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LG V30 im Test: zu spät, aber dennoch eine Kaufempfehlung

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Im September 2017 hat LG im Rahmen der IFA in Berlin das LG V30 vorgestellt. Mit einer Verspätung von gut zwei Monaten ist es nun endlich verfügbar – immerhin etwas billiger als ursprünglich angekündigt. Technisch wie optisch entspricht das Smartphone der Flaggschiff-Klasse. Wir haben das Gerät ausführlich getestet.

Der Lieferumfang des LG V30 ist umfangreich: Nach dem Öffnen der Verpackung sticht zunächst ein Putztuch aus Mikrofaser ins Auge. Darunter ist das LG V30 platziert, dessen Display und Gehäuse ölabweisend beschichtet ist – Fingerabdrücke haben nur wenig Chancen, weswegen das Mikrofasertuch in der Praxis kaum zum Einsatz kommt. Ob die Beschichtung nachhaltig ist, kann allerdings nur ein Langzeittest ermitteln.

LG V30: Rückseite
Die Rückseite des LG V30 ist aus Glas.

Neben einem Schnellladegerät samt USB-Type-C-Verbindungskabel legt LG überraschend gute Kopfhörer des dänischen Audio-Spezialisten Bang & Olufsen bei. Die Kopfhörer werden mit einem 4-poligen Klinkenanschluss im 3,5-mm-Standard verbunden – ja, trotz USB-Type-C hat LG noch eine Klinke. Im Kabellauf sitzt eine Steuereinheit mit Knöpfen für die Musik- und Telefonsteuerung.

LG V30: Lieferumfang
Der Lieferumfang des LG V30 ist großzügig.

Gut gefallen hat uns das durchdachte Design der Kopfhörer: Das Kabel verheddert sich kaum; außerdem wirkt es wertig und langlebig. Die Hörmuschel passen formgenau in die Ohren und können mit den mitgelieferten Aufsetzern individuell angepasst werden. Ungeachtet dessen ist die Kernfunktion des B&O-Headsets erstklassig: Der Klang kann sich sehen, beziehungsweise hören lassen.

B&O Bang & Olufsen Kopfhörer
Im Lieferumfang des LG V30 gibt es ziemlich hochwertige B&O Bang & Olufsen Kopfhörer

Das LG V30 ist bemerkenswert attraktiv und imposant verarbeitet. Mit seinem Gewicht von rund 160 Gramm wirkt es bei seinen Abmessungen handlicher und leichter, als es in der Realität ist. Gerade die Tiefe von 7,3 Millimetern macht das LG V30 schlank. Die Form des Telefons spricht an allen Ecken und Kanten eine klare und einheitlich gestaltete Sprache. Das Gerät ist an den Seiten abgerundet und liegt ergonomisch in der Hand. Aber auch sonst gibt es mehr Radien zu sehen und zu fühlen, als wir es von LG gewohnt sind. Die Platzierung der Tasten und des Fingerabdrucksensors auf der Rückseite ist sinnvoll: Sowohl Links- als auch Rechtshänder erreichen die Elemente intuitiv, ohne dass ein vorsichtiges Herantasten notwendig ist. Auch die leicht aus dem Gehäuse herausschauende Doppel-Kamera verschmiert man mit dem Finger nicht, da der Fingerabdrucksensor mit integrierte Power-Taste tiefer sitzt.

LG V30: Design
Auf der Rückseite des LG V30 befindet sich der Fingerabdrucksensor.

Rein optisch wirkt das LG V30 so, als wäre es aus Kunststoff gefertigt. Doch auch LG springt auf den trendigen Zug der Glas-Smartphones auf: Bis auf den Aluminiumrahmen in der Mitte besteht das komplette Gehäuse aus widerstandsfähigem Glas. So zerbrechlich, wie es sich vielleicht anhören mag, ist die Konstruktion dann aber nicht. Das V30 ist nicht nur IP68 zertifiziert und damit staub- und wasserdicht, sondern etikettiert sich auch mit dem US-Militärstandard MIL-STD-810G. Das Telefon soll Stürze und Stöße unbeschadet überstehen – eine Seltenheit bei diesem fragilen Material.

– Marktübersicht: Schutzhüllen und Cases für das LG V30 –

Einen kontrollierten Sturztest haben wir mit unserem Testgerät nicht durchgeführt, es ist in der Praxis aber einige Male aus der Hand gerutscht und hat alle unabsichtlichen Misshandlungen überstanden, ohne Spuren zu zeigen.

