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Motorola One Zoom: gute Mittelklasse, aber zu teuer

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Die One-Modelle von Motorola kommen bislang mit namensgebendem Android One und orientieren sich preislich eher an der unteren Mittelklasse. Beim One Zoom wird alles anders: Das Smartphone kommt mit vollem Android 9 zum Kunden, kostet über 400 Euro und will stattdessen mit auffälliger Quad-Cam überzeugen. Ob das klappt?

Beim Erstkontakt mit dem Motorola One Zoom überzeugt vor allem die Rückseite des Smartphones. Denn während die Front mit ihren schmalen Rändern und der Teardrop-Notch wenig Überraschungen bietet, weicht der Hersteller bei der Rückseite schon mehr vom Designdurchschnitt ab. Das beginnt bei der Materialwahl. Motorola verwendet gebogenes Glas, das allerdings matt satiniert ist, optisch aber auch als gebürstetes Aluminium durchgehen könnte. Größter Nachteil: Wegen der starken Rundungen zum Rand hin liegt das Zoom zwar insgesamt angenehm in der Hand, das Material ist aber leider auch sehr rutschig. Abhilfe schafft hier die mitgelieferte Schutzhülle aus durchsichtigem Kunststoff, die auch gleich noch ein anderes Problem beseitigt. Denn ohne Schutzhülle steht die große Kameraeinheit mit ihren vier Kameralinsen leicht aus dem Gehäuse hervor, die Hülle kaschiert diesen Umstand fast gänzlich.

Das große Kameramodul fällt auch noch aus einem anderen Grund auf. Es beherbergt das Herstellerlogo, den sogenannten Batwing. Besonderheit dabei: Das Logo ist grünlich-weiß beleuchtet, solche Effekte bietet kaum ein anderes Smartphone. Zudem dient es auch gleich als Benachrichtigungs-LED. Nicht ganz so schön: Durch die Größe der Kameraerhebung kommt man mit dem Zeigefinger beim Halten immer wieder an diese Erhöhung – das ist nicht schlimm, aber gewöhnungsbedürftig.

Die Verarbeitung des Moto One Zoom ist tadellos. Die Antennenstreifen im Metallrahmen sind perfekt integriert, die seitlichen Tasten wackeln nicht und weisen optimalen Druckpunkt und Tastenhub auf. Eine IP-Zertifizierung gegen das Eindringen von Wasser und Staub gibt es nicht, wohl aber eine Nanobeschichtung, die zumindest einen leichten Regenschauer nicht zum Endgegner machen sollte.

Der Touchscreen des Motorola One Zoom misst 6,4 Zoll in der Diagonalen und bietet eine Auflösung von 2340 × 1080 Pixeln. Das bringt eine Pixeldichte von rund 400 PPI mit sich und sorgt für entsprechend hohe Bildschärfe. Motorola setzt auf OLED als Bildschirm-Technik. Daraus resultieren eine ordentliche Bildschirmhelligkeit von gemessenen 430 cd/m², ein hervorragender Schwarzwert, tolle Kontraste und auf Wunsch satte Farben. Zum Stromsparen wünscht man sich da einen Darkmode, der kommt aber erst ab Android 10 serienmäßig und fehlt auf dem Zoom. Die Blickwinkelstabilität ist wie bei OLED gewohnt vorbildlich. Fans der One-Serie könnten das bislang mehrfach verwendete 21:9-Format wie etwa beim Motorola One Action (Testbericht) vermissen, der Rest freut sich vermutlich eher über konventionellere 19,5:9. Insgesamt ist das Display des One Zoom richtig gut.

