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Lenovo Moto Z im Test: modular und genial

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Project Ara ist tot – und damit auch das modulare Smartphone. Stimmt. Stimmt aber auch nicht, denn Lenovo zeigt mit dem Moto Z eindrucksvoll, dass auch ein Android-Smartphone extrem flexibel und modular sein kann.

Das Moto Z ist ein High-End-Gerät – ausgestattet mit dem Maximum, was die Industrie derzeit zu bieten hat. Dazu gibt es aktuelles Android, ein attraktives Design, eine hochwertige Verarbeitung und edle Materialien. Unseren Eindruck nach ein paar Wochen mit dem Moto Z seht Ihr im Video.

Sein 5,5 Zoll großes Display gibt schon viel vor, was die Optik angeht: Das Moto Z ist ein großer Klopper, von der Display-Diagonale her liegt es auf einem Niveau mit iPhone 6S Plus oder Galaxy S7 Edge. Erfreulich ist aber der dünne Aufbau – gut 5 Millimeter ist es hoch, allerdings steht die Kamera über.

Ultraflach: Das Moto Z ist gerade einmal gut 5 Millimeter dick ...

Austauschbare Rückcover, die von Magneten in Position gehalten werden, bringen die komplette Rückseite wieder auf Kamera-Höhe. Dann ist das Moto Z plan, aber eben nicht mehr auffällig dünn. Da es die Cover aber aus edlen und außergewöhnlichen Materialien wie Holz, Leder oder Stoff gibt, gefallen sie uns dennoch sehr gut – obwohl sie das Smartphone etwas dicker machen.

... die optionalen Back-Cover aus Stoff, Holz oder Leder heben die Dicke aber wieder auf „normales“ Smartphone-Niveau im Bereich von etwa 7 Millimetern an.

Der Rahmen besteht aus Metall. Kühl und stabil, so sollte es in dieser Preisklasse sein. Lediglich der Übergang zwischen Glas und Metall ist minimal scharfkantig. Es ist nicht so, dass man damit Kartoffeln schälen könnte, aber man spürt die Kante beim Bedienen immer wieder an den Fingern.

Da das Gorilla Glass 3 auf der Oberseite der höchste Punkt des Moto Z ist, wird es wohl schnell verkratzen, wenn man es mit dem Display nach unten auf den Tisch legt. Wer das vermeiden will, sollte sich vielleicht eine Schutzfolie oder Schutzscheibe besorgen.

Das Smartphone misst 15,5 × 7,5 × 0,5 Zentimeter.

An der rechten Gehäuseseite befinden sich drei Tasten für Lautstärkeregelung und Ein-Aus. Da die Tasten gleich groß sind, fällt uns am Anfang die Identifizierung des Ein-Aus-Tasters nicht immer ganz leicht. Immerhin hat der Taster als einziger eine aufgeraute Oberfläche – zumindest mit dem Daumen kann man ihn leicht finden.

Unterhalb des Displays sitzt mittig ein recht großer, viereckiger Knopf. Beziehungsweise: Nicht. Was aussieht, wie ein Home-Button, ist in Wirklichkeit der Fingerabdrucksensor – und ähnlich wie beim iPhone 7 lässt er sich nicht mehr mechanisch nach innen drücken, sondern reagiert ausschließlich auf Auflegen des Fingers. Auch das ist Anfangs etwas ungewohnt, denn bei vielen anderen Smartphones gibt es unterm Display eben einen mechanischen Home-Button. Der ist beim Moto Z ausschließlich per Software im Bild vorhanden, ebenso wie Zurück und der Task-Switcher.

Das Viereck unterm Display ist kein Home-Button, sondern der Fingerabdrucksensor. Wer den passenden Finger im laufenden Betrieb auflegt, schickt das Handy in den Standby-Modus.

Wer seinen Finger auf den übrigens erfreulich schnell reagierenden Sensor legt, schaltet damit das Smartphone ein. Und aus. Die ersten Versuche, zurück ins Hauptmenü zu gelangen, endeten bei uns also mit einem abgeschalteten Display – ist aber nicht schlimm, und man gewöhnt sich dran. Bleibt nur die Frage, wieso es dann noch einen zusätzlichen, mechanischen Taster an der Seite gibt, der eigentlich nichts anderes macht.

Kommt man in die Nähe seines Moto Z oder berührt man es im Standby-Modus, zeigt das OLED-Display die Uhrzeit an – sehr praktisch.

Dass als einziger Anschluss ein USB-C-Port auf der Unterseite vorhanden ist, ist hingegen wieder Geschmackssache. Ähnlich wie beim iPhone 7 könnte man dem Hersteller vorwerfen, er habe die Klinkenbuchse eingespart – aber weil Motorola wie Apple einen Adapter beilegt, der den Anschluss von Standard-Kopfhörern ermöglicht, zählt das Argument nicht. Vorausgesetzt, man hat den Adapter auch dabei, wenn man einen Kopfhörer einstecken möchte.

Das Display ist gestochen scharf.

Das 5,5-Zoll-AMOLED-Display ist eines der Glanzzstücke des Moto Z. Prinzipbedingt überzeugt es mit nahezu perfekten Kontrasten und Blickwinkeln, außerdem zeigt es extrem kräftige Farben. Dass die dabei nicht immer unbedingt natürlich aussehen, ist ebenfalls prinzipbedingt, aber aus unserer Sicht nicht weiter schlimm.

Das Panel löst QHD auf, also 2560 × 1440 Pixel. Somit ergibt sich eine Pixeldichte von 534 Pixeln pro Zoll (ppi) – deutlich mehr als die 326 ppi, die Apple beim iPhone Retina nennt. Unterm Strich heißt das: Gestochen scharfe Darstellung mit tollen Farben. Mehr brauchen wir gar nicht.

Vor allem aufgrund seiner hohen Auflösung eignet sich das Moto Z deswegen auch sehr gut für den Einsatz in einer einfachen VR-Brille à la Google Cardboard. Explizites Zubehör, wie es Samsung etwa mit seiner Gear VR bietet, hat Motorola aktuell aber nicht im Angebot.

Links der Linse der 13-Megapixel-Kamera sitzt der Laser-Autofokus, unterhalb der Dual-Color-LED-Blitz.

Auf dem Datenblatt lässt die Kamera des Moto Z keine Wünsche offen. 13 Megapixel, Laser-Autofokus für den Nahbereich, Zeitlupen bis 120 fps, Videos in 4K und ein Dual-Color-Blitz: So muss das sein. In der Praxis hinken die Ergebnisse dann aber leider doch hinter der Konkurrenz zurück.

Das heißt nicht, dass man mit dem Moto Z keine guten Fotos schießen kann. Aber damit die Fotos wirklich gut geraten, muss es schon sehr hell sein. Vor allem das Bildrauschen in dunklen Umgebungen fällt wirklich stark auf, und obwohl die Kamera einen optischen Bildstabilisator hat, rauscht es vergleichsweise früh und stark. Außerdem fallen leichte Unschärfen in den Randbereichen auf, wenn man sich die Fotos in ihrer Originalgröße ansieht – auf dem Handy bemerkt man davon nichts.

Ein ähnliches Bild hinterlässt die Frontkamera. Mit ihrem Weitwinkel-Objektiv eignet sie sich gut für Selbstporträts, aber auch sie kommt schnell an ihre Grenzen.

Mit Hilfe der Moto Mods ließe sich aber eine andere Kamera nachrüsten – doch dazu später mehr.

Auf dem Moto Z läuft Android Marshmallow in der Version 6.0.1. Die Oberfläche wirkt wie Standard-Android, aber natürlich haben die Motorola-Techniker einige Details verändert – unter anderem eben die Integration der Moto Mods.

Unter der Haube werkelt High-End-Hardware. Es wirkt, als wären die Einkäufer des Herstellers von Zulieferer zu Zulieferer gereist und hätten die besten Komponenten zusammengekauft, die der Markt aktuell hergibt. Snapdragon 820 mit 1,8 GHz, 4 GByte RAM, NFC, GPS, WLAN nach AC, Bluetooth 4 und 32 GByte interner Speicher.

USB Type C, aber nicht USB 3.0 beim Moto Z.

Mooooment: Nur 32 GByte? Ja, und davon sind gut 8 GByte durch das System belegt. Der Nutzer hat gut 23 GByte zur eigenen Verwendung frei. Nicht viel, aber es reicht in der Praxis aus. Für eigene Daten wie Fotos und Musik gibt es darüber hinaus noch die Möglichkeit, eine microSD-Karte einzusetzen. Das wiederum erfolgt auf dem Weg, der uns am liebsten ist: Auf der Oberseite des Smartphones sitzt eine kleine Schublade im Metallrahmen, die entweder eine oder zwei SIM-Karten oder eine SIM-Karte und eine MicroSD-Karte aufnimmt.

Den USB-C-Port haben wir ja schon erwähnt. Ergänzend sei gesagt, dass sich auch hier kein USB 3.0 dahinter verbirgt. Daten werden wie gehabt über den alten USB-2.0-Standard übertragen.

Jetzt kommen wir zum absoluten Highlight: den Moto Mods. Nachdem Google sein Project Ara beerdigt hat, sah es lange Zeit so aus, als wäre die Idee des modularen Smartphones gestorben. Nun: Sie ist es nicht. Motorola zeigt eindrucksvoll, was möglich ist.

Anstelle der magnetisch gehaltenen Back-Cover kann man auch aktive Module andocken, die sogenannten Moto Mods. Sie halten magnetisch und stellen die Verbindung zum Smartphone über Kupfer-Kontakte auf der Rückseite her.

Es gibt aktuell einen kleinen Beamer, Zusatz-Akkus, eine Kamera mit optischem 10fach-Zoom oder JBL-Lautsprecher – und je nach Bedarf packt man einfach das Modul auf die Rückseite, das man gerade braucht. Beim Backpacking den zusätzlichen Akku, beim Geschäftstermin den kleinen Mini-Beamer, beim Ausflug in den Zoo die Kamera und beim Grillen am Lagerfeuer die JBL-Lautsprecher.

Von Samsung gab es ein Smartphone mit Beamer und eine Kamera mit Android, HTC hat kräftige Lautsprecher ins Smartphone eingebaut. Besitzer des Moto Z (2. von Links) können mit dem passenden Mod alles haben.

Zwar macht jedes Moto Mod das Smartphone dicker, und zwar nicht unerheblich. Die Kamera baut mal eben 2 Zentimeter hoch, das ganze Smartphone ist mit externer Cam also 2,5 Zentimeter dick. Eigentlich unsexy. Aber dennoch genial: Die Kamera packt man ja nur auf die Rückseite, wenn man den optischen Zoom braucht. Im Gegensatz zu beispielsweise Samungs Galaxy Camera trägt man den Aufbau nur dann mit sich herum, wenn man sie wirklich braucht. Abends nimmt man sie ab und hat wieder ein superschlankes Smartphone.

Toll ist auch, dass sich das Moto-Mod-System voraussichtlich nicht zu einer technologischen Sackgasse entwickelt. Denn während LG beispielsweise für das G5 einzelne Module anbietet, die nur zum G5 passen, verspricht Motorola, den Moto-Mod-Standard mindestens bei den drei kommenden Modellgenerationen zu verbauen. Einmal gekauftes Zubehör bleibt also auch in Zukunft aktuell – wenn Motorola das Versprechen hält. Und, idealerweise, wenn weitere Hersteller von Zubehör auf den Zug aufspringen und das Angebot der Moto Mods weiter wächst.

In den kommenden Wochen werden wir uns diverse Moto Mods ansehen. Testberichte zum Beamer, zur Kamera mit optischem Zoom und zu den JBL-Lautsprechern folgen.

Das Moto Z hat bei uns einen positiven Eindruck hinterlassen. Es ist hochwertig verarbeitet, sieht gut aus, es ist ultraschlank und toll ausgestattet. Dazu gibt es die genialen Moto Mods – allein der Beamer könnte für den einen oder anderen schon ein Kaufgrund sein.

Negativ fallen vor allem die Kamera mit ihrer Schwäche bei dunklen Umgebungen und der vergleichsweise hohe Preis von Smartphone und den optionalen Moto Mods auf. Alles weitere sind Kleinigkeiten – an den Fingerabdruckscanner, der eben kein Home Button ist und trotzdem so aussieht, gewöhnt man sich.

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