LG V30: Klinkenanschluss
Das LG V30 besitzt einen 3,5-mm-Eingang und -Ausgang für die Übertragung von ananlogen Audiosignalen.

Das LG V30 wird vom neuesten und stärksten mobilen Prozessor angetrieben, den Qualcomm zu bieten hat: dem Snapdragon 835. Dem Achtkerner mit einer Taktfrequenz von 2,45 GHz stehen 4 GByte Arbeitsspeicher zur Seite. Sowohl bei gewöhnlicher Nutzung als auch unter Volllast arbeitet das Smartphone souverän und ruckelfrei.

Mit seiner Ausstattung positioniert sich das LG V30 auf einer Höhe mit Galaxy Note 8 (Testbericht), OnePlus 5T (Testbericht) oder HTC U11+ (Testbericht). Nichtsdestotrotz erreicht es in synthetischen Benchmarks einen hinteren Platz: Bei AnTuTu erzielt das V30 einen Wert von 173.000 Punkten. Vergleichbare Android-Smartphones kratzen schon an der 180.000er-Marke; im Vergleich ist das LG knapp 4 Prozent langsamer. Apples schwer gleichzusetzendes iPhone X hält den Rekord mit 205.000 Punkten. In der Praxis haben wir keinen Unterschied zu anderen Android-Smartphones festgestellt.

Das LG V30 ist ideal für 3D-Spiele, aber auch für rechenintensive Apps wie Microsoft Excel mit großen Sheets und vielen Zahlen. Wie produktiv das Bearbeiten solcher Tabellen auf einem Smartphone-Display ist, steht aber auf einem anderen Blatt.

LG V30: USB Type C
Auf der unteren Seite des LG V30 befindet sich der Anschluss USB Type C.

Der interne Speicher des LG V30 ist 64 GByte groß. Davon stehen dem Nutzer rund 49 GByte frei zur Verfügung. Wem das nicht genug ist, der kann eine Speicherkarte im Form von microSDHC oder microSDXC einsetzen und den Speicher um 400 GByte erweitern. Welche Speicherkarte die beste für die Nutzung mit einem Android-Smartphone ist, verrät unsere Kaufberatung.

Eines der verstecken Highlights des LG V30 ist der Akku mit seiner Nennladung von 3300 mAh. Seine Kapazität entspricht zwar dem Durchschnitt dieser Geräteklasse, doch seine Leistung ist überdurchschnittlich. Bei einer kombinierten Nutzung (Musikwiedergabe, Kamera, Spiele und Surfen via Google Chrome) hält das Telefon knapp zwei Tage durch. Im Dauertest mit einem kontinuierlichen Videostream und voller Helligkeit schafft das V30 8 Stunden und 3 Minuten. Danach geht es zurück an die Steckdose. Das Aufladen des Akkus funktioniert kabelgebunden über USB Type C mit der Spezifikation USB 3.1 in 2 Stunden und 5 Minuten oder kabellos – und tendenziell langsamer – über eine optional erhältliche Qi-Ladestation.

LG V30: microSDXC Speicherkarte
Der Speicher des LG V30 lässt sich mit einer microSDXC-Speicherkarte erweitern.

Verglichen mit seinem Bruder aus der ersten Jahreshälfte, dem LG G6, hat der Hersteller beim V30 einiges verbessert. Dazu zählen der große Speicher, die drahtlose Ladefunktion und vor allem DAC mit 32 Bit. Anders als bei den meisten Smartphones sitzt der Digital-Analog-Wandler nicht zusammen mit dem Hauptprozessor auf einem ganzheitlichen System-on-Chip, sondern ist ausgegliedert. Beim LG V30 kommt der Sabre ES9218P des US-amerikanischen Unternehmens ESS Technology zum Einsatz. Seine Quad-Architektur besitzt einen Verstärker mit einer Ausgangsspannung von 2 Volt.

Das ist genug für eine brillante Musikwiedergabe mit High-End-Kopfhörern. Übrigens, das Hi-Fi Quad DAC muss vom Nutzer manuell über die Kurzeinstellungen in der Benachrichtigungsleiste aktiviert werden. Gut zu wissen: Das V30 ist das weltweit erste Smartphone, das das Musikformat MQA unterstützt. Das steht für Master Quality Authenticated und verspricht eine nahezu verlustfreie Wiedergabe. Die Technik basiert auf dem Flac-Standard und wird beispielsweise vom Streaming-Anbietern Tidal genutzt.

Das V30 besitzt ein 6 Zoll großes OLED-Display im 18:9- respektive 2:1-Verhältnis. Der Bildschirm gehört zu den Merkmalen, die aktiv vom Hersteller beworben werden. Wegen der schlanken Anzeige hält LG die Rahmen des Smartphones extrem dünn. Damit liegt das V30 sehr bequem in der Hand, denn es ist gerade einmal so groß wie ein 5,5 Zoll großes iPhone – bietet aber wohlgemerkt mehr Display-Fläche.

Komplett randlos ist das LG V30 nicht, aber fast schon an der Grenze der Perfektion. Auch wenn die Kurven es so aussehen lassen: Im Vergleich zu den Galaxy-Produkten von Samsung ist das Display an den Seiten nicht nach hinten abgerundet. Das finden wir sogar gut, weil es nicht zu ungewollten Eingaben mit der Handfläche kommt.

LG V30: Display
Das Display des LG V30 ist an den vier Ecken abgerundet.
LG V30: Display

Die Auflösung des Bildschirms beträgt Quad-High-Definition+, das entspricht 2880 × 1440 Pixeln. Mit mehr als 4,1 Millionen Bildpunkten und einer Pixeldichte von 538 Pixel pro Zoll ist das LG V30 ideal für den Einsatz von Virtual Reality. Unter anderem ist das V30 zertifiziert für Googles VR-Plattform Daydream. Weil das Display auf OLED-Technologie basiert, beherrscht es den Hochkontrast-Standard HDR10. Entsprechende Videos werden beispielsweise auf YouTube erkannt und wiedergegeben. Auch der Streaming-Anbieter Netflix unterstützt HDR10 auf dem V30.

Das Markenzeichen der Smartphones aus der LG-V-Serie war bisher ein zweites Display, das Meldungen und Benachrichtigen in Form eines Tickers darstellte. Mit dem V30 verabschiedet sich LG von diesem experimentellen Feature und setzt nur noch auf ein einziges Display. Dafür wurde ein Always-on-Screen integriert. So blendet das Telefon auch im Standby relevante Informationen wie die Uhrzeit und Benachrichtigungen ein.

An zwei Stellen zeigt der Bildschirm des LG V30 Schwachstellen: die Helligkeit ist mit durchschnittlich 450 Candela pro Quadratmeter nicht besonders stark. Außerdem reicht schon eine leichte Neigung, damit ein leichter Blaustich sichtbar wird.

LG V30: Kamera
Die Kamera des LG V30 ist weder Fleisch noch Fisch.

Beim V30 setzt LG erneut auf seine bewährte Dual-Kamera. Das System kombiniert ein Ultraweitwinkel-Objektiv mit 120 Grad Öffnungswinkel und einer Auflösung von 13 Megapixeln mit einem Standardobjektiv mit 16 Megapixeln und 71 Grad Öffnungswinkel. Durch die unterschiedlichen Auflösungen und Brennweiten kann der Nutzer mittels einem Regler in das Bild hineinzoomen, ohne dass die Qualität darunter leidet. Das Vergrößern des Bildausschnitts funktioniert jedoch nicht stufenlos, wie es beim iPhone der Fall ist, sondern ruckartig. Der Wechsel von der einen auf die andere Kamera macht sich vor allem in schlechten Lichtsituationen bemerkbar, da sich die Blenden unterscheiden: f/1.6 und f1.9.

Trotz allem bietet das Kamerasystem des LG V30 einen echten Mehrwert gegenüber den meisten Konkurrenten, da im Gehäuse zwei unterschiedliche Kameras für andere Situationen verbaut sind. Doch sind sie auch überlegener? Leider ist die Qualität nicht so gut, wie man’s von einem Smartphone dieser Klasse erwartet. Gerade bei wenig Licht reagiert der PDAF-basierte Autofokus nicht präzise und das Bild weist hohes Rauschen auf. Schuld daran ist unter anderem der sehr einfache Bildsensor mit einer Pixelgröße von 1 Mikrometer. Hersteller anderer Smartphones bieten hier deutlich mehr: 1,45 µm und ein Dual-Fokus-System (= 100 Prozent PDAF).

Deutlich besser als Fotos gelingen Videos mit dem LG V30. Sie wirken äußerst professionell Videos. Dabei verfügt die Aufnahme-App über einzigartige Funktionen, die es bisher auf Smartphones nicht gab – zumindest nicht direkt vom Hersteller. Neben einer komplett manuellen Steuerung für die Videoaufnahme steht dem Nutzer auch ein flaches Bildprofil namens LG Cine Log zur Verfügung. Hierbei werden Kontraste, Dynamik und die Schärfe sowie andere Bildeigenschaften unberührt gelassen. Das spätere Hinzufügen von echten Farbsets – nicht zur vergleichen mit einfachen Farbfiltern, wie man sie von Instagram kennt – sorgt für einen besonders authentischen und lebendigen Touch. Darüber hinaus gibt es eine stufenlose Zoom-Funktion für das Aufnehmen des Videos. Insgesamt besitzt die Videokamera des LG V30 ein sehr hohes Niveau und überzeugt uns.

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Erst kommt das V30 zu spät auf den Markt und dann noch mit Android OS 7.1.2 Nougat. Dabei ist die aktuelle Android-Iteration, OS 8.0 Oreo, schon seit Monaten verfügbar. Erste Hersteller haben bereits ein Upgrade auf ihren jeweiligen Smartphones durchgeführt. Und was passiert bei LG? Leider nicht so viel. Selbst das Sicherheitspatch ist noch vom 1. September 2017. Derweil schiebt Google das Januar-Update in die Pipeline, siehe Android Security Bulletins.

Die Software auf dem LG-Smartphone scheint mittlerweile in die Jahre gekommen zu sein, gefühlt hat sich seit dem ersten E975 Optimus G (Testbericht) nichts getan. Die Designsprache ist und bleibt LG-typisch unspektakulär. Langweilige App-Symbole, viele Animationen, unterschiedlich große Texte unter den Apps und insgesamt keine Konsistenz bei der Gestaltung.

Lob gibt es an dieser Stelle trotzdem: LG verzichtet mittlerweile komplett auf Bloatware, zumindest in Deutschland. Zwar existieren hier und da einige LG-eigene Apps und Dienste, doch die Zeiten mit fremden Apps auf dem neuen Telefon sind vorbei. Neben Verwaltungs-Apps wie einem Dateimanager oder einem Migrationsassistenten von anderen Smartphones installiert der Hersteller noch eine Radio-Applikation. Genau: Das V30 kann mithilfe der Kopfhörer UKW empfangen.

Im Vergleich zur Strategie beim LG G6 (Testbericht), verschiedene Ausführungen in unterschiedlichen Regionen zu verkaufen, existiert vom V30 nur ein einziges Modell mit einheitlicher Ausstattung, das global angeboten wird. LG schickt sein V30-Smartphone in verschiedenen Farben in das Rennen. In Deutschland ist in den Farben Blau und Silber zu haben, in Ländern wie Südkorea und den USA gibt es darüber hinaus noch Pink und Violett. Einzige Ausnahme ist ein Dual-SIM-Modell, das aber in Deutschland verkauft werden soll.

LG V30 (Blau)

LG V30 (Blau)

LG V30 (Silber)

LG V30 (Silber)

Das LG V30 ist ein tolles High-End-Smartphone mit sensationellen Pluspunkten, von denen es viele gibt. Besonders hervorzuheben ist das Design, die exzellente Verarbeitung, die Akkulaufzeit sowie die einzigartigen Videofunktionen. Dass das Gerät dabei noch sturzsicher und wasserdicht sein soll, macht die Sache noch interessanter. Dazu kommen die Schnellladefunktion und das Wireless Charging. Nicht weniger relevant ist der Erhalt der Klinkenbuchse in Kombination mit einem Quad-DAC und die dazu gelieferten Kopfhörer von B&O. Der Weg bis zur Vollkommenheit ist nicht weit: Stereolautsprecher, Infrarot und bessere Foto-Ergebnisse wären die letzten Meilensteine gewesen. Theoretisch spricht so ziemlich viel für den Kauf des V30-Smartphones.

Früher oder später wird LG die Software des V30 aktualisiert haben. Aktuell kostet das Smartphone ungefähr 700 Euro. Trotz der etwas schwachen Kamera ist es dennoch eine Kaufempfehlung.

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