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Labists X1 im Test: Was kann der 3D-Drucker für 65 Euro?

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Der billigste 3D-Drucker aller Zeiten sieht aus wie Playmobil, ist in wenigen Minuten einsatzbereit – und druckt. Wir zeigen, was es noch dazu zu sagen gibt.

Im Vorweihnachtsgeschäft gab es den Labists Mini X1 bei Amazon für unter 80 Euro; beim chinesischen Online-Shop Banggood ist er sogar für gut 60 Euro mit dem Code B6cc10 zu haben. Günstiger war 3D-Drucken noch nie, bislang lag die Schwelle bei um die 100 Euro – für krude Bastelbuden, in die man viel Zeit investieren muss, bevor irgendetwas passiert. Der X1 hingegen soll mit wenigen Schrauben und nach wenigen Minuten einsatzbereit sein.

Die kompakte Verpackung beinhaltet vor allem drei Module, die miteinander verbunden werden wollen: die Basis mit dem nicht beheizten Druckbett, der Turm mit dem Extruder und die Steuereinheit, in der die Elektronik sitzt. Dazu gibt es eine gedruckte, bebilderte Anleitung.

In der Tat: Wenige Minuten nach dem Auspacken ist der Labists X1 zusammengesetzt. Zwei Schrauben und einige wenige Handgriffe sind nötig und das Gerät steht vor uns. Fragen bleiben hier nicht offen. Im Vergleich zu eigentlich allen anderen 3D-Druckern, die wir getestet haben, sieht dieser Drucker allerdings aus wie Spielzeug. Zwar wirkt das Gerät mehr wie ein fertiges Produkt und weniger wie ein Bausatz aus Aluprofilen mit sichtbarer Technik – andererseits, kein Wunder, ist die Materialauswahl bei diesem Preis etwas windig.

Labists Mini X1 (7 Bilder)

Die Ausschnitte sitzen nicht exakt mittig vor den jeweiligen Anschlüssen.

Der Mini X1 ist der erste Drucker im Test, dessen Steuermodul kein Display hat. Drei Knöpfe sind für die Bedienung da – das klappt nur mit Anleitung und nur für die rudimentärsten Funktionen: Filament laden und entladen, Druck starten, fertig. Temperatur des Extruders ändern? Geht nur im Slicer, nicht beim Druck. Bestimmte Position anfahren? Geht nicht, glücklicherweise ist das Druckbett so klein, dass das Leveln einfach klappt. Welche Datei gedruckt wird? Immer die Letzte, die man auf die Speicherkarte geschoben hat. So einfach ist das – heißt aber auch, dass man im Zweifelsfall immer den Rechner bemühen muss, um Dateien hin und her zu kopieren.

Mit im Paket ist ein USB-Stick mit microSD-Kartenleser samt passender Karte. Darauf findet sich eine eigene Slicing-Software. Wer ein 3D-Modell drucken will, was er beispielsweise bei Thingiverse heruntergeladen hat, muss es erst in Maschinen-Code umwandeln, damit der Drucker etwas damit anfangen kann – das macht der Slicer. Darin wird beispielsweise die Layerhöhe und damit die Druckauflösung eingestellt, die zum Filament passende Temperatur und so weiter. Die mitgelieferte Software tut ihren Job; bessere Druckergebnisse haben wir allerdings beispielsweise mit Cura erreicht, das deutlich tiefergehende Einstellungen ermöglicht. Mehr dazu im Ratgeber 3D-Drucker: Alle wichtigen Informationen für den Einstieg.

Leider findet sich weder auf der Speicherkarte noch auf der Webseite des Herstellers eine Definitionsdatei für Cura (oder andere Slicing-Programme wie Simplify 3D), weswegen man den Drucker von Hand einrichten muss. Der folgende Screenshot zeigt die Einstellungen in Cura, mit denen wir erfolgreich auf dem Labists Mini X1 drucken konnten.

Dass bei so einem niedrigen Preispunkt überall der Rotstift angesetzt wurde, versteht sich von selbst – das beginnt beim fehlenden Display, hört da aber noch nicht auf. So hat der Mini X1 beispielsweise kein beheiztes Druckbett, was die Filamentauswahl auf PLA eingeschränkt. Stabilere Kunststoffe wie PETG oder ABS kann man mit dem Mini X1 nicht drucken – und auch PLA hat lieber ein warmes Bett, weswegen größere Drucke sich am unteren Rand manchmal etwas ablösen. Zu einem Fehldruck hat das bei uns nicht geführt, aber dieses sogenannte Warping sieht man hinterher am Ergebnis. Und wer sehr filigrane Teile druckt, muss gegebenenfalls den Slicer anweisen, ein Raft vorzubereiten. Das druckt zunächst eine dicke Schicht Kunststoff bündig unter dem Modell auf das Druckbett. Die eigentlichen Modelle werden darauf gedruckt, das verhindert Haftungsprobleme, verbraucht aber zusätzliches Filament und verlängert die Druckzeit.

Wer sich den Screenshot oben angesehen hat, hat vielleicht den kleinen Bauraum bemerkt. Maximal 10 × 10 × 10 cm kann der Ausdruck beim Mini X1 groß werden.

Die spannendste Frage ist: Kommt denn ein brauchbares Ergebnis aus dem Schnäppchen-Drucker? Die Antwort: Ja, aber. Der Mini X1 druckt, und wie bereits gesagt, einen echten Fehldruck hatten wir nicht. Perfekt sieht aber anders aus.

Die Benchys haben wir mit anderen Druckern deutlich hübscher hinbekommen.

Wer perfekte, präzise Funktionsteile erwartet, in die er nur noch Muttern und Schrauben einsetzen muss, muss definitiv mehr Geld ausgeben. Aus dem Schnäppchen-Drucker kommt eher ein grobes Formteil. Ausreichend beispielsweise für Handy-Halterungen an der Steckdose, für Standfüße oder Klammern, die Tomatenpflanzen am Bambus-Stab halten. Wer etwas Schönes für den Schreibtisch drucken möchte, Tabletop-Figuren oder eine passende Handy-Hülle, muss zumindest nacharbeiten.

Den Labists Mini X1 gibt es standardmäßig für 99 Euro bei Amazon. Immer wieder mal taucht er mit 20 Prozent Rabatt in Aktionen auf; wir haben ihn für knapp 80 Euro bestellt. Und der chinesische Technik-Versand Banggood bietet den Mini X1 gar für 65 Euro mit Gutschein-Code B6cc10 an – mit flottem Versand aus Tschechien.

Für 65 Euro ist der Mini X1 ein Super-Schnäppchen. Für 100 Euro würden wir ihn nicht kaufen – deutlich bessere 3D-Drucker als Bausatz, wie den Ender 3 (Ratgeber), gibt es zum Normalpreis von gut 150 Euro und in Angeboten schon für 120. Das ist definitiv der bessere Kauf.

Kaufen oder nicht? Wer sich nicht sicher ist, ob ein 3D-Drucker ein passendes Hobby ist, kann hier einsteigen und erste Erfahrungen sammeln, wie die Technik funktioniert. Dann wird der Labists vermutlich im Regal verstauben – weil man entweder in einen besseren 3D-Drucker investiert hat oder das Hobby wieder aufgibt.

Zum absoluten Schnäppchenpreis von 65 Euro macht man hier nur wenig falsch. 3D-Drucken ist grundsätzlich nicht so einfach wie 2D-Drucken auf Papier; man muss lernen und experimentieren – dafür ist auch der Mini X1 wunderbar geeignet.

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