Highlight des Motorola One Zoom ist natürlich die namensgebende Kamera – oder genauer: die vier Hauptkameras und die zusätzliche Selfiecam. Die Daten klingen beeindruckend. Die Hauptlinse auf der Rückseite weist 48 Megapixel samt optischem Bildstabilisator auf und verwendet einen Isocell-Bright-GM1-Sensor von Samsung. Fotos werden dank Pixelbinning für bessere Bildqualität mit 12 Megapixeln ausgegeben. Als zweite Linse setzt der Hersteller auf eine Ultraweitwinkelkamera mit 16 Megapixeln bei 117 Grad Blickfeld, die dritte Linse ist für eine optische dreifach-Vergrößerung zuständig, die sie mit 8 Megapixeln in den Speicher bannt. Der vierte Sensor mit 5 Megapixeln ist ausschließlich für Tiefenschärfe-Effekte zuständig, also künstliches Bokeh, und kann entsprechend nicht direkt zum Aufnehmen verwendet werden. Portraits gelingen damit ganz passabel, solange man es mit der einstellbaren Unschärfe nicht übertreibt. Die bereits angesprochene Frontkamera knipst Fotos mit 25 Megapixeln, die wegen Pixelbinning allerdings hinterher nur 6 Megapixel groß sind.

Kameramodul mit leuchtendem Motorola-Logo

Klingt alles super, entscheidend ist aber die Bildqualität. Und die ist ganz ordentlich und der oberen Mittelklasse angemessen, überrascht aber insgesamt weniger, als seinerzeit etwa das Motorola One Vision (Testbericht). Generell ist die Bildschärfe zumindest bei Tageslichtaufnahmen in Ordnung; auch die Bilddynamik ist ordentlich. Bildrauschen ist dank eines Updates inzwischen schwach ausgeprägt. Bei Bildern in Umgebung mit weniger Licht sinkt die Bildschärfe naturgemäß weiter ab, geht aber für ein Mittelklassegerät voll in Ordnung. An Topmodelle wie ein Huawei P30 Pro (Testbericht) kommt das Zoom natürlich nicht ganz heran – eine Feststellung, keine Kritik. Positiv: Ultraweitwinkel und namensgebender „Zoom“ fallen bei der Bildqualität nicht stark ab, insgesamt bietet sich ein relativ homogenes Bild. Die Qualität ist gerade bei der dreifachen Vergrößerung gut, den 10-fachen Hybridzoom sollten Nutzer nur im Notfall verwenden. Die Ultra-Weitwinkelkamera ist qualitativ eher ausreichend als gut.

Die Frontkamera sorgt ebenfalls für scharfe und kontrastreiche Aufnahmen. Bei schwachem Licht verliert sie aber ähnlich an Qualität wie die Hauptkamera. Videos lassen sich zwar in 4K aufnehmen, sind dann aber auf 30 Bilder pro Sekunde beschränkt. Schade, denn das sieht man bei Schwenks sofort. Die Bildstabilisierung ist aber auch in 4K noch erstaunlich gut. Insgesamt ist die Qualität aller eingebauter Kameras ordentlich und dem Preis angemessen, ohne die Spitzenposition deutlich teurerer Highend-Modelle zu gefährden.

Motorola setzt als Antrieb für das One Zoom auf den Snapdragon 675, dessen beiden Cortex-A76-Kerne in Kombination mit sechs A55 Kernen und Andreno-612-GPU insgesamt solide Leistung bringen. In Kombination mit 4 GByte RAM zeigt das Smartphone normalerweise flüssige Bedienbarkeit, nur gelegentlich kommt es mal zu einem kurzen Hakler – nicht optimal, aber verschmerzbar. Dass die Power zwar im Alltag in Ordnung, aber von Highend-Geräten weit entfernt ist, belegt auch der Antutu-Benchmark. Im Testprogramm erreicht das Zoom 201.000 Punkte. Das ist nicht wirklich schlecht, aber auch nicht herausragend. Entsprechend sollten sich Hard-Core-Gamer nach einem anderen Device umschauen, bei normaler Nutzung gibt es aber nichts, vor dem das Kamera-Smartphone den Dienst quittiert.

Der 128 GByte große UFS-Speicher bietet nicht nur eine Menge Platz, er ist auch noch recht schnell. Auf Wunsch schluckt das Smartphone außerdem auch noch Micro-SD-Speicherkarten bis 512 GByte – da passt dann schon die eine oder andere Privat-Videothek rein. Auch bei der restlichen Ausstattung bietet das Zoom fast alles, was möglich ist – ohne ans Limit zu gehen, wohlgemerkt. Zum Ausstattungskatalog gehören UKW-Radio, 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss, USB C OTG, Bluetooth 5.0, NFC, WLAN ac und GPS mit Unterstützung von Glonass und Galileo. LTE unterstützt das Zoom mit Cat. 12, also 600 MBit/s im Download.

