebundene Laden des 3000-mAh-Akkus dauerte im Test 1,5 Stunden. Nach einer Ladezeit von 30 Minuten erreichte der Akku einen Stand von 41 Prozent. Der Akku hält bei gewöhnlicher Nutzung einen Tag. Im Test mit einem kontinuierlich laufenden Video bei maximaler Display-Helligkeit hat das Motorola One glatte zehn Stunden mit einer Akkuladung erreicht. Das ist bisschen weniger als beim Honor 8X.

Lieferumfang zum Motorola One
Lieferumfang zum Motorola One
Motorola One

Schwarz

Motorola One

Weiß

Das Motorola One ist ein gut verarbeitetes Smartphone mit ansprechender Optik. Der Prozessor ist nicht mehr ganz so aktuell, macht aber dennoch einen guten Job. Beim Display gibt es noch viel Luft nach oben: Auflösung und Helligkeit sind gering. Hier sind andere Geräte besser aufgestellt, etwa das Honor 8X oder das BQ Aquaris X2. Die Kamera geht in Ordnung. Wer viel Wert auf ein modernes Smartphone-Design legt, der könnte sich mit dem Motorola One anfreunden. Beim Software-Versprechen ist aktuell nur die veraltete Software sichtbar, nicht das Versprechen. Fürs gleiche Geld gibt das Motorola Moto G6 (Testbericht) mit hellerem Display und besserer Kamera – dafür kommt es mit einem klassischen Design, was nicht allzu tragisch ist.

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