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Mi Band 3 im Test: günstig, starker Akku, schlecht übersetzt

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Mit dem Mi Band 3 liefert Xiaomi die dritte Auflage des Fitness-Trackers. Wir testen, ob die neue Version den Erfolg der Produktreihe fortsetzen kann.

Ein typischer Kommentar unter dem Test unserer Fitness-Tracker war „Wann testet ihr das Mi Band”? Die Antwort: Jetzt, denn das Mi Band 3 ist endlich in der Redaktion angekommen. Gegenüber dem Mi Band 2 hat die dritte Generation einen größeren Akku sowie ein neues Design. Was sich leider nicht geändert hat, ist die deutsche Lokalisierung.

Der Fitness Tracker von Xiaomi - leider noch nicht auf Deutsch übersetzt.

Wie beim Vorgänger wird der eigentliche Tracker in das mitgelieferte Silikonarmband eingesetzt. Das Armband schließt fest und hält den Tracker sicher am Arm. Das Band ist angenehm zu tragen und schneidet nicht ein. Auch insgesamt ist der Tracker bequem zu tragen, teilweise haben wir ihn im Test fast vergessen. Ein Nachteil hat die Konstruktion aber: Wie schon beim Vorgänger leiert das Armband mit der Zeit aus und muss früher oder später ausgewechselt werden. Abhilfe kommt von Drittanbietern, die zahlreiche Armbänder in unterschiedlichen Farben, Materialien und Designs anbieten.

Direkt nach dem Einschalten zeigt sich eins der großen Probleme des Trackers: Die fehlende Übersetzung. Das Gerät zeigt neben Zahlen und Piktogrammen nur chinesische Schriftzeichen an – zumindest, wenn das verbundene Smartphone auf Deutsch gestellt ist. Bei englischen oder spanischen Geräten liefert Xiaomi bereits Übersetzungen in der Firmware. Warum der Tracker nicht bei allen westlichen Sprachen auf Englisch sondern auf Chinesisch zurückfällt, ist wahrscheinlich nicht einmal Xiaomi klar. Im Zweifelsfall hat's halt einfach keiner ausprobiert.

Im Alltag lässt sich das Armband auf chinesisch überraschend gut nutzen – ohne Sprachkenntnisse. Die Zahlen sind lesbar, Piktogramme erklären gut, ob man gerade die Pulsmessung, den Schrittzähler oder die "Finde mein Telefon"-Funktion vor sich hat. Das allein ist also noch kein Ausschlusskriterium, auch wenn eine lokalisierte Version wünschenswert ist.

Damit der Tracker überhaupt funktioniert, braucht man ein Smartphone samt der Mi-Fit-App (die wiederum einen Account benötigt). Die Einrichtung an sich ist simpel, die App führt durch das Setup und erklärt die Bedienung. Beim Design und den Funktionen haben sich die Macher an anderen Anbietern wie Huawei, Samsung oder Fitbit orientiert. An sich ist die App gut gelungen. Zu den meisten Punkten gibt es mehr Informationen, wenn man daraufklickt. Die Konfiguration des Mi Band 3 läuft über den Punkt „Profil”, hier sind alle verknüpften Tracker hinterlegt. Die App ist grundsätzlich auf Deutsch, teilweise aber schlecht übersetzt. Ein Beispiel ist etwa die Option „Trageseite”, die „Right wrist” oder „Left wrist” anbietet. Ja, das sind Kleinigkeiten, aber es zieht sich einfach erkennbar durch die App.

Eine Alternative zur offiziellen App ist Tools & Mi . Die kostenpflichtige Anwendung schaltet mehrere zusätzliche Funktionen frei, etwa lässt sich die Pulsmessung dauerhaft statt in Intervallen durchführen. Dazu lassen sich verschiedene Typen von Benachrichtigungen konfigurieren, es gibt eine Powernap-Funktion und weitere clevere Features. Schade, dass Xiaomi diese Funktionen nicht selbst mitbringt.

Der Pulsmesser am Mi Band 3.

Der Fitness-Tracker zählt die Schritte zuverlässig: Im Test mussten wir weder die Gangart ändern noch den Arm besonders schleudern. Als Aktivitätsziel sind 8000 Schritte vorab eingetragen, in der App kann man das einfach ändern. Leider fehlt es an der Intelligenz, die etwa ein Garmin Vivosmart 3 (Testbericht) mitbringt: Statt sich an den Nutzer anzupassen und das Ziel dynamisch zu ändern, bleibt die Mi-Fit-App stur bei den Voreinstellungen. Damit ist der Hersteller nicht allein, mit Ausnahme von Garmin nutzt kein Anbieter die gesammelten Daten wirklich sinnvoll.

Das Mi Band 3 besitzt selbst keine GPS-Funktion. Die zugehörige App kann aber bei einem gestarteten Training auf dem Smartphone die Strecke mitmessen. Der Tracker misst dann den Puls und gibt Informationen zur zurückgelegten Strecke, beispielsweise vibriert er beim Laufen nach jedem Kilometer.

Uns störte allerdings das schlechte Display. Bei einer normalen Laufrunde durch den Wald mit Schatten und Sonne ist das Display kaum oder gar nicht zu lesen. Schade, denn das Gerät hätte eigentlich genügend Akkuleistung, um das Display wenigstens während eines Trainings heller zu schalten.

Im Wasser schaltet sich die Touch-Bedienung ab, so dass keine fehlerhaften Eingaben möglich sind. Xiaomi gibt eine Wasserdichtigkeit bis 50 Meter an - zum Gerätetauchen würden wir das Gerät dennoch nicht mitnehmen.

Xiaomi Mi Band 3.

Beim Schlaf störte das Armband nicht. Während der Nachtruhe sammelt es Daten zur Bewegung und dem Puls und schickt sie an die Mi-Fit-App. Diese bereitet die Informationen anschließend grafisch auf. Xiaomi gleicht die Daten anonymisiert mit anderen Nutzern ab und zeigt etwa an, ob man früher oder später eingeschlafen ist als der Durchschnitt. Dazu gibt es interessante Einblicke in die Schlafregelmäßigkeit, etwa wie sich der Tiefschlaf entwickelt oder wann man eingeschlafen und wieder aufgewacht ist.

Leider fehlen Funktionen wie ein automatisches Erkennen der Einschlafzeit oder ein smarter Wecker wie beim Huawei Band 2 Pro (Testbericht), der klingelt, wenn er erkennt, dass der Nutzer am Aufwachen ist. Xiaomi arbeitet aber scheinbar an dieser Funktion, zumindest die Macher der Mi-Tools-App eine experimentelle Unterstützung integriert. Der Wecker arbeitet dagegen wunderbar und hat uns im Test zuverlässig geweckt.

Die Ladeschale zum Mi Band 3.

Im Test zeigte das Armband Benachrichtigungen über Mi Fit an, geklappt hat das ziemlich gut. Es erscheint die jeweilige Applikation und der Text dazu. Probleme gab es bei Emojis oder Sonderzeichen, hier zeigt das Mi Band 3 ein Fehlerzeichen. Anrufe lassen sich am Armband annehmen oder ablehnen. Da aber kein Mikrofon verbaut ist, muss man zum Telefonieren noch immer zum Smartphone greifen.

Um es kurz zu sagen: Das Mi Band 3 ist ein Laufzeitwunder. Für den Test hatten wir alle möglichen Funktionen aktiviert (Schlafüberwachung, Pulsmessung im 1-Minunten-Intervall, Benachrichtigung) und erreichten immer noch locker 14 Tage Laufzeit. Geladen ist der Tracker in der mitgelieferten Ladeschale in rund eineinhalb Stunden.

Die lange Akkulaufzeit erkauft sich das Gerät durch das Auslagern von Funktionen. Gerade GPS ist ein Akkufresser. Wenn das vom Smartphone erledigt wird, hilft das der Laufzeit.

Das Mi Band 3 ist ein ziemlich guter Fitness-Tracker mit einer sensationellen Laufzeit zu einem günstigen Preis. Der große Nachteil ist die fehlende Übersetzung. Warum Xioami standardmäßig auf Chinesisch statt Englisch zurückfällt, wenn es für den US-Markt bereits eine fertige Übersetzung gibt, ist nicht nachvollziehbar. Dazu kommt das Display, das draußen oder gar bei direkter Sonneneinstrahlung sehr schwer oder gar nicht lesbar ist.

Wir empfehlen das Mi Band 3 allen, die einen einfachen und günstigen Fitness-Tracker mit Schlafüberwachung und Pulsmesser suchen, und mit den Einschränkungen leben können. Dann würden ab wir aber auch dazu raten, die 3,60 Euro für die zusätzlichen Funktionen der Mi-Fit-Tools auszugeben.

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