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Lenovo / Motorola Moto E4 im Test: günstig, aber ...

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Fingerabdrucksensor, (noch) aktuelles Android 7.1.1 und ein Preis ab etwa 150 Euro: Die Ausstattung des Moto E4 von Motorola klingt verheißungsvoll. Wir haben getestet, was das Einsteiger-Smartphone kann und ob es sich gegen die Konkurrenz aus dem eigenen Haus durchsetzt.

Das neue Moto E4 kommt in einem knallig-orangenen Karton bei uns an. Auf der Oberseite steht Moto E4, am Rand findet sich der Lenovo-Schriftzug – in der ersten Version dieses Testberichts haben wir das Produkt daher Lenovo Moto E4 genannt. Auf Bitten der PR-Agentur haben wir Motorola ergänzt. Manche Händler listen das Produkt als Lenovo, andere als Motorola, aber es handelt sich dabei um das gleiche Smartphone.

Den Lieferumfang hat Lenovo auf das Nötigste reduziert. Er umfasst das eigentliche Handy, ein Micro-USB-Kabel und ein USB-Netzteil. Ein kabelgebundene Headset ist nicht enthalten; was aber nicht weiter schlimm ist: Für vernünftigen Musikgenuss empfehlen wir grundsätzlich den Kauf von hochwertigen Kopfhörern (Kopfhörer im Test).

Unser Testmodell in schimmerndem Blau gefällt uns gut. Der Farbton ändert sich je nach Lichteinfall – erstaunlich sexy für ein günstiges Smartphone. Zwar fehlen dem Moto E4 auffallende Akzente, aber das Design ist gelungen und die Verarbeitung wirkt sehr hochwertig. Die Haptik des E4 ist vor allem wegen der Alu-Rückseite sehr angenehm und kann mit der von weit teureren Smartphones mithalten.

Der Lieferumfang beschränkt sich auf das Wichtigste.

Auf der Oberseite sitzt eine klassische 3,5mm-Klinkenbuchse für den Anschluss von Kopfhörern. Zum Laden setzt Lenovo auf eine nicht mehr aktuelle Micro-USB-Schnittstelle an der Unterseite statt auf USB Type C. Powertaste und Lautstärke-Wippe finden sich auf der rechten Gehäuseseite. Der Home-Button unterhalb des Displays ist kein mechanischer Knopf, sondern eine Soft-Touch-Taste und dient gleichzeitig als Fingerabdruck-Sensor. Die Hauptkamera auf der Gehäuse-Rückseite steht ein kleines bisschen über. Das ist zwar nicht schön, trotzdem macht die Bedienung eines auf dem Tisch liegenden E4 keine Probleme.

Die Ausstattung des Moto E4 ist dem Preis entsprechend. Im Inneren arbeiten ein 1,3 GHz-Quadcore-Prozessor und 2 GByte Arbeitsspeicher. Von den 16 GByte internem Speicher stehen dem Nutzer 10 GByte zur Verfügung. Das ist ausreichend um die wichtigsten Apps zu installieren. Für mehr Speicher, beispielsweise für die Musiksammlung, steht ein eigener Micro-SD-Slot zur Verfügung. In dieser Preisklasse nicht uninteressant: die Dual-SIM-Funktion des Moto e4. Dabei handelt es sich nicht um einen Hybrid-Slot, man kann also eine zweite SIM-Karte und eine microSD-Speicherkarte gleichzeitig einsetzen.

Das 5-Zoll-Display hat eine Auflösung von 1280 × 720 Bildpunkten und eine Oberfläche aus „Panda Glass“. Panda? Ja genau – während das verbreitete Gorilla Glass vom amerikanischen Unternehmen Corning stammt, ist Panda Glass eine vermutlich günstigere Alternative von Thungsu aus China. Beide Frontscheiben bestehen aus Alkali-Aluminosilikatglas, das vergleichsweise druck- und kratzfest ist.

Der Fingerabdruck-Sensor ist bei Einsteiger-Smartphones nicht selbstverständlich.

Positiv fällt der Fingerabdruckscanner auf; dieser ist bei Smartphones in dieser Preisklasse keine Selbstverständlichkeit. Der Sensor dient gleichzeitig als Home-Button und zur Navigation per Fingergeste.

Der Akku mit 2800 mAh ist austauschbar. Das über Nacht geladene Smartphone ist am frühen Abend leer, allerdings haben wir es auch intensiv genutzt. Bei moderatem Einsatz kommt man mit einer Akkuladung über den Tag. Zum Laden braucht der Nutzer aber Geduld: Eine Quick-Charge-Funktion gibt es nicht. Für WLAN-Verbindungen stehen die Standards 802.11b, g und n zur Verfügung, 5-GHz-WLAN wird nicht unterstützt – das wäre vor allem in Großstädten mit extrem hoher WLAN-Dichte praktisch.

Im Antutu-Benchmark erzielt unser Testgerät zwar nur magere 31.000 Punkte, im Alltagsgebrauch mangelt es aber nicht an Leistung. Natürlich merken wir bei Reaktionen und Ladezeiten einen Unterschied zu teureren Geräten, doch fast immer läuft das E4 ohne Ruckler und Gedenksekunden. Sogar aufwendige Spiele wie Asphalt 8 laufen erstaunlich flüssig, wenn sie einmal geladen sind. Das liegt aber mehr an der verhältnismäßig niedrigen Auflösung des Displays als an der Power des Prozessors.

Softwaretechnisch hinterlässt das Moto e4 einen guten Eindruck. Lenovo setzt auf Android 7.1.1 und verzichtet auf unnötige und nervige Bloatware. Außer den Apps von Google sind keine unnötigen Programme vorinstalliert. Gerade bei günstigen Geräten ist das selten, dafür also ein großes Lob. Die Oberfläche ist aufgeräumt und sehr übersichtlich.

Dem Moto e4 sieht man den günstigen Preis nicht an.

Das Display des Moto E4 hat nur HD-Auflösung, also 1280×720 Pixel. Obwohl wir mit dem bloßen Auge erkennen, dass teurere Smartphones eine schärfere Darstellung schaffen, ist die Anzeige des E4 ausreichend scharf. Im Verhältnis zur Display-Diagonale – 5 Zoll – berechnen wir eine Pixeldichte von 294 Pixel pro Zoll (ppi). Das ist etwa 10 Prozent unter dem Wert, den Apple bei seinen iPhones als „Retina“ bezeichnet. Ohne Hilfsmittel erkennen wir keine einzelnen Pixel.

Die Helligkeit ist nicht extrem hoch, reicht aber meist aus. Bei direkter Sonneneinstrahlung im Sommer wird's kritisch, ansonsten ist das Display vernünftig ablesbar. Die Farbtreue hängt allerdings stark vom Betrachtungswinkel ab. Bei schräger Sicht gehen Kontraste und Farbtreue verloren.

Die Hauptkamera des Moto e4 hat eine Auflösung von 8 Megapixeln und eine Blende von ƒ/2.0. Bei ausreichender Beleuchtung sind die Ergebnisse durchaus brauchbar. Sobald es dunkler ist, beginnen die Bilder zu rauschen und die Ergebnisse sind teils unscharf. Schuld daran sind der kleine Bildsensor, der langsame Autofokus und der fehlende Bildstabilisator – allerdings alles Punkte, die man in dieser Preisklasse auch bei der Konkurrenz vergeblich sucht. Videos nimmt die Kamera nur in HD-Auflösung (1280×720) mit 30 Bildern pro Sekunde (fps) auf. Das reicht zwar für kurze Social-Media-Clips, für viel mehr aber auch nicht.

Die Linse der Haupt-Kamera ist nicht bündig mit dem Rückendeckel.

Die Selfie-Kamera knipst Fotos mit 5 Megapixeln und verfügt, genau wie die Hauptkamera, über einen LED-Blitz. Für SMS oder Facebook ist die Qualität ausreichend – aber auch hier hängt es stark vom Umgebungslicht ab. HDR-Funktion, Serienbilder und Timer-Funktion stehen bei beiden Kameras zur Verfügung.

Lenovo setzt weiterhin auf die Micro-USB-Schnittstelle.

Das Lenovo Moto e4 ist in Blau, Grau und Gold verfügbar.

Motorola Moto E4 Dual-SIM blau

blau

Motorola Moto E4 Dual-SIM grau

grau

Motorola Moto E4 Dual-SIM gold

gold

Das Lenovo Moto E4 ist ein gutes und hochwertiges Einsteiger-Smartphone. Die Bedienung läuft flüssig und ohne Ruckler. Auch die Ausstattung mit Fingerprint-Sensor und echter Dual-SIM-Funktion sprechen für das Moto E4.

Vergleicht man das Smartphone mit anderen Geräten, fällt auf, dass der größte Konkurrent aus dem gleichen Hause kommt: Das Moto G5 bietet für einen ähnlichen Preis eine spürbbar bessere Ausstattung. Full-HD-Display, 13-Megapixel-Hauptkamera, WLAN nach 802.11a/b/g/n (inklusive 5-GHz-Band), Octo-Core-CPU und Quickcharge-Funktion. Im Benchmark erreicht das G5 45.000 Punkte; das sind fast 50 Prozent mehr.

Wer ein zuverlässiges Einsteiger-Smartphone sucht, wird mit beiden Geräten zufrieden sein. Wer mehr auf Design und Haptik achtet, kann beruhigt zum attraktiven Moto E4 greifen. Kommt es auf Rechenleistung, Display-Schärfe und Kamera an, hat das ältere G5 die Nase vorn. Wer eine spürbar bessere Kamera und massig Rechenpower will, muss tiefer in die Tasche greifen.

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