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Motorola Moto G9 Play im Test: Viel Power für wenig Geld

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Wer viel Akku für wenig Geld sucht, wird beim Motorola Moto G9 Play fündig. Außerdem will das Modell auch mit Leistung, Kamera und Speicher glänzen - ob das klappt?

Die Play-Serie von Motorola steht – auch wenn der Name eher auf besondere Spiele-Fähigkeit schließen lässt – für besonders ausdauernde Smartphones. Mit viel Wohlwollen schließt das natürlich Spieler mit ein, denn die brauchen auch viel Akku, um möglichst lange ohne Steckdose zocken zu können. In der Vergangenheit passte das dennoch kaum zusammen, denn gute Laufzeiten schafften Modelle der Play-Reihe zwar, viel Rechenpower, ohne die Gamer nicht auskommen, gab es aber nicht. Das könnte beim neuen Moto G9 Play anders sein, obendrein gibt es viel Speicher und ein Triple-Cam bei niedrigem Preis von 169 Euro in der UVP – wo ist der Haken?

Einen Haken kann man die Materialwahl nicht nennen, eher eine Sparmaßnahme. Die kann man einem günstigen Smartphone eigentlich nicht vorwerfen, dennoch ist Kunststoff im Vergleich zu Glas und Metall die klar weniger hochwertige Lösung. Und offenbar die günstigere, entsprechend hat Motorola beim Moto G9 Play diesen Weg gewählt, um mehr Spielraum bei der Technik zu haben. Tatsächlich ist das valide, zumal das günstige Smartphone nicht billig wirkt. Das liegt an der guten Verarbeitung, bei der unregelmäßige Spaltmaße kein Thema sind und daran, dass der glänzende Kunststoff auf den ersten Blick sogar als Glas durchgeht. Erst in der Hand merkt ein Interessent mangels typischer Kühle von Glas und Metall, dass hier günstigerer Kunststoff angesagt ist. Wegen der glänzenden Oberfläche zieht der allerdings Fingerabdrücke genauso wie Glas an. Dagegen hilft die mitgelieferte Schutzhülle aus Silikon.

Ansonsten passt das Design gut zum aufgerufenen Preis: Die Ränder rings um das Display sind ausreichend schmal, auch wenn teurere Modelle das natürlich deutlich besser machen. Der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite mit typischem Motorola-Batwing-Logo zeigt trotz insgesamt stimmigem Design den niedrigen Preis ebenso, wie das Flache Display ohne seitliche Rundungen. Das ist alles nicht weiter schlimm, muss Käufern allerdings bewusst sein.

Alle Bilder zum Motorola Moto G9 Play aus dem Test (13 Bilder)

Motorola Moto G9 Play

Während das verwendete Material eher in die Rubrik “Einsparungsmaßnahmen” passt, finden Sucher beim Thema Display in unseren Augen tatsächlich den ersten Haken. Denn das kommt mit einer Auflösung von nur 1600 × 720 Pixel zum Käufer und erreicht damit gerade so unsere Empfehlung, die wir zuletzt bei Smartphones bis 100 Euro getätigt haben. Selbst für so wenig Geld gibt es inzwischen vereinzelt Geräte mit 1920 × 1080 Pixel, daher empfinden wir die 720p-Auflösung des Moto G9 Play als zu gering. Unsere Empfehlungen für Smartphones bis 200 Euro haben daher auch alle Full-HD+-Displays.

Eine Art Always-on-Display trotz IPS-LCD

Aus gutem Grund. Denn das G9 Play kommt mit seiner Auflösung bei einer Bilddiagonale nur auf 267 Pixel pro Zoll und Nutzer mit scharfen Augen sehen entsprechend durchaus einzelne Bildpunkte. Schade, denn davon abgesehen macht das IPS-Display durchaus eine gute Figur. Das betrifft Farbintensität, Blickwinkelstabilität und auch Helligkeit, auch wenn die mit rund 450 cd/m² eher durchschnittlich ausfällt und flache Betrachtungswinkel wie so oft bei LCDs schnell deutliche Abschattung zeigen. Interessant ist, dass Motorola dem G9 Play eine Art Always-on-Display spendiert, obwohl es das eigentlich nur bei OLED-Screens gibt. Entsprechend ist es auch nur zu sehen, wenn man das Gerät bewegt, also etwa zur Hand nimmt und verschwindet dann nach wenigen Sekunden wieder. In der Zwischenzeit zeigt es aber die typischen Informationen wie Uhrzeit, Akkustand und verpasste Nachrichten.

Bei den Kameras macht Motorola beim Moto G9 Play auf den ersten Blick einen guten Job: Gleich drei Linsen in einem Smartphone für unter 200 Euro – das klingt gut. Ein zweiter Blick auf die Daten offenbart dann leider wieder das typische Imponiergehabe der Hersteller, denn abgesehen von der 48-Megapixel-Linse mit guter f/1.7-Blende sind Makrokamera mit 2 Megapixel und der Tiefensensor mal wieder ziemlich überflüssig.

Gute Hauptkamera, die anderen Linsen hätte sich Motorola sparen können

Im Alltag zeigt sich die Hauptkamera aber durchaus gut aufgelegt - für den Preis zumindest. Aufnahmen mit voller Auflösung sind nicht möglich, stattdessen werden dank Pixel Binning für bessere Bildqualität Fotos mit 12 Megapixel ausgespuckt. Die sind ausreichend scharf und dank Auto-HDR ausgewogen bei der Bilddynamik. Farben werden angenehm natürlich wiedergegeben. Erst bei Aufnahmen mit wenig Licht schleicht sich deutliches Bildrauschen in die Aufnahmen, dafür zeigen die aber auch gute Aufhellung von dunklen Bereichen. Insgesamt ist die Bildqualität dem niedrigen Preis mehr als angemessen.

Von der Makrokamera sollte man wie immer wenig erwarten. Zwar kommt man damit sehr nah an seine Motive heran, mangels Auflösung sehen entsprechende Bilder aber dennoch nie richtig scharf aus und entsprechende Aufnahmen versprühen kaum Faszination. Auch der Tiefensensor ist mal wieder überflüssig - zwar gelingen Portraitaufnahmen ganz passabel, das klappt aber auch beim Pixel 4a (Testbericht) sehr gut – ohne Tiefensensor. Selfies mit der 8-Megapixel-Frontkamera sind in Ordnung, aber nicht so scharf wie die Hauptkamera. Videos werden maximal mit FHD/60 aufgenommen und sind mangels ordentlicher Bildstabilisierung zu verwackelt.

In Anbetracht des Preises von nur 169 Euro in der UVP des Herstellers punktet das Moto G9 Play mit erstaunlich guter Ausstattung. Dazu gehört der Qualcomm Snapdragon 662 mit acht Kernen und Taktfrequenz bis zu 2 GHz, 4 GByte RAM und 64 GByte interner Speicher. Letzterer darf per Micro-SD-Karte erweitert werden, allerdings passt dann keine zweite SIM mehr ins Smartphone – und umgekehrt. Der Chipsatz sorgt im Alltag für überwiegend flüssigen Betrieb und schnelles Starten von Apps, Ruckler sind dennoch immer mal wieder zu sehen. Das Antutu-Ergebnis von rund 178.000 Punkten zeigt, dass das Moto G9 Play im Alltag zwar meist ausreichend schnell ist, aber natürlich nicht mit deutlich teureren Mittelklasse-Smartphones mithalten kann.

Die niedrige Auflösung des Displays ist hier Fluch und Segen zugleich: Die vergleichsweise hohe Antutu-Punktzahl verspricht mehr, als das Smartphone eigentlich leisten kann. Andererseits sorgt die niedrige Auflösung auch dafür, dass Spiele noch überraschend gut laufen, die eigentlich auf besser ausgestatteten Modellen auch nicht besser funktionieren. Für den Preis des Moto-Smartphones ist das aber alles durchaus angemessen.

Das gilt auch für die restliche Technik. Highlights sind hier NFC, Wlan ac, Bluetooth 5.0, ein UKW-Radio und ein 3,5-Millimeter-Anschluss. Ein Headset für das Radio, das normalerweise als Wurfantenne dient, liegt dem Lieferumfang übrigens nicht bei. Eine Besonderheit des G9 Play ist der Extrabutton für den Google Assistant, der allerdings auch per Sprache (OK Google) aufgerufen werden kann. Der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite überzeugte uns nicht restlos. Zwar ist die Entsperrung im Test überwiegend schnell vonstattengegangen, allerdings brauchte es dafür oft mehrere Versuche. Der Monolautsprecher des Smartphones klingt ausreichend voll und übersteuert nicht.

Software-Highlight Moto-App

Software-seitig hat das Moto G9 Play Android 10 zu bieten, darüber eine im Vergleich zu Stock-Android weitestgehend unangetastete Motorola-Nutzeroberfläche. In ihrem Zentrum steht nach wie vor die Moto-App, die nicht nur viele Informationen zum Smartphone gibt, sondern auch die Konfiguration einiger Sonderfunktionen wie den typischen Steuergesten von Motorola. Dazu gehört die immer noch beste Startmöglichkeit aller Android-Anbieter für die Taschenlampen-Funktion: Die doppelte Hackbewegung.

Kernstück des Moto G9 Play ist der 5000 mAh messende Akku des Smartphones. Er hielt im Battery Test von PCmark gute 16 Stunden am Stück durch, das ist ein sehr guter Wert. Neben dem recht modernen Chipsatz des Smartphones dürfte sich auch die niedrige Auflösung des Displays positiv darauf auswirken. Etwas seltsam ist das 20-Watt-Ladegerät aus dem Lieferumfang, während sich der Akku maximal mit 15 Watt laden lässt - aber lieber so als anders herum. Ein Ladevorgang dauert damit gute 100 Minuten.

Das Motorola Moto G9 Play ist in Deutschland in den Farben Gün und Blau zu haben, unterschiedliche Technik-Varianten gibt es nicht.

Das Motorola Moto G9 Play punktet mit modernem Chipsatz, viel Speicher und entsprechend hoher Bediengeschwindigkeit für den Preis. Besonderes Highlight ist die gute Akkulaufzeit. Display, Kamera und Design sind in Ordnung, allerdings fällt die Display-Auflösung etwas niedrig aus und die Zusatzlinsen der Kamera hätte sich der Hersteller lieber sparen sollen. Insgesamt machen Käufer mit dem G9 Play nichts falsch, vor allem, wenn der Preis noch etwas gesunken ist.

Wer weniger Geld ausgeben will, sollte einen Blick in unseren Ratgeber: Soviel Smartphone gibt es unter 100 Euro werfen. Mehr fürs Geld gibt es in unserem Ratgeber: Die 10 besten Smartphones bis 200 Euro.

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