Der Fingerabdrucksensor im Display hat uns nicht überzeugt

Nicht ganz so gut gefallen hat uns der Fingerabdrucksensor, den Motorola unter dem Display-Glas versteckt. Generell reagieren diese Sensoren aktuell immer noch nicht so schnell und zuverlässig wie herkömmliche, sichtbare Sensoren. Beim Zoom scheint das aber noch einmal eine Spur schlechter zu funktionieren, sodass es immer wieder dazu kommt, dass das System das Smartphone nicht freigibt. Das nervt bisweilen. Die einfache 2D-Gesichtserkennung per Frontkamera funktioniert da zumindest bei gutem Licht besser, ist aber auch unsicherer. Der einzelne Lautsprecher liefert einen recht ausgewogenen und lauten Sound ab.

Über Android 9 legt Motorola eine kaum angepasste Nutzeroberfläche mit einigen wenigen Änderungen, darunter die Gesten zum Aktivieren der Taschenlampenfunktion oder der Kamera. Der Sicherheits-Patch ist mit Oktober 2019 zu alt.

4000 mAh ist der neue Sweetspot für Smartphone-Akkus. Immer mehr Geräte gehen in diese Richtung, ohne dabei dick oder gar klobig zu wirken. Beim Motorola One Zoom zahlt sich das durch recht hohe Laufzeiten aus, im Battery Test von PCmark schaffte das das Gerät rund 10 Stunden – ein ordentlicher Wert. Auffällig lang war das Aufladen trotz 18-Watt-Ladegerät. Zwar geht das anfangs schnell, insgesamt dauert das Laden von leer bis ganz voll aber mehr als 2,5 Stunden. Kabellos klappt das gar nicht.

Motorola verlangt für das One Zoom 429 Euro, der Straßenpreis startete zum Testzeitpunkt bei rund 379 Euro. Verfügbar waren die Farben Grau und Lila. Andere Speicherkonfigurationen als die hier gestestete Version mit 4/128 GByte gab es zum Testzeitpunkt nicht.

Motorola One Zoom Dual-SIM metallic gray

Motorola One Zoom Grau

Motorola One Zoom Dual-SIM cosmic purple

Motorola One Zoom Lila

Alles in allem ist das Motorola One Zoom ein gutes Mittelklasse-Smartphone, nur der Preis ist etwas zu hoch. Insgesamt überzeugen Design, OLED-Display, Speicher und Akkulaufzeit, auch die Kamera enttäuscht nicht. Seltsam finden wir die Entscheidung, nicht mehr auf Android One zu setzen – schließlich trägt das Zoom das One sogar im Namen. Und wo wir gerade beim Namen sind: Die Kamera ist zwar durchaus brauchbar, aber wer durch den Namen die Kamerafunktionen – oder zumindest den Zoom – hervorhebt, der muss auch entsprechend abliefern. Das schafft Motorola hier leider nicht ganz, passend zur Qualität hätte das Zoom eher 350 Euro in der UVP kosten dürfen. Dann wäre die Kamera eher ein Highlight gewesen.

So schlägt sich das One Zoom mit dem typischen Problem (zu) teurer Smartphones herum: Billig und dennoch gut können andere besser und nicht zuletzt schon länger am Markt befindliche Modelle haben hier oftmals die Nase vorn. In beide Kategorien fällt etwa das Xiaomi Mi 9T Pro (Testbericht), das bei Leistung und Kamera mehr zu bieten hat, aber preislich sogar noch knapp unter dem Zoom liegt. Noch günstiger sind die ähnlich guten Modelle Xiaomi Mi 9 (Testbericht) und Xiaomi Mi 9T (Testbericht). Noch einmal deutlich günstiger wird es mit Modellen wie dem Xiaomi Redmi Note 8 Pro (Testbericht), Honor 9X (Testbericht) oder Samsung Galaxy A50 (Testbericht).

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