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Micro-SD-Karte ADATA Premier One 256 GByte im Test

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ADATA hat mit der Premier One eine der wenigen aktuellen microSDXC-Karten mit UHS-II-Schnittstelle im Angebot. Das 256 GByte große Modell ist zwar teuer, bietet jedoch auf dem Papier eine fast dreimal so hohe Lese- und doppelt so hohe Schreibgeschwindigkeit wie die Konkurrenz.

Als einziger Hersteller im aktuellen Testfeld liefert ADATA sein microSDXC-Modell in einer Pappschachtel. Diese eignet sich in Kombination mit dem offenen Kunststoffeinsatz auch zur sicheren Aufbewahrung der Karte. Wer angesichts des hohen Preises von circa 150 Euro weitere Goodies wie einen Kartenleser oder Gratis-Software erwartet, wird enttäuscht. Dafür soll die Premier One aber das bieten, worauf es ankommt: Ein Maximum an Leistung.

Beim Lesen kommt die Speicherkarte laut Herstellerangabe auf 275 MByte/s, beim Schreiben auf 155 MByte/s. Dadurch wäre sie nicht nur für 4k-Videoaufnahmen mit dem Handy geeignet, sondern auch die ideale Wahl für den hochauflösenden digitalen 8k-Camcorder oder die 360-Grad-Action-Cam. Folgerichtig weist sie als einziges Modell im Testfeld neben dem UHS-II-U3- und Class-10- auch das V90-Zertifikat auf. Die zertifizierte Mindestschreibgeschwindigkeit von 90 MByte/s wird dennoch deutlich durch die zusätzlichen Herstellerangaben übertroffen.

UHS-II und UHS-I im Vergleich.

Der Unterschied zwischen UHS-II zu UHS-I erschließt sich übrigens sowohl bei der microSDXC-Karte selbst als auch mit Blick auf den beiliegenden SD-Kartenadapter: Die neuere Schnittstelle verfügt über zweireihig angeordnete Kontakte.

Da sich die Geschwindigkeitsmessungen je nach verwendetem Gerät oder Benchmark stark unterscheiden, setzen wir neben dem herstellerfreundlichen CrystalDiskMark auch auf einen Kopiertest mit echten Daten, um Leistungsunterschiede beim Lesen unterschiedlicher Dateigrößen ausmachen zu können. Alle Durchläufe erfolgen im UHS-I-kompatiblen SD-Kartenslot eines Dell XPS 13 9350 unter Verwendung des herstellerseitig mitgelieferten SD-Kartenadapters. Für einen zusätzlichen Durchlauf der Android-App AndroBench verbauen wir die gelöschte und anschließend unter Android formatierte microSD-Karte ohne Adapter in einem LG G6 Smartphone mit aktuellen Android 8. Für sämtliche Messungen gilt: Die hier angegebenen Werte sind das gemittelte Resultat von insgesamt jeweils drei Durchläufen. Schließlich wird die Speicherkarte unter Windows zu etwa 90-95 Prozent mit einem sequenziellen Datensatz beschrieben, um Unstimmigkeiten in puncto Dauerschreibleistung zu ermitteln. Vorsicht: Wegen Updates am Windows- und Android-Betriebssystem sowie den verwendeten Benchmarks sind die Ergebnisse nicht mit denen der letztjährigen microSDXC-Kartentests vergleichbar.

Die Karte in der Nahaufnahme.

Im CrystalDiskMark hält die Premier One ADATAs ihr Geschwindigkeitsversprechen mühelos: Die Lese- und Schreibwerte liegen mit 271,2 bzw. 164 MByte/s voll im Rahmen der angegebenen Werte und zudem weit vor den Ergebnissen der übrigen Testkandidaten aus den vorangegangenen Reviews. Beim zufälligen Lesen von 4k-Datensätzen ist die microSDXC-Karte zwar weiterhin schnell, zum Ausführen von Apps oder Programmen eignet sie sich angesichts der nicht vorhandenen I/O-Schreibleistung jedoch nicht. Das ist jedoch auch gar nicht der Bereich, für den sie herstellerseitig optimiert wurde.

CrystalDiskMark v5.5.0 x64 (Dell XPS 13)
seq. Read QD1 271,2 MByte/s
seq. Write QD1 164,7 MByte/s
4k Rd. Read QD1 2360 IOPS
4k Rd. Write QD1 43 IOPS

Im AndroBench gibt es erneut Bestwerte bei den sequenziellen Datentransfers – der Flaschenhals beziehungsweise der Grund für den vergleichsweise geringen Unterschied zu anderen Speicherkarten ist das verwendete LG G6 bzw. dessen Speicherslot, denn der intern verlötete Speicher arbeitet deutlich schneller. Die Premier One liest mit 77,7 MByte/s und schreibt mit bis zu 62,75 MByte/s. Zumindest für das Schreiben können wir entgegen der üblichen Vorgehensweise keinen Durchschnittswert liefern, denn sie schreibt auch mit 27, 98 und mit 49,78 MByte/s – irritierenderweise bis auf die üblichen Abweichungen häufig in genau dieser Reihenfolge: Erst pfeilschnell, dann einmal langsam, dann wieder mittelprächtig, trotz zwischenzeitlichen Löschens und neuerlichen Formatierens.

AndroBench v5.0.1 (LG G6)
seq. Read 77,7 MByte/s
seq. Write uneinheitlich, siehe Text
4k Rd. Read 1552 IOPS
4k Rd. Write 92 IOPS

Auch die Ergebnisse im am Alltagseinsatz orientierten Kopiertest decken sich mit den bisherigen Ergebnissen: Beim Lesen und Scheiben mittelgroßer (118,3 bzw. 44,8 MByte/s) und großer (247,1 bzw. 157,7 MByte/s) sowie beim Lesen kleiner Dateien ist die ADATA Premier One extrem schnell. Lediglich bei Schreibvorgängen mit sehr vielen, kleinen Einzeldateien hinkt sie zurück – genau das spiegelt sich auch beim Übertragen eines gemischten Ordners in beide Richtungen wieder.

Kopiertest
Lesen: kleine Dateien (18.000 x 128 KByte) 10,6 MByte/s
Schreiben: kleine Dateien (18.000 x 128 KByte) 2,7 MByte/s
Lesen: mittelgroße Dateien (Lesen/Schreiben, 3600 x 2,5 MByte) 118,3 MByte/s
Schreiben: mittelgroße Dateien (Lesen/Schreiben, 3600 x 2,5 MByte) 44,8 MByte/s
Lesen: große Datei (1 x 25 GByte) 247,1 MByte/s
Schreiben: große Datei (1 x 25 GByte) 157,7 MByte/s
Lesen: gemischter Ordner (9,53 GByte) 04:06 min
Schreiben: gemischter Ordner (9,53 GByte) 11:49 min

Es fällt schwer, ein finales Urteil zur Dauerschreibleistung der ADATA Premier One zu fällen. In den meisten Testdurchläufen absolvierte sie unsere grundsätzlich mehrfach ausgeführten Dauerschreibtests völlig problemlos, das zeigt auch die folgende Leistungskurve. Ab einem Füllstand von etwa 50-60 Prozent sinkt die Schreibleistung allerdings von knapp über 160 auf zumeist etwas mehr als 150 MByte/s ab. In einigen Fällen konnten wir einen einsekündigen Ausschlag nach unten beobachten (siehe Chart), der aber zumeist weniger signifikant als im abgebildeten Kurvendiagramm ausfiel.

Performance Chart ADATA Premier One.

Allerdings kam es in wenigen Fällen zum Zeitpunkt des leichten Geschwindigkeitsabfalls zu einem mehrsekündigen Einbruch auf 0 MByte/s. Als Beleg anbei ein Screenshot aus einem vorangegangenen Windows-Kopiertest, wir konnten das Verhalten insgesamt dreimal nachstellen. Ursachenforschung ist an dieser Stelle jedoch ohne weiteres Feedback des Herstellers, innerhalb eines vertretbaren Zeitrahmens, unmöglich. Eine kurze Internetrecherche ergab, dass das Verhalten auch in anderen Reviews und Anwenderberichten sporadisch, aber eben nicht immer auftrat.

Einbruch der Geschwindigkeit.

Wir hatten bereits vor dem Test versucht, mit der Bitte um ein Testmuster Kontakt zu ADATA aufzunehmen – eine E-Mail an die auf der internationalen Webpräsenz angegebenen Adresse für Presseanfragen scheiterte jedoch am überfüllten Postfach des Empfängers, wie uns eine automatische Antwort auf Chinesisch mitteilte. Einen passenden Ansprechpartner für die hiesigen Breitengrade konnten wir ebenfalls nicht ausfindig machen. Somit bleibt das Problem ungeklärt, bis sich der Hersteller gegebenenfalls von selbst zu Wort meldet.

Der Hersteller konzentriert sich auf das Angebot größerer Speicherkarten – wer allerdings bereit ist, den Aufpreis für die teilweise enorme Leistung des microSDXC-Winzlings zu zahlen, wird ein 32-GByte-Modell kaum vermissen: Die Premier One ist derzeit mit 64, 128 und 256 GByte Speichervolumen verfügbar.

ADATA Premier ONE R275/W155 microSDXC   256GB Kit, UHS-II U3, Class 10 (AUSDX256GUII3CL10-CA1)

256 GByte

ADATA Premier ONE R275/W155 microSDXC   128GB Kit, UHS-II U3, Class 10 (AUSDX128GUII3CL10-CA1)

128 GByte

ADATA Premier ONE R275/W155 microSDXC    64GB Kit, UHS-II U3, Class 10 (AUSDX64GUII3CL10-CA1)

64 GByte

Die ADATA Premier One ist die aktuell schnellste, verfügbare microSDXC-Karte auf dem Markt. Das gilt zumindest für Lese- und Schreibvorgänge mittelgroßer und vor allem großer Dateien. Auf die Optimierung für eine hohe I/O-Performance bei zufälligen Operationen (4k Random Read & Write) wurde hingegen bewusst verzichtet, diese Qualität ist im eigentlichen Einsatzbereich des Speichermediums aber auch nicht gefragt: Die Premier One eignet sich vor allem für den Einsatz in hochauflösenden Videoaufnahmegeräten oder als winziger SSD-Ersatz zum Austausch von Multimediadaten.

Leider konnten wir nicht klären, warum es beim dauerhaften Beschreiben ab einem Füllstand von 50-60 Prozent in seltenen Fällen zu einem kurzen Aussetzer bzw. Einbruch der Schreibleistung kam.

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