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MediaTek MT6752 im Test: Flotter Achtkerner aus China

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MediaTek ist überall: die Produkte des chinesischen Chipherstellers haben sich im Laufe der letzten Jahre vor allem im Low- und Midrange-Preisbereich etabliert. Der MT6752 ist im Moment das schnellste Pferd im Stall. Wir gehen der Frage nach, was ihr euch an Rechenleistung erwarten dürft.

Zu Allererst einige Worte zum Testgerät: Uns liegt das S3 des chinesischen Herstellers Jiayu vor, das freundlicherweise von GeekVida zur Verfügung gestellt wurde. Seine CPU der Bauart MT6752 arbeitet mit einer Taktfrequenz von 1,7 GHz, als GPU dient ein MALI T760. Beim Speicherausbau setzten wir auf die Luxusvariante mit 3GB RAM, der Bildschirm bot übliche Full-HD-Auflösung.

Zu Beginn eines Tests eines neuen Android-Smartphones statten wir es instinktiv mit einem Benchmark wie AnTuTu aus. Leider erwies sich das cheatinganfällige Programm als wackeliger Geselle: Neben einer Warnung mit Bezug auf Betrugsverdacht scheiterte der Download eines Ressourcenpakets mit Verweis auf Serverprobleme.

Aus diesem Grund bitten wir Euch beim Betrachten der folgenden Werte um eine gewisse Vorsicht. Schlecht sehen die reinen CPU-Ergebnisse jedenfalls nicht aus:

Das Galaxy Note 4 ist um einiges schneller, während das S5 stellenweise eingeholt und gezüchtigt wird.

Schon aus Gründen der Vollständigkeit folgte ein Lauf des Stabilitätstest, der die in der Abbildung gezeigten Werte lieferte.

Besondere Instabilitäten fallen nicht auf.

Als alter Knochen kam mir als nächstes die Epic Citadel in den Sinn. Das vergleichsweise wenig verbreitete Benchmarkwerkzeug dürfte bei den wenigsten Herstellern auf der Liste der zu manipulierenden Produkte stehen. Damit ist es für einen Leistungstest potentiell gut geeignet.

In der Praxis zeigten sich hier erstmals thermische Probleme. In fünf in rascher Folge durchgeführten Testläufen ergaben sich – bei angestecktem Ladegerät – folgende Messwerte:

38,7 -> 32,4 -> 31,4 -> 29,8

Wird der Chip längere Zeit stark belastet, erwärmt er sich. Um nicht zu überhitzen (und damit Smartphones keine Lüfter brauchen), wird die maximale Taktfrequenz automatisch gedrosselt. MediaTek muss hoch angerechnet werden, dass die CPU sehr früh einen Gang herunterschaltet. Samsung mutete seinen Doppelkernen der ersten Generation wesentlich höhere Temperaturen zu. Enser Jiayu S3 wurde während des Tests nicht unangenehm heiß.

An dieser Stelle liegt der Gedanke an thermische Probleme nahe. Flugs fand sich unser Testkandidat in einer Gefriertruhe wieder – und die Ergebnisse verbesserten sich sofort auf 33 und danach sogar rund 35fps. Nach fünfminütigem Kühlen durften wir uns wieder an 38.8 FPS erfreuen, die nach dem Herausnehmen stabil blieben und erst rund fünf Minuten später wieder absackten.

Kühlen für mehr Leistung: Um tatsächlich auf die Temperatur als Ursache für die langsameren Ergebnisse schließen zu können, musste das Smartphone vorübergehend zwischen Eis, Crossiants und Gemüse im Gefrierfach verschwinden.

Der Benchmark Vellamo ist im Androidbereich fast so verbreitet wie AnTuTu. Allerdings gibt es zu dem Messprogramm einen wichtigen Punkt zu sagen: Es wird von Qualcomm angeboten – und das ist der Hauptkonkurrent von MediaTek. Wir wagen nicht zu behaupten, dass Qualcomm bei den Messungen fremder Chips absichtlich schummelt, aber beim Betrachten der Testergebnisse sollte man das im Hinterkopf behalten. Die Messergebnisse können sich durchaus sehen lassen; der einzige Kritikpunkt ist die vergleichsweise schwache Leistung der einzelnen Kerne.

Im Browser-Benchmark spielt das S3 weit vorne mit (links). Pro einzelnem Rechenkern ist aber beispielsweise das Galaxy S5 deutlich flotter, im Mehrkern-Test muss sich das Samsung aber hinter dem Jiayu S3 einordnen.

Jiayu liefert unser Testgerät im Moment mit Android 4.4 aus. Die Betriebssystemversion ist auf 32 Bit beschränkt, der Chip läuft somit quasi mit angezogener Handbremse. Eine genaue Einschätzung der Auswirkungen dieser Beschränkung ist insofern schwierig, als sich eine Erweiterung der Wortbreite bei Java-Programmen, zu denen Android-Apps gehören, sehr zweideutige Effekte entfaltet.

Im PC-Bereich wurde der Übergang von 32 auf 64 Bit vor rund zehn Jahren vollzogen. Wie am Handy war auch dort der immer größer werdende Bedarf an Arbeitsspeicher die primäre Triebfeder. Zu PC-Zeiten brachte die Verdoppelung der Wortbreite eher Nach- als Vorteile. Dies lag daran, dass 64 Bit lange Zeiger einfach länger sind als ihre 32bittigen Kollegen – mehr Länge bedeutet mehr RAM-Verbrauch und mehr Arbeitsaufwand.

Am besten ist es, wenn wir Java-Entwickler Oracle selbst zur Sprache kommen lassen:

The performance difference comparing an application running on a 64-bit platform versus a 32-bit platform on SPARC is on the order of 10-20% degradation when you move to a 64-bit VM. On AMD64 and EM64T platforms this difference ranges from 0-15% depending on the amount of pointer accessing your application performs.

Falls Jiayu unser S3 mit einem 64Bit-fähigem Update auf Android L ausstattet, werden wir einen komplett neuen Test veröffentlichen. Bis dahin bleibt uns nur mehr, zum Fazit überzugehen.

Zu allererst die gute Nachricht: wer das bei GeekVida mit rund 200 Euro nicht wirklich teure Handy kauft, macht sicher nichts falsch. Die Rechenleistung des Achtkerners reicht für so gut wie alle Aufgaben dicke aus – das gegen absolute Topmodelle eingesparte Geld könnt Ihr in einem Jahr in ein noch schnelleres Gerät investieren.

MediaTek liefert einen durchaus brauchbaren Prozessor aus, der im Zusammenspiel mit der Mali-GPU auch aktuellen Spielen gewachsen ist. Die thermischen Probleme sind bis zu einem gewissen Grad unschön, dürften aber auch der Bauform des trotz wertiger Verarbeitung sehr schlanken Smartphones geschuldet sein. Hier ist schlicht wenig Platz für Abwärme.

Im Vergleich zu absoluten Topgeräten ist noch etwas Luft nach oben. MediaTek ist in der dritten Liga angekommen, bis zum Aufstieg in die Bundesliga scheint es nur noch ein kleiner Schritt zu sein. In China gibt es ja schon ein Nachfolgesystem mit zehn in drei Clustern eingeteilten CPUs, das im Laufe des dritten Quartals auf den Markt kommen sollte. Um den Vorsprung zu halten, müssen sich Qualcomm & Co. also stark anstrengen